Was lest Ihr so?
Was lest Ihr so? - # 42

Elvira
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Re: Was lest Ihr so?

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Beitrag von Elvira »

Habe beim Nachdenken gemerkt, daß ich doch eine ganze Reihe Krimis gelesen habe
;-)
Heute möchte ich Euch noch jemanden Interessantes ans Herz legen.
Es ist Janwillem (Lincoln) van de Wetering.
Er gehört meiner Meinung nach zu den Autoren, die wissen wovon sie reden. Van de Wetering hat nämlich anstatt seine Wehrpflicht bei der niederländischen Armee abzuleisten, diese bei der Amsterdamer Polizei erfüllt. Daraus resultieren einige interessante Krimis über die Verhältnisse im Amsterdam der 60er und 70er Jahre.
Später ist er dann nach Maine ausgewandert und hat mit seinen neugewonnenen Ortskenntnissen ein paar spannende Krimis veröffentlicht.
Insbesondere empfehlen möchte ich ihn aber vor allem wegen seinen tiefen Einblicken in die japanische Mentalität!
Er hat sich nicht nur während seiner Polizei-Dienstzeit in Amsterdam mit den dort lebenden Japanern und deren Kultur beschäftigt, sondern er ist auch mehrmals als Tourist in Japan gewesen.
In seinen Krimis vermittelt er aber auch wesentliche Prinzipien des Zen-Buddhismus, denn er hat in einem Zen-Kloster in Japan ein ganzes Jahr zugebracht. Er entwirft also ein etwas ungewöhnliches Szenario, das weit über einen "normalen" Krimi (whodounnit) hinausgeht. Man erfährt also viel über niederländische, amerikanische und japanische Kulturauffassungen im Vergleich miteinander.
Viel Spaß beim Lesen!
Hier ist eine Liste seiner Bücher:

Die Amsterdam-Polizisten

Outsider in Amsterdam (Het lijk in de Haarlemmer Houttuinen / Outsider in Amsterdam, 1975)
Eine Tote gibt Auskunft (Buitelkruid / Tumbleweed, 1975)
Der Tote am Deich (De gelaarsde kater / The Corpse on the Dike, 1976)
Tod eines Straßenhändlers (De dood van een marktkoopman / Death of a Hawker, 1977)
Ticket nach Tokio (Een dode uit het oosten / The Japanese Corpse, 1976)
Der blonde Affe (De blonde baviaan / The Blond Baboon, 1978)
Massaker in Maine (Het werkbezoek / The Maine Massacre, 1979)
Der Commissaris fährt zur Kur (De straatvogel / The Streetbird, 1982)
Ketchup, Karate und die Folgen (Moord zonder lijk, lijk zonder moord / The Mind-Murders, 1983)
Anmerkung: Der erste Teil erschien 1980 als boekenweekgeschenk unter dem Titel De verdachte Verheugt.
Die Katze von Brigadier de Gier (De kat van brigadier de Gier en andere verhalen / The Sergeant’s Cat and Other Stories, 1983)
Rattenfang (De ratelrat / The Rattle-Rat, 1984)
Der Feind aus alten Tagen (De zaak ijsbreker / Hard Rain, 1985)
De Gier im Zwielicht (Drijflijk / Just a Corpse at Twilight, 1993)
Straßenkrieger (Een toevalstreffer / The Hollow-Eyed Angel, 1996)
Ölpiraten (Een ventje van veertig / The Perfidious Parrot, 1997)

Weitere

Das sichere Gefühl (Het veilige gevoel / Safe feeling, oder auch Seesaw Millions, 1982)
Der Schmetterlingsjäger (De vlinderjager, 1984)
Inspektor Saitos kleine Erleuchtung (Inspector Saito's small Satori, 1985)
So etwas passiert doch nicht! (1989)
Kuh fängt Hase (1991)
Sonne, Sand und coole Killer (1993)
Habgier (1999)
Die entartete Seezunge (2002)
Neuauflage: Der Freund, der keiner war. Übersetzt von Klaus Schomburg (2008)

