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Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: So 21. Jun 2020, 23:45
von Keks
Hi Zusammen,
Hilfe, wir stecken in einer tiefen Krise. Seit 2 Monaten ist meiner Frau klar, dass sie ihren "Mann" verloren hat, weil er zur Frau wird. Was äußerlich bereits durch feminine Kleidung und längere Haare sichtbar ist.
Geoutet bin auch schon im Gesamten Umfeld. Die Reaktionen waren bisher neutral bis positiv. Freunde und Bekannte haben bisher auch ihre Unterstützung zugesagt. Ganz wenige haben ihre Bedenken geäußert.
Es fällt meiner Frau so schwer sich auf ein Leben mit dem neuen Menschen einzulassen. Wir lieben uns sehr und haben zwei kleine kids, die uns zusätzlich Verbinden. Ich bin und möchte weiterhin der Mensch sein, der sich gut um seine Familie kümmert.
Leider bekommt man nur viel über tragische Verläufe mit. Über Menschen die es ehrlich geschafft haben, eigentlich nicht.
Wenn es hier Familien gibt, die es geschafft haben, nach der Transition ein "normales" Leben zu führen. Wo das Umfeld es angenommen hat und die Kids im Kindergarten/Schule gut damit klar kommen.
Dann bitte bitte melde dich bei mir. Es würde mich sehr freuen zu erfahren was euch geholfen hat.
Danke und alles Liebe
Keks
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 00:10
von Alex_andra
Hallo,
dass ich es geschafft hätte, wäre zuviel gesagt oder geschrieben. Wir sind auf dem Weg und bisher scheinen die kleinen Schritte die ich mache für die anderen zu funktionieren. Ich lebe aber eher androgyn, vermeide aber eindeutig männliche Sachen. Aber auch mein/unser Weg ist immer wieder von Schwierigkeiten gesäumt. Bin gerade allerdings zu müde um mehr zu schreiben.
Da wir in unserer Beziehung nie eindeutige Geschlechterrollen lebten war mein Outing zwar ein wenig überraschend, aber ging ganz gut mit meinem vorherigen Leben zusammen.
Bis morgen und liebe Grüße
Alex(andra)
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 07:28
von Jasmine
Meine Menalee und ich haben es geschafft. Nachdem ich meiner Frau gesagt habe, das ich weiblich bzw. eine Frau bin, sagte sie, das wir trotzdem zusammen bleiben. Sie war sofort bereit sich für mich und unsere Beziehung zu ändern, bzw. anzupassen. Für meine Menalee war und ist alles in Ordnung. Sie liebt mich von ganzem Herzen. Heute sagt sie immer wieder wie gut und richtig ihre Entscheidung war. Meine Eltern, zu denen ich ohnehin wenig Kontakt hatte, ist der Kontakt gänzlich abgebrochen. Meine Eltern hatten mich früher nicht unterstützt (ohnehin eine traurige Geschichte meine Kindheit/Jugend usw.) und mein Outing wollen sie nicht akzeptieren. Zu meinen Schwiegereltern ist der Kontakt wegen schwerer Zerwürfnisse sofort beendet worden. Am Anfang gab es in meinem Umfeld Probleme die sehr belastend waren. Dies hat sich aber mit der Zeit erledigt. Ich bin nun 25 Jahre mit meiner Partnerin zusammen, wir haben immer zusammengehalten wie ein Fels in der Brandung. Wichtig war natürlich miteinander reden, reden, reden und nochmals reden. Unsere Liebe zueinander ist noch tiefer und fester geworden. Wir sind zwei Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen und eine ganz tolle, liebevolle Beziehung haben.
Liebe Grüße Jasmine
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 10:23
von ChristinaF
Leicht wirds für dich sicher nicht werden. Wenn jedoch dein Entschluss fest steht und du dir, vor allem psychisch sicher bist, wirst du so oder so gar keine andere Wahl haben.
Hier zu spekulieren, wie dein neues Leben verlaufen wird, ist m.M. nach eher unseriös; da Partnerschaften ja so vielseitig sein können. Jedenfalls würde ich bald psychologische Hilfe nehmen und all deine Fragen und oder Nöte ansprechen.
