Seite 1 von 2
Glauben und trans*
Verfasst: Di 19. Nov 2019, 18:32
von Lavendellöwin
Hi...
ich möchte ganz gern den Gedanken aus Carry's Thread auskoppeln..
viewtopic.php?f=3&t=19180
sie betont ja mehrfach das bei ihr das katholisch-heteronormative Denken verankert ist.
Nun wurde ich auch katholisch erzogen, war in einem katholischen Kindergarten usw.
meine Eltern waren ein "stinknormales" heteronormatives Cis-Ehepaar.
Ups...trotzdem bin ich trans*. Wäre ich jetzt "transer" wenn ich bei einem homosexuellen
Elternpärchen aufgewachsen wäre? Oder weniger? Wohl kaum.
Es stört mich massiv, wenn ein Glaube zur Rechtfertigung für oder gegen was hergezogen wird.
Das ist nicht der Sinn von Glauben.
Das kann jetzt die katholische Kirche oder der Islam sein-völlig egal.
Fundamentalistische Einstellungen verstehe ich nicht..
Meine Eltern haben mir ein freies Leben ermöglicht und mich zu freiem Denken erzogen,
ebenso hat es meinen Pfarrer nicht gestört ob ich damals mit Hose oder Rock kam..
warum denn auch? Der hat ja auch meist einen angehabt...ja, im übertragenen Sinn.
Wäre ich in einem anderen Glaubenssystem ein anderer Mensch, nein, weil ich bin was und wer
ich bin...
was meint ihr?
Alles Liebe Marie

Re: Glauben und trans*
Verfasst: Di 19. Nov 2019, 19:10
von ExuserIn-2020-03-10
Wer glaubt, dass Gott nur Mann oder Frau erschaffen hat, der hat die Schöpfung nicht verstanden.
Oder er hat die schöpfung verstanden und will Macht über andere ausüben.
Mehr muss man darüber nicht sagen.
Lg,
Ute
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Di 19. Nov 2019, 19:45
von Jaddy
Ich hab das nicht so verstanden, dass Carry ihre religiös ausgerichtete Kindheit als Rechtfertigung für irgendwas anführt, sondern mehr dass sie _auch_ dadurch geprägt wurde, wie wohl viele. Wenn eins viele Jahre ziemlich reibungslos und konsistent mit den erlernten Normen durchs Leben kommt, ist eine plötzliche Konfrontation mit etwas völlig neuem im engsten Umfeld natürlich erst mal eine Herausforderung. Gilt nicht nur für religiöse Prägungen, sondern auch für andere Überzeugungen. Zum Beispiel zum Thema Klimakrise, Wirtschaftssyteme, Umgangs- und Sprachformen.
Carry macht das meiner Ansicht nach prima, indem sie nicht auf Glaubenssätzen beharrt, sondern sich die Realität und die eigenen persönlichen Wahrheiten und die ihres Partners anguckt. So eine Offenheit wünsche ich mit häufiger von ideologisch geprägten Menschen

Re: Glauben und trans*
Verfasst: Di 19. Nov 2019, 19:56
von ExuserIn-2019-11-28
Hallo Marie!
Ich glaube weder Gott noch die Seele haben ein Geschlecht. Wir sollten alle glücklich sein, wie wir sind!
Wenn jemand einen anderen Glauben hat, ist das in Ordnung für sie, aber für mich egal.
LG,
Zoe (Kalli)
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Di 19. Nov 2019, 20:35
von heike65
Ich denke Jaddy hat es recht gut auf den Punkt gebracht.
Der Unterschied besteht in der Tat zwischen religiöser Prägung durchs Elternhaus und Umgebung und am anschliessend ziemlich unreflektiertem festhalten an diesem, und das kann man Carry wahrlich nicht vorhalten, im Gegensatz zu manch anderen hier.
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Di 19. Nov 2019, 23:02
von Ulrike-Marisa
Moin,
Glauben und trans* hat m. E. nichts mit Religion zu tun, sondern ist ein Ergebnis der Vielfalt der Schöpfung, derem Pflege und Erhaltung uns alle angeht unabhängig jeglicher Religion. Sobald Religionen Macht ausüben wollen, denke ich verlassen sie den Pfad der Toleranz und werden totalitär in ihrem Alleinvertretungsanspruch als Bringer des Heils und Hälter der alleinigen Weisheit. Religion und Glaube ist eine persönliche Sache, die mir auch als gläubigem Menschen helfen kann, wenn wir uns auf die Grundlage der jeweiligen Religion besinnen, das gilt für alle Religionen gleichermaßen meiner Meinung nach.
Grüße, Ulrike-Marisa
...ich bin das, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben...
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 02:22
von ExuserIn-2023-06-22
Ich bin wohlbehütet in einem katholischen Elternhaus gross geworden. Alles lief gut und ich durfte zufrieden sein. Als dann der Tag kam und die Ereignisse unser Leben durcheinander würfelte, vertraute ich auf mich, meinen Glauben und tat instinktiv das für mich einzig richtige - ich stellte mich der Herausforderung und erlebte wie eine Rose erblüht. Mein Glaube half mir in schwierigen Zeiten das Richtige zu tun und so erlebte und erlebe ich das Wunder der Liebe. Mit meiner Jassi gehe ich einen Weg in dem auch der Glaube zu Gott seinen Platz hat.