Zen-Buddhismus

De lege spiegel. De Driehoek, Amsterdam 1972
Englische Ausgabe: The Empty Mirror. Routledge & Kegan Paul, London 1973
Deutsche Ausgabe: Der leere Spiegel – Erfahrungen in einem japanischen Zen-Kloster. Nach der englischen Ausgabe übersetzt von Herbert Graf. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1977, ISBN 978-3-462-01232-3.
Ein Blick ins Nichts – Erfahrungen in einer amerikanischen Zen-Gemeinde. (Het dagende niets / A Glimpse of Nothingness, 1973)
Reine Leere – Erfahrungen eines respektlosen Zen-Schülers. (Zuivere leegte / Afterzen, 1999)
Das Kōan und andere Zen-Geschichten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 3-499-60270-9.
Jaddy
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Re: Was lest Ihr so?

Post 617 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Gerade durch mit "Can the Monster speak?" von Paul B. Preciado, siehe hier und Wow!

Ich habe die englische Version gelesen, weil die *hüstel* verfügbar war...

Preciado ist trans masc nichtbinär. Nicht genau zu verorten. Wer "Orlando, meine politische Biografie" von ihm gesehen hat... eben.

Im November 2019 war Preciado eingeladen, vor einer Tagung mit 3500 Psychoanalytiker*innen in Paris zu sprechen. Es ... war wohl ein Ereignis. Preciado kennt sich aus. Siebzehn Jahre Therapie und ein profundes Studium der Psychoanalyse, Historie, (Queer)Politik, Literatur usw. Preciado scheibt im Vorwort, was dann passierte:
„Die Rede löste ein Erdbeben aus. Als ich fragte, ob es im Auditorium einen Psychoanalytiker gibt, der queer, trans oder nicht-binär ist, herrschte Schweigen, das nur von Kichern unterbrochen wurde. Als ich forderte, dass sich die psychoanalytischen Institutionen ihrer Verantwortung gegenüber den gegenwärtigen diskursiven Veränderungen in der Epistemologie der sexuellen und geschlechtlichen Identität stellen sollten, lachte die Hälfte des Publikums, die andere Hälfte schrie oder forderte mich auf, den Raum zu verlassen. Eine Frau sagte so laut, dass ich sie von der Tribüne aus hören konnte: „Wir sollten ihm nicht erlauben zu sprechen, er ist Hitler“. Die Hälfte des Auditoriums applaudierte und jubelte. Die Organisatoren erinnerten mich daran, dass die mir zugewiesene Zeit abgelaufen war, ich versuchte, mich zu beeilen, übersprang mehrere Absätze und schaffte es, nur ein Viertel meiner vorbereiteten Rede zu lesen.
In den folgenden Tagen zerfleischen sich die psychoanalytischen Organisationen gegenseitig. Die École de la Cause Freudienne spaltet sich, die Pro- und Anti-Positionen verschärfen sich“.
Weil die Rede in Teilen und als bootleg Videos im Internet kursierte, hat er sein gesamtes Manuskript als Buch veröffentlicht. Es ist eine gnadenlose Vivisektion und Abrechnung mit dem System voreingenommener Pathologisierung und den aus der Luft gegriffenen Modellen der Psychoanalyse von "normaler" Psyche und Entwicklung, die, wie Preciado erklärt, nicht nur in patriachalen, kolonialen, cis-hetero normativen Gesellschaftsstrukturen entstanden sind, sondern diese auch ausdrücklich stützen wollen, indem jede Abweichung als krank bezeichnet wird und entweder zu "heilen" ist - durch Zurichtung oder Konversion (zurück) zur Norm - oder wegzusperren.

Ganz großartig. Preciado kann gut schreiben, aber auch sehr dicht und akademisch. Ich habe mir teilweise von Copilot helfen lassen, die (englische) Version zu verstehen.

Sehr schön finde ich die Anknüpfung an Kafkas "Bericht an eine Akademie", die auch in der Sprache der Rede immer mal wieder auftaucht. Teilweise wörtlich zitiert und nur leicht angepasst. Das dürfte auch etliche der gebildeteren Zuhörenden ziemlich auf die Palme gebracht haben :)
Elvira
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Re: Was lest Ihr so?

