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Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Mi 5. Feb 2020, 19:07
von ExuserIn-2020-03-10
Hi,
bin beim Stöbern über diesen Artikel gestolpert und fand einige Statements über die Wirklichkeit unserer inneren Welt recht interessant.
Schon der Einstieg legt nahe dass nicht alles so ist wie wir es im Inneren erleben, besonders wenn der Abgleich mit der Umwelt fehlt:
Fortlaufend stellt unser Gehirn Vermutungen über die Welt da draußen an
und gleicht Sinneseindrücke ab. Damit konstruiert es die Realität, die wir
wahrnehmen, als eine Art kontrollierte Halluzination.

https://www.spektrum.de/news/unsere-inn ... en/1696550
Bei mir entstand die Idee, dass die Annahme, wir wären Frauen, ebenfalls eine Konstruktion des Gehirns ist die insbesondere dann stärker wird, wenn man sich immer weniger einem konstruktiven Abgleich mit der Umwelt aussetzt.

Bin gespannt auf eure Gedanken..
LG,
Ute

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 00:22
von Nicole Fritz
Hallo Ute,

die Art der Wahrnehmung könnte auch den Unterschied zwischen "echten" Transfrauen und Nicht-Binären wie ich ausmachen. Wenn ein Gehirn durch seine Entwicklung so verschaltet ist, dass es nur binär wahrnimmt, folgt aus der Erkenntnis kein Mann zu sein, dass man eine Frau sein MUSS. Auch wenn der Verstand irgend etwas zwischen den Geschlechtern kennen gelernt hat, gibt es in der (Selbst-)Wahrnehmung nur entweder Mann oder Frau und sonst nichts. Dann trifft das Gehirn unterbewusst eine Entscheidung. Und so ist es dann eben.

Mir schrieb mal jemand: Ja, ich bin eigentlich nicht-binär, aber ich kann mich nicht als Enby wahrmehmen und nicht als Enby leben; also mache ich die Transition vom Mann zur Frau. Und genau wie diese Person sich nicht als Enby wahrnimmt, nehme ich mich nicht als Frau wahr. Das ist offensichtlich hier tatsächlich so, wie mit den Farben in dem Artikel. Und deshalb kann ich dieses "ich bin eine Frau" oder "im falschen Körper geboren" überhaupt nicht nachvollziehen. Und eine "echte" Transfrau kann es nicht nachvollziehen, was es bedeutet nicht-binär zu sein.

Für mein Empfinden sieht die Transfrau nur dieses undeutliche schwarz-weiße Zweitonbild, während ich die ganze Farbigkeit des Schmetterlings zwischen den Geschlechtern mit allen Einzelheiten erkenne. Für sie dürfte es sich dagegen genau umgekehrt darstellen, was ich mir wiederum überhaupt nicht vorstellen kann. Dann erscheint wohl Enby zu sein irgendwie so farblos und undeutlich.

... Und so schreiben wir Beitrag um Beitrag immer nur aneinander vorbei.

Interessant ist vielleicht auch, dass ich den Enby nur bei mir selbst direkt wahrnehme. Sehe ich irgendwo eine Person, wird sie unterbewusst immer sofort als Mann oder Frau eingeordnet. Erst wenn die Erscheinung so uneindeutig ist, dass eine Zuordnung misslingt, wird der Verstand hinzu gezogen.

LG Nicole

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 06:42
von ExUserIn-2026-04-08
Ute2506 hat geschrieben: Mi 5. Feb 2020, 19:07 Bei mir entstand die Idee, dass die Annahme, wir wären Frauen, ebenfalls eine Konstruktion des Gehirns ist die insbesondere dann stärker wird, wenn man sich immer weniger einem konstruktiven Abgleich mit der Umwelt aussetzt.
Moin Ute,

klar ist das so. Wahrnehmungspsychologie ist ein faszinierendes Feld und auch nicht ganz neu. Philosophen haben sich von vor Jahrhunderten und Jahrtausenden mit der Frage beschäftigt, was real ist. Rene Descartes kam so zu seinem "Ich denke, also bin ich" zu einem Minimalsatz der Erkenntnis. https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum

Die Idee, ob wir Frauen sind oder nicht, entsteht im Kopf. Aus irgendwelchen Gründen hat sich im genau diese Idee dort fest gesetzt. Wie fest, wissen wir alle. Ob sie angeboren oder erworben ist, ist dabei zunächst nicht wichtig. Sie ist da. D.h. für mich, die Erwartung, dass ich (zeitweise) eine Frau bin und die äußerliche Wahrnehmung, dass dem nicht so ist, irritiert. Durch Verwendung von Hilfsmitteln gleichen wir Wahrnehmung und Idee ab. Wir fühlen uns richtig mit Silikoneinlagen, mit denen so manche Partnerin ihre Probleme hat. Dort passier nämlich das Umgekehrte. Ihre Idee, dass der Partner ein Mann ist, kolllidiert mit der Wahrnehmung, da der Partner entsprechende Einlagen trägt und für richtig hält. Es besteht ihrerseits der Wunsch, das zu "korrigieren".

Wichtig für uns als Person ist nun doch die Frage, kann und will ich die Idee in meinem Kopf ändern ? Diese Idee ist, zumindest bei mir, so fest verankert, dass eine mögliche Aufgabe tief sitzende Ängste erzeugt. Es ist quasi die Aufgabe des Selbst oder zumindest eines wesentlichen Teils davon. Das kommt vermutlich einer Amputation gleich.

Danke für den Link

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 10:54
von Carry
Hallo Ihr Alle!

Das ist ja ein mega interessantes Thema und den Artikel habe ich mir gespannt durchgelesen...
Ich werde also erstmal ganz gespannt hier mitlesen, was für Gedanken da so zu rauskommen...
(yes) Spannend ...

Einen schönen Tag Euch allen (flo)
die Carry

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 12:36
von Anja
Moinsen (moin)
Ute2506 hat geschrieben: Mi 5. Feb 2020, 19:07 Hi,
bin beim Stöbern über diesen Artikel gestolpert und fand einige Statements über die Wirklichkeit unserer inneren Welt recht interessant.
Schon der Einstieg legt nahe dass nicht alles so ist wie wir es im Inneren erleben, besonders wenn der Abgleich mit der Umwelt fehlt:
Fortlaufend stellt unser Gehirn Vermutungen über die Welt da draußen an
und gleicht Sinneseindrücke ab. Damit konstruiert es die Realität, die wir
wahrnehmen, als eine Art kontrollierte Halluzination.

Bei mir entstand die Idee, dass die Annahme, wir wären Frauen, ebenfalls eine Konstruktion des Gehirns ist die insbesondere dann stärker wird, wenn man sich immer weniger einem konstruktiven Abgleich mit der Umwelt aussetzt.
Bin gespannt auf eure Gedanken..
Sorry, ich raff' diese Herleitung irgendwie nich. In dem Artikel geht es doch um Wahrnehmungsfehler, basierend auf unseren Augen?
Die "Idee?" das ich eine Frau bin, entstand ja gerade trotz dieser äußeren Wahrnehmung. Alle äußere Wahrnehmung sagte mir ja etwas anderes...
Also eigentlich sprach ja alles (äußere) dagegen das ich eine Frau bin. Wäre es eine "Konstruktion" des Gehirns, die sich auf den Abgleich mit der Umwelt bezieht, würde diese Kontruktion ja der einer Mannes entpsrechen?

