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Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 10:55
von ExUserIn-2026-04-08
Moin,

ich war mal wieder auf der Suche nach Informationen über das Thema Transgender. da ich ja mich nicht einem Geschlecht fix zuordnen kann, sondern das phasenweise sehr heftig wechselt, hat mich besonders dieser Aspekt interessiert. dabei ist mir etwas sehr deutlich aufgefallen. Wenn es um Informationen über Transgender geht, findet man in den Medien fast ausschließlich Themen zu Transsexualität.

Daraus ziehe ich den Schluss, dass noch immer die Prämisse gilt, dass es eine strenge Zweiteilung der Geschlechter in den Köpfen gibt. Es wird zwar zunehmend akzeptiert, dass es Menschen gibt, die durch einen "Unfall" der Natur in einem "anderen Geschlecht" zur Welt kamen. Wenn sie sich möglichst vollständig in einem Geschlecht leben, gibt es eine recht große Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Gesellschaft integriert werden. Das kann und muss zwar noch besser werden, aber die Tendenz ist in diesem Bereich mMn klar.

Aber wo tauchen Menschen auf, die irgendwo zwischen den Geschlechtern leben, entweder androgyn, als Enbys oder wie ich zeitversetzt ? Diese Menschen tauchen in der öffentlichen Darstellung praktisch nie auf. Die heilige Kuh der Dichotomie der Geschlechter wird bisher kaum hinterfragt. Notgedrungen wurde für Intersex das dritte Geschlecht, "divers" eingeführt. Aber das ist auch keine Lösung für Menschen, die sich zwischen den Geschlechtern fühlen.

Mir macht das zu schaffen, denn wie ich den Menschen, die mir nahestehen, erklären, dass es so etwas gibt ? ich bleibe für viele Menschen ein Freak, denn öffentlich gelebt wird nur die Dichotomie.

Ich habe vor geraumer Zeit einen Artikel gefunden, der z.T. zwar relativ wissenschaftlich daher kommt, aber in seiner Folge doch ganz klar zeigt, dass es aus unterschiedlichen bologischen Sichten kaum ein klar definiertes Geschlecht geben kann, sondern die Dimension schon rein körperlich verschwommen ist. Konsequenterweise müsste die psychische Dimension noch weit komplexer sein. Leider werden solche Erkenntnisse noch zu wenig gestreut bzw. die Ergebnisse ernst genommen. M.E. müssten wir diese Aspekte viel mehr in die Öffentlichkeit getragen werden.

Hier noch der Link zum Artikel: https://www.spektrum.de/news/die-neudef ... ts/1335086

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 11:09
von Jaddy
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 10:55Notgedrungen wurde für Intersex das dritte Geschlecht, "divers" eingeführt. Aber das ist auch keine Lösung für Menschen, die sich zwischen den Geschlechtern fühlen.
Das ... ist so nicht ganz richtig (*imaginiere Tonfall jenes Präsidentenberaters aus Independence Day*) :)

Die Verfassungsbeschwerde bezog sich tatsächlich auf das Geschlechtsempfinden, nicht auf den persönlichen medizinischen Hintergrund der klagenden Person. Dieser Hintergrund war vielleicht einerseits gut, weil für viele nachvollziehbarer, andererseits aber auch schlecht, weil das BMI den Gesetzentwurf darauf einschränken wollte - was ja glücklicherweise nicht gut geklappt hat. Der Entscheid des BVerfG betont an mehreren Stellen, dass allein das persönliche Empfinden den Anspruch auf einen bestimmten Eintrag im Register rechtfertigt. Siehe dazu auch diverse Kommentare, Urteile und Gutachten.

Also: Die Option "divers" im Geburtenregister gilt wie die drei anderen unabhängig von körperlichen und anderen medizinischen Faktoren.

