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Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: So 5. Jan 2020, 12:23
von Sahara
Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
das sind die Fragen die sich seit einigen Wochen in meinem Kopf umtreiben.
Seit einigen Wochen habe ich immer wieder das Bedürfnismich als Frau zu kleiden und auch zu schminken.
Zugegeben in der Vergangenheit hab ich mich schon das ein oder andere mal als Frau "verkleidet" ob es vor 25 Jahren eine Wette mit einer Arbeitskollegin war, oder auch das ein oder andere Mal an Fasching.
Komischerweise waren dies Situationen wo es mir auch fast schon egal war auch so raus zu gehen.
Nur jetzt wo es eben nicht nur um eine Wette oder ums verkleiden geht, beschäftigt das Thema "Ich" mich immer mehr.
Ich bin seit 12 Jahren verheiratet seit knapp zwei 20 Jahren mit meiner Partnerin zusammen und habe einen 10 Jährigen Sohn. Was die ganze Situation für mich nicht einfacher macht.
Vor 2 1/2 Jahren hatte ich einen Burnout und war auch längere Zeit in Behandlung. Wo ich schon viel über mich gelernt habe. So war ich wohl über Jahre ein sehr guter Schauspieler der immer den Starken geben musste, denn als Mann darf man sich ja keine Schwächen erlauben.
Mein Umfeld weis auch noch nichts von meinen Gedanken, somit ist das Frau sein für mich z. ZT. noch ein Versteckspiel. Ich weiß aber auch sehr wohl, daß ich mit meiner Frau bei richtiger Gelegenheit darüber sprechen muss.
Bis dahin lese ich hier im Forum.
Und bin froh Euch hier gefunden zu haben, und entschuldigt das mein Text möglicherweise ein wenig zerstreuselt geschrieben ist. Aber da ist soviel in meinem Kopf was da gerade raus will.
eine zu sich selbst suchende
Sarah
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: So 5. Jan 2020, 12:57
von tabea80
Leider ist es so wenn man regelmäßig das Bedürfnis sich zur frau zu stylen, geht es nicht wieder weg .
Man kann es wenn die Lebensumstände erfordern , es zeitweise unterdrücken, aber das geht dann auf die psyche.
Das Versteckspiel kenn ich bestens
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: So 5. Jan 2020, 13:15
von JuLa67
Hallo Sarah,
das mit dem Burnout kommt mir bekannt vor. Vor meinem Outing brannte ich auch schon. Das verzweifelte Wissen um die Sehnsucht Frau sein zu wollen, aber keine Chance für die Umsetzung zu sehen, verzehrte mich. Der Wunsch nach einer Kur wurde vom Hausarzt in Richtung ReHa und Psychotherapie umgeleitet. Der Psychologe war aber so überlastet, dass er mir nur mit Medikamenten helfen konnte. Deshalb bin ich zu unserer Homöopathin, die auch therapeutische Arbeit macht. Dort habe ich mich zum ersten mal überhaupt geoutet. Im Forum habe ich seinerzeit viel mitgelesen, was mir auch sehr geholfen hat.
Schauspielerei ist für mich auch ein Stichwort. Immer schön den Mann geben. Im.Garten Löcher und Gräben buddeln, wozu brauchen wir einen Bagger? Als Mann habe ich nie Schmuck getragen. Keine Halskette, kein Ring, selbst die Armbanduhr war zu viel. Karneval als Frau zu gehen, hätte für mich bedeutet, der heimlichen Frau zu viel Raum zu geben. Was, wenn einer erkannt hätte, dass das gut zu mir passt? Nein, das war mein großes Geheimnis, mein zweites ich, von dem niemand etwas erfahren durfte...
Danke für deinen Beitrag! Der hat mich zu diesem kleinen Erguss verführt. Ich musste mich schon bremsen, will deinen Fred nicht sprengen
Jeder findet seinen eigenen Weg!
Liebe Grüße
Larissa
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: So 5. Jan 2020, 13:47
von Helga
Hallo Sarah,
es gab hier irgendwo mal einen Thread in welchem Alter das Andersseins das erste Mal ins Bewusstsein kam. Wenn ich ihn finde stelle ich den Link ein. Bei den meisten war es im frühen Kindesalter oder spätestens in der Pubertät. Aber wenn die Neigung zur weiblichen Kleidung erst mal da ist geht sie nicht wieder weg. Sie kann zwar für eine gewisse Zeit verschwinden oder überlagert werden (insbesondere bei frisch verliebten), kommt aber irgendwann wieder zum Vorschein. Ich würde nicht sagen leider. Früher dachte ich "warum bin ich so?", "das tut ein Mann nicht", "was sollen die Leute denken" und den ganzen Quatsch. Mittlerweile sehe ich es als Privileg an einen weiblichen Anteil in meiner Persönlichkeit zu tragen, dies gewährt mich Einblicke und Erfahrungen die ein cis- Mann nie haben wird.
