Marela hat geschrieben: Mo 2. Mär 2020, 20:05
Gestern mal wieder ein Gespräch mit ihr, in dem sie u.a. sagte, sie empfindet mich als Frau auch als KONKURRENZ.
Das hat mich wirklich sehr irritiert, mit diesen Gefühlen hatte ich so gar nicht gerechnet.
Liebe Marela,
da triffst Du gerade bei mir den Nagel auf den Kopf - denn genau diese Empfindungen habe ich als Partnerin eines CD's.
Ich habe immer gedacht, dass diese Gefühle der Konkurrenz und gewissermaßen auch Eifersucht etwas sind, was in mir persönlich begründet liegt - allerdings habe ich in den letzten
Monaten hier im Forum doch sehr oft von anderen Partnerinnen eben genau diese Aussage gelesen und auch von vielen CD's und Transfrauen, dass ihre (Ehe-)Frauen ebenso denken, bzw. sowas
geäußert haben. Einerseits beruhigt mich das ein bisschen, weiß ich doch so, dass ich mit diesen Gefühlen nicht allein dastehe.
Andererseits bringt es mich zum Grübeln, woran das denn liegen kann, wenn doch ganz viele Partnerinnen diese Gefühle der Konkurrenz ebenso haben.
Leider kann ich keine Erklärung abgeben, warum das so ist...ich kann nur versuchen, das mal aus meiner ganz persönlichen Sicht heraus zu schildern.
Das Gefühl der Eifersucht und der Konkurrenz hatte ich quasi sofort, bei unserem ersten Outing-Gespräch waren unter meinen ersten Fragen solche, wie "Wozu brauchst Du mich denn dann noch?" - "Bin ich nicht weiblich genug, nicht sexy genug?" "Wenn Du Deine eigenen Silikonbrüste so toll findest - dagegen kann ich mit meinen natürlichen Brüsten ja nicht anstinken!" ....und solche Dinge.
Mir wurde sowohl von meinem Partner, als auch hier im Forum immer wieder gesagt, dass mich das als Frau in keiner Weise "ersetzen" soll - und auch wenn mein Verstand das inzwischen begriffen hat, die Gefühle sind nach wie vor immer wieder mal da - mal mehr, mal weniger - auch ein bisschen abhängig von meiner eigenen Tagesform, wie ich mich selbst gerade fühle.
Ich empfinde meinen Mann, wenn er seiner Weiblichkeit Audruck verleihen möchte, leider auch sehr oft als "die andere Frau" - es ist, als hätte sich ungefragt eine andere Frau in unsere Beziehung gedrängt und macht mir meinen Platz streitig.
Ich weiß, dass das in wohl keinem Fall so von dem Trans*-Partner beabsichtigt ist, oder auch nur so gemeint ist - das habe ich auch inzwischen herausgefunden - aber ich kann nichts dagegen tun, dass diese Gefühle immer wieder hochkommen.
Interessant und sehr nachdenkenswert finde ich da Emmis Ansatz, dass je mehr Natürlichkeit in die Sache kommt, also je weniger "überzogene Weiblichkeit" ausgelebt wird, desto weniger wird diese als "Bedrohung" für die eigene Weiblichkeit der Partenrin empfunden - das könnte ich wohl so bestätigen.
Ich denke auch, es hat was mit "Rollenbildern" zu tun - oder sagen wir besser, mit Rollenverteilungen.
Und da meine ich jetzt nicht die häusliche Aufgabenverteilung - da sind mein Mann und ich auch ganz frei - da wir beide voll arbeiten, machen wir auch beide so ziemlich alles im Haushalt, je nachdem, wie Zeit und Lust ist. Das meine ich also weniger. Ich denke eher, da geht es um emotionale "Rollen" - und auch - in einer heteronormativen Beziehung - um sexuelle Rollenverteilungen.
Da ja die meisten Partenrinnen die Beziehungen in der Annahme, es handele sich um eine heteronormative Beziehung, eingegangen zu sein scheinen, denke ich, haben auch alle eine Art "unterbewusstes Rollenbild" von sich selbst in eben dieser Beziehung.
