Das Leben als Bühne „ "Ja„Sagen“
Verfasst: Mi 29. Mai 2019, 05:32
Hallo Ihr Lieben!
Ich spiele seit etwa 2 Jahren Improvisationstheater. Nicht ganz richtig "¦ ich belege seit dieser Zeit Theaterkurse.
Auftritte sind eher selten und bislang auf Werkschauen beschränkt.
Das Improvisationsspiel folgt verschiedenen Regeln oder greift Systematiken auf, damit auf der Bühne überhaupt ein (Zusammen)Spiel entstehen kann. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, dies zu verstehen und auch annehmen zu können.
Eines der wesentlichen Prinzipien dabei ist das "Ja-Sagen". Es meint das Annehmen von Dingen, die Dir zugetragen werden. Ohne "Ja-Sagen" kann kein Zusammenspiel erfolgen. Das Annehmen von Situationen und Aussagen hört sich erst einmal leicht an, hat aber so sein Tücken. Zu gerne geben wir Kontra, verteidigen unsere Position und fügen gleich das "aber" an das " Ja". Es entsteht ein Ping-Pong-Effekt, der in der Regel dazu führt, dass man auf der Stelle tritt und die Story sich nicht entwickeln kann. Die beste Situation um einen Streit heraufzubeschwören. Natürlich kann ich das auch als gezielte Technik einsetzen. Aber um Streit zu spielen, gibt es noch andere Methoden, die ich besser finde und die auf der Bühne intensiver wirken.
Das "Annehmen" als Lebenseinstellung zu übernehmen ist im Alltag erst einmal schwer, kann aber auch funktionieren. Ich habe es ausprobiert und dabei festgestellt, dass sich Konflikte mit Menschen recht schnell auflösen lassen. Gerade, wenn man mit Hahnenkamm in Situationen schreitet und im Grunde nicht bereit ist, sich auf seinen Gegenüber einzulassen. Wenn man zuhört, sich dabei aber schon innerer Widerstand regt und sich das "aber" formuliert, kann es gut sein sich an das "Ja-Sagen" zu erinnern und es einmal bewusst einzusetzen. Es ist sicher ein Kunst, Meinungen und Argumente nicht an der Egomauer zerschellen zu lassen - man möchte sich ja nicht verbiegen müssen / lassen.
Nicht, dass hier jetzt der falsche Eindruck entsteht, ich würde das bis zur Perfektion können. Das ist bei weitem nicht der Fall. Immer wieder muss mich daran erinnern und mich reflektieren. Warum funktioniert dieses Gespräch grade überhaupt nicht? Sind wir nicht auf den gleichen Ebenen? Was muss, was könnte ich tun, dass Problem zu lösen? Und gleich hinterher: Ich muss nicht immer "Ja-Sagen" und ich muss auch nicht immer alle Problem lösen. Aber dann gehe ich in ein Gespräch, in eine Situation mit sehr starken Grenzen und entsprechendem Konfliktpotential. Das kann durchaus gewollt sein, um zum Beispiel Stärke zu zeigen oder Positionen deutlich zu verfestigen.
Aber hier im Forum geht es doch meist um die Frage nach Hilfe und der Bitte um Lösungsansätze. Ich spüre leider immer wieder, dass in den entstehenden Diskussionen das Prinzip "Annehmen" nicht gelebt werden kann (Ich schließe mich da nicht aus). Es kommt dann meist schnell zu Frontenbildung mit Verhärtungen und weniger zu offenen Diskussionen mit Entwicklung der Positionen. Vielleicht müssen wir mehr an uns selbst arbeiten und weniger auf andere schauen.
Und wie ich schon geschrieben habe, ich wiederhole meine Meinung da gerne: Wir brauchen mehr Gelassenheit und weniger Binärität in unseren Köpfen. Und mit Binärität meine ich auch entsprechende Rollenmuster.
Denn wo ist den bitte im Grunde der Unterschied zwischen einer Damen- oder Herren-Unterhose? Jetzt kommt mir bitte nicht mit Mode oder "Eingriff". Wer bestimmt, dass ein Mann keine Damenwäsche tragen darf und eine Frau keine Herrenwäsche? Das macht "man" nicht. Und genau dieses "man" (also die Gesellschaft) schafft eigene Meinungen, die keine eigenen Meinungen sind. Sich von diesen zu lösen oder sie zumindest mal in Ihrer Wertigkeit zu hinterfragen ist ein wichtiger Schritt im "Ja-Sagen" und Annehmen. Jetzt bin ich aber schon wieder abgedriftet. So tief wollte ich gar nicht gehen.