Ob ein Versteckspiel notwendig ist hängt von den persönlichen Umständen ab. Es ist manchmal mühselig und nervig (auch ich verstecke mich noch vor meinen Kindern) kann aber unter Umständen die bessere Lösung sein bevor die Familie zerbricht. Auch tolerante Frauen haben da merkwürdigerweise ganz andere Ansichten wenn es um den eigenen Ehemann geht. Such einen Film zu dem Thema raus und schau die Reaktion deiner Frau an, mach dich zu Karneval richtig schick zurecht und teste wie sie darauf reagiert.
Liebe Grüße
Helga
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: So 5. Jan 2020, 14:01
von Nicole Fritz
Hallo Sarah,
da lese ich jetzt ganz viele Parallelen zu meinem Leben: als Frau beim Karneval, Burnout, Schauspieler, den Starken geben, keine Schwächen zeigen, ... . Das geht alles so lange gut, bis es irgendwann mehr oder weniger heftig zusammen bricht. Bei mir war es sehr heftig. Das war einfach und schwer zugleich.
Irgendwelche nahe stehende Personen für ein Coming Out gab es nicht mehr. Meine Partnerinnen hatten mich schon lange verlassen, meine Mutter, die mich nie alleine lassen konnte, war verstorben, und mein Cousin, die letzte Bezugsperson, wusste schon lange von meinem "Frauenkleider-Fetisch". Als zog ich einfach einen Rock oder ein Kleid an, wenn ich nach draußen ging. Und offensichtlich wunderte sich bei meinen Nachbarn kaum jemand darüber.
Also vermute ich jetzt bei Dir einfach mal die selbe Situation wie bei mir: Mit der Sozialisation als Mann hat es nie halbwegs richtig funktioniert, und eine Alternative den "richtigen" oder "starken" Mann allen nur vorzuspielen gab es nicht. Ich habe diesen Mann immer mehr hassen gelernt. Der war ich nicht, und Nicole schlummerte noch irgendwo tief in meiner Phantasie. Nur zur sexuellen Befriedigung durfte sie immer mal kurz als Objekt der Begierde in Erscheinung treten. Dann brach mit dem Tod meiner Mutter endgültig alles zusammen. Ich stöberte in diesen Forum. Und dann erwachte Nicole richtig zum Leben.
Und was nun? Bin ich trans? Bei einer SHG zeigte man mir "meinen Weg" auf. Ärzte, Psychologen, Gutachten, Hormone, OP, ... - irgend etwas zwischen extremem Unwohlsein und Panik beschlich mich. Und wo sollte mich das hin führen? Bin ich wirklich als Frau im falschen Körper geboren? Auch wenn die anderen das vielleicht glaubten, ich empfinde es so nicht. Meine Rolle als Mann habe ich aber hassen gelernt und zu Ende gespielt. Wie sollte es also weiter gehen?
Dann erfuhr ich etwas über nicht-binäre Menschen: Bigender, Genderfluide, Agender, ... . Wo ich mich da jetzt einordnen soll, ist mir immer noch unklar. Irgendwie ist es von jedem etwas. Aber der Oberbegriff nicht-binär oder Enby passt. Und den Trans-Weg erspare ich mir (zumindest den vollständigen - erst einmal?).
Liebe Grüße
Nicole
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Di 7. Jan 2020, 18:00
von Maximiliana
Sahara hat geschrieben: So 5. Jan 2020, 12:23
So war ich wohl über Jahre ein sehr guter Schauspieler der immer den Starken geben musste, denn als Mann darf man sich ja keine Schwächen erlauben.
Das kenne ich sehr gut und hat wohl bei mir mitunter auch immer wieder MIT dazu beigetragen das meine Beziehungen nicht gehalten haben und letzten Endes such meine Ehe dadurch gescheitert ist.
Ich behaupte mal, es wird sich niemals ganz in sich verstecken lassen u f man muss sich vllt auch neu kenne lernen und neu verstehen.
Ich möchte dir keine Angst machen, zumal meine Situation sicher nicht 1 : 1 auf andere übertragbar ist und nur du deine Situation richtig einschätzen kannst.
Ich kann die Frage nach dem was oder wer bin ich verstehen, gerade wenn man weiß das da zumindest eine Neigung ist , die man sehr lange versucht hat zu verdrängen aus verschieden Motiven heraus.