Ich habe an anderer Stelle mal versucht, Vicky dies anhand einer Metapher zu erklären, wie ich das sehe, empfinde...
Nehmen wir einen Spielfilm für den Du als männliche und Deine Frau als weibliche Hauptrolle engagiert sind.
Alles läuft ganz normal....bis zu dem Punkt, an dem Du nun sagst, dass Du sowohl die männliche, als auch die weibliche Rolle selber spielen möchtest. Mit Kostüm -und Maskenbildnerei kannst Du das also beides selber sein.
Deine Frau stellt also ihre "Daseinsberechtigung" und ihre Funktion in diesem Film in Frage - denn wozu soll sie noch mitspielen, wenn Du selbst beide Rollen spielen und ausfüllen kannst.
Das Gefühl lässt sich so vielleicht am eindringlichsten Beschreiben: Du sitzt dann als Frau in Deiner Garderobe und fühlst Dich aufs Abstellgleis geschoben - fühlst Dich, als seist Du jetzt maximal noch ein Statist in dem Film, der beliebig ersetzbar ist - denn die weibliche Hauptrolle brauchst/sollst Du ja nicht mehr spielen. Das schmerzt! Man stellt nun sich selbst, sein eigenes weibliches Selbstbild, seinen eigenen Selbstwert - im Grunde alles in Frage.
Ich habe zu meinem Schatz mal gesagt, dass die einzige, für mich sichtbare Möglichkeit, mich von diesen "Minderwertigkeits -und Nutzlosigkeitsgefühlen" zu befreien, ist, dass er mir besonders viel Bestätigung und Aufmerksamkeit für meine Weiblichkeit entgegenbringt - allerdings per Homme - denn ich bin ja nunmal hetero.
Da beißt die Katze sich allerdings in den Schwanz - denn gerade, wenn seine Weiblichkeit verstärkt herauskommt, kreist er derart um sich selbst als Frau, dass für mich eben genau dann weniger Platz ist - dass genau in dem Moment, wo ich eigentlich die männliche Bestätigung bräuchte, genau diese dann eher ausbleibt. Teufelskreis. Subjektiv empfunden haben wir dann nämlich genau wieder das Problem: ER zieht sich zurück und SIE nimmt mir in dem Moment gefühlt den Mann weg.
Und da bin ich dann wieder bei Emmi ...wahrscheinlich kann sich das am besten austarieren, wenn nicht so ganz krasse Unterschiede zwischen dem Mann und seiner weiblichen Seite erkennbar sind?! Das ist aber nur eine Annahme, ich weiß nicht, ob es so funktionieren würde, soweit sind wir noch lange nicht.
Wir Frauen jenseits der 30 sind wohl in den meisten Fällen leider eben noch so erzogen, dass wir unseren Selbstwert i.d.R. mehr aus dem Aussen, aus der Anerkennung durch das Aussen nähren, als aus uns selbst heraus. Hier liegt wahrscheinlich der Hase im Pfeffer?! Wir haben nicht gelernt, dass wir als MENSCHEN gut sind, wir haben aber gelernt, dass wir möglichst nette, adrette, hübsche, sexy Frauen sein müssen, wenn wir wahrgenommen und geliebt werden wollen. Aus dieser Denke rauszukommen, ist gar nicht einfach. Hinzu kommt bei einer nornmativen hetero Veranlagung, dass auch das sexuelle Selbstwertgefühl in erster Linie aus der eben gegengeschlechtlichen Bestätigung eines Mannes gezogen wird. Die allerwenigsten Frauen brezeln sich sexy auf um sich selbst toll zu finden, sondern weil sie von einem Mann (oder Männern) toll gefunden werden möchten.
Es ist wirklich schwierig, aber vielleicht hilft es Dir zumindest, zu wissen, dass Deine Frau mit diesen Gefühlen beileibe nicht allein ist!?
Herzliche Grüße, die Carry