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 13:08
von Nicole Fritz
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 11:09 Also: Die Option "divers" im Geburtenregister gilt wie die drei anderen unabhängig von körperlichen und anderen medizinischen Faktoren.
... Und warum verlangt man dann ein Attest? - Weil nicht binäres Denken etwas mit Anarchie zu tun hat. Und wer regieren (und nicht einfach nur ordnen oder verwalten) will, fühlt sich von Anarchie bedroht. Da wird dann schnell eine Verbindung zum Terrorismus an den Haaren herbei gezogen. Oder ist mein gewaltloser Widerstand gegen die Willkür in unserer Gesellschaft etwa echter Terror? Also: Anarchie stört. Und deshalb wird uns der komplette Weg ins andere Geschlecht als DIE Lösung unseres Problems ständig vorgezeigt. Und ganz praktisch ist dabei auch, dass sich mit HRT und GaOP die Sache mit der Vermehrung und Ausbreitung des Unerwünschten auch regelt. Und je besser das Passing, desto weniger fällt es auch auf, dass es da etwas gibt, das von der von oben diktierten Denkweise abweicht. Im Internet kann und darf zudem ja bekanntlich jeder Spinner den allergrößten Unsinn verbreiten. Da kann man dann gut dagegen argumentieren.

Mit einfachen Menschen auf der Straße gerate ich wegen trans* / Enby oder meiner Denkweise nur selten aneinander. Meistens erhalte ich eher Zustimmung als Ablehnung. Bei Vertretern der Regierung spüre ich aber ständig freundlich-distanzierte Ablehnung. Zu einer Anfrage zur Aufnahme als Mitglied bei der SPD vor etwa einem Jahr habe ich beispielsweise bis heute noch keine Antwort. Ist ja auch klar. Eine Trans*-Person würde ja bei deren ständigen Kniefällen gegenüber der CDU stören. Und bei den Grünen? Trans ohne Stern ist da wohl angekommen, aber wie sieht es mit nicht binär aus? Ich glaube, eine Anfrage kann ich mir da sparen.

Liebe anarchische Grüße
Nicole

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 15:53
von ExuserIn-2020-10-20
Wer kennt nicht so schöne Sätze : " Das haben wir früher immer so gemacht" oder " Das gab es früher nicht" Also wird was neues erst einmal grundlegend abgelehnt. Dann kommt gelegentlich mal die Meinung auf:" Ja, aber man könnte vielleicht mal, ..... ach nee, lieber nicht"

Da werden Prozesse von vor 30 Jahren und mehr mal eben so wieder auf den Tisch gehievt und halsstarrig weiter betrieben. Langwierige Geschichten.

Eltern gehen vor der Geburt ihres Nachwuchses zu den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Da wird alles mögliche besprochen, und in Erfahung gebracht. Positives und Negatives über das werdende Kind. Das bezieht sich aber alles auf das biologische Geschlecht, das man äußerlich erkennen kann.

Alles andere bleibt außen vor. Jeder Gedanke das Kind könnte eine andere Pesönlichkeit sein, als die, die man vermutet. Es wird auch nicht einmal der Gedanke während der Schwangerschaft an derartge Konstellationen verschwendet. Da ist niemand der einen Tip gibt, du denk mal drüber nach, nimm dein Kind richtig wahr so wie es ist, wie es sich entwickelt. Tu ihm nicht weh. Sonst hast du schnell ein körperlich gesundes Kind, aber einen seelischen Krüppel. Das Glück deines Kindes ist auch dein Glück.

Wie soll sich da so auf die schnelle in der Gesellschaft eine andere Denkweise etablieren, das braucht ohne Tipgeber am Lebensanfang eines Jeden im besten Fall 30 Jahre. Eher 60. Unsere gesetzlich festgeschriebene Daseinsberechtigung haben wir doch erst seit Mitte der 80er Jahre, der Erfindung des TSG, also Bitte. Wir wollen mal nichts übereilen.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als sich in der Öffentlichkeit so zu präsentieren wie wir uns empfinden. Das kostet sehr viel Mut und Kraft. Wenn wir nicht auf diesem Wege gehen, dann werden wir auch nicht den Einfluß derer Ausbauen können, die sich für unsere völlige Gleichstellung in der Gesellschaft abmühen.