Grüße
die Anja

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 13:35
von Nicole Fritz
Anja hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 12:36 Also eigentlich sprach ja alles (äußere) dagegen das ich eine Frau bin. Wäre es eine "Konstruktion" des Gehirns, die sich auf den Abgleich mit der Umwelt bezieht, würde diese Kontruktion ja der einer Mannes entpsrechen?
Moin Anja,

es geht in dem Artikel um ganz allgemein um Wahrnehmung - von der Umwelt und von sich selbst. Sehe ich mich selbst (mein wahres ich) in Verbindung mit meiner Umwelt und meinem sozialen Umfeld, erkenne ich da keinen Mann. Den sehen nur meine Augen, wenn ich in den Spiegel schaue. Wenn mein Unterbewusstes nun nichts anderes als Mann oder Frau kennt, entscheidet es sich bei der inneren Wahrnehmung für eine Frau und bei der äußeren für einen Mann. Und damit es nun wieder zusammen passt, muss das Spiegelbild - so weit es irgendwie machbar ist - zur Frau werden. Und damit es mit dem sozialen Umfeld wieder stimmt, muss ich mich als Frau sozialisieren.

Das habe ich alles so durch gemacht, bis meine innere Wahrnehmung es wohl irgendwie gelernt hat mit 'nicht-binär' umzugehen. Und so ganz langsam funktioniert es nun auch das nicht-binäre Wesen, als das ich mich selbst immer mehr sehe, auch im Spiegel zu erkennen. - Aber manchmal braucht es trotzdem eine lange Perücke, Silis, Minirock und hohe Absätze. Da ist mein Verstand offensichtlich inzwischen bereits viel weiter als die immer noch ein gutes Stück binäre unbewusste Wahrnehmung. Hinzu kommt, dass ich mich von der Gesellschaft bereits weitgehend abgewendet habe. Wenn ich mich also neu sozialisiere, dann soll das als Enby und nicht als Frau geschehen - auch wenn man mich fast immer als Transfrau mit schlechtem Passing oder Mann in Frauenkleidern einordnet.

Mehr dazu habe ich vorab geschrieben:
Nicole Doll hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 00:22
Liebe Grüße
Nicole

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 14:48
von ExUserIn-2026-04-08
Anja hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 12:36 Sorry, ich raff' diese Herleitung irgendwie nich. In dem Artikel geht es doch um Wahrnehmungsfehler, basierend auf unseren Augen?
Hi Anja,

nein es geht darum, wie unsere Vorstellungen unsere Wahrnehmungen steuern. Nach dem Artikel sehen wir nicht und bauen uns dadurch eine Vorstellung, Du würdest Dich als Mann sehen und anerkennen, sondern Du hast unabhägig von Deinem Sehen die Vorstellung, dass Du eine Frau bist. Erst wenn Du siehst, dass Du dem im Äußeren nicht zustimmen kannst, kommst Du in Konflikt. Besonders gut kann man das bei Vorurteilen sehen. Wenn Du denkst, dass Afrikaner Dir schaden, wirst Du die Dinge in den Vordergrund stellen, die das stützt. Du schaust gar nicht mehr woanders hin, wenn Du eine Bestätigung findest. Wenn Du aber einen kennen lernst, der dem Bild nicht entspricht, wirst Du Deine Einstellung das den einen betrifft neu justieren und damit auch bei allen anderen die neuen Kriterien mehr beachten. So baut man ein Vorurteil ab. Phobien werden so mit Erfolg behandelt.

Und letztlich machen wir das auch, wenn wir sagen, dass man uns viel mehr auf der Straße sehen soll. Dann erkennen die Leute, dass wir nicht dem inneren Bild entsprechen und die Haltung ändert sich. Das läuft automatisch ab.

Wir können unsere Haltungen steuern und damit unsere Wahrnehmung. Im Talmud steht:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Letztlich ist das auch nichts anderes.

Die Frage ist also die, wie wir mit unserer Weiblichkeit, vielleicht auch Männlichkeit umgehen. Sehen wir in Männer Monster, ubersehen wir die Qualitäten, vielleicht auch, dass wir selber diese Qualitäten in uns tragen. Ich habe das neulich mit Aussöhnung mit dem Männlichen genannt. Viele behaupten, das Geschlechtsgefühl sei angeboren. Dafür gibt es keine Belege. So nehmen wir jeden Hinweis in diese Richtung als gegeben und blenden die Möglichkeit aus, dass es anders sein könnte. Das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass wir es selber bestimmen könnten. Es könnte so tief in uns verankert sein, dass wir die Möglichkeit haben. Ich sperre mich bei dem Gedanken, meine weibliche Seite aufzugeben. Es macht mir Angst. Ich vermute, es war für mein Überleben in meiner Kindheit essentiell. Das gibt man nicht auf.

