Helga goes shopping
Verfasst: Mi 22. Mai 2019, 21:54
Helga goes Shopping-
Endlich hat die bereits angekündigte erste Shoppingtour als Helga stattgefunden (viewtopic.php?t=18008) . Statt Oldenburg oder Hamburg wurde es allerdings Minden.
Das kam so: Ich hatte mich zu einem mehrtägigen Kongress in Köln angemeldet. Um mehr Freiheiten zu haben hatte ich mein Zimmer nicht im Kongresshotel sondern in einem kleinen Hotel in der Altstadt gebucht. Mein männliches Gepäck hätte problemlos in eine Aktentasche gepasst, da ich noch einige Sachen zusätzlich mitnahm war ich allerdings mit einem ziemlich großen Rollkoffer unterwegs. Natürlich wollte ich die Gelegenheit nutzen und spielte mit dem Gedanken Köln zumindest teilweise als Frau zu erleben. Hierbei hatte ich jedoch nicht damit gerechnet, dass an der Rezeption Tag und Nacht ein Portier- saß der ein unbemerktes Kommen und Gehen unmöglich machte zumal er auch noch die Zimmerschlüssel einkassierte. Dieser Torwächter erzeugte- in dieser - Situation eine- sehr große- Hemmschwelle. Einige werden jetzt sicherlich sagen, dass man sich von Soetwas nicht beirren lassen darf (und haben vermutlich Recht damit), aber der Portier kannte meinen Namen und meine Adresse. Sollte ich mich hier vor einem Fremden outen? Da Köln auch für Männer einiges zu bieten hat zog ich also im Männermodus los, das Crossdressing fand anschließend heimlich im Hotelzimmer statt.
Auf dem Rückweg nach Hause machte ich bei einem alten Freund aus Studienzeiten im Westfälischen halt, wo ich eine allerdings nur noch kurze Nacht verbrachte.
Der kürzeste Weg nach Hause führte am nächsten Tag über die A2 bis nach Minden und von dort über die Bundesstraße nach Bremen. Die verpasste, oder eher verpatzte Gelegenheit in Köln frustrierte mich. Da der Koffer mit der gesamten Ausstattung im Kofferraum lag drängte sich der Gedanke auf dies noch schnell nachzuholen. Also steuerte ich kurz vor Minden einen einsam gelegenen Waldparkplatz an, bastelte mit einer Decke einen Sichtschutz in die Windschutzscheibe, setzte mich auf den Rücksitz und schminkte mich. Ist dies unter optimalen Bedingungen schon recht mühselig, stellt sich dies im Auto trotz des mitgeführten beleuchteten Schminkspiegels als noch schwieriger dar. Aber: Wer schön sein will muss leiden und nach etwa eineinhalb Stunden fühlte ich mich schön genug in die Öffentlichkeit zu gehen. Da ich noch nie zuvor in Minden gewesen bin befragte ich google, und fand die Adresse des Parkhauses Hagemeyer, die ich in das Navi eingab.
Dort angekommen fuhr ich auf die oberste Ebene wo nur 3 Fahrzeuge standen. Die ersten Schritte sind immer die schwersten. Nachdem mir auf der Treppe mehrere Leute entgegenkamen die mir keine Beachtung schenkten würde es leichter. Am Fuß der Treppe kam mir eine Frau entgegen, die möglicherweise auch eine männliche Vergangenheit hatte. Sicher war ich mir allerdings nicht.