Menalee
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 08:12
von ExUserIn-2026-04-08
!EmmiMarie! hat geschrieben: Di 19. Nov 2019, 18:32
Wäre ich in einem anderen Glaubenssystem ein anderer Mensch, nein, weil ich bin was und wer
ich bin...
was meint ihr?
Aus meiner Sicht: ein definitives "Ja".
In unserem Werdegang als Menschen bestimmen Veranlagungen und Entwicklungen unseren Charakter. Wir haben ein enormes Potential möglicher Entwicklungen, wenn wir auf die Welt kommen. Wir können sie nicht umfassend nutzen, sondern die Einflüsse von außen unterstützen oder behindern eine kleine Auswahl dieses Potentials. Das Glaubenssystem (auch "Nichtglauben" ist ein Glauben) ist dabei nur ein Einfluss.
Aber bereits davor unterlagen wir mannigfaltigen Einflüssen. Speziell bei der Geschlechtsentwicklung kommen eine Menge Vorgänge rein physisch zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass das Denken und Empfinden der Mutter dabei eine Rolle spielt. Nicht zu unterschätzen ist auch die Epigenetik, die einen Einfluss haben kann.
Man darf aber nicht die Entwicklung eines einzelnen Menschen verwechseln mit der Ausprägung von Trans in den Gesellschaften. Die Tatsache, dass in vielen, vielleicht sogar allen, Kulturen Transmenschen gibt, bedeutet nicht zwingend, dass der Einzelne darauf unabänderlich von Anfang an darauf festgelegt ist. Es bedeutet nur, dass es immer eine Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass ein Mensch trans ist. Das Glaubenssystem ist auf gesellschaftlicher Ebene nicht dafür verantwortlich, kann aber im Einzelfall, vor allem vorgeburtlich, eine Rolle spielen, in dem es über die Mutter einen Einfluss auf die Entwicklung hat.
Aber letztlich ist jede Meinung hierzu eine Spekulation.
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 09:07
von ExuserIn-2019-12-22
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 08:12
Das Glaubenssystem ist auf gesellschaftlicher Ebene nicht dafür verantwortlich, kann aber im Einzelfall, vor allem vorgeburtlich, eine Rolle spielen, in dem es über die Mutter einen Einfluss auf die Entwicklung hat.
Diese Aussage verstehe ich nicht.
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 09:50
von Engelchen
Ich kann mir vorstellen das es für streng gläubige Christen ein Problem mit Trans/Schwul/Lesbisch/Divers gibt.
Ich selbst bin nicht gläubig und kann somit wenig dazu sagen.
Lisa
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 12:40
von Nicole Fritz
Lisa-Weber hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 09:50
Ich kann mir vorstellen das es für streng gläubige Christen ein Problem mit Trans/Schwul/Lesbisch/Divers gibt.
Ich selbst bin nicht gläubig und kann somit wenig dazu sagen.
Lisa
So ist es wohl, insbesondere bei den Älteren und bei höheren Würdenträgern. Bei der Basis verspüre ich da aber kaum etwas - bei beiden Kirchen. Und bei Moslems dürfte es ähnlich sein. Die meisten sind freundlich zu mir. Ich muss aber dazu sagen, dass ich als bekennende Heidin da ziemlich außen vor stehe. Da gab es wohl mal vor ewigen Zeiten einen Konfirmandenunterricht, aber davon habe ich so gut wie alles vergessen. In der Bibel hat mich irgendwie das Hohelied Salomons am meisten interessiert (für Atheisten: sein Lobgesang über die heidnische Königin von Saba, der bei der jüdischen Priesterschaft überhaupt nicht gut ankam).
Bezüglich des Islam habe ich hier letztlich einen interessanten Vortrag verlinkt:
viewtopic.php?f=145&t=19091#p257854
LG Nicole
PS: Zufall? - Salomon - mein Döner-Spezialist heißt Süleyman.
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 12:49
von Jaddy
Lisa-Weber hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 09:50Ich kann mir vorstellen das es für streng gläubige Christen ein Problem mit Trans/Schwul/Lesbisch/Divers gibt.
Das kommt drauf an, denke ich. Aus der Basis, also den verfügbaren Texten, lässt sich praktisch alles aufbauen. Von einer anarchischen Hippie-Kultur bis zur religiös begründeten faschistischen, von der Selbstaufopferung bis zu Sklaverei und Hexenverbrennung, und dazwischen irgendwo sind Urban I., Albert Schweizer, Luther (der Antisemit und Hexengläubige), Franz von Assisi und so sadistische Extremist"¢innen wie Anjezë Gonxhe Bojaxhiu. Und genau so kann jede Person selbst aufgrund von Prägungen, Erlebnissen und Schlussfolgerungen zu der einen oder anderen Seite hin tendieren.