Post 618 im Thema

Beitrag von Elvira »

Für den Janwillem (Lincoln) van de Wetering gilt übrigens das Gleiche wie für Sjöwall/Wahlöö!
In chronologischer Reihenfolge lesen!
Sonst ... (Feinheiten, Bahnhof)
LG
Marlene K.
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Re: Was lest Ihr so?

Post 619 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich habe jetzt den sechsten und siebten Band der Reihe um Gereon Rath hier liegen und den Band "Lunapark" in zwei Tagen zuende gelesen. Hat ja nur 550 Seiten...
Wie immer faszinieren Milieubeschreibung und zeitpolitische Einordnung, aber auch, dass niemand nur sympathisch oder unschuldig ist. Auch wenn die Bücher kein Zeitdokument sind finde ich sie lehrreich und sie zeigen, was Menschen wissen konnten und aktiv verdrängen mussten.

"Marlow", den siebten Band, habe ich gerade angefangen und finde es spannend wie Herr Kutscher selbst den Werdegang von dem Gentlemanverbrecher in einer kurzen Skizze erklärt und nachvollziehbar macht.

Nur zur Hälfte gelesen ist die Autobiographie von Herrn Daniel Zylberstajn-Lewandowski.
Es ist spannend, wie viele Parallelen das Leben des zehn Jahre später als ich geborenen als Nachfahre von Opfern der Shoa zu meinem als Nachfahre von ehemaligen Nazis und als Kriegsenkel bestehen. Die Weitergabe von Traumas, die auch durch bei uns eigene Taten und Haltungen entstehen sind vergleichbar, auch wenn die Schuld hier eindeutig zuortenbar ist.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

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Marlene K.
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Re: Was lest Ihr so?

Post 620 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich habe schon länger den siebten Fall von Greon Rath von Volker Kutscher gelesen und möchte hier meine Gedanken noch mal zusammen fassen.
Ich merke den Romanen an, dass Herr Kutscher Geschichte und Philosophie studiert hat und als Journalist auch tief in heutigen Diskursen steckt.
Er nimmt uns nicht nur mit tief in in den Alltag des Deutschland der Weimarer Republik in Köln oder Berlin sondern auch in die verlorene Vielfalt in Ostpreußen mit den Masuren und mit den Figuren eines Askari und eines Menschen aus aus Kiautschou/ Tsingtao in die durch das "Dritte Reich" überdeckte Kolonialgschichte und deren Folgen.
Spannend fand ich, dass Herr Kutscher die Figur des Sohns einer Chinesin und eines Gutsbesitzersohns als einzige Person durchgängig als mit allen Vorurteilen die wir über Asiaten haben ausgestattet darstellt. Alle anderen Personen sind unabhängig von Aussehen und Herkunft als komplexe Menschen gezeichnet. Ihr anders sein wird nur anhand der Reaktion der Umwelt deutlich.
Für mich führte die Zeichnung dieser Figur und mein Unwohlsein beim Lesen dazu, dass ich mich mal wieder mit den eigenen Bildern und Vorurteilen im Kopf beschäftigte.

Jetzt ist der achte Fall "Transatlantik" und der neunte Fall schon vorbestellt und den Achten kann ich in der Bibliothek vor Ort abholen.

Bei Herrn Daniel Zylbersztajn-Lewandowski hat mich die Weltoffenheit des durch die Familiengeschichte geprägten Journalsten, der mit einer Britin mit afrikanischen Wurzeln verheiratet ist, die er bis zum Tod seines Vaters vor den Eltern verleugnet hat, und die Widersprüchlichkeit der Ideen des trotz eher säkularer Erziehung geprägten, der zum Orthodoxen Judentum übergetreten ist, fasziniert.
Viele Reaktionen der Opfer der immer noch unvorstellbaren aber realen Verbrechen der Deutschen ähneln der durch Schuld verursachten Reaktionen und tradierten Abwehrreaktionen in den Familien des Volkes, aus dem die Täter kamen, den Deutschen, uns allen.
Marlene

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HeikeCD
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Re: Was lest Ihr so?

