Danke für die Rückmeldungen.
Marielle hat geschrieben: Do 4. Jun 2020, 13:50
Es ist der typische doing-gender-Kram, der da abläuft und den leider fast alle mitspielen.
Richtig und auch wieder nicht. Man kann so etwas wie doing-gender auch erweitern auf doing-irgendwas. Es gehört mMn zum Menschen als kommunizierndes Sozialwesen dazu. Er kann nicht anders. Er interpretiert immer und weil er interpretiert, kann und muss er sich auch darstellen. Ganz im Sinne von Watzlawicks "man nicht Nicht-Kommunizieren". Was wären denn wir Transmenschen, wenn wir nicht unser Wesen nach außen kommunizieren und sei es nur für den Spiegel ?
D.h. für mich, Kleidung, Stimme. Schminke, Schmuck, Verhalten, Gestik, Mimik ... sind zulässige und gewünschte Formen des Ausdrucks. Problematisch ist für mich die
Bewertung desselben. Und da ist nicht nur die Außenwelt von Belang, sondern auch mein eigenes Inneres. Wenn ich mein Verhalten danach richte, was andere denken oder denken könnten.
Marielle, das ist ein sehr treffender Gedanke:
Die Autorin stellt mit ihrer Formulierung die Frau in die Pflicht, nicht etwa die Gesellschaft; ganz in der Tradition hegemonierter Weiblichkeit und ihrer Königsdisziplin 'Sich selbst die Schuld geben'.
Er hat für mich einen ähnliche Bedeutung, wie das, was ich oben mit "Berwertung" meinte. Danke dafür. Es ist die Gesllschaft, die sich immer wieder an die Nase fassen muss. Er steckt auch in themen wie der Erziehung. Wie oft fällt, sinngemäß oder real, der Satz "Wenn Du Dich richtig verhältst, habe ich Dich lieb". Wenn wir uns gemäß der gesellschaft verhalten, hat die Gesellschaft uns lieb und wir sind anerkannt. Das Dumme dabei ist, dass wir damit die gesellschaft in ihrer Erscheinungsform bestätigen und damit stärken. wir sind die Rebellen und wir verändern die Gesellschaft. Es sind immer die Rebellen, die etwas verändern und dadurch die Gesellschaft bewegen, niemals die, die sich gesellschaftskonform verhalten.
Was bedeutet das für die Stimme ? Am natürlichen Sprachumfang kann man vielleicht arbeiten, sie ist aber im Rahmen der natürlichen Gegebenheiten begrenzt. Alles was in den Grenzen passiert, ist weitgehend geprägt. Werbung und Politik zeigen uns, was man damit machen kann. Sie ist ein Instrument zur Erreichung von Zielen. Das funktioniert, weil wir gelernt haben, sie entsprechend einzusetzen. Was hat Emanzipation mit tiefer oder hoher Stimme zu tun ? MMn wenig. Aber der Satz ist, so wie er formuliert ist, manipulativ. Er spielt mit dem, was in den Köpfen der LeserInnen steckt. So kann man lesen:
- Wenn Du emanzipiert bist, sprichst Du nicht tief.
- Wenn Du emanzipiert bist, kannst Du tief sprechen, musst es aber nicht.
- Sprichst Du tief, bist du nicht emanzipiert.
Für mich war und ist es eine Erweiterung der Möglichkeiten, die eine Frau in der Benutzung der Stimme hat. Damit dient es der Emanzipation. Die Frau ist nicht beschränkt auf eine Stimmlage, sondern kann sie in ihrem ganzen Umfang nutzen. Der Schlusssatz müsste demnach lauten:
Wenn eine Frau in der Gesellschaft emanzipiert ist, kann sie die Stimme im ganzen Sprachumfang nutzen. So wie er formuliert ist, bedeutet er, übertrieben formuliert, in meiner Lesart: Die Frau darf sich auf die hohe Stimme beschränken (weil sie ihr gemäß ist).
Aber egal wie man es sieht, es lohnt sich, darüber nachzudenken, zumindest für mich.