Auf Wunsch ... aus dem Chat heraus ... eine Ballade
Verfasst: Do 12. Mär 2020, 22:48
Hi,
im Chat kamen wir gerade auf Lyrik, ob diese eine Planung brauche, und darüber auf Balladen ... als ich eine von mir vorstellen wollte, wurde es dort zu unübersichtlich und ich wurde von den Chat-Partnerinnen gebeten diese zu posten ... dem Wunsch komme ich gern nach.
DER PIRAT
Längst verbarg sich hinter Wolken
heiter'n Himmels sonn'ge Pracht,
wie des Meeres graue Tiefe
liegt das Firmament in Nacht;
Stürme heulen, Wogen brausen
flücht'ge Möwen ängstlich schrei'n,
durch die düster'n Wolken zucket,
ferner Blitze heller Schein.
Goldner Schein, mit Grausen füllte,
mich das Bild voll banger Not,
so dein kurzes, grelles Leuchten
dem erschreckten Auge bot;
auf dem sturmgepeitschten Meere,
mächt'ger Elemente Spiel,
ächzt ein Schiff, den Wasserwogen
trotzig beugend seinen Kiel.
Auf dem Decke, unter Männern
wilden Aug's und rascher Tat,
teilet die Kommandoworte
stolz Don Carlos, der Pirat.
Finster weilt sein kühnes Auge
Auf der Unheil droh'nden Flut,
und es bebt, der niemals bebte
und es wankt sein Seelenmut.
Ist's das Wetter in den Lüften?
Ist's das Wetter auf der See?
Ist es späte Reu' im Herzen,
die ihn packt mit wildem Weh?
Oder hältst, gerechter Himmel,
endlich heute Du Gericht?
Seh' ich dort nicht Deinen Engel,
der zu dem Piraten spricht?
Welch' ein Friede in den Zügen,
in dem Aug' welch Himmelslicht —
Bist ein Bild der ew'gen Liebe,
doch ein Racheengel nicht!
Hand in Hand mit dem Piraten,
Aug' um Auge, Mund an Mund:
Höll' und Himmel sind verbündet!
Was bedeutet dieser Bund?
Auf die Knie' sinkt das Mädchen,
und Don Carlos bebend fleht —
seinen Blick emporgerichtet —
auf zum Himmel im Gebet:
Gott! Allmächt'ger! Hör' mein Flehen!
Sich mein Herz zu Dir bekehrt!
Dieses Mädchens reine Liebe
hat zu beten mich gelehrt!
Als die See wie heute tobte
und das fremde Schiff verschlang;
als der Hilferuf ertönte,
und ich in die Fluten sprang;
Als gerettet d'rauf am Herzen
ruhte mir die holde Maid,
fühlt' ich meine Brust durchdringen
hehre, reine Göttlichkeit!
Sah vorm Auge sich erheben
gold'ner Zukunft Sonnenschein,
und die Sonne meines Glückes
sollte die Geliebte sein!
Heiß' die Elemente schweigen,
Gott! Ich habe Dich erkannt!
Reich' noch einmal zur Versöhnung
und zur Rettung mir die Hand! —
Doch der Sturm tobt in den Segeln,
heulend, und zerreißt sie fast;
Blitze zucken, Donner krachen
und zerschmettert sinkt der Mast. —
Kam zu spät der Liebe Engel?
Hast Du doch zu spät bereut?
Sieh, das Meer mit seinen Schrecken
immer fürchterlicher bräut!
Immer wilder tobt das Wetter,
immer droh'nder braust die Flut,
immer banger wird den Schiffern,
immer tiefer sinkt der Mut.
Eine tück'sche Meereswoge
schleudert hoch empor das Schiff
und mit Krachen und mit Bersten
nieder auf das Felsenriff. —
Mitten in dem Rumpf des Schiffes
klafft ein Leck, mit wilder Wut
stürzet durch die off'ne Pforte
fessellos des Meeres Flut.
Alles stürmet, sich zu retten,
und die Boote — überfüllt —
sinken in die nasse Tiefe,
d'rin Windesbraut wie rasend wühlt.
Welch' ein Ringen um das Leben,
welche Angst in Mien' und Blick!
Mancher Sinn voll Trotz und Härte
kehrt im Tod zu Gott zurück.
Und der Mund, der frech gelästert,
gestern noch voll Spott und Hohn,
schreit im Angesicht des Todes
auf zu Gottes ew'gem Thron. —
Voll Verzweiflung kämpft Don Carlos —
an der Brust die schöne Maid. —
Träumt ihn aus, den Traum der Liebe,
denn ihr seid dem Tod geweiht!
Des Piraten Kräfte schwinden
immer mehr, er sinkt hinab,
des empörten Meeres Wogen
werden beider frühes Grab. — —
Golden strahlt die Sonne wieder,
und die Möwe schreit nicht mehr,
tiefe Ruhe herrscht im Wasser,
feierlich ist's ring's umher;
Leise plätschernd, heimlich murmelnd
liegt die leichtbewegte See:
Bild des Friedens! Und doch birgst du
eine ganze Welt von Weh!
erschienen in meinem Gedichtband "Aus der Zeit gefallen".