Bei uns wars so, dass es anfangs für meine Frau auch nicht leicht war, mich als Frau völlig anzunehmen. Mit der Zeit ging dies aber immer besser und heute führen wir eine wunderbar, harmonische Ehe. Einige "Freunde" wollten mit mir nichts mehr zu tun haben. Also wurden diese "Freundschaften" beendet. Traurig aber sicherlich das Richtige für alle Beteiligten.
Liebe Grüße
Christina
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 11:55
von Alex_andra
So, nochmal zu mir. Ich lebe mit meiner Freundin und unseren drei Kindern zusammen. Wir sind seit über 25 Jahren ein Paar und gingen schon durch so manche Täler gemeinsam. Dass ich trans* bin, weiß meine Freundin seit ca. zwei Jahren. Als wir uns kennenlernten hatte sie ganz kurze Haare, trug kaum Schmuck, ich hingegen hatte damals Haare bis zum Po, oft rötlich gefärbt, trug Ohrringe, schminkte mich und hatte meist etwas feminine Kleidung an.
Mit zunehmendem Alter wuchsen wir ein wenig in die eher eindeutigen Geschlechterrollen, bzw. unser Erscheinungsbild veränderte sich etwas dahingehend. Ich schnitt mir die Haare, legte immer mehr den Schmuck ab und als meine Kinder geboren wurden wechselte ich immer mehr in das von allen erwartete Rollenbild (bin aus einem sehr katholischen kleinen Dorf). Ich wollte irgendwann durch mein Äußeres keine Aufmerksamkeit erzeugen und vergrub das Bedürfnis erkennbar als Frau zu leben. Ich versuchte mich mit meinem genetischen Ausgangskörper so gut wie möglich zu arrangieren und dem gesellschaftlich daran gebundenen Geschlecht. Das führte irgendwann dazu, dass ich mir sogar eine Bart wachsen ließ, um nicht immer in Gedanken das eher feminine in mir zu suchen und nicht daran zu verzweifeln, dass es mit den Jahren immer weniger wurde.
Ok soweit das als Hintergrund, um meine Ausgangslage etwas zu beschreiben. Das mit der echten Integration in die Rolle als Mann hat überhaupt nicht funktioniert und ich wurde in den letzten Jahren immer unzugänglicher und kapselte mich sozial vollkommen ab, trank und aß zuviel. Ich wurde immer depressiver und bekam bei gewissen Tätigkeiten Panikattacken. Gleichzeitig verbrachte ich immer mehr Zeit damit, mir die Lebensläufe von transidenten Menschen anzusehen und irgendwie deren Transition im Geiste mitzumachen um dann in der Realität immer mehr an meinem eigenen Leben zu verzweifeln. Das war für alle eine Sackgasse und der Ausweg aus dieser ist die Einsicht, dass ich nicht darum herum kommen werde in meinem Leben etwas zu verändern.
Ich bin seit ca. zwei Jahren in Therapie, habe nebenbei aber noch andere Baustellen, dadurch, dass ich mir über die Jahrzehnte des Verleugnens ein Vermeidungsverhalten angewöhnt habe, das ich jetzt langsam verlernen muss.
Zu mir und meinem Weg gäbe es noch so viel zu schreiben, in vielen Bereichen decken sich die Berichte aber. Eine Ausnahme bildet eventuell, dass ich keine Phase hatte, in der ich bei meiner Freundin als Crossdresser geoutet war. Diese Erfahrung fehlt mir vollkommen, so dass ich nur über ganz rudimentäre Erfahrungen mir eindeutig femininer Kleidung verfüge. Ich trage sehr gerne ganz schlichte feminine Sachen, meist Hosen und Turnschuhe und bin somit nicht sofort als eher weiblich lebender Mensch zu erkennen. Momentan komme ich damit ganz gut zurecht, merke aber, dass der Wunsch eindeutiger zu werden immer größer wird. Ich ändere das ganz langsam zusammen mit meiner Freundin und meiner älteren Tochter. Wir beraten uns gegenseitig stilistisch und sowohl meine Freundin als auch meine Tochter bringen mir immer mal wieder etwas zum Anziehen von ihren Einkaufstouren mit. Das hilft und macht die Transition zu einer gemeinsamen Sache. Wie ich gerade lebe, kannst du teilweise in meiner Galerie sehen. Die Bilder sind noch unter meinem alten Nick Sabine_allein zu finden.