Muss ich ja auch nicht.

Und deshalb passe ich von Zeit zu Zeit mein Äußeres an meine inneren Vorstellungen an. Egal, wo es herkommt. Ich muss nur ernen, damit unverkrampfter zu leben.

Anderes Beispiel: Ganz viele hier denken, es wäre eine Riesensache, en femme shoppen zu gehen. Die, die es gemacht haben, sagen i.d.R. sie hätten gute Erfahrungen gemacht. Auchso ein Fall, in dem die eigenen Vorstellungen die Wahrnehmung blockiert. Man sieht zuerst die Berichte, die das Ganze bestärken. Gewalt in der Öffentlichkeit, schräg angeschaut werten, auslachen. Beim Tun merkt man, dass da gar nicht so viel dran ist und nun fängt man an positive Erfahrungen zu sammeln, weil diese in die Wahrnehmungssteuerung geflossen ist.

Übrigens auch philosophisch seit Jahrtausenden ein Thema: Wie erkenne ich, was wirklich ist ? Wenigstens hatte Descartes eine Erkenntnis: Ich denke, also bin ich. Aber damit hört es auch schon auf ...

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 15:27
von Anja
Moinsen (moin)
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 14:48 nein es geht darum, wie unsere Vorstellungen unsere Wahrnehmungen steuern.
Ich verstehe das nicht so.
Damit können Wahrnehmungserlebnisse keine umfassende Wiedergabe einer objektiven Außenwelt darstellen. Sie sind einerseits weniger, andererseits aber auch mehr als das. Die Realität, die wir erleben — wie Dinge zu sein scheinen —, spiegelt nicht unmittelbar wider, was tatsächlich vorhanden ist. Es handelt sich vielmehr um eine Konstruktion des Gehirns für das Gehirn. Und wenn mein Gehirn anders ist als deins, dürfte auch meine Realität eine andere sein.
Die Wahrnehmung der Augen wird vom Gehirn interpretiert, steuern finde ich hier etwas übertrieben. Das hieße ja, ich könnte das willentlich beeinflussen, was mein Gehirn sieht? Also eine Art "Rückkanal"?
Es gibt bestimmt auch eine Art "Erwartungshaltung" die das Gehirn allein aus Gewohnheit ins Bild "setzt". Aber das kann ich ja nicht steuern... So entwickelt jedes Gehirn letzten Endes seine eigene Realität.
Ich kann, z.B. in größeren Menschenmengen meine Wahrnehmung kanalisieren (wie eine Art Tunnelblick) oder alles strömt auf mich ein, was dann ziemlich anstrengend ist, aber so bekomme ich viel mehr mit, was durchaus auch interessant sein kann... Aber ob das jetzt mit dem Steuern der Interperetation vergleichbar ist? Ich kann den Focus steuern, aber das Gehirn macht dann daraus, was es will.
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 14:48 Viele behaupten, das Geschlechtsgefühl sei angeboren.
Das behaupte ich auch. Ich könnte mir sonst nicht erklären, warum dieses Gefühl eine Frau zu sein, einfach nicht wegzubekommen war, obwohl meine gesamte Erziehung, mein Körper, jegliche äußere Zuweisung doch dagegen sprach?
Wenn man es irgendwie beeinflussen könnte, gabs ja vermutlich keine Transfrauen, Transmänner, Crossdresser usw.
Man ist nun mal wer man ist :wink:

Grüße
die Anja

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 18:53
von ExuserIn-2020-03-10
Anja hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 12:36 Moinsen (moin)
Ute2506 hat geschrieben: Mi 5. Feb 2020, 19:07 Hi,
bin beim Stöbern über diesen Artikel gestolpert und fand einige Statements über die Wirklichkeit unserer inneren Welt recht interessant.
Schon der Einstieg legt nahe dass nicht alles so ist wie wir es im Inneren erleben, besonders wenn der Abgleich mit der Umwelt fehlt:
Fortlaufend stellt unser Gehirn Vermutungen über die Welt da draußen an
und gleicht Sinneseindrücke ab. Damit konstruiert es die Realität, die wir
wahrnehmen, als eine Art kontrollierte Halluzination.

