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Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: So 26. Jan 2020, 21:26
von JuLa67
Hallo ihr lieben Menschen,
wie erlebt ihr im Alltag gendergerechte Sprache und die entsprechenden Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache wegen der besseren Lesbarkeit?
Wie geht ihr persönlich damit um?

Hintergrund:
Auf der Arbeit bekam ich via E-Mail den Hinweis auf den neunen Internetauftritt unserer Firma.
Unten auf der Startseite stand in der Fußnote:

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit nutzen wir Begriffe in männlicher Form.
Selbstverständlich sind immer beide Geschlechter gemeint.

Liebe Grüße
Larissa (wema)

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: So 26. Jan 2020, 22:45
von Nicole Fritz
Hallo Larissa,

als Autor*in bin ich vielleicht ein wenig näher an diesem Thema als manche*r andere*r. In einem amtlichen Schreiben ist das mit Gendersternchen / Schrägstrich / Unterstrich vielleicht nicht wirklich schön aber durchaus praktikabel. Nutzt man jedoch die Sprache als Kunstform, ist es einfach nur unmöglich. Ein so geschriebenes Buch schmeißt jeder nur wütend in die Ecke. Und eine Fußnote? - Die würde bei einem Roman wohl niemand überhaupt wahrnehmen.
JuLa67 hat geschrieben: So 26. Jan 2020, 21:26 .. Selbstverständlich sind immer beide Geschlechter gemeint. ..
.. und schon reingefallen mit dem korrekten Gendern! - was ist mit "divers" (inter-, nicht-binär, ..)? "Und sonstige" wäre zu ergänzen - was schon wieder total bescheuert aussieht.

Eine konkrete Idee, wie es funktionieren soll, habe ich nicht. Einfach ist beispielsweise "sehr geehrtes Publikum" statt "sehr geehrte Damen und Herren". Aber so einfach ist es leider nur selten. Beispiel: "Sagen sie bitte dem Koch, - dem*der Koch*Köchin ?? - dass mir das Essen geschmeckt hat. - Nach längerem überlegen würde ich vielleicht sagen: "Lassen sie es in der Küche wissen ..." - aber auf die Idee muss man erst einmal kommen, wenn der Kellner gerade weg gehen will.

Also: Auch wenn ich ziemlich ratlos bin, ich bin an dem Thema - irgendwie immer wieder einmal - dran.

Liebe Grüße
Nicole

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 00:07
von Andrea aus Sachsen
.
Fußnoten zu einem "männlich" abgefassten Text machen meines Erachtens Sinn, wenn sehr viele Berufsbezeichnungen und andere geschlechtsspezifische Begriffe darin vorkommen. Eine starke Häufung von Genderzeichen in einem Satz macht einfach keinen Spaß beim Lesen und sieht obendrein für meine Begriffe unmöglich aus.
Ansonsten muss ich Nicole recht geben, dass in die Fußnote dann auch die "sonstigen" gehören.

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 02:12
von Dolores59
Nicole Doll hat geschrieben: So 26. Jan 2020, 22:45 Beispiel: "Sagen sie bitte dem Koch, - dem*der Koch*Köchin ?? - dass mir das Essen geschmeckt hat. - Nach längerem überlegen würde ich vielleicht sagen: "Lassen sie es in der Küche wissen ..." - aber auf die Idee muss man erst einmal kommen, wenn der Kellner gerade weg gehen will.

Also: Auch wenn ich ziemlich ratlos bin, ich bin an dem Thema - irgendwie immer wieder einmal - dran.

Liebe Grüße
Nicole
Sagen sie den Kochenden (Mehrzahl, sonst geht es nicht), dass das Essen geschmeckt hat!

Bei diesem Thema kommt manchmal der Schelm in mir durch.

Duckunwech
Dolores

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 08:12
von Svetlana L
Ich hatte es ja kürzlich erst in einem anderen Thema geschrieben - finde ich jetzt aber nicht mehr
Diese Fußnote trägt nichts zur Verbesserung der Gendergerechtigkeit des Textes bei und hat rein rechtfertigende Funktion: Sie ist ein Versuch, die Regeln gendergerechter Sprache zwar anzuerkennen, andererseits aber ihre Anwendung zu vermeiden, ohne dafür gescholten zu werden. Wir raten dazu, eine klare Entscheidung zu treffen: Wenn Sie der Überzeugung sind, dass das 'generische Maskulinum' Frauen gleichberechtigt aufführt, wenn Sie ferner glauben, dass Ihre Leserinnen und Leser auch dieser Meinung sind, wenn Sie also meinen, dass diese sprachliche Form in der Tat die Funktion erfüllt, die ihr oft in traditioneller Orientierung zugesprochen wird, dann gibt es keinen Grund, die Verwendung der Form zusätzlich zu erläutern. In diesem fall benötigen Sie diese Fußnote nicht.