LG
Petra Sofie

P.S. Der Text enthält auch zur einfacheren Erklärung satirische Passagen.

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 17:04
von Anne-Mette
Moin,
Nicole Doll hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 13:08 Bei Vertretern der Regierung spüre ich aber ständig freundlich-distanzierte Ablehnung. Zu einer Anfrage zur Aufnahme als Mitglied bei der SPD vor etwa einem Jahr habe ich beispielsweise bis heute noch keine Antwort. Ist ja auch klar. Eine Trans*-Person würde ja bei deren ständigen Kniefällen gegenüber der CDU stören.
oha, jetzt entsteht wieder mal der Eindruck, ich würde "Altes" verteidigen wollen...

Ich würde bei einer angestrebten Parteimitgliedschaft erst einmal bei den Ortsvereinen anfangen und nicht gleich eine Regierungsbeteiligung anstreben, obwohl das vielleicht reizvoll wäre (smili) (pea) )))(:


Petra Sofie hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 15:53 Alles andere bleibt außen vor. Jeder Gedanke das Kind könnte eine andere Pesönlichkeit sein, als die, die man vermutet. Es wird auch nicht einmal der Gedanke während der Schwangerschaft an derartge Konstellationen verschwendet. Da ist niemand der einen Tip gibt, du denk mal drüber nach, nimm dein Kind richtig wahr so wie es ist, wie es sich entwickelt. Tu ihm nicht weh. Sonst hast du schnell ein körperlich gesundes Kind, aber einen seelischen Krüppel. Das Glück deines Kindes ist auch dein Glück.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr wohl verantwortliche Hebammen und ärztliche Personal gibt, die nichts "außen vor" lassen.
Allerdings: sollten sie "herbeireden", was nicht zu sehen ist, aber "sich irgendwie und irgendwann" vielleicht vielleicht vielleicht mal zeigen könnte?
Nach der Geburt werden regelmäßige Untersuchungstermine durchgeführt.
Die Fragen und medizinischen Untersuchungen, die abgearbeitet werden, können allerdings nicht mit einer
"kostenlosen Erstinspektion" eines Fahrrades verglichen werden (smili)

u-untersuchung.jpg

Auch in späteren Untersuchungen (z.B. vor der Schule)
wird die gesundheitliche und allgemeine Entwicklung des Kindes festgehalten.

u-ergebnisse.jpg

Die Fragestellungen sind zum größten Teil medizinischer Art. Dabei können einige Fälle von Intersexualität festgestellt werden.
Wie wir hier auch schon oft geschrieben und/oder gelesen haben, ist eine Transsexualität nicht medizinisch zu diagnostizieren.
Aber auch das Thema "Intersexualität" kommt in Fachbüchern und Fachinformationen zu wenig vor, sodass Eltern, die einen "Verdacht" haben, sich gezielte Informationen beschaffen müssen.
(Eine gute Anlaufstelle ist https://www.im-ev.de/ mit seinen Peer- und Elterngruppen.)

Deshalb lautete auch eine meiner Forderungen auf der Demo anlässlich des Frauentages:
Deshalb unterstützt bitte die Forderung: Endlich nicht notwendige — und damit sind vor allen Dingen kosmetische Operationen gemeint - an Neugeborenen verbieten und verhindern!
Dazu ist es notwendig, Beratungsmöglichkeiten für Eltern auszubauen und ärztliches Personal fortzubilden; denn immer noch ist viel zu wenig über Intersexualität bekannt!