Heute frage ich mich, wie wäre es gewesen ich hätte den Mut gehabt es auszusprechen.
Ich kenne deine Frau natürlich nicht, wie sie eventuell reagieren könnte weisst wenn dann nur du alleine.
Zumal du dir vllt ja auch die Frage stellst, ist es nur ein Fetisch oder steckt mehr dahinter ?.
Doch auch dann, wenn du merkst es ist ein Teil von dir ,wirst du eine Lösung finden müssen.
Beobachte dich ,reflektiere gründlich und dann musst du entscheiden was das richtige für dich ist und lasse dir Die Zeit die du brauchst.
Hier gibt es zum Glück viele die sehr erfahrem sind und dir sicher besser unterstützen oder beratschlagen könne als ich das vllt kann.
Heute würde ich mir wünschen, ich hätte es auf einen Versuch ankommen lassen und hätte es angesprochen, aber hinterher meint man ja eh immer alles besser zu wissen.
Schwierig, denn die Absolute Lösung kann zumindest ich dir nicht geben , denn jeder Mensch ist einzigartig und empfindet und reagiert dementsprechend anderst .
Lg M&m
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Mi 8. Jan 2020, 01:09
von Inga
Hallo, Sarah,
ja, schön, dass du hierher gefunden hast.
Ich glaube, wenn du dich hier so durchliest, wird sich viel erschließeen und du wirst meken, dass du nicht allein bist auf der Suche nach deinen weiblichen Seiten und wie damit leben.
Noch ein Tipp: Habe vor allem Geduld mir dir selbst, deinen eigenen Weg zu finden.
Liebe Grüße
Inga
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Mi 8. Jan 2020, 05:35
von Michelle_Engelhardt
Deja Vu, liebe Sarah.
Es kommt mit alles sehr bekannt vor, was Du schreibst.....ständig das unbewusste Gefühl, dass etwas fehlt, immer diese unterschwellige Unzufriedenheit, 6 Wochen Aufenthalt in der Tagesklinik, Frau und Kinder.....ja selbst der Titel Deines Threads könnte von mir sein
Für die Zukunft wünsche ich Dir und Deinen Lieben nur das Allerbeste
Michelle
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Mi 8. Jan 2020, 08:35
von Sahara
Vielen Lieben Dank für die ganzen Aufmunternden Worte.
Wie ein alter Chef von mir mal sagte"ob's besser wird wissen wir nicht, aber anders wird es sicher".
Und wie in einem anderen Post bereits geschrieben, die ersten Schritte sind gemacht.
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Mi 8. Jan 2020, 23:23
von Patricia
Auch ich schließe mich meinem Vorrednerinen an.
Ich hatte Frau, hab Kinder, hab immer versucht den starken Mann zu spielen. Habe mich in Arbeit geflüchtet.
Meine Frau wusste es und solange es nur das "verkleiden" war, war es für sie übertragbar.
Anfangs hatte sie mich dabei sogar unterstützt. Sagte aber nach einiger Zeit dass sich mein komplettes Verhalten ändert sobald ich es tue. Das mochte sie nicht.
Ich hingegen verspürte in diesen Momenten einen gewaltigen Zwiespalt in mir. Denn ich fühlte mich sooo gut, das Spiegelbild zeigte jedoch nur einen verkleideten Mann.
Irgendwann habe ich es sein gelassen.
Über Jahre ging es mir psychisch nicht gut, es wurde langsam immer schlechter aber ich schaffte es zu funktionieren. Denn ich musste für meine Familie sorgen.
Im Sommer 2014 kamen Burnout und die Erkenntnis, dass ich u ter recht schweren Depressionen leide.
Mir wurde bewusst warum und daher entschied ich mich nur für eine medikamentöse Therapie. Eine Psychotherapie hätte erfordert dass ich mich meiner Transidentität stellen muss. Das würde jedoch bedeuten, dass ich möglicherweise meine Frau verliere, denn der Wunsch als Frau zu leben war schon lange da.
Also habe ich es weiterhin ignoriert und verdrängt. Dies führte letztendlich dazu, dass ich nicht mehr in der Lage war meiner Frau zu zeigen wie sehr ich sie liebe.
Im letzten Sommer verließ sie mich weil sie sich neu verliebt hat.
Sie hat gekämpft, aber selbst eine grosse Liebe stirbt wenn sie nicht ausreichend erwiedert wird. Doch dazu war ich nicht in der Lage, den ich hasste mich selbst. Dafür wer ich bin. Dafür WAS ich bin. Dafür das ich transident bin.