Post 621 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Marlene K. hat geschrieben: Mo 21. Apr 2025, 09:09 Ich habe schon länger den siebten Fall von Greon Rath von Volker Kutscher gelesen und möchte hier meine Gedanken noch mal zusammen fassen.
Ich merke den Romanen an, dass Herr Kutscher Geschichte und Philosophie studiert hat und als Journalist auch tief in heutigen Diskursen steckt.
Hallo Marlene,

und nicht nur das Eintauchen in diese Zeit mit einer ungefähren Vorstellung davon wie alles enger ung gefährlicher wird für die Menschen ist interessant zu lesen, auch diese Zusammenhänge und "Zufallsbegebenheiten" die aber alle doch irgendwie zusammengehören, ohne zu viel zu spoilern, von Böhms Fall 1927 bis zu diesen Morden 1935 und wie Rath auch mal wieder durch einen glücklichen Umstand dem Tod von der Schippe springt und Marlow ausgetrickst hat...da sag ich nur, Hut ab vor so viel Phantasie, oder "um die Ecke denken".
Ich hab die ja schon alle durch, von daher, sei überrascht was noch kommt.

Liebe Grüße Heike
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
Jaddy
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Re: Was lest Ihr so?

Post 622 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich hab mich gerade gestern ein wenig geärgert. Endlich hatte ich mir "Fremder in einer fremden Welt" vorgeknöpft. Und zwar eben leider die deutsche Übersetzung von Heinleins "Stranger in a Strange Land" von 1961, vervollständigt 2011 von seiner Witwe. Ein SciFi Klassiker, den ich immer vor mir hergeschoben habe. Heinlein hat ne Menge seiner eigenen Weltsicht da rein gepackt und beleuchtet die doch sehr seltsamen Eigenheiten unserer Zeit quasi von aussen. Ein wesentlicher Teil diskutiert die umständlichen Selbstbeschränkungen der Menschen aus keinem sinnvollen Grund, sowie die vielen irrationalen Strukturen, die wir so verinnerlicht haben, dass wir sie nicht mehr hinterfragen. Die zweite Hälfte des Buchs diskutiert sehr ausführlich Religion :)

Zu seiner Zeit war selbst die gekürzte Version ein Bestseller und prägte Hippies, New Age Leute und die sexuelle Revolution. Heute wirkt vieles eher unspektakulär, manches Verhalten der Figuren naiv. Und, naja, Heinlein. Manchmal etwas viel Technozauberei und Figuren, die im Vergleich übermässig kompetent sind.

Was mich geärgert hat war die Übersetzung. Ich hab schon unterwegs seltsame, einfach logisch falsche Wörter bemerkt. Als ich dann das englischsprachige Original daneben gelegt habe, fiel auch sofort die viel simplere Sprache auf. Offenbar wurde hier einfach nach Quantität übersetzt und sämtliche Schönheit und Subtilität einfach übergangen.

Also: Lest es, wenn ihr könnt im Original.

Zur Entspannung gibt's jetzt nochmal die Wayfarer Serie von Becky Chambers.
Marlene K.
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Re: Was lest Ihr so?

Post 623 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

So, schon vor einiger Zeit habe ich den neunten Band der Reihe um Gereon Rath von Volker Kutscher, Transatlantik, gelesen und jetzt erst entdeckt, dass der zehnte Band auch schon erschienen ist. Der ist jetzt vorbestellt. Manchmal bin ich halt etwas verpeilt...

In der Zwischenzeit habe ich von David Baldacci https://de.wikipedia.org/wiki/David_Baldacci "The Target" aus dem Jahr 2014, auf deutsch unter dem Titel "Im Auge des Todes" 2016 erschienen, gelesen.
Eine spannend geschriebene Agentengeschichte, auch wenn der Plot sehr unwahrscheinlich und das schwarz-weiß der guten USA und des bösen Nordkorea etwas nervig ist.