Andererseits: Allein die Existenz dieser Fußnote, allein die gefühlte Notwendigkeit, sie setzen zu müssen, beweist, dass es eben nicht klar ist, wer gemeint ist, wenn in solchen Texten reine Maskulinformen stehen.

(Quelle: Duden - "Richtig gendern")
Ach so: Im Übrigen könntest du die Verantwortlichen eures Webauftritts mal darauf hinweisen , dass es mit männlich/weiblich ja nicht mehr getan ist (und das schon seit über einem Jahr!)

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 09:15
von lexes
Dolores59 hat geschrieben: Mo 27. Jan 2020, 02:12
Sagen sie den Kochenden (Mehrzahl, sonst geht es nicht), dass das Essen geschmeckt hat!
Nicole Doll hat geschrieben: So 26. Jan 2020, 22:45 Beispiel: "Sagen sie bitte dem Koch, - dem*der Koch*Köchin ?? - dass mir das Essen geschmeckt hat. - Nach längerem überlegen würde ich vielleicht sagen: "Lassen sie es in der Küche wissen ..." -
Alles völlig richtig .. und dazu sehr schön kreativ . .

Es täuscht aber nicht darüber hinweg das man aktiv ins Grübeln gerät und seine Sprache verbiegt, nur um niemandem auf die Füße zu treten ..

Bei einer Web-Präsenz oder einem Buch ( Danke für das Beispiel Nicole ) ist das natürlich was anderes ... die Sachen werden geschrieben , von Lektoren o.Ä. geprüft und dann veröffentlich

Im Gespräch ( schnell / direkt / wenig überlegen ) finde ich das aber verflucht unpraktisch . . ..

Gebe aber freimütig zu : Ich hab' auch keine bessere Idee

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 10:00
von Joe95
Dolores59 hat geschrieben: Mo 27. Jan 2020, 02:12
Nicole Doll hat geschrieben: So 26. Jan 2020, 22:45 Beispiel: "Sagen sie bitte dem Koch, - dem*der Koch*Köchin ?? - dass mir das Essen geschmeckt hat. - Nach längerem überlegen würde ich vielleicht sagen: "Lassen sie es in der Küche wissen ..." - aber auf die Idee muss man erst einmal kommen, wenn der Kellner gerade weg gehen will.

Also: Auch wenn ich ziemlich ratlos bin, ich bin an dem Thema - irgendwie immer wieder einmal - dran.

Liebe Grüße
Nicole
Sagen sie den Kochenden (Mehrzahl, sonst geht es nicht), dass das Essen geschmeckt hat!...
Hmm...
Ich sag dann immer nur "es war sehr lecker".
Irgendwie denke ich die Bedienung wirds schon weiter geben.

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 11:13
von Jaddy
Nicole Doll hat geschrieben: So 26. Jan 2020, 22:45Eine konkrete Idee, wie es funktionieren soll, habe ich nicht. Einfach ist beispielsweise "sehr geehrtes Publikum" statt "sehr geehrte Damen und Herren". Aber so einfach ist es leider nur selten. Beispiel: "Sagen sie bitte dem Koch, - dem*der Koch*Köchin ?? - dass mir das Essen geschmeckt hat. - Nach längerem überlegen würde ich vielleicht sagen: "Lassen sie es in der Küche wissen ..." - aber auf die Idee muss man erst einmal kommen, wenn der Kellner gerade weg gehen will.
Die Formulierung "der Küche" war früher gängig. Taucht in vielen alten Filmen auf. Heute würde auch "der Köch"¢in" funktionieren (oder mit * oder _, auf jeden Fall mit der Sprachpause gesprochen). Es sei denn, 1 kennt im konkreten Fall das bevorzugte Pronomen der Person.

