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Gedicht von Eugen Roth

Verfasst: Sa 25. Apr 2020, 17:40
von ExUserIn-2026-04-08
Ich habe durch Zufall ein nettes Gedicht von Eugen Roth entdeckt:
Schlüpfrige Dinge

Ein Mensch, der auf der Straße ging,
Mit seinen Augen sich verfing
In einem Laden, drin ein Weib
Höchst schamlos zeigte seinen Leib,
Der nur aus Pappendeckel zwar,
Doch fleischlich in der Wirkung war.
Von Hemd und Höschen zart umhüllt,
Das Blendwerk nur den Zweck erfüllt,
Zu schlagen eine breite Bresche
In den erlaubten Wunsch nach Wäsche,
Und da dem Reinen alles rein,
Sah das der Mensch auch alsbald ein
Und ging mit einer grenzenlosen
Hoochachtung fort für Damenhosen,

Eugen Roth in "Ein Mensch", Carl Hanser, München, 1932

Re: Gedicht von Eugen Roth

Verfasst: Fr 1. Mai 2020, 12:18
von JuLa67
Liebe Vicky,
vielen Dank!
Ich mag Eugen Roth sehr.
Der hat so eine nette, aber treffende, Art die Gesellschaft zu beschreiben....
Spontan fällt mir da ein:

Ein Mensch, der spürt,
Wenn auch verschwommen,
Er müßte sich genau genommen,
Im Grunde seines Herzens schämen,
Gibt vor, es nicht genau zu nehmen.

Ebenfalls aus Ein Mensch.

Liebe Grüße
Larissa

Re: Gedicht von Eugen Roth

Verfasst: Fr 1. Mai 2020, 13:15
von Engelchen
Ich glaube ich muss mich mal mehr Eugen Roth auseinandersetzen..
Danke euch
Lisa

Re: Gedicht von Eugen Roth

Verfasst: Fr 1. Mai 2020, 15:16
von ExuserIn-2021-04-19
Eugen Roth mag ich auch sehr. Zum Beispiel dieses Gedicht, das immer noch sehr aktuell ist:

Mahnung

Die Welt, bedacht auf platten Nutzen,
Sucht auch die Seelen auszuputzen;
Das Sumpf-Entwässern, Wälder-Roden
Schafft einwandfreien Ackerboden
Und schon kann die Statistik prahlen
Mit beispiellosen Fortschrittszahlen.

Doch langsam merken's auch die Deppen:
Die Seelen schwinden und versteppen!
Denn nirgends mehr, so weit man sieht,
Gibt es ein Seelen-Schutzgebiet.

Kein Wald, drin Traumes Vöglein sitzen,
Kein Bach, drin Frohsinns Fischlein blitzen
Kein Busch, im Schmerz sich zu verkriechen,
Kein Blümlein, Andacht draus zu riechen.

Nicht als ein ödes Feld - mit Leuten
Bestellt, es restlos auszubeuten.
Drum, wollt Ihr nicht zugrunde gehn,
Lasst noch ein bisschen Wildnis stehn!

Eugen Roth (1895-1976), dt. Autor

Re: Gedicht von Eugen Roth

Verfasst: Fr 1. Mai 2020, 21:54
von Michi
Ein Vierzeiler von Eugen Roth begleitet mich nun bestimmt schon 20 Jahre ...


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