Manchmal sehen ich mir aber auch eine klaren Bruch zu meinem alten Leben herbei, aber da ich bei der HRT schon einmal erlebt habe, wie es ist, wenn ich zu weit voraus renne und niemand, mich eingeschlossen, mir mehr folgen kann, gewichte ich den Wunsch mein soziales Umfeld mitzunehmen gerade als wichtiger, als schnelle eindeutige Ergebnisse zu erzielen.
Ich bin mittlerweile ein wenig mit verschiedenen trans* bzw. queeren Gruppen vernetzt. Anfangs war das nur meine Welt, mittlerweile ist aber auch meine Freundin in solchen Gruppen integriert und wir gehen oder gingen vor corona gemeinsam zu Veranstaltungen, haben auch Beratungsstellen und SHGs besucht.
Sie tauscht sich auch mit anderen Angehörigen aus, allerdings ist die Gruppe noch neu und die Treffen fanden vor den gerade waltenden sozialen Einschränkungen nur zweimal statt und waren auch nicht so gut besucht.
Mein Sohn und meine Eltern haben die größten Probleme, die ich auch immer spüre und dann leider in mein altes Verdrängungsverhalten zurück verfalle. Dann versuche ich unbewusst wieder maskuliner zu sein. Das nervt mich, denek aber dass sich das mit der Zeit auch legen wird. Momentan versuche ich mein eigens trans*weibliches Selbstbild positiv zu besetzen und mich nicht andauernd in der Öffentlichkeit zu fragen, wie mich die anderen denn sehen und was sie über mich denken. Mir helfen dabei Komplimente von meiner Familie und meinen Freunden sehr, vor allem wenn sie nicht nur meine Aussehen betreffen, sondern mein Wesen, Verhalten usw. mit einbeziehen und ich das Gefühl bekomme, stetig vorwärts zu gehen. Der von mir gewählte Weg bietet mir gerade genug Sicherheit und funktioniert als Kompromiss dennoch beinhaltet er auch die Gefahr der Stagnation.
Mein Beziehungsleben hat sich in vielen Bereichen verbessert und wird durch meine veränderte Körperwahrnehmung eigentlich positiv beeinflusst. Ich lerne langsam meine Beziehung so wahrzunehmen, dass ich meine eigene Körperwahrnehmung zulassen kann und bis zu einem gewissen Bereich meinen noch eher maskulinen Körper als Sonderform eines weiblichen zu akzeptieren und das immer als belastend empfundene Bild des Mannes los zu werden. Das schafft eine körperliche Verbundenheit, die für mich als Grundlage für die Beziehung sehr wichtig ist.
Ich glaube, dass es bei uns gerade so gut funktioniert, hat sehr viel damit zu tun, dass wir als Grundlage für die Transition akzeptiert haben, dass das in gewisser weise ein Vorgang ist, den wir alle gemeinsam durchleben müssen. Wir transitionieren alle gemeinsam. Für mich ist die Erkenntnis total wichtig, dass ich erst einmal loslassen und die alten Muster ablegen muss um dann zu sehen wie ich mich entwickle.
Soviel erstmal in aller Kürze.
Liebe Grüße
Alex
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 13:00
von Kathi87
Liebe Keks,
es ist verdammt lange her das ich hier was geschrieben habe, aber das ist genau der Grund warum ich mich hier angemeldet habe.
Ich bin 32 Jahre und seit 3 Jahren geoutet, meine Frau steht zu mir und unterstützt mich seit Anfang an. Wir haben 3 Kinder die damit klar kommen. Wir werden weder gemieden noch habe ich das Gefühl das meine Kinder ausgegrenzt noch benachteiligt werden.
Meine Familie steht zu mir, meine Schwestern nennen mich große Schwester oder Schwesterherz und für meinen Vater bin ich seine Tochter.
Beruflich habe ich ein gutes Standing bei der Bundeswehr und im Rettungsdienst werde ich akzeptiert.
Es war ein sehr langer und Tränen reicher Weg bis hier hin, meine Frau sowie ich haben uns weiter entwickelt und unsere Ehe ist daran gewachsen. Wir haben viel gestritten, geredet, geweint und sind jetzt nähe zusammen als je zuvor.
Vielleicht solltest du deiner Frau erstmal klar machen und auch dir selbst das du kein neuer Mensch bist, du bist immer noch die gleiche, nur im anderen Gewand. Alles was dich aus macht bleibt ja bestehen, das soll nicht heißen das du dich während der Transition nicht veränderst, aber du solltest das alte Ego akzeptieren, den das wird immer ein Teil von dir bleiben.
Wir hatten beide auch viel Angst das unsere Beziehung zum scheitern verurteilt wäre, im Internet gibt es meist nur negative Berichte... ich glaube das liegt daran, dass nur die bei denen es nicht klappt davon berichten. Sie suchen Anteilnahme und Bestätigung, die bei denen es klappt benötigen das nicht, aber es gibt sie, ich kenne einige gerade mit kleinen Kindern.
Es ist ein harter Weg, aber wenn ihr beide versucht offen daran zu gehen, dann kann es klappen.
Liebe Grüße
Kathi
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 13:09
von Keks
Ganz lieben Dank für Eure Teilnahme. Liebe Alex, danke für deinen ausführlichen Bericht. Und liebe Kathi, danke für den Bezug zu deinen Kids. Das macht mir Mut.
Wir versuchen alles zu nutzen was uns Hilft. Ich gabe seit einem Jahr professionelle Unterstützung und zusammen sind wir seid 2 Monaten in Paartherapie.
Es kam schon mal die Frage, ob ich wüsste was ich meiner Frau und meinen Kindern damit antun würde. Obwohl es niemand weiß was, wird von negativen Folgen ausgegangen. Vielleicht die Angst vor Ausgrenzung oder das die Kinder gemobbt werden?
Auf der anderen Seite finde ich mich als Mensch ganz in Ordnung und kümmere mich in vielerlei Hinsicht sehr gut um meine Familie. Unsere Rahmenbedingungen sind sehr gut.
Ich fühle mich körperlich und geistig sehr kräftig, hab den Mut hinzusehen und die Liebe für mich und meine Familie zu stehen.
Ich bin davon überzeugt, dass je selbstsicherer wir sind es umso leichter für unser Umfeld ist.
Daher freut es mich, wenn ich auf schwierige Fragen ehrlich Antworten kann, dass es Familien gibt die trotz der Herausforderung im Alltag genauso gut leben.
Alles Liebe
Keks
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 16:00
von Alex_andra
Nur eins noch, muss gleich meine Tochter von der Kita abholen.
DU TUST NIEMAND ETWAS AN.
Wenn du eine Alternative hättest, würdest du sie sicher wählen. Du bist so, transident. Das ist wie musikalisch sein oder Fußball lieben. Daran lässt sich nichts ändern, braucht es auch nicht, denn es ist NICHT böse oder gemein oder unsozial und vor allem nichts Schlimmes.
(Das muss ich mir auch immer wieder sagen)
Viel Energie auf deinem Weg
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 23. Jun 2020, 07:13
von Jasmine
Keks hat geschrieben: So 21. Jun 2020, 23:45
............... Die Reaktionen waren bisher neutral bis positiv. Freunde und Bekannte haben bisher auch ihre Unterstützung zugesagt...................................
Keks hat geschrieben: Mo 22. Jun 2020, 13:09
.....................
Es kam schon mal die Frage, ob ich wüsste was ich meiner Frau und meinen Kindern damit antun würde.........................
Dein erster Satz sagt doch soviel positives, auf die Frage "was........" hätte ich genau das aus dem ersten Post geantwortet. Darf ich fragen, wer solch eine Frage gestellt hat?
Liebe Grüße Jasmine
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 23. Jun 2020, 07:58
von Keks
Guten Morgen,
Bisher haben sich nur zwei Personen so kritisch geäußert. Ein Nachbar und eine gute Bekannte. Was ich zum einen schätze, weil sie direkt und ehrlich sind. Leider ist die Formulierung etwas unglücklich.
Beide haben wohl nur eine Transfrau kennen gelernt, bei denen die Transition sehr unglücklich verlaufen ist. Äußerlich, wirtschaftlich, familiär...
Von den anderen über 50k Transpersonen in Deutschland, von denen bestimmt viele ein unauffälliges Leben führen bekommt man halt im Alltag nichts mit.
LG
Keks
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 23. Jun 2020, 09:01
von heike65
Guten Morgen,
ich gehöre auch zu den Transfrauen wo die Transition sehr entspannt verlaufen ist, wenn man von anderen widrigen Verhältnissen absieht, die aber nichts mit der Transition zu tun haben.
Was kleine Kinder anbelangt, da kann ich dir nicht mit Ratschläger/Erfahrungen dienen, unsere waren junge Erwachsene. Bevor ich jetzt hier lange etwas schreibe, zitiere ich mal einen Zeitungsartikel über meine Frau und mich.
Kappeln | Wie schreibt man über ein transsexuelles Paar, das sich entschieden hat, in einer Kleinstadt wie Kappeln an der Schlei wohnen zu bleiben, nachdem es dort dreißig Jahre lang als Mann und Frau gelebt hat? Alle Sorgen und Zweifel über diese Frage zerstreuen sich nach zehn Minuten des Gespräches am Tisch des Restaurants. Die Leichtigkeit und Ruhe, mit der Heike und Matina Sonnenberg über ihre Geschichte sprechen, überträgt sich, schnell wird aus der anfänglichen Unsicherheit Interesse und Sympathie.
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Vor 35 Jahren haben sie sich kennen gelernt, seit 25 Jahren sind sie verheiratet. Damals hieß Heike noch Heiko, und schon in dieser Zeit tauchte der Wunsch, Frauenkleider zu tragen, immer wieder in ihm auf. Er öffnete sich seiner Freundin Matina. Gemeinsam beschlossen sie, Heiko solle den Versuch zu wagen, Frauenkleider zu tragen. Das tat er auch — auf Mallorca. "Das ist ein Testlauf gewesen", erzählen die beiden. "Wir wollten sehen, wie wir die Blicke der Menschen aushalten können." Eigentlich habe das ganz gut geklappt, nur mit Frauenkleidern in den kleinen Speisesaal zu gehen, habe Heiko sich noch nicht getraut.
Wieder zu Hause habe er sein Bedürfnis Frauenkleider zu tragen, eine Weile verdrängen können. Inzwischen gab es Familie, Sohn Maximilian und Tochter Jana. Aus Rücksicht auf seine Kinder unterdrückte Heiko seinen Wunsch, als Frau zu leben. Aber sein Bedürfnis holte ihn mit aller Macht wieder ein. Er konnte nicht mehr schlafen, spürte sich nicht mehr, wurde depressiv. Matina und Heiko beschlossen gemeinsam sein Comingout. Die Kinder nahmen es viel besser auf, als erwartet, erzählt Matina lächelnd. Sie baten lediglich um etwas Zeit, damit sie ihre Freunde selbst darauf vorbereiten können, dass ihr Vater zukünftig Frauenkleider tragen würde. Heiko nahm Rücksicht auf den Wunsch der Kinder.
"Heike schminkt sich viel besser als ich. Ich kann das gar nicht." Matina Sonnenberg
Als sich alles normalisiert hatte, nahm Heiko seine neue Identität an und wurde zu Heike. Sie meldete sich in Hamburg zu einem Schminkkurs an, gemeinsam fuhr das Paar dorthin. "Heike schminkt sich besser als ich, ich kann das gar nicht", stellt Matina lachend fest.
Das Leben mit der neuen Identität wurde für das Paar und ihr Umfeld immer mehr zur Selbstverständlichkeit, als ein schreckliches Unglück geschah: Ihr Sohn Maximilian starb im Alter von 21 Jahren durch einen Verkehrsunfall. Die gewonnene Stärke und Freude über den Mut, sich zu öffnen und die neu gewonnene Identität zu leben, wurde nun von der Trauer überschattet. Maximilian hätte gewollt, dass sie ihr Bedürfnis weiterhin auslebe, erzählt Heike mit leiser Stimme. "Es ist dein Leben Papa", habe er gesagt. Das Ehepaar rückt dichter zusammen, sie weinen beide.
Nie habe Matina darüber nachgedacht, Heike zu verlassen. Sie genieße die Vertrautheit, liebe das gewohnte tägliche Leben mit ihr. Der gegenseitige Halt gebe ihnen die Kraft, die Trauer über den Tod des Sohnes zu bewältigen. Alles werde gemeinsam gemacht, sei es die Selbsthilfegruppe für Transsexuelle, oder alle notwendigen Schritte, die für die offizielle Änderung der neuen Identität von Heike notwendig sind. Ein Antrag auf Namens- und Personenstandsänderung vom Amtsgericht hätten Gespräche mit den Richtern vorausgesetzt. Teure Gutachten, die mit einer einjährigen psychologischen Betreuung einhergehen, sind vorgeschrieben, damit alle Dokumente wie Sozialversicherung, Geburtsurkunde und Pass auf den neuen Namen und das neue Geschlecht umgeschrieben werden können. Im Juli vergangenen Jahres hatte sie es geschafft. Heike lächelt. "Seitdem bin ich offiziell Frau Heike Sonnenberg."
In Kappeln habe man es ihnen leicht gemacht, resümiert Matina. Die Menschen seien ihnen wohlwollend begegnet. Mitgliedsausweise umzuschreiben, sei völlig problemlos gewesen. Niemals sei sie auf der Straße angepöbelt worden, wie es zum Beispiel einer transsexuellen Freundin in Hamburg häufig passiere. Das alles hat das Ehepaar gemeinsam durchgestanden. "Heike ist jetzt viel ausgeglichener und zufriedener als vorher", findet Matina. Das würden auch Freunde und Bekannte immer wieder feststellen. Über eine Operation denkt Heike hin und wieder nach. Matina würde das befürworten, hat aber auch Angst vor den Risiken.
Beim Verlassen des Restaurants gibt es kaum neugierige Blicke, Heike und Matina grüßen in verschiedene Richtungen und werden freundlich zurück gegrüßt. Es hat geschneit und Heike nimmt ihre Matina an die Hand, damit sie nicht ausrutscht. Eben ein ganz normales Ehepaar.
Für Interessierte: Stammtisch geplant
Informationen von Heike Sonnenberg für alle Betroffenen und Interessierten: Für eine Namens-und Personenstandsänderung ist es vorgeschrieben , einen sogenannten Alltagstest zu absolvieren. Das bedeutete für Heike, ein Jahr lang als Frau in der Öffentlichkeit zu leben.Zudem sind zwei kostenintensive psychologische Gutachten sowie eine einjährige Begleitung durch einen Psychologen erforderlich.Geplant ist ein Stammtisch für alle homosexuellen Menschen, Transgender und Intersexuelle. Anmeldungen und Informationen über folgende Mailadresse:
Regenbogentreff@gmail.com
— Quelle:
https://www.shz.de/22496497 -©2020
Solltest du weitere Fragen haben, gerne per PN
Viel Erfolg
Heike
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 30. Jun 2020, 09:01
von Keks
Hi Zusammen,
Es ist gerade ein Alptraum, dass ich den Menschen, den ich so sehr liebe auf diese Art verliere. Ich habe nach einer langen Hochphase gerade meinen Tiefpunkt erreicht. Ich denke viel darüber nach, ob es besser wäre wieder zurück zu meinem sehr hübschen männlichen Aussehen zu gehen.
Ich bin mir wahnsinnig unsicher und sehr traurig. Traurig wenn ich mir die Bilder von dem hübschen Mann vor zwei Jahren ansehe.
Ist es das Wert??
Alles Liebe
Keks
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 30. Jun 2020, 09:15
von Engelchen
Keks hat geschrieben: Di 30. Jun 2020, 09:01
Es ist gerade ein Alptraum, dass ich den Menschen, den ich so sehr liebe auf diese Art verliere. Ich habe nach einer langen Hochphase gerade meinen Tiefpunkt erreicht. Ich denke viel darüber nach, ob es besser wäre wieder zurück zu meinem sehr hübschen männlichen Aussehen zu gehen.
Ich bin mir wahnsinnig unsicher und sehr traurig. Traurig wenn ich mir die Bilder von dem hübschen Mann vor zwei Jahren ansehe.
Ist es das Wert??
Ich kann dir nur sagen das dies zu einer fast Katastrophe (Suizid) bei mir geführt hat.
Diese ständige vor und zurück und sich selbst verleugnen geht auf Dauer nicht gut.
Reflektiere dich einfach sehr sauber und der Weg ergibt sich dann von selbst.
Du musst zu dir selbst finden..
Und, ganz wichtig - geh in deinem Tempo egal wohin du gehst. Lass dir von niemanden vorschreiben was du zutun hast.
Liebe Grüße
Lisa
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 30. Jun 2020, 12:38
von Keks
Danke Lisa.
Oh man, das sind genau die Gefühle die ich seit 30 Jahren habe.
Meine Frau ist ja soweit offen, dass sie selbst schon Kontakt zu Angehörigen gefunden hat. Aber niemand bei dem es einigermaßen Rund läuft. Viele Berichten von massiven Veränderungen durch die HET und das die meisten Transfrauen nie richtig eingestellt sind und dadurch Depressionen haben oder körperliche Einschränkungen haben.
Sie hat große Angst davor wie es bei mir sein wird.
Und wenn ich die vielen Probleme hier im Forum lese bin ich auch unsicher.
Gefühlt habe ich jedoch irgendwie keine andere Wahl.
LG
Keks
Re: Hilfe, wer kennt Familien, die es geschafft haben?
Verfasst: Di 30. Jun 2020, 13:13
von Lavendellöwin
Keks hat geschrieben: So 21. Jun 2020, 23:45
Über Menschen die es ehrlich geschafft haben, eigentlich nicht.
Hi Keks..
hmm, ehrlich geschafft.
Ehrlich geschafft, ist glaube ich sehr subjektiv und was für den einen Menschen optimal ist, muss
es für den anderen nicht wirklich sein.
Das hat viel mit Konzepten, trügerischer Sicherheit und ähnlichen Dingen zu tun.
Also ich würde sagen, mir geht es gut, ich habe meine Hochs und Tiefs und bin auch meist nicht
völlig unzufrieden-es ist ein normales Leben aus meiner Sichtweise.
Wir haben keine Kinder, weil ich es mir nicht vorstellen konnte mit den Gefühlen in mir eines zu
zeugen und zu sagen ich bin Väterin. Wir sind seit 18 Jahren zusammen, es ist nicht immer alles
Friede-Freude-Eierkuchen, aber es ist trotzdem schön.
Und wir haben bisher jeden Tag einen neuen gemeinsamen Tag-wir wissen aber auch morgen kann das vorbei
sein. Deswegen leben wir das hier und heute.
Meine Liebste sagte grade zuletzt "nach der OP wirst du dich wieder in einen Mann verlieben" ja, das ist möglich,
aber warum soll das heute eine Belastung für unser zusammensein sein?
Sie sagt auch, "du bist eine Frau und es wäre normal."
Ich weiss es ist schwer auf manche althergebrachten Konzepte zu verzichten, aber es führt zu deutlich
weniger Schmerz. Ausser das sich mit der HRT meine Binarität sehr tief ausprägt und ich es nicht mehr
so spielerisch wie früher betrachte.
Ich wünsche dir aus ganzem Herzen, das du einen guten Weg hast, mach dir bitte nicht zu viele Sorgen!
Alles Liebe Marie