Es gibt ein wenig Bewegung. Bitte nicht lachen: selbst in "Unterhaltungsfilmen" im TV und in Zeitschriften und Zeitungen hat sich das Klima schon positiv verändert.
Ein Beispiel:
ich habe mir gerne im ZDF eine Spielfilm-Reihe mit einer Hebamme angesehen (Lena Lorenz).
Neben Herz & Schmerz und schönen dicken Bäuchen wurde da auch in jeder Folge "ein ernstes Thema" behandelt.
So kam in der letzten oder vorletzten Staffel das Thema "Intersexualität" vor, recht gut aufbereitet - und mit vielen medizinischen und zwischenmenschlichen Aspekten.
Im letzten Film ging es um "Häusliche Gewalt" und im Film davor um "Trisomie 21".
Natürlich ersetzt das keine fachliche Beratung von Eltern; ABER es transportiert einen gewissen Informationsgehalt zu Menschen, die wir "die Gesellschaft" nennen,
und das ist auch gut so; denn die Mechanismen wirkten so, dass "die Betroffenen" positiv dargestellt wurden.
Auch das hilft "uns"; obwohl MIR das Wort "uns" viel schädlicher erscheint als z.B. "man" (nein, nicht die Lastwagen) oder "jemand" oder "niemand"...
... denn wer ist schon UNS?

Gruß
Anne-Mette

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 17:31
von Nicole Fritz
Anne-Mette hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 17:04 Ich würde bei einer angestrebten Parteimitgliedschaft erst einmal bei den Ortsvereinen anfangen ....
Die Anfrage bei der SPD ging an den Ortsverein in Simmern. Dass ich nicht gleich mit Bundespolitik einsteigen kann, ist mir schon klar. Ich habe nur meine Meinung geäußert und von einer möglichen oder unmöglichen Regierungsbeteiligung nichts angesprochen. Aber im Kommunalen denken die offensichtlich genauso wie "da oben" - zumindest hier im Hunsrück. - Vielleicht üben sie ja schon mal zwecks Planung ihrer politischen Karriere.

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 17:50
von ExuserIn-2020-10-20
Anne-Mette,

Was ich im eigentlichen Sinne darzustellen versucht habe ist, daß es nur wenige Menschen gibt die uns betreffende Probleme ansprechen. Ansprechen, in einem Zeitraum der für uns relevant ist. Sehr viele von uns wissen eigentlich schon in einem Alter von etwa 4-5 Jahren das da etwas ist, das sie zwar nicht wirklich benennen können, sie aber massiv stört und beinträchtigt. Wann soll denn den Eltern gesagt werden, das es so etwas gibt. Das hat absolut nichts mit herbeireden zu tun. Aber mal drüber reden wäre schon ein Gewinn.

LG
Petra Sofie

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 18:09
von Anne-Mette
Petra Sofie hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 17:50 Sehr viele von uns wissen eigentlich schon in einem Alter von etwa 4-5 Jahren das da etwas ist, das sie zwar nicht wirklich benennen können, sie aber massiv stört und beinträchtigt. Wann soll denn den Eltern gesagt werden, das es so etwas gibt. Das hat absolut nichts mit herbeireden zu tun. Aber mal drüber reden wäre schon ein Gewinn.
Ja, "sagen, dass es so etwas gibt", das ist richtig und wichtig.
Die Schulung von Fachpersonal hatte ich schon angesprochen, ebenso, dass kommerzielle Medien einen Teil der Informationen "dass es so etwas gibt" auf einer anderen Ebene transportieren und anbieten.
Nicht umsonst gibt es auch Bestrebungen, das auch in Schulbüchern nicht nur unter "sonstiges" zu behandeln.

Nun ist natürlich die Frage, ob "sie aber massiv stört und beinträchtigt" eine "behandlungsbedürftige Eigenschaft" ist, oder aber die Gesellschaft so tolerant sein sollte, dass die angesprochene "massive Störung" verschwindet oder sich verkleinert, wenn sich die Reibepunkte verändern, die entstehen, wenn es nur "Mädchen- und Jungeneigenschaften" gibt.
"Gebt den Kindern alle Zeit der Welt, um sich auszuprobieren und zu finden", habe ich schon oft angesprochen und geschrieben; denn sich völlig auf eine Transsexualität einzulassen, weil Familie, Schule und Umfeld nur zwei Schubladen zulassen, kann sich zu einem großen menschlichen Drama entwickeln.