Die verschiedenen Abzweigungen, Sekten, Kirchen, etc sind letztlich entstanden durch Menschen, die sich eine zu ihnen passende Begründung gesucht und dann mithilfe der verfügbaren Schriften gebastelt haben. Aus Übersetzungen von Übersetzungen von Fragmenten, verschiedenen Versionen ähnlicher Erzählungen, viele hundert Jahre nach ihrer Enstehung relativ willkürlich, aber mit politischer Absicht zusammengestellt zu einer Anthologie. Ob eins Leviticus folgt und "Flüche" wider Vater und Mutter mit dem Tod bestrafen will oder Jesus laut Matthäus und sich um des (neuen) Glaubens bzw. religiösen Extremismus willen von der Familie abwendet, ist also mehr eigene Präferenz.
Das heisst: Religiöse und andere glaubensideologische Argumentation ist immer willkürlich und beruht auf vorgeschobener Autorität. Das entlastet sehr bequem von eigener Verantwortung und der Reflexion der eigenen Bauchgefühle. Liebet eure Nächsten - oder sucht euch ne passende Textstelle, die Gewalt gegen sie scheinlegitimiert.
Um mal auf die Originalfrage einzugehen: Unsere Beziehung zu Gender, sexueller und romantischer Präferenz wären vermutlich ähnlich, aber die Probleme mit uns selbst und den Menschen unserer Herkunftsumgebung vielleicht schwieriger, egal welche intolerante Doktrin dort herrscht.
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 14:54
von ExUserIn-2026-04-08
Keks-Marie hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 09:07
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 08:12
Das Glaubenssystem ist auf gesellschaftlicher Ebene nicht dafür verantwortlich, kann aber im Einzelfall, vor allem vorgeburtlich, eine Rolle spielen, in dem es über die Mutter einen Einfluss auf die Entwicklung hat.
Diese Aussage verstehe ich nicht.
Da es in vermutlich allen Gesellschaften Trans-Menschen gibt, kann ein Glaubenssytem, egal welches, nicht dafür verantwortlich sein. Verantwortlich sind sie aber für Wirkungen, die sie auf Menschen ausübt.
In der vorgeburtlichen Entwicklung gibt zu Beginn kein definiertes Geschlecht. Erst nach einigen Wochen beginnt der Prozess. An diesem Prozess sind eine Menge Faktoren von Bedeutung. Manche dieser Faktoren kann vermutlich von außen beeinflusst werden. So kann ich mir vorstellen, dass z.B. Stress der Mutter einen Einfluss an einer oder mehreren Stellen haben kann. Somit kann auch ein Glaubenssystem auf die Entwicklung eines Kindes Einfluss haben. Das meine ich nicht in dem Sinn, das Glaubensinhalte direkt Einfluss auf die Geschlechtsentwicklung haben, sondern mittelbar und unbeabsichtigt z.B. über Stress. Es ist für mich denkbar, dass Du oder ich in einem anderen Umfeld vielleicht nicht trans geworden wärest. Aber das ist alles ungesteuert. Es ist ein vielgestaltiges Konglomerat unterschiedlicher Einflüsse. Alkoholkonsum oder der Hormonhaushalt der Mutter haben ja auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Fötus. Warum nicht Seelenzustände der Mutter ?
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 16:19
von ExuserIn-2023-06-22
An Gott zu glauben oder eine Christin zu sein, was hat das mit "Trans" zu tun?
Oder wo soll eine Verbindung hergestellt werden?
Auch kann ich nichts darüber finden, das es verwerflich ist das ich eine Frau liebe.
Auszug aus einer Internetseite - die 10 Gebote:
1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Was irgendwelche Kirchenvertreter, Glaubenshüter oder Regierungen aus den Religionen machen ist mir egal.
Auf den 10 Geboten ist mein Glauben aufgebaut und was in der Folgezeit bis heute aus der Religion gemacht wurde,
wozu die Religion benutzt wurde muss ich nicht gut finden.
Ich habe eine Interpretation der 10 Gebote für mich gefunden mit der ich gut zurechtkomme.
Menalee
Re: Glauben und trans*
Verfasst: Mi 20. Nov 2019, 16:34
von Lavendellöwin
Menalee hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 16:19
An Gott zu glauben oder eine Christin zu sein, was hat das mit "Trans" zu tun?
Hallo Menalee...
erst einmal nichts und so sollte es auch sein und bleiben.
Und auch nicht dann, wenn man Muslima oder Hindu ist..
aber zum Beispiel ist in Polen die katholische Kirche mitverantwortlich das
LSBTIQ+ - Personen es sehr schwer haben..
würde ich im Iran "erkannt" werden hätte ich ein ziemliches Problem.
es wäre auch möglich zu sagen "und Gott sah das es gut war"...
Menalee hat geschrieben: Mi 20. Nov 2019, 16:19
Was irgendwelche Kirchenvertreter, Glaubenshüter oder Regierungen aus den Religionen machen ist mir egal.
und genau das machen die genannten Personen oft nicht und daher leiden weltweit Menschen
wie deine liebe Jasmine unter Unterdrückung..wäre dir das egal?
Du trennst also den Glauben von der Institution?
Alles Liebe Marie
ich bin heute wohl etwas aufgebracht, nimm mir das bitte nicht übel Menalee