Ich verließ das Parkhaus durch einen Hinterausgang und landete auf einer Straße, die von malerischen Fachwerkbauten gesäumt war. Ich trug einen hellbeigen Trenchcoat, darunter ein violettes Kleid italienischen Ursprungs mit raffiniertem Schnitt, der durch Stoffraffungen eine wunderbare Figur zaubert. Schwarze Spangenpumps mit 4cm Absätzen, graublonde Kurzhaarperücke und Sonnenbrille. Zum Glück hatten die Pumps keine Pfennigabsätze, dennoch war das Laufen auf dem Kopfsteinpflaster ziemlich holprig. Die eigentlich Fußgängerzone verlief parallel zu der kleinen Straße in der ich unterwegs war. Nachdem mir mehrere Laute begegnet waren fühlte ich mich reif für den Sturz in das Getümmel.-
In der Fußgängerzone würde ich dann doch von einigen Männern ziemlich unverhohlen angestarrt. Die Frauen waren in dieser Beziehung deutlich diskreter. Ich entschied jedoch ziemlich schnell dass mir dies völlig egal sein konnte. Mit Jeans, Turnschuhen und Bluse hätte ich vermutlich weniger Blicke auf mich gezogen als mit dem langen Mantel, doch wenn ich schonmal rauskomme möchte ich mich auch schick machen. An anderer Stelle im Forum wurde die kürzlich kontrovers diskutiert.
Minden stand ganz im Zeichen der Europawahl. Die AfD hatte einen Stand aufgebaut, Passanten wurden angesprochen. Mich sprach leider niemand an, ich hätte gerne gefragt was die AfD bereit wäre für Menschen wie mich zu tun. Dafür kam mir ein anderer Mann freundlich lächelnd entgegen und sagte: "Die SPD schenkt Ihnen eine Tüte Gummibärchen!" Das war doch mal ein netter Zug. Ich bedankte mich höflich mit leiser, abgerundeter Männerstimme.-
Ermutigt machte ich mich daran die Fußgängerzone zu erkunden. Ich hatte mir 4- Punkte vorgenommen: Etwas anprobieren, etwas kaufen einen Cappuccino trinken und die Damentoilette zu benutzen. Für den Beginn erschien mir C&A am geeignetsten. Ich spielte mit dem Gedanken mir ein langes Sommerkleid zuzulegen und fand eines das halbwegs passabel aussah. Die Umkleidekabine stellte eine gewisse Erleichterung dar, da ich mich endlich unbeobachtet fühlen könnte. Das Kleid war jedoch ein Reinfall. Es war so tief ausgeschnitten dass nicht nur mein unrasiertes Dekolleté sondern auch der BH sichtbar wurde. Im großen Spiegel könnte ich immerhin Make-up und Outfit kontrollieren und beschloss den Mantel aufgrund der hohen Temperaturen offen zu tragen.
Nach Verlassen der Kabine fiel mein Blick auf die Ständer mit Unterwäsche. Als Mann traue ich mich nicht in BHs und Schlüpfern zu kramen (ich stamme halt noch aus einem anderen Jahrhundert), als Frau war dies nach ganz kurzem Zögern und trotz der Verkäuferin die dort Wäre einordnete kein Problem. Da mein 95B zu weit geworden war wollte ich mir eine Nr. kleiner zulegen. Ein passendes Exemplar in bevorzugtem schwarz war schnell gefunden, jedoch konnte ich keine Kasse erspähen. Einfach die Verkäuferin gefragt, die mich freundlich auf "direkt vor der roten Wand" hinwies. Angestellt, bezahlt und freundliche Worte gewechselt. Einkaufen ist so einfach.
Meine Blase forderte mich auf den vierten und vermutlich heikelsten Punkt meiner to do Liste jetzt möglichst zeitnah in Angriff zu nehmen. Bei C&A konnte ich keinen Hinweis auf eine Kundentoilette entdecken, daher verließ ich das Gebäude und wandte mich in Richtung des Kaufhauses Hagemeyer. Direkt hinter dem Eingang war ein Ständer mit netten Sommerkleidern, allerdings alle ohne Verschlüsse, das heißt zum über den Kopf ziehen, was ich unpraktisch finde da ich mich vor dem Anziehen schminke. Die Kundentoilette befand sich im 4.OG. Zielstrebig die Tür mit dem Damen- Symbol angesteuert und eine Kabine aufgesucht. Zum Händewaschen wie selbstverständlich neben zwei anderen Frauen platziert. Keine nahm Anstoß.