"Herbeireden", ja, das gibt es, Eltern, die sagen: "ok, nun bist Du also ..., dann musst Du auch ...".
Und schon haben wir eine neue "Transfamilie".

Gruß
Anne-Mette

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 18:26
von Lavendellöwin
Petra Sofie hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 17:50 Wann soll denn den Eltern gesagt werden, das es so etwas gibt. Das hat absolut nichts mit herbeireden zu tun. Aber mal drüber reden wäre schon ein Gewinn.
Es wird nicht nur drüber geredet, ob da was ist,
es wird sogar dokumentiert und unter Umständen behandelt.
Obs die Eltern verstanden haben oder erst später verstehen,
oder Behandlungen einwilligen, naja das ist was anderes...
Untersuchungsbuch.jpg
Untersuchungsbuchklein.jpg
das ist die 2te Seite aus meinem Neugeborenenuntersuchungsbuch...

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 18:45
von ExuserIn-2020-10-20
Leider ist das Bild, die Schrift nur schwer auf dem PC zu lesen, aber es geht nicht um die physische Entwicklung, sondern um die eventuelle psychische Entwicklung die sich einstellen kann, nicht muß, bzw zwingend zu sein hat.

LG
Petra Sofie

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 18:50
von ExuserIn-2020-10-20
Anne-Mette,
Die Gruppe der völlig überreagierenden Eltern habe ich außer acht gelassen.

LG
Petra Sofie

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 18:57
von Anne-Mette
Petra Sofie hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 18:45 sondern um die eventuelle psychische Entwicklung die sich einstellen kann, nicht muß, bzw zwingend zu sein hat.
Medizinisches Personal kann durch Fortbildungen sensibler gemacht werden.
Allerdings kommt es auch auf die Verantwortung der Eltern kann.
Die Untersuchungen werden in der Regel "relativ zügig" absolviert.
Die "psychische Entwicklung" kann wohl nur ausführlicher betrachtet werden, wenn Hinweise von den Eltern kommen.
Kleine Kinder sind bei ärztlichen Untersuchungen oftmals schüchtern und zurückhaltend. Es braucht schon eine besondere Atmosphäre, wenn sie sich öffnen sollen.

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 18:59
von Lavendellöwin
Petra Sofie hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 18:45 aber es geht nicht um die physische Entwicklung, sondern um die eventuelle psychische Entwicklung die sich einstellen kann, nicht muß, bzw zwingend zu sein hat.
Sorry...ich hab den Ausschnitt verbessert...

und es, geht um beides! Denn die psychische Entwicklung kann sehr wohl von der
physischen Entwicklung und umgekehrt beeinflusst werden. Das sind keine 2 völlig seperaten Systeme.
Gefühle können sehr heftige Auswirkungen auf den Körper haben, bis bin zum Zusammenbruch.

Für mich gab es fast nichts schlimmeres auf der Welt als Mädchen (psychisch, ein klein wenig physisch) eine "männliche" Pubertät (physisch) zu erleben..
wie war das bei dir?

Alles Liebe Marie (flo)

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 19:16
von ExuserIn-2020-10-20
Danke, mit dem Ausschnitt kann ich mehr anfagen. Der sagt natürlich Einiges.

Bei mir ist es eine reine "psychische Entwicklung" die ihren Lauf nehmen wollte und nicht durfte. Meine MzF Identität wurde, in Abrede gestellt und massiv unterdrückt. Mit knapp 5 Jahren wußte ich, daß mit mir etwas anders war als das was man unbedingt sehen wollte. Will sagen:" Alles was ich wollte durfte ich nicht, und alles was ich durfte wollte ich nicht." Das führte zu erheblichen Schwierigkeiten in der Schule usw. Mobbing, Prügel das ganze Programm.