Zu den Fußnoten: Die haben eigentlich nur die Aussage "ich ignoriere einfach alle, die sich augegrenzt fühlen"
Bildschirmfoto 2020-01-27 um 11.12.36.png
Siehe https://geschicktgendern.de/schreibweisen/ mit anderen Beispielen; vor allem besseren.

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 17:55
von gagalady
Jaddy hat geschrieben: Mo 27. Jan 2020, 11:13 ...
Zu den Fußnoten: Die haben eigentlich nur die Aussage "ich ignoriere einfach alle, die sich augegrenzt fühlen"
...
Echt Deine Meinung? I am very amused...

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Mo 27. Jan 2020, 21:52
von JuLa67
Svetlana L hat geschrieben: Mo 27. Jan 2020, 08:12 Ich hatte es ja kürzlich erst in einem anderen Thema geschrieben - finde ich jetzt aber nicht mehr
Diese Fußnote trägt nichts zur Verbesserung der Gendergerechtigkeit des Textes bei und hat rein rechtfertigende Funktion: Sie ist ein Versuch, die Regeln gendergerechter Sprache zwar anzuerkennen, andererseits aber ihre Anwendung zu vermeiden, ohne dafür gescholten zu werden. Wir raten dazu, eine klare Entscheidung zu treffen: Wenn Sie der Überzeugung sind, dass das 'generische Maskulinum' Frauen gleichberechtigt aufführt, wenn Sie ferner glauben, dass Ihre Leserinnen und Leser auch dieser Meinung sind, wenn Sie also meinen, dass diese sprachliche Form in der Tat die Funktion erfüllt, die ihr oft in traditioneller Orientierung zugesprochen wird, dann gibt es keinen Grund, die Verwendung der Form zusätzlich zu erläutern. In diesem fall benötigen Sie diese Fußnote nicht.

Andererseits: Allein die Existenz dieser Fußnote, allein die gefühlte Notwendigkeit, sie setzen zu müssen, beweist, dass es eben nicht klar ist, wer gemeint ist, wenn in solchen Texten reine Maskulinformen stehen.

(Quelle: Duden - "Richtig gendern")
Ach so: Im Übrigen könntest du die Verantwortlichen eures Webauftritts mal darauf hinweisen , dass es mit männlich/weiblich ja nicht mehr getan ist (und das schon seit über einem Jahr!)
Hallo Svetlana,
genau das habe ich getan. Ich habe die Kollegin darauf hingewiesen, dass die Formulierung sehr altbacken klingt, wo im Geschäftsalltag von m/ w/ d gesprochen und geschrieben wird.

Liebe Grüße
Larissa

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Di 28. Jan 2020, 00:22
von Patricia
Hallo,
gendergerechte Sprache ist meiner Meinung nach ein Ungetüm welches man schnell begraben sollte. Es ändert absolut nichts, eher im Gegenteil es bewirkt dass das Thema Akzeptanz und Emanzipation ins Lächerliche geraten.
Klar stammen viele Begriffe aus der Vergangenheit und sind maskulin aber das Gendersternchen wird es nicht ändern und stört den Lesefluss Auch die Verwendung von -in ist störend im Lesefluss und so langsam nimmt es echt überhand.
Woran wir arbeiten müssen ist echte Akzeptanz und Gleichberechtigung, dann ändert sich die Sprache ganz von alleine.

Liebe Grüße
Patricia

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Di 28. Jan 2020, 07:33
von Svetlana L
JuLa67 hat geschrieben: Mo 27. Jan 2020, 21:52 genau das habe ich getan. Ich habe die Kollegin darauf hingewiesen, dass die Formulierung sehr altbacken klingt, wo im Geschäftsalltag von m/ w/ d gesprochen und geschrieben wird.
(yes) )))(:

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Di 28. Jan 2020, 08:38
von ExuserIn-2020-10-20
Fiktiver Anzeigentext:

Wir suchen einen neuen Mitarbeiter in der Produktion als Meister m/w/d im Bereich der Schweißtechnik
Wir möchten zum xx.xx.xxxx eine Stelle mit jemandem bestzen der die entsprechenden Qualifikationen inne hat.
Erwartet wird von Ihnen daß Sie sich ------------------
Das Team das sie erwartet ist entsprechend unserer Firmenphilosophie orientiert.
Für weitere Einzelheiten stehen---------- und unsere Web----- zur ---------

Im Webauftritt/Anzeige kann die Firma dann noch einmal klar darstellen, wie angenehm es ist,
in der Zusammensetzung einer Belegschaft zu arbeiten, die sich von der neuen Denkweise im Bezug auf die Geschlechterdifferenzierung inspirieren läßt.