Nicht so spannend wie sonst, aber immer noch lesenswert war das Magazin von ZEIT Geschichte "Was wäre gewesen, wenn...". Es diskutiert die Frage, ob Geschichte an bestimmten Punkten bricht und was sich geändert hätte, wenn die Ereignisse nicht so stattgefunden hätten.

Die beiden Graphic Novels "Der Garten" von Agata Bara ( Mitarbeiterin an der Folkwangschule Essen ) und Paolo Bagilieri https://de.wikipedia.org/wiki/Paolo_Bac ... czeichner) nach dem Buch "Venere Private" von Giorgio Scerbanenco https://de.wikipedia.org/wiki/Giorgio_Scerbanenco unter dem Titel "Privat Venus" haben mich nicht fesseln können. Ich denke, da hätte mir der Krimi besser gefallen.

In der Zwischenzeit habe ich anderes Lesefutter, von dem ich berichten werde.
Marlene

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Re: Was lest Ihr so?

Post 624 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Mal wieder Zeit für ein kleines Update.

Als letztes habe ich eine Graphic Novel, eine gezeichnete Geschichte, von Étienne Davodeu https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%89tienne_Davodeau gelesen. "Lulu die nackte Frau" ist die Geschichte eines kurzen Ausbruchs aus dem Alltag einer Frau, die sich nach langer Pause zur Erziehung ihrer Kinder auf eine Stelle bewirbt und diese nicht bekommt.
In einer Augenblicksentscheidung beschließt sie in dem Küstenort zu bleiben und noch nicht nach Hause zufahren...

Eine wunderbare, vielschichtige Alltagsgeschichte, sehr lesenswert.

Auf ganz andere Weise lesenswert ist die Erzählung seiner Familiengeschichte von Daniel Zylbersteyn-Lewandowski. In dem Buch "Soll sein Schulem: Zorres" erzählt der Autor von der verlorenen Welt der jiddisch sprechenden Askenasin in Polen, seiner holländischen Familie, wirtschaftlichen Erfolg und Assimilation im Kaiserreich und der Weimarer Republik und den Verbrechen der Deutschen zwischen 1933 und 1945, aber auch von Neuanfang und dem Versuch, geraubtes wieder zu erlangen.
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Re: Was lest Ihr so?

Post 625 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

obwohl ich wieder einen Stapel Bücher in der dänischen Bücherei ausgeliehen habe, war erstmal ein Buch in deutscher Sprache dran,
das ich mir sogar gekauft/bestellt habe.
"Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert" - Frauenliebende Frauen über siebzig erzählen.

Die Berichte der Frauen sind so, dass sie mich "verzaubert haben": ganz ohne Hass und Verurteilungen amderer Menschen geschrieben.
"Niedlich" finde ich die Unterschiede im sprachlichen Ausdruck. "Deutsch" geschrieben klingt bei schweizerischen oder österreichischen Texten eben nicht "rein deutsch".

verzaubert-2025-forum.jpg
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Re: Was lest Ihr so?

Post 626 im Thema

Beitrag von Anja61 »

Hallo,

ich habe gerade einen Roman von Tanja Stupar Trifunovic ausgelesen: "Seit ich einen Schwan gekauft habe".

Die bosnische Schriftstellerin schreibt in einer sehr zarten und poetischen Sprache über die heimliche Liebe zwischen einer 45jährigen Bibliotheksangestellten und einer 20jährigen Studentin. Begierde, Vernunft und Wut münden in einen Abschied.
Sehr schön erzählt!

Liebe Grüße
Anja
"Mein Name ist Mensch"

Rio Reiser
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Re: Was lest Ihr so?