Bei mir entstand die Idee, dass die Annahme, wir wären Frauen, ebenfalls eine Konstruktion des Gehirns ist die insbesondere dann stärker wird, wenn man sich immer weniger einem konstruktiven Abgleich mit der Umwelt aussetzt.
Bin gespannt auf eure Gedanken..
Sorry, ich raff' diese Herleitung irgendwie nich. In dem Artikel geht es doch um Wahrnehmungsfehler, basierend auf unseren Augen?
Die "Idee?" das ich eine Frau bin, entstand ja gerade trotz dieser äußeren Wahrnehmung. Alle äußere Wahrnehmung sagte mir ja etwas anderes...
Also eigentlich sprach ja alles (äußere) dagegen das ich eine Frau bin. Wäre es eine "Konstruktion" des Gehirns, die sich auf den Abgleich mit der Umwelt bezieht, würde diese Kontruktion ja der einer Mannes entpsrechen?

Grüße
die Anja
Hi Anja,
du hast vollkommen recht, im Artikel geht es um die Wahrnehmungsfehler der Augen. Ich hab den Artikel ein bisschen benutzt ohne dass das zu 100% auf unsere Situation passen würde.

Ich kann dir auch zum Teil zustimmen. Unter der Annahme, wir würden vorurteilsfrei unsere Umwelt warnehmen, kämen wir möglicherweise schnell zum Schluss dass unser inneres Modell unseres Selbst etwas neben der Realität liegt. Vielleicht würden wir dann eher von uns behaupten wir wären Mann, und nicht Frau. Auch wenn das einen inneren Konflikt erzeugt.

Der Artikel lässt aber auch eine zweite Lösung zu:
Wenn man in seinem Umfeld nur die Eindrücke sammelt die zu seinem inneren Modell passen, dann muss man nichts korrigieren und es kommt zu keinem inneren Konflikt. Der Konflikt ist dann im Außen, beim Betrachter.

Ich bin auf die Idee gekommen als ich die Zusammenfassung im Artikel gelesen habe, ich schreib die drei Thesen des Artikels hier noch mal kurz auf:
1. Die Realität, die wir wahrnehmen, ist kein unmittelbares Abbild der objektiven Außenwelt.
2. Wahrnehmung beruht vielmehr auf Vorhersagen, die das Gehirn über die Ursachen eintreffender Sinnessignale anstellt.
3. Durch Abweichungen von diesen Prognosen korrigieren wir laufend unser Weltbild. Wahrnehmung beruht somit auf einer kontrollierten Halluzination.

Konkret: Um eine Vorhersage / Prognose über die Welt zu machen benötigt man ein inneres Modell der Welt, in unserem Fall die Annahme 'ich bin Frau'. Die Wahrnehmung ist beliebig steuerbar, man kann alle Eindrücke stärker gewichten die zu diesem inneren Modell passen und sortiert den unpassenden Anteil aus. Notfalls macht man mal die Augen zu oder hört weg. Dadurch ergeben sich immer weniger Abweichungen zur inneren Realität.

LG,Ute

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 19:01
von ExuserIn-2020-03-10
Anja hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 15:27 Moinsen (moin)
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 14:48 Viele behaupten, das Geschlechtsgefühl sei angeboren.
Das behaupte ich auch. Ich könnte mir sonst nicht erklären, warum dieses Gefühl eine Frau zu sein, einfach nicht wegzubekommen war, obwohl meine gesamte Erziehung, mein Körper, jegliche äußere Zuweisung doch dagegen sprach?

Grüße
die Anja
..vermute ich auch. Ich für meinen Teil hatte in der Kindheit wirklich alle Spielzeuge die man als Junge so haben kann, kleine und große Autos, Werkstatt, Chemie, Physikbaukästen, Freunde die mir laut Pfeifen und weit Werfen, Fußball spielen beibringen wollten und derlei mehr - es hat aber nichts genutzt wie ihr selbst seht ;-)

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 19:32
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Ute,
Ute2506 hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 19:01 ..vermute ich auch. Ich für meinen Teil hatte in der Kindheit wirklich alle Spielzeuge die man als Junge so haben kann, kleine und große Autos, Werkstatt, Chemie, Physikbaukästen, Freunde die mir laut Pfeifen und weit Werfen, Fußball spielen beibringen wollten und derlei mehr - es hat aber nichts genutzt wie ihr selbst seht
Genau das meint der Artikel. Wenn wir die Erwartung haben, dass es angeboren ist, werden wir die Gründe, die dafür sprechen, bevorzugen. Mit den Sinnen ist es das gleiche. Es geht nicht um Augenfehler. Das Auge liefert viel mehr Informationen als wir verarbeiten können. Das Gehirn interpretiert und in dieser Interpretation greift die "Vorhersage" des Gehirns. Es steuert, was es aus der Flut der Informationen sehen möchte.

Hi Anja,
Anja hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 15:27 steuern finde ich hier etwas übertrieben. Das hieße ja, ich könnte das willentlich beeinflussen, was mein Gehirn sieht? Also eine Art "Rückkanal"?
Doch genau davon bin ich überzeugt. Ich weiß zwar nicht, was Du mit "Rückkanal" meinst, aber die willentliche Steuerung basiert darauf, dass ich durch meine Grundhaltung die "Vorhersage" beeinflusse. Beispiel Kunst. Du gehst in eine Ausstellung und schaust Dir ein Bild an. Du erkennst etwas in dem Bild und es weckt Emotionen. Wenn Du hinterfragst, welche Emotionen Du hattest, wirst Du möglicherweise im Bild noch andere Dinge erkennen. Auch unsere Stimmungen beeinflussen unsere Wahrnehmung. Du findest ein Lokal, dass total Klasse ist. Du warst mit z.B. mit Deiner Schwimmbdmutter, mit der Du Dich verstehst dort. Eine Woche später wirkt das Lokal anders auf Dich. Deine Erwartung, ein tolles Lokal vorzufinden, ist enttäuscht. Du erkennst vielleicht, dass die gemütlichen Möbel doch nicht so toll sind.

Die Wahrnehmung ist der ganze Komplex von der Sinneswahrnehmung bis zur Interpretation. Genau genommen, wird nur die Interpretation durch das Gehirn beeinflusst. Dabei entsteht die "Halluzination", also das Bild von dem wir denken, es sei die Wirklichkeit. Was Wirklichkeit ist, können wir gar nicht erfassen.

So sehe ich den Artikel. Die Tatsache, dass wir ihn unterschiedlich interpretieren, dürfte weitgehend auch auf dem Effekt beruhen.

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 21:20
von Laila-Sarah
Da fällt mir folgendes ein:

Realität ist das Ergebnis einer Funktion, welches vom Betrachter ununterbrochen berechnet und aktualisiert wird.
Deine Gedanken SIND diese laufenden Berechnungen. Und sie formen deine eigene Welt für dich.

Aber ... obwohl die Eingangsdaten für alle Betrachter die gleichen sind, errechnen nicht alle Betrachter das gleiche Ergebnis.
Unterschiedliche Gehirne erzeugen unterschiedliche Realitäten. Die Variationen reichen von subtil bis drastisch.

VlG

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 22:26
von Nicole Fritz
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 21:20 Da fällt mir folgendes ein: ...
.. Es sprach der Software-Entwickler (ich war ja mal selbst auch so einer). :lol: Aber irgendwie so ähnlich ist es wohl tatsächlich. Der eine läuft auf Windows, der andere auf Mac-OS und der nächste auf Android. Und alles dazwischen ist auch möglich. - Bei mir scheinen sowohl ein männliches als auch ein weibliches Betriebssystem aktiv zu sein. Das würde jedenfalls das Chaos in meinem Kopf erklären - man stelle sich nur vor Windows und Linux wären gleichzeitig aktiv. (moin)

.. Und wenn mein neues Buch "DER NICHT-BINÄRE COMPUTER" zum Download bereit steht, melde ich mich. (cow)

LG Nicole (smili)

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Do 6. Feb 2020, 22:53
von Laila-Sarah
Nicole Doll hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 22:26
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 21:20 Da fällt mir folgendes ein: ...
.. Es sprach der Software-Entwickler (ich war ja mal selbst auch so einer). :lol: Aber irgendwie so ähnlich ist es wohl tatsächlich. Der eine läuft auf Windows, der andere auf Mac-OS und der nächste auf Android. Und alles dazwischen ist auch möglich. - Bei mir scheinen sowohl ein männliches als auch ein weibliches Betriebssystem aktiv zu sein. Das würde jedenfalls das Chaos in meinem Kopf erklären - man stelle sich nur vor Windows und Linux wären gleichzeitig aktiv. (moin)

.. Und wenn mein neues Buch "DER NICHT-BINÄRE COMPUTER" zum Download bereit steht, melde ich mich. (cow)

LG Nicole (smili)
Hi Nicole,

ich habe diese Formulierung irgendwo aufgeschnappt, ich weiß es aber nicht mehr woher. Natürlich ist es nicht O-Ton sondern nur was bei mir hängengeblieben ist. Interessant ist aber, wenn die Information (Eingangsdaten) immer gleich sind aber deren Interpretation sich von Individuum zu Individuum ändert. Dann heißt es im Umkehrschluss aber auch, dass es kein Richtig oder Falsch (oder die eine Definition von Mann oder Frau) gibt, sondern Interpretationen die öfter vorkommen oder welche die seltener vorkommen. Aber das wussten wir schon früher nur kann man das als Argument für die Leute nehmen, die immer wieder Argumentieren, dass alles festgesetzt und unverrückbar in Beton gegossen ist.

VlG

Re: Spektrum.de: Unsere inneren Universen

Verfasst: Fr 7. Feb 2020, 00:13
von Inga
Hallo, miteinander,

Hat sich mein Gehirn die Frau in mir (bzw. die weiblichen Seiten in mir) so antrainiert, dass ich sie nicht mehr loslassen kann, sie als Teil meiner Idendität begreife? Ja, dass ich sie in meinem Selbstbildnis wahrnehmen muss? Und mir das Selbstbildnis "zurecht biege" mit Klamotten, optischen Tricks, und ähnlichen? Und was ist in dem Zusammenhang mit den Glücksgefühlen bzw. Zufriedenheitsgefühlen? Wie suche und nutze ich Kontakte zu anderen MEnschen, die auch ihre Wahrnehmung antrainiert haben ?

Wahrnehmungsfehler? Was ist denn "richtige" Wahrnehmung? Wer bestimmt, was richtige Wahrnehmung ist und was die davon abweichenden "Wahrnehmungsfehler" sind?

Klar, es sind spannende Fragen.

@Anja

In deinem Beitragb habe ich den eindruck, dass du "vom Gehirn Gesteuertes" mit "vom Verstand willentlich" gleich setzt. Ich denke, das ist nicht gleich, da es viele vom Gehirn gesteuerte aber unbewusst stattfindende Prozesse allein schon im eigenen menschlichen Körper gibt (wobei es ja auch die Vorstellung gibt, dass ein Teil der unbewussten steuerung, die wir im Gehrin vermuten, vielleicht dort gar nicht statt finden, sondern da wo es eine hohe Nervenendendichte gibt wie im Rückgrat oder auch vielleicht auch am Darm. Nur ab und an werden Kontrollinfos bis ins Gehirn gegeben). Es gibt auch Prozesse, die wir willentlich beeinflussen wollen, aber es geht nicht, wie z.B. bei Schmerzen.

Liebe Grüße
Inga