Ein paar nette Schnipsel aus dem Interview, die mir aufgefallen sind:
Als heranwachsender Junge half Ihnen der Rückzug in den Cyberspace, Ihre weibliche Identität zu entwickeln. Dabei ist der Cyberspace doch eher männlich dominiert.
Das ist in Taiwan anders. Wir bezeichnen Informatiker auch nicht als Software-Ingenieure, sondern als Programm-Designer, sehen das also nicht als etwas Technisches. Schon deshalb gibt es bei uns immer gleich viele Jungen und Mädchen und manchmal sogar mehr Mädchen, die als Programm-Designerinnen arbeiten.
Von wegen Computer sind "männlich". (Waren sie früher nie. Erst die nerd culture der 80er begann non-males rauszudrängen. Mit dem gaming kommen sie langsam zurück, mit tw erheblichen
Konflikten)
Und
transsexuell ist eigentlich auch nicht korrekt:
Sie wurden als Junge geboren, ließen später Ihr Geschlecht und Ihren Namen ändern und identifizieren sich heute als postgender. Sie sagen, es spiele keine Rolle, ob Sie als Mann oder Frau angezogen sind.
Ja, wie auch immer. Ich mag es, Menschen anhand ihrer individuellen Werte wahrzunehmen und nicht durch Typen, Klassen oder Rollen, weil sich diese nun mal ändern. Werte bleiben stabiler und werden mit der Zeit ausgereifter. So behandle ich andere Menschen und so möchte ich auch behandelt werden. Anstatt einem geschlechtsspezifischen sozialen Drehbuch zu folgen, interessiert mich mehr, nach meinen Werten gefragt zu werden.
Zwingt die Gesellschaft Sie nicht manchmal, sich für ein Geschlecht zu entscheiden, zum Beispiel, wenn Sie eine öffentliche Toilette benutzen?
Das ist mir egal, ich benutze einfach die nächstgelegene Toilette.
Ich auch - mit den Nebenfaktoren leerer und sauberer.
Ziemlich tolle Einschätzung des Landes, oder? Vergleichen wir das mal mit Deutschland...
Welche Erfahrungen haben Sie als erste transsexuelle Ministerin der Welt gemacht?
Ich glaube nicht, dass sich die Menschen in Taiwan dafür interessieren, dass ich postgender bin. Das ist einfach normal und sagt viel über Taiwans Inklusivität, Toleranz und die Lebendigkeit unser LGBTIQ+-Szene. Taiwan ist eine ziemlich reife Gesellschaft in dem Sinn, dass die Menschen ihre unterschiedlichen sexuellen Orientierungen, Identitäten und was auch immer respektieren. Das ist der beste Rat, den ich geben kann: Respekt.
Und hier mal ein echter Vorteil und Beitrag, den "wir" geben können:
Macht es für Ihren Beruf einen Unterschied, dass Sie transsexuell sind?
Natürlich. Ich habe zwei Pubertäten durchgemacht, als Mann und als Frau. Das bedeutet, dass ich mich aus erster Hand auf Erfahrungen all dieser Menschen beziehen kann. Wenn etwa eine junge Frau gespürt hat, wie das ist, wenn der männliche Blick auf sie gerichtet wird, so habe ich auch diese Erfahrung gemacht. So kann ich mich vielleicht besser in Menschen einfühlen und verschiedene Positionen nachempfinden, ohne gleich eine Hälfte der Bevölkerung als "andere Menschen" zu betrachten. Ich habe keine binären Kategorien im Kopf.