Post 627 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,
ich habe festgestellt, dass ich lange hier nichts mehr geschrieben habe.
Der letzte Dresdenkrimi von Frank Goldammer war wieder gut, ebenso die beiden Krimis von Louise Penny mit dem Chiefinspector Armand Gamache: Unruhe im Dorf, ein aufgreifen der Thematik, dass Meinungen extremer Art Unruhe im Volk auslösen können genauso wie radikale Parteien. Der letzte Roman: Ein sicheres Zuhause greift einen alten Fall mit aktuellem Bezug aus der Polizeiarbeit von Gamache und seinen Schwiegersohn auf. Immer wieder erstaunlich, wie die Autorin mit Ideenreichtum und gekonnter Sprache begeistern kann. Ihr neuester Roman der Serie: Der graue Wolf ist schon bestellt in der Bücherei. Er ist gerade herausgekommen.
Zwischendurch habe ich den ersten Band einer Krimireihe aus der Bretagne Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse in Lesearbeit. Ein Mord an einem alten Hotelier in Pont-Aven, niemand hat scheinbar etwas gesehen, bemerkt oder weiß etwas...

Grüße, Ulrike-Marisa
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Re: Was lest Ihr so?

Post 628 im Thema

Beitrag von Christiane »

Moin.
Da gestern auch bei uns mal heiß war, hab ich mich auf Terrasse
mit einem Buch niedergelassen. Dachbodenfund - die ganze
Reihe.
20250623_114044.jpg
In den 2000ern gelesen und spontan wieder Lust darauf bekommen.
Gut geschrieben und er hat wirlich gut recherchiert.
Leider läßt die Serie am Ende sehr nach (Coautor/anderer Übersetzer?). Aber die ersten 8 oder 9 sind wirklich lesenswert.
Christiane
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Re: Was lest Ihr so?

Post 629 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Gerade zuende gelesen habe ich ein Buch, dass mich wirklich verblüfft hat.

Janet Skeslien Charles https://www.penguin.de/autoren/janet-sk ... les/222299 hat mit ihrem Roman "The Paris Library" aus dem Jahr 2021, im selben Jahr auf Deutsch unter dem Titel "Eine Bibliothek in Paris" erschienen, einer überraschenden Institution auch in den Jahren der deutschen Besetzung im zweiten Weltkrieg ein Denkmal gesetzt.

https://en.wikipedia.org/wiki/American_Library_in_Paris

Der Text liegt leider nur auf Englisch vor. Er besagt, dass die 1920 in Paris gegründete Amerikanische Bibliothek die größte Englischsprachige Leihbibliothek auf dem Europäischen Festland ist. Sie besteht ohne Unterbrechung bis heute und die Autorin hat dort gearbeitet und für ihr Buch geforscht.

Sie verhandelt Schuld, Unschuld, Hybris, Überheblichkeit und die Widersprüchlichkeit von Menschen auf dem Hintergrund des besetzten Frankreichs.

Mich lässt es in manchen Fragen noch unbedingter für Toleranz eintreten, aber auch über die Grenzen moralisch einwandfreien Handelns nachdenken. Es macht deutlich, wie leicht Menschen das Gute wollen und trotzdem falsche Enrscheidungen treffen, aber auch das es sich in jedem Falle lohnt für die eigene Würde und die der Mitmenschen einzutreten.
Marlene

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Re: Was lest Ihr so?

Post 630 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

So, jetzt habe ich endlich den letzten Band "Rath" von Volker Kutschers Reihe gelesen.
Ich finde das offene Ende sehr geschickt. Es lässt einfache Antworten über Schuld und Unschuld nicht zu. Es liefert eine mögliche Erklärung der Leugnung eigener Verstrickungen nach 1945. Es lässt die Frage nach dem danach für Charlotte, Friedrich, Gereon und anderen offen...

Neu entdeckt für mich habe ich in einem anderen Forum den finnischen Autoren Arto Paasilinna https://de.wikipedia.org/wiki/Arto_Paasilinna. Ich habe gleich in der örtlichen Bibliothek den Band "Vom Himmel in die Traufe" aus dem Jahr 2011 in der Übersetzung von Regine Pirschel ausgeliehen.
Ich entdecke für mich neue Welten und einen anderen Blick auf die Geschichte zwischen 1933 und 1945 aber auch früher...

Eine unbedingte Leseempfehlung für Fans von trockenem, auch schwarzem, Humor und für uns verwirrende Haltungen.
Marlene

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