Liebe grüße
Blossom
im Chat kamen wir gerade auf Lyrik, ob diese eine Planung brauche, und darüber auf Balladen ... als ich eine von mir vorstellen wollte, wurde es dort zu unübersichtlich und ich wurde von den Chat-Partnerinnen gebeten diese zu posten ... dem Wunsch komme ich gern nach.
DER PIRAT
Längst verbarg sich hinter Wolken
heiter'n Himmels sonn'ge Pracht,
wie des Meeres graue Tiefe
liegt das Firmament in Nacht;
Stürme heulen, Wogen brausen
flücht'ge Möwen ängstlich schrei'n,
durch die düster'n Wolken zucket,
ferner Blitze heller Schein.
Goldner Schein, mit Grausen füllte,
mich das Bild voll banger Not,
so dein kurzes, grelles Leuchten
dem erschreckten Auge bot;
auf dem sturmgepeitschten Meere,
mächt'ger Elemente Spiel,
ächzt ein Schiff, den Wasserwogen
trotzig beugend seinen Kiel.
Auf dem Decke, unter Männern
wilden Aug's und rascher Tat,
teilet die Kommandoworte
stolz Don Carlos, der Pirat.
Finster weilt sein kühnes Auge
Auf der Unheil droh'nden Flut,
und es bebt, der niemals bebte
und es wankt sein Seelenmut.
Ist's das Wetter in den Lüften?
Ist's das Wetter auf der See?
Ist es späte Reu' im Herzen,
die ihn packt mit wildem Weh?
Oder hältst, gerechter Himmel,
endlich heute Du Gericht?
Seh' ich dort nicht Deinen Engel,
der zu dem Piraten spricht?
Welch' ein Friede in den Zügen,
in dem Aug' welch Himmelslicht —
Bist ein Bild der ew'gen Liebe,
doch ein Racheengel nicht!
Hand in Hand mit dem Piraten,
Aug' um Auge, Mund an Mund:
Höll' und Himmel sind verbündet!
Was bedeutet dieser Bund?
Auf die Knie' sinkt das Mädchen,
und Don Carlos bebend fleht —
seinen Blick emporgerichtet —
auf zum Himmel im Gebet:
Gott! Allmächt'ger! Hör' mein Flehen!
Sich mein Herz zu Dir bekehrt!
Dieses Mädchens reine Liebe
hat zu beten mich gelehrt!
Als die See wie heute tobte
und das fremde Schiff verschlang;
als der Hilferuf ertönte,
und ich in die Fluten sprang;
Als gerettet d'rauf am Herzen
ruhte mir die holde Maid,
fühlt' ich meine Brust durchdringen
hehre, reine Göttlichkeit!
Sah vorm Auge sich erheben
gold'ner Zukunft Sonnenschein,
und die Sonne meines Glückes
sollte die Geliebte sein!
Heiß' die Elemente schweigen,
Gott! Ich habe Dich erkannt!
Reich' noch einmal zur Versöhnung
und zur Rettung mir die Hand! —
Doch der Sturm tobt in den Segeln,
heulend, und zerreißt sie fast;
Blitze zucken, Donner krachen
und zerschmettert sinkt der Mast. —
Kam zu spät der Liebe Engel?
Hast Du doch zu spät bereut?
Sieh, das Meer mit seinen Schrecken
immer fürchterlicher bräut!
Immer wilder tobt das Wetter,
immer droh'nder braust die Flut,
immer banger wird den Schiffern,
immer tiefer sinkt der Mut.
Eine tück'sche Meereswoge
schleudert hoch empor das Schiff
und mit Krachen und mit Bersten
nieder auf das Felsenriff. —
Mitten in dem Rumpf des Schiffes
klafft ein Leck, mit wilder Wut
stürzet durch die off'ne Pforte
fessellos des Meeres Flut.
Alles stürmet, sich zu retten,
und die Boote — überfüllt —
sinken in die nasse Tiefe,
d'rin Windesbraut wie rasend wühlt.
Welch' ein Ringen um das Leben,
welche Angst in Mien' und Blick!
Mancher Sinn voll Trotz und Härte
kehrt im Tod zu Gott zurück.
Und der Mund, der frech gelästert,
gestern noch voll Spott und Hohn,
schreit im Angesicht des Todes
auf zu Gottes ew'gem Thron. —
Voll Verzweiflung kämpft Don Carlos —
an der Brust die schöne Maid. —
Träumt ihn aus, den Traum der Liebe,
denn ihr seid dem Tod geweiht!
Des Piraten Kräfte schwinden
immer mehr, er sinkt hinab,
des empörten Meeres Wogen
werden beider frühes Grab. — —
Golden strahlt die Sonne wieder,
und die Möwe schreit nicht mehr,
tiefe Ruhe herrscht im Wasser,
feierlich ist's ring's umher;
Leise plätschernd, heimlich murmelnd
liegt die leichtbewegte See:
Bild des Friedens! Und doch birgst du
eine ganze Welt von Weh!
erschienen in meinem Gedichtband "Aus der Zeit gefallen".
Liebe grüße
Blossom