Ich bin 1956 geboren. Heute haben MzF andere, etwas bessere Möglichkeiten sich zu entwickeln, aber es reicht noch lange nicht aus. Deshalb war mein Gedanke zu dem Thema, Eltern so früh wie möglich auf solche oder ähnliche Entwicklungen hinzuweisen. Ich hatte dabei aber außer acht gelassen, das es Eltern gibt die in solchen Situationen überreagieren. War einfach nur ne Idee, Kindern ähnliche Erfahrungen zu ersparen wie sie mir zu Teil wurden.

LG
Petra Sofie

Re: Transgender und Öffentlichkeit

Verfasst: Di 21. Apr 2020, 21:19
von Jaddy
Nicole Doll hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 13:08
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Apr 2020, 11:09 Also: Die Option "divers" im Geburtenregister gilt wie die drei anderen unabhängig von körperlichen und anderen medizinischen Faktoren.
... Und warum verlangt man dann ein Attest? - Weil nicht binäres Denken etwas mit Anarchie zu tun hat. Und wer regieren (und nicht einfach nur ordnen oder verwalten) will, fühlt sich von Anarchie bedroht.
An dieser Stelle ist es sehr sinnvoll, das "man" zu differenzieren. Nicht in geschlechtlicher Hinsicht, sondern nach politischen Kräften. Ich habe den Gesetzgebungsprozess für den -§45b ziemlich genau verfolgt, und das erste mal als ich aufgemerkt und Bauklötze gestaunt habe, war bei der Rede von Dr. Volker Ulrich (CSU) aus Augsburg bei der ersten? zweiten? Lesung im Bundestag. Er war der erste, aber nicht der letzte Redebeitrag, in dem eine deutliche Liberalisierung gefordert hatte. Natürlich gab es auch Hardliner"¢innen, die die dritte Option als absolute Ausnahme sehen, alles nur für intergeschlechtliche Menschen (was verfassungswidrig wäre...) und deshalb alles so kompliziert und stressig wie möglich machen woll(t)en. Natürlich die Rechtsextremen der A.., aber auch einige in den C-Parteien. Manche sind nicht mal ideologisch dagegen, sondern einfach so in ihrem Weltbild verunsichert, dass es manchmal fast niedlich ist. So ein Highlight war Marc Henrichmann (CDU), der bei der Anhörung im Innenausschuss irgendwann fast weinerlich ausstiess "wir brauchen aber doch ein beweisbares Geschlecht". Woraufhin fast alle Praktiker"¢innen und Expert"¢innen innerlich einen facepalm machten. Beim Registergeschlecht gibt es keinen "Beweis". Dann gab/gibt es etliche progressive MdB, die möglichst liberale Regelungen vorantreiben. Aber die meisten schienen das Thema einfach nur möglichst reibungsfrei umsetzen zu wollen.

Das Ergebnis, der aktuelle -§45b PStG ist mal wieder ein Kompromiss dieser Kräfte. Das "man", das dieses Attest fordert, ist keine einheitliche Front, sondern ein Zusammenwirken von weltbildchen Ansichten, Rechtsauffassungen zu Verfassung und Personenstand und pragamatischen Erwägungen zur Umsetzung. Von einzelnen Extremist"¢innen abgesehen konnte ich da keine sonderlichen Einflussgruppen feststellen :)

Übrigens Parteien und Enbys: Die SPD ist dafür _eigentlich_ offen, aber... bei der praktischen Umsetzung im Verzeichnis ist die Anrede zwar inzwischen optional (nachdem ich sie drauf hingewiesen habe), aber wenn sie einmal binär ist nachträglich zumindest online nicht mehr auf "leer" zu ändern. Das ist aber das kleinere Übel. Schlimmer finde ich, dass die ganzen queeren Arbeitskreise recht unzugänglich zu sein scheinen. Nicht speziell für NBs, sondern generell. Keine Ahnung, was die wo konkret machen. Ist mir aber aktuell auch nicht so wichtig.[/quote]