Im September lernte ich jemand neues kennen. Ich habe mich auf dieses Abenteuer aus purer Verzweiflung eingelassen, denn mit der Trennung von meiner Frau, brach für mich das Kartenhaus welches ich meine Welt nannte, völlig zusammen.
Bereits im Oktober ergaben sich die gleichen Probleme in der neuen Beziehung, welche auch in der alten Beziehung für das Ende gesorgt haben.
Hinzu kamen die Depressionen mit aller Macht zurück.
Ich habe mich eingeschlossen und angefangen zu analysieren was los ist. Dann wurde mir klar, dass ich nicht mehr in der Lage bin, das Schauspiel weiter fortzuführen.
Ich bin kein Mann. Ich war es niemals wirklich. Ich habe nur versucht diese Rolle auszufüllen und bin daran gescheitert.
Seit dem zweiten November lebe ich mein Leben 24/7 als Frau und stelle mich dem Thema.
Ich wollte schon so lange eine Frau sein. Und bevor jetzt jemand sagt, man ist entweder eine Frau oder nicht, ich sehe die Sache ein wenig anders. Ich bin körperlich ein Mann. Ich würde als Mann sozialisiert und habe in dieser privilegierten Rolle fast 44 Jahre gelebt. Ich habe eine gewisse Vorstellung was es bedeutet eine Frau zu sein, aber ich lerne es erst jetzt langsam. Und ja, bisher deutet vieles darauf, dass ich eine Frau bin. Also gehe ich diesen Weg und bin bisher mit allen Fortschritten zufrieden.
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Do 9. Jan 2020, 14:44
von Nicole Fritz
MJPCologne hat geschrieben: Mi 8. Jan 2020, 23:23
Und ja, bisher deutet vieles darauf, dass ich eine Frau bin. Also gehe ich diesen Weg und bin bisher mit allen Fortschritten zufrieden.
Hallo Sarah,
das meiste, was in dieser Antwort geschrieben wurde, kann ich bestätigen. Auch ich habe am Anfang den Trans-Weg eingeschlagen. Ich habe an meinem Outfit herum gefeilt und mich über alles informiert, was da so "auf dem Programm steht": neben HRT und GaOP auch über Bart epilieren, Stimmtraining, usw.. Dabei ist man - wie vorher vielleicht mit Job und Familie - beschäftigt und es drängt eine Depression in den Hintergrund. Was ist aber, wenn ich diesen Weg hinter mich gebracht habe und feststelle, dass ich zwar kein Mann aber auch nicht wirklich eine Frau bin? Dann stehe ich doch wieder neben der Gesellschaft.
Also brach ich "meinen Weg" erst einmal ab. Letzten Sommer lief es noch recht gut. Ich war immer irgendwo unterwegs - Volksfeste, Mittelalter-Markt, usw.. Beim trüben Herbst- und Winterwetter packte mich die Depression dann wieder. Am schlimmsten ist da für mich als Single das Familienfest Weihnachten - das jetzt glücklicherweise vorbei ist. Und die Tage werden wieder länger.
Das derzeitige Winter-Depressionsloch ist für mich jetzt nicht so sehr tief. Wie wäre es aber, wenn ich alles daran gesetzt hätte wie eine Frau auszusehen und zu lernen eine Frau zu sein? Und dann wäre es wieder nur eine Rolle, in die ich mich irgendwie hinein gedrängt fühle. Dann könnte dieses Loch doch richtig tief sein. Und Medikamente? Die betäuben doch nur und geben einem niemals das Gefühl irgendwo hin zu gehören.
Eine Lösung für mein Problem kenne ich nicht, bin mir aber sehr sicher, dass der Trans-Weg für MICH keine Lösung darstellt. Also suche ich jetzt einen Weg, eine Nische in dieser Gesellschaft zu finden, in der ich als Enby wenigstens halbwegs zufrieden leben kann.
Um glücklich zu werden müsste ich eine/x Partnerin/x finden (vieleicht biologisch weiblichx Enby), die/x mich als Enby wirklich liebt - und ich müsste lernen diese Liebe zu erwidern.
Liebe Grüße
Nicole
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Do 9. Jan 2020, 14:57
von Anja
Moinsen
MJPCologne hat geschrieben: Mi 8. Jan 2020, 23:23
Ich wollte schon so lange eine Frau sein. Und bevor jetzt jemand sagt, man ist entweder eine Frau oder nicht, ich sehe die Sache ein wenig anders. [...] Ich habe eine gewisse Vorstellung was es bedeutet eine Frau zu sein, aber ich lerne es erst jetzt langsam. Und ja, bisher deutet vieles darauf, dass ich eine Frau bin. Also gehe ich diesen Weg und bin bisher mit allen Fortschritten zufrieden.