Ich wünsche alle für morgen einen schönen Vatertag
Liebe Grüße
Vanessa (die auch eine Frau Papa ist und bleibt)
Ich spiele seit etwa 2 Jahren Improvisationstheater. Nicht ganz richtig "¦ ich belege seit dieser Zeit Theaterkurse.
Auftritte sind eher selten und bislang auf Werkschauen beschränkt.
Das Improvisationsspiel folgt verschiedenen Regeln oder greift Systematiken auf, damit auf der Bühne überhaupt ein (Zusammen)Spiel entstehen kann. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, dies zu verstehen und auch annehmen zu können.
Eines der wesentlichen Prinzipien dabei ist das "Ja-Sagen". Es meint das Annehmen von Dingen, die Dir zugetragen werden. Ohne "Ja-Sagen" kann kein Zusammenspiel erfolgen. Das Annehmen von Situationen und Aussagen hört sich erst einmal leicht an, hat aber so sein Tücken. Zu gerne geben wir Kontra, verteidigen unsere Position und fügen gleich das "aber" an das " Ja". Es entsteht ein Ping-Pong-Effekt, der in der Regel dazu führt, dass man auf der Stelle tritt und die Story sich nicht entwickeln kann. Die beste Situation um einen Streit heraufzubeschwören. Natürlich kann ich das auch als gezielte Technik einsetzen. Aber um Streit zu spielen, gibt es noch andere Methoden, die ich besser finde und die auf der Bühne intensiver wirken.
Das "Annehmen" als Lebenseinstellung zu übernehmen ist im Alltag erst einmal schwer, kann aber auch funktionieren. Ich habe es ausprobiert und dabei festgestellt, dass sich Konflikte mit Menschen recht schnell auflösen lassen. Gerade, wenn man mit Hahnenkamm in Situationen schreitet und im Grunde nicht bereit ist, sich auf seinen Gegenüber einzulassen. Wenn man zuhört, sich dabei aber schon innerer Widerstand regt und sich das "aber" formuliert, kann es gut sein sich an das "Ja-Sagen" zu erinnern und es einmal bewusst einzusetzen. Es ist sicher ein Kunst, Meinungen und Argumente nicht an der Egomauer zerschellen zu lassen - man möchte sich ja nicht verbiegen müssen / lassen.
Nicht, dass hier jetzt der falsche Eindruck entsteht, ich würde das bis zur Perfektion können. Das ist bei weitem nicht der Fall. Immer wieder muss mich daran erinnern und mich reflektieren. Warum funktioniert dieses Gespräch grade überhaupt nicht? Sind wir nicht auf den gleichen Ebenen? Was muss, was könnte ich tun, dass Problem zu lösen? Und gleich hinterher: Ich muss nicht immer "Ja-Sagen" und ich muss auch nicht immer alle Problem lösen. Aber dann gehe ich in ein Gespräch, in eine Situation mit sehr starken Grenzen und entsprechendem Konfliktpotential. Das kann durchaus gewollt sein, um zum Beispiel Stärke zu zeigen oder Positionen deutlich zu verfestigen.
Aber hier im Forum geht es doch meist um die Frage nach Hilfe und der Bitte um Lösungsansätze. Ich spüre leider immer wieder, dass in den entstehenden Diskussionen das Prinzip "Annehmen" nicht gelebt werden kann (Ich schließe mich da nicht aus). Es kommt dann meist schnell zu Frontenbildung mit Verhärtungen und weniger zu offenen Diskussionen mit Entwicklung der Positionen. Vielleicht müssen wir mehr an uns selbst arbeiten und weniger auf andere schauen.
Und wie ich schon geschrieben habe, ich wiederhole meine Meinung da gerne: Wir brauchen mehr Gelassenheit und weniger Binärität in unseren Köpfen. Und mit Binärität meine ich auch entsprechende Rollenmuster.
Denn wo ist den bitte im Grunde der Unterschied zwischen einer Damen- oder Herren-Unterhose? Jetzt kommt mir bitte nicht mit Mode oder "Eingriff". Wer bestimmt, dass ein Mann keine Damenwäsche tragen darf und eine Frau keine Herrenwäsche? Das macht "man" nicht. Und genau dieses "man" (also die Gesellschaft) schafft eigene Meinungen, die keine eigenen Meinungen sind. Sich von diesen zu lösen oder sie zumindest mal in Ihrer Wertigkeit zu hinterfragen ist ein wichtiger Schritt im "Ja-Sagen" und Annehmen. Jetzt bin ich aber schon wieder abgedriftet. So tief wollte ich gar nicht gehen.
Ich wünsche alle für morgen einen schönen Vatertag
Liebe Grüße
Vanessa (die auch eine Frau Papa ist und bleibt)