Es reicht doch wenn man klar und deutlich in einem Text an einer Stelle klarmacht was man zum Ausdruck bringen will.
Heute wird vieles mit Gendersternchen überfrachtet. Das ist doch gar nicht nötig, und nur gelegentlich wirklich hilfreich.

Petra Sofie

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Di 28. Jan 2020, 11:01
von Jaddy
Petra Sofie hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 08:38 Fiktiver Anzeigentext:

Wir suchen einen neuen Mitarbeiter in der Produktion als Meister m/w/d im Bereich der Schweißtechnik
Wir möchten zum xx.xx.xxxx eine Stelle mit jemandem bestzen der die entsprechenden Qualifikationen inne hat.
Erwartet wird von Ihnen daß Sie sich ------------------
Das Team das sie erwartet ist entsprechend unserer Firmenphilosophie orientiert.
Für weitere Einzelheiten stehen---------- und unsere Web----- zur ---------
Also mir fällt dabei sehr auf, dass die sich eigentlich einen Kerl vorstellen. Mitarbeiter, Meister, jemandem ... der. Das sticht einfach aus jedem Wort.
Aber das muss nicht sein. Es geht kürzer und deutlicher:
Wir suchen zum xx.xx.xxxx eine Fachkraft Schweißtechnik mit Meisterbrief für unsere Produktion. Ihre Aufgaben sind...
Alternativ könnte das geforderte Zertifikat noch unter Qualifikationen erwähnt werden. Ich vermute, da gibt es inzwischen auch neutrale oder inkludierende Bezeichnungen des Titels. Einfach, neutral, keine Sternchen oder Verrenkungen, und keine langatmigen Statements. Bei dem Text wird nicht einmal das "m/w/d"-Alibi benötigt ;)

Der eigentliche Knackpunkt ist dann natürlich, wenn eine nicht cis-männliche Person dann da auftaucht. Sanitärräume, Namenslisten und Schichtpläne, Firmenveranstaltungen, auchwas zum Beispiel auch betriebliche Sportgruppen betrifft. Und das ist nur der offizielle Teil.

Re: Fußnoten zu nicht gendergerechter Sprache

Verfasst: Di 28. Jan 2020, 12:40
von gagalady
Jaddy hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 11:01
Petra Sofie hat geschrieben: Di 28. Jan 2020, 08:38 Fiktiver Anzeigentext:

Wir suchen einen neuen Mitarbeiter in der Produktion als Meister m/w/d im Bereich der Schweißtechnik
Wir möchten zum xx.xx.xxxx eine Stelle mit jemandem bestzen der die entsprechenden Qualifikationen inne hat.
Erwartet wird von Ihnen daß Sie sich ------------------
Das Team das sie erwartet ist entsprechend unserer Firmenphilosophie orientiert.
Für weitere Einzelheiten stehen---------- und unsere Web----- zur ---------
Also mir fällt dabei sehr auf, dass die sich eigentlich einen Kerl vorstellen. Mitarbeiter, Meister, jemandem ... der. Das sticht einfach aus jedem Wort.
Aber das muss nicht sein. Es geht kürzer und deutlicher:
Wir suchen zum xx.xx.xxxx eine Fachkraft Schweißtechnik mit Meisterbrief für unsere Produktion. Ihre Aufgaben sind...
Alternativ könnte das geforderte Zertifikat noch unter Qualifikationen erwähnt werden. Ich vermute, da gibt es inzwischen auch neutrale oder inkludierende Bezeichnungen des Titels. Einfach, neutral, keine Sternchen oder Verrenkungen, und keine langatmigen Statements. Bei dem Text wird nicht einmal das "m/w/d"-Alibi benötigt ;)

Der eigentliche Knackpunkt ist dann natürlich, wenn eine nicht cis-männliche Person dann da auftaucht. Sanitärräume, Namenslisten und Schichtpläne, Firmenveranstaltungen, auchwas zum Beispiel auch betriebliche Sportgruppen betrifft. Und das ist nur der offizielle Teil.
Deinen Beitrag finde ich gut. Schade, daß Du ihn im letzten Satz selbst konterkarierst...