Direkt vor dem Kaufhaus war ein Straßencafé mittig in der Fußgängerzone platziert. Um niemandem zu dicht auf die Pelle zu rücken, der möglicherweise an meiner Nähe Anstoß nehmen könnte,- nahm ich an einem freien Tisch in der Ecke Platz. Zu den nächsten besetzten Tischen war jeweils ein Tisch frei. Der südländische Kellner kam und nahm die noch freien Stühle von meinem Tisch weg ohne sich zu erkundigen ob ich noch jemanden erwarte. Dann ging er wieder. Während ich mir überlegte, ob ich aus diesem handeln irgendwelche Schlüsse ziehen sollte, füllten sich die freien Tische neben mir. Der Sicherheitsabstand war völlig unbegründet. Der Kellner kehrte zurück und nahm als erstes meine Bestellung auf bevor die Nebentische dran waren, also waren- auch diese Bedenken unbegründet. Vorsichtig schlürfend um mit dem Milchschaum nicht die Schminke auf meiner Oberlippe zu verschmieren trank ich meinen Cappuccino. Der Lippenstift hinterließ ziemliche Suren auf der Tasse. Ich winkte dem Kellner und rundete die 2,40 auf 3€ auf.
Damit hatte ich die selbstgestellten Aufgaben erfüllt. Ich würde etwas lockerer, hatte mich in der Mindener Fußgängerzone akklimatisiert und wurde in meiner Rolle sicherer. Ich schlenderte durch die Einkaufsstraßen, durchsuchte die rausgestellten Sonderangebote vor den Damenbekleidungsgeschäften (in der Regel zu klein) und machte in einer ruhigen Seitenstraße Bilder von mir selbst.
Bei H&M probierte ich noch zwei Sommerkleider an. Das eine saß wie ein Futtersack das andere hatte wieder einen viel zu tiefen Ausschnitt. Das schönste Kleid im Laden lag neben mir auf dem Stuhl in der Umkleidekabine.
Ich ging noch ein Stück an der Weser spazieren, machte mich dann aber auf den Weg zum Parkhaus da ich (als Mann) zuhause erwartet wurde.-
Ich wollte mir eigentlich einen ruhigen Waldweg für die Demaskierung suchen, aber irgendwie war es wohl so, dass ich das Frausein möglichst lange auskosten wollte. Ich fuhr an sämtlichen Parkplätze und Abzweigungen vorbei. Schließlich erreichte ich das Weichbild von Bremen. Mit meiner Sporttasche in der Hand ging ich in den IKEA Markt. Diesmal steuerte ich zielstrebig die Herrentoilette an und schloss mich in der King-Size Kabine ein. Nach ca. 10 Minuten war ein für die Familie vorzeigbarer Zustand wieder hergestellt, ich machte mich auf den Weg nach Hause.
Ich bin mit meiner ersten richtigen Shoppingtour sehr zufrieden. Es gibt sicher noch einiges am Passing zu verbessern aber man möchte sich ja auch weiterentwickeln.
Aus dieser Tour nehme ich folgende Erkenntnis mit: Die Menschen sehen in mir die Frau, erkennen aber den Mann dahinter. Wenn mir dies bewusst ist muss ich keine Angst vor "Entdeckung" haben und kann mich sehr viel freier bewegen.
Liebe Grüße
Helga
Endlich hat die bereits angekündigte erste Shoppingtour als Helga stattgefunden (viewtopic.php?t=18008) . Statt Oldenburg oder Hamburg wurde es allerdings Minden.
Das kam so: Ich hatte mich zu einem mehrtägigen Kongress in Köln angemeldet. Um mehr Freiheiten zu haben hatte ich mein Zimmer nicht im Kongresshotel sondern in einem kleinen Hotel in der Altstadt gebucht. Mein männliches Gepäck hätte problemlos in eine Aktentasche gepasst, da ich noch einige Sachen zusätzlich mitnahm war ich allerdings mit einem ziemlich großen Rollkoffer unterwegs. Natürlich wollte ich die Gelegenheit nutzen und spielte mit dem Gedanken Köln zumindest teilweise als Frau zu erleben. Hierbei hatte ich jedoch nicht damit gerechnet, dass an der Rezeption Tag und Nacht ein Portier- saß der ein unbemerktes Kommen und Gehen unmöglich machte zumal er auch noch die Zimmerschlüssel einkassierte. Dieser Torwächter erzeugte- in dieser - Situation eine- sehr große- Hemmschwelle. Einige werden jetzt sicherlich sagen, dass man sich von Soetwas nicht beirren lassen darf (und haben vermutlich Recht damit), aber der Portier kannte meinen Namen und meine Adresse. Sollte ich mich hier vor einem Fremden outen? Da Köln auch für Männer einiges zu bieten hat zog ich also im Männermodus los, das Crossdressing fand anschließend heimlich im Hotelzimmer statt.
Auf dem Rückweg nach Hause machte ich bei einem alten Freund aus Studienzeiten im Westfälischen halt, wo ich eine allerdings nur noch kurze Nacht verbrachte.
Der kürzeste Weg nach Hause führte am nächsten Tag über die A2 bis nach Minden und von dort über die Bundesstraße nach Bremen. Die verpasste, oder eher verpatzte Gelegenheit in Köln frustrierte mich. Da der Koffer mit der gesamten Ausstattung im Kofferraum lag drängte sich der Gedanke auf dies noch schnell nachzuholen. Also steuerte ich kurz vor Minden einen einsam gelegenen Waldparkplatz an, bastelte mit einer Decke einen Sichtschutz in die Windschutzscheibe, setzte mich auf den Rücksitz und schminkte mich. Ist dies unter optimalen Bedingungen schon recht mühselig, stellt sich dies im Auto trotz des mitgeführten beleuchteten Schminkspiegels als noch schwieriger dar. Aber: Wer schön sein will muss leiden und nach etwa eineinhalb Stunden fühlte ich mich schön genug in die Öffentlichkeit zu gehen. Da ich noch nie zuvor in Minden gewesen bin befragte ich google, und fand die Adresse des Parkhauses Hagemeyer, die ich in das Navi eingab.
Dort angekommen fuhr ich auf die oberste Ebene wo nur 3 Fahrzeuge standen. Die ersten Schritte sind immer die schwersten. Nachdem mir auf der Treppe mehrere Leute entgegenkamen die mir keine Beachtung schenkten würde es leichter. Am Fuß der Treppe kam mir eine Frau entgegen, die möglicherweise auch eine männliche Vergangenheit hatte. Sicher war ich mir allerdings nicht.
Ich verließ das Parkhaus durch einen Hinterausgang und landete auf einer Straße, die von malerischen Fachwerkbauten gesäumt war. Ich trug einen hellbeigen Trenchcoat, darunter ein violettes Kleid italienischen Ursprungs mit raffiniertem Schnitt, der durch Stoffraffungen eine wunderbare Figur zaubert. Schwarze Spangenpumps mit 4cm Absätzen, graublonde Kurzhaarperücke und Sonnenbrille. Zum Glück hatten die Pumps keine Pfennigabsätze, dennoch war das Laufen auf dem Kopfsteinpflaster ziemlich holprig. Die eigentlich Fußgängerzone verlief parallel zu der kleinen Straße in der ich unterwegs war. Nachdem mir mehrere Laute begegnet waren fühlte ich mich reif für den Sturz in das Getümmel.-
In der Fußgängerzone würde ich dann doch von einigen Männern ziemlich unverhohlen angestarrt. Die Frauen waren in dieser Beziehung deutlich diskreter. Ich entschied jedoch ziemlich schnell dass mir dies völlig egal sein konnte. Mit Jeans, Turnschuhen und Bluse hätte ich vermutlich weniger Blicke auf mich gezogen als mit dem langen Mantel, doch wenn ich schonmal rauskomme möchte ich mich auch schick machen. An anderer Stelle im Forum wurde die kürzlich kontrovers diskutiert.
Minden stand ganz im Zeichen der Europawahl. Die AfD hatte einen Stand aufgebaut, Passanten wurden angesprochen. Mich sprach leider niemand an, ich hätte gerne gefragt was die AfD bereit wäre für Menschen wie mich zu tun. Dafür kam mir ein anderer Mann freundlich lächelnd entgegen und sagte: "Die SPD schenkt Ihnen eine Tüte Gummibärchen!" Das war doch mal ein netter Zug. Ich bedankte mich höflich mit leiser, abgerