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Was bin ich....
Verfasst: Di 9. Jun 2020, 15:44
von Alina 56
war in den 60ziger und noch später eine Quizsendung, die dem Niveau des dt Fernsehens der damaligen Zeit wohl entsprach. Meine Eltern liebten sie und ich durfte es auch genießen...einige der Älteren hier dürften sie kennen.
Genug der Einleitung.
Ich bin jetzt seit wenigen Wochen hier dabei und habe viel gelernt und erfahren, auch über mich. Und bin jetzt verwirrter als zuvor.
Wie schon geschrieben, bin ich als Mann geboren, habe aber eine sehr feminine Seite, vielleicht ist auch mein Kern weiblich. Ich fühle mich aber nicht als Transgender oder im falschen Geschlecht, nur will ich auch nicht wirklich Mann sein. Ich finde sie, also meine männlichen Kollegen, schlicht mühsam bis zuweilen unerträglich (zb. bei Fußball und Bier).
Ich habe als Kind halt lieber mit Puppen gespielt (was meine Eltern etwas beunruhigt hatte).
Nun ja, was will ich Euch sagen.
Ich habe in der letzten Zeit einiges ausprobiert, auch eine Perücke und Schminkutensilien gekauft, aber nein, es überzeugt mich nicht. Für mich ist es verkleiden. Bitte nicht falsch verstehen. Das gilt nur für mich rein persönlich.
Ich liebe es dagegen, feminine Kleidung, die ich durchweg angenehmer empfinde als Männerkleidung, in mein normales Outfit einzubinden. Sei es der Schlüpfer, die dünnen, leicht schimmernden Söckchen, Frauenjeans oder meine neueste Erwerbung, eine Jerseybluse. Herrlich zu tragen. Bei den Schuhen wird es schon schwieriger. Slipper gehen, ohne das jemand etwas merkt. Aber Ballerinas, oder Pumps?
Das wäre für mich eigentlich schon nahe am Gipfel des Glücks. Als Mann feminine Kleidung einschließlich etwa halbhohe Pumps oder Ballerinas tragen, etwas Lippenstift (die Augenbrauen sind schon stark gezupft) und mehr bräuchte es nicht. Und ab und an ein schöner Rock. Mein Gott, warum haben wir das aufgegeben zu tragen. Es gibt doch kein angenehmeres Gefühl als ein luftiger Rock.
Aber dies als Mann zu tragen, ist schwierig. Ich meine, wenn das sonstige Aussehen nicht verändert ist.
So. Und nun zum Punkt kommen.
Unabhängig davon, dass das zu Leben, was ich erträume, sehr schwierig ist, bin ich mir nicht klar darüber, wer oder was da mit mir los ist. Im inneren fühle ich eine starke feminine Seite in mir, die eben auch äußerlich Geltung haben will.
Geht es anderen von Euch auch auch so oder ähnlich?
Freue mich auf Eure Reaktionen
Alina
Re: Was bin ich....
Verfasst: Di 9. Jun 2020, 17:33
von Michaela Smile
Hi Alina,
dein Text könnte fast zu 100% so auch von mir geschrieben sein.
Was bin ich...?
genau diese Frage stelle ich mir auch andauernd.
Mann....? Nö, vielleicht körperlich... . leider. Es gibt Zeiten da würde ich das gerne ändern, dann wieder nicht
Frau, ? Nö, weis nicht, ... ich habe schon recht feminine Gedankengänge, aber halt auch nicht durchgehend.
woher weis ich was ich bin, ob ich im Kopf wiblich bin oder nicht, ob ich TG, CD, TS, oder was auch immer bin.
für mich ist die Art zu denken ja normal, werd sagt das das n feminines denken ist, .... woher weis ich das? Denke ich wie eine Frau oder denke ich wie ein Mann den nur denkt er denkt wie ne Frau? was denke ich überhaupt?
Ich hab die Typisch "männlichen Hobbies" auf der einen Seite, Motocross, Bikes, Werkzeug und Werkstatt, Whisky, Heavy Metal und Technik allgemein
auf der anderen Seite liebe ich es mich zu schminken, hübsch rauszuputzen, Schnulzenfilme zu sehen, Traurig zu sein, kuscheln, ärgere mich über jedes Fältchen, meine Figur, den "Viel zu kleinen Busen " und kann das Stück Fleisch zwischen den Beinen nicht ausstehen und hätte es am liebsten weg. Wobei auch dieses Teil nicht zu verachtende Vorteile bietet z.B. wenn Mann mal schnell "hinter den Baum " muss....
Ich wäre am liebsten alles und dann wieder nicht.
Irgendwie so wie's grade passt.
Ich versteh eh nicht, warum in der Gesellschaft so ein Aufstand ob Männlein oder Weiblein gemacht wird. warum nicht einfach "Mensch" und alle sind gleich und werden gleich behandelt etc. ok, mit leichten anatomischen Unterschieden, aber sonst....
Hach, Gedanken Gedanken Gedanken.
Du hast da bei mir grad an nem Wespennest gerüttelt.
Grüßle die Micha
Re: Was bin ich....
Verfasst: Di 9. Jun 2020, 17:39
von Bibi Melina
Wobei auch dieses Teil nicht zu verachtende Vorteile bietet z.B. wenn Mann mal schnell "hinter den Baum " muss....-
Lach mann ja bei frau nicht grins aber lassen wir das
Re: Was bin ich....
Verfasst: Di 9. Jun 2020, 19:23
von Katrin
Herzlich willkommen Alina,
tja, was bist du? Du hast scheinbar keine Dysphorie und bist scheinbar auch nicht trans* (das kannst du nur selber erfühlen).
Androgynität käme für mich in Frage, aber ich bin ja nicht in deinem Kopf. Solltest du androgyn sein, würde sich eine Geschlechtertrennung für dich eher irreal anfühlen, oder vielleicht auch absurd.
Ich wurde vor knapp vierzig Jahren als androgyn eingestuft, und glaube irgendwie auch daran.
Was das Outfit angeht ist doch eigentlich ganz egal, oder? Im allgemeinen werde ich trotz meines verstrickten Outfits als "der Herr" bezeichnet. Andere checken mich etwas irritiert, und gestern meinte ein Kind: "ich möchte so ein Eis wie die Frau da.", so what! Ich bin was ich bin, selbst wenn ich mich auf den Kopf stelle;-)
Die Frage bleibt, was bist du?
Alles Liebe und viel Erfolg
Katrin
Re: Was bin ich....
Verfasst: Di 9. Jun 2020, 23:39
von Helga
Hallo Alina,
natürlich durfte ich die Sendung mit dem "welches Schweinderl hättens den gerne?" als Kind auch genießen. (Mir lag als Antwort immer "das mit der Brille" auf der Zunge.) Der Inbegriff der Spießigkeit. Diese bürgerliche Spießigkeit der späten 60er und 70er Jahre, als kind ohne Internet und mit nur 3 Fernsehprogrammen mit elter- und großelterlicher Zensur nur sehr eingeschränkt über das Bescheid wusste, was es sonst noch so gab, hat auch mein Denken bis in die 1990er geprägt. Dieses Spießerdenken sagt gerne "entweder oder", "du musst dich schon entscheiden", "schwarz oder weiß" etc. Von diesem kleinkarierten Unsinn muss mensch sich lösen. Mensch kann Mann oder Frau sein, mensch kann aber auch Mann und Frau sein, mal Mann mal Frau sein aber auch weder Mann noch Frau und alles mögliche was dazwischen, darüber, darunter oder dahinter liegt. Dafür muss es keinen Namen und kein Pronomen, erst recht keine Diagnose nach ICD, F64 oder 0815 geben. Sei einfach so wie es dir gefällt und nicht so wie eine mainstreamige Erwartungshaltung es diktieren möchte. Es mag sich im ersten Moment merkwürdig anfühlen in Frauenkleidern aber ohne Schminke und Perücke rauszugehen, aber was solls. Wenn ich en femme unterwegs bin erkennen die meisten Passanten wenn nicht auf den ersten, dann doch spätestens auf den zweiten oder dritten Blick, dass ihnen jemand "quer" kommt. Daran gewöhnt mensch sich. Unsere Physiognomie kennzeichnet uns in erster Linie als Menschen, und erst in zweiter Linie als Mann/ Frau/ Divers. Es es wichtig, dass du dich selbst als vollwertigen, gleichberechtigten Menschen anerkennst. Alles weitere findet sich oder bleibt offen.
Liebe Grüße
Helga
Re: Was bin ich....
Verfasst: Mi 10. Jun 2020, 00:25
von Alina 56
Liebe Micha,
Wir sind vielleicht seelenverwandt. Ich mag das Ding zwischen den Beinen auch nicht. Ginge dies einfach zu ändern, würde ich es wohl machen. Und Werkstatt, Technik und Whiskey(am liebsten Single Malt) ginge ja trotzdem.
Re: Was bin ich....
Verfasst: Mi 10. Jun 2020, 00:31
von Alina 56
Liebe Helga,
Genau dies war der Grund meiner Einleitung. So sah eben auch meine Erziehung aus und vielleicht tue ich mir deshalb jetzt damit auch so schwer.
Alles weitere wird sich entwickeln. Mal sehen. Vielen Dank auch Dir.
Alina
Re: Was bin ich....
Verfasst: Mo 22. Jun 2020, 11:01
von Joe95
Hallo Alina, jeder möchte gerne wisser wer, was und wie man selbst ist.
Trotzdem, mach dir keinen Stress damit. Anstatt zu versuchen in eine Schublade zu passen, deren Etikett richtig zu sein scheint solltest du den Spies umdrehen.
Lass dir Zeit bis du eine Schublade findest, in der du dich wohl fühlst und schau dann erst was aussen auf dem Etikett steht.
Vielleicht erlebst du ja eine Überraschung?
Re: Was bin ich....
Verfasst: Sa 26. Sep 2020, 19:57
von Auriyane
Hallo Alina, ich denke auch, dass sich viele Menschen genau diese Frage stellen, egal aus welchem Grund. Jedoch muss jeder für sich selbst die Antwort finden, die kann einem niemand verraten. Es bedarf viel Zeit die richtige Antwort zu finden, ob man mit dieser zufrieden ist oder nicht. Man kann im Leben nicht alles ändern, einiges muss man leider so hinnehmen.
Ich wünsche dir, dass du eine für dich erträgliche und passende Antwort findest.
Ganz liebe Grüße
Auriyane
Re: Was bin ich....
Verfasst: Sa 26. Sep 2020, 20:37
von ExuserIn-2020-11-14
Hallo Alina,
Du fragst:
Alina 56 hat geschrieben: Di 9. Jun 2020, 15:44
Geht es anderen von Euch auch auch so oder ähnlich?
Ich könnte antworten. "ja, mir." - Vor drei Jahren outete ich mich als Teilzeitfrau. Dann ging ich zu einer Trans-Selbsthilfegruppe. Ich versuchte mich als Frau zu definieren. Aber irgendwie bin ich zwar nicht der Mann, den ich früher zu spielen versuchte, aber eine Frau bin ich auch nicht wirklich. Mit Perücke, falschen Brüsten, lackierten Fingernägeln, usw. war das irgendwie nicht echt. Männer-Klamotten finde ich hässlich und langweilig. Also trage ich sie nicht mehr.
Ich defiliere mich als Enby (nicht binär, weder Mann noch Frau) und zeige das auch öffentlich.
Liebe Grüße
Erika
Re: Was bin ich....
Verfasst: Sa 26. Sep 2020, 23:06
von Flodur
Du bist DU.
Hoffentlich ein Individuum und keine Abziehschablone.
Die Schubladen und Standartbegriffe (siehe hier, Portal, links oben Begriffe und Zusammenstellung) können nur zur Kommunikationserleichterung, aber nicht zur Selbstfindung dienen.
Versuche nicht etwas zu sein, dich in etwas wiederzufinden, was du einfach nicht bist.
Lehn' dich zurück und kuck was kommt. Akzeptiere dich.
Ja, ich weiß das ist schwer.
Re: Was bin ich....
Verfasst: So 27. Sep 2020, 08:00
von Jacky1971
Hallo Alina, hallo Leute.
Ich habe mir auch schon oft diese Frage, "Wer bin ich eigentlich?" gestellt.
Kurz zu mir,
mein männlicher Name ist "Ronny", bin 49 Jahre, seit über 20 Jahren mit einer der tollsten Frauen zusammen und auch mit ihr, seit über 15 Jahren glücklich verheiratet.
Ich habe bei ihr von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Sie weiß also von meiner stark ausgeprägten, weiblichen Seite. Leider kann ich meine weibliches, mein inneres wahres Gesicht, nicht so einfach öffentlich zeigen, da wir einen 10jährigen Sohn haben, und ich nicht möchte, das er Probleme wegen meinenes Crossdressings, in der Schule bekommt.
Er weiß nur, und damit hat er überhaupt kein Problem, das sein Papa, gern mal Schuhe mit hohen oder höheren Absätzen trägt. Vom Rest weiß er nichts.
Aber auch ch schweife vom Thema ab.
Meine Bewegungen, meine Verhalten und mein Denken ähnelt aber ganz stark einer Frau.
Auch ich liebe die feminine Kleidung, ich liebe es zum Friseur, ins Nagelstudio und zur Kosmetikerin zu gehen. Auch habe ich vor r kurzer Zeit angefangen, mich ab und an zu schminken.
Auch gehe ich mit einer, für meine Frau, erschreckenden Begeisterung, wahnsinnig gerne Shoppen.
Auch berate ich meine Frau auch beim Einkaufen. Sie sagt mir sehr oft, das ich doch eher für sie eine tolle Freundin, als ihr Mann, bin.
Auch redet sie mich, wenn ich dann doch mal meine weibliche Seite ausleben kann, mich mit meinen weiblichen Namen "Julia" an.
Aber auch ich hasse meine männliche Seite sehr, sehr oft abgrundtief.
Auch ich würde am liebsten dieses dumm in der Gegend herumbaumelnde Stück, außer zum Pinkeln, nutzloses Ding, zwischen meinen Beinen, so schnell, wie nur irgend möglich los werden wollen. Doch aber leider geht das nicht so einfach.
Es heißt zwar immer, wir sind offen allen gegenüber, wir leben ja im 21. Jahrhundert, aber nur nach außen. Aber in den Köpfen der meisten, vornehmlich männlichen Mitbürger, ist unsere Gesellschaft in den 50er und 60er Jahren stehen geblieben. Sorry falsches Thema, ich schweife schon wieder ab.
Meine Liebe, bleib so wie du bist, sei so, wie du dich fühlst. Trage das, worin du dich wohl fühlst, und wenn es ein Kleid, oder ein Rock und eine Bluse ist, dann mach es einfach.
Wem es nicht gefällt, der(die) soll nicht hinschauen.
Entschuldigung, das es so ein langer Text geworden ist.
Liebe Grüße, eure Julia.