Klingt in meinen Ohren ziemlich durcheinander und nicht wirklich eindeutig, eher merkwürdig. Aber ok.
Es ist ja dein Weg und ich hoffe du hast dabei Begleitung...
Grüße
die Anja
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Do 9. Jan 2020, 16:15
von biene38
Woran erkennt eine Frau, dass sie eine Frau ist und woran erkennt ein Mann, dass er ein Mann ist, und wie fühlt eine Frau und wie fühlt ein Mann? Und ich meine damit nicht die Gedanken oder Wünsche, die mit der sozialen/sozialisierten Geschlechterrolle zu tun haben.
Eine Frage , die ich mir immer wieder stelle, aber keine Antwort weiß...
Zum Beispiel nur weil ein Mann sich gerne schminken oder sich aufreizend anziehen möchte, sich stylen möchte, er sensibel ist usw.(alles was man heutzutage eher Frauen zuschreibt) usf. , heißt nicht, dass er wie eine Frau fühlt oder denkt.
Bei mir ist es so, dass ich mit meinen Wünschen,Vorstellungen, Vorlieben mich viel mehr der sozialen weiblichen Geschlechterrolle nahe fühle, mich damit indentifizieren kann. Als Frau könnte ich mich höchst wahrscheinlich viel besser verwirklichen, da ich viel besser zu der Geschlechterrolle passe.
Meine Frau z.B. hält von Schminken, Highheels, Mode etc. z.B. sehr wenig, viel weniger als ich, ist nicht so sensibel wie ich, füllt die typische Frauenrolle gar nicht so gut aus, hätte wahrscheinlich vor 100 Jahren noch einige Probleme gehabt, sich zu verwirklichen, fühlt sich aber vollkommen als Frau.
Was bin dann ich? Wahrscheinlich ein Mann, dem die männliche Geschlechterrolle viel zu eng ist, eingeschnürt wie in einem Korsett....
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Do 9. Jan 2020, 16:26
von chris
biene38 hat geschrieben: Do 9. Jan 2020, 16:15
Zum Beispiel nur weil ein Mann sich gerne schminken oder sich aufreizend anziehen möchte, sich stylen möchte, er sensibel ist usw.(alles was man heutzutage eher Frauen zuschreibt) usf. , heißt nicht, dass er wie eine Frau fühlt oder denkt.
Bei mir ist es so, dass ich mit meinen Wünschen,Vorstellungen, Vorlieben mich viel mehr der sozialen weiblichen Geschlechterrolle nahe fühle, mich damit indentifizieren kann. Als Frau könnte ich mich höchst wahrscheinlich viel besser verwirklichen, da ich viel besser zu der Geschlechterrolle passe.
Meine Frau z.B. hält von Schminken, Highheels, Mode etc. z.B. sehr wenig, viel weniger als ich, ist nicht so sensibel wie ich, füllt die typische Frauenrolle gar nicht so gut aus, hätte wahrscheinlich vor 100 Jahren noch einige Probleme gehabt, sich zu verwirklichen, fühlt sich aber vollkommen als Frau.
Was bin dann ich? Wahrscheinlich ein Mann, dem die männliche Geschlechterrolle viel zu eng ist, eingeschnürt wie in einem Korsett....
Wow - wie schön gesagt. Ich möchte mich gerne genau an diese Meinung anhängen
LG
Chris
Re: Wusste ich's nicht oder hab ich's nur beiseite geschoben!?!
Verfasst: Do 9. Jan 2020, 16:48
von Anja
Moinsen
biene38 hat geschrieben: Do 9. Jan 2020, 16:15
Woran erkennt eine Frau, dass sie eine Frau ist und woran erkennt ein Mann, dass er ein Mann ist, und wie fühlt eine Frau und wie fühlt ein Mann? Und ich meine damit nicht die Gedanken oder Wünsche, die mit der sozialen/sozialisierten Geschlechterrolle zu tun haben.
Wenn du genau das nicht meinst, warum zählst du dann genau die Dinge auf, die mit der Geschlechterrolle zu tun haben?
Es geht doch um die eigene Identität.
Bevor ich selbst erkannt hab, das ich eine Frau bin, hat mir das schon eine Kollegin direkt auf den Kopf zugesagt... mal als Beispiel
Geborene Frauen haben da ein ganz gutes Gefühl für, ob sie es mit einer Schwester zu tun haben, egal in welchem Körper man steckt.
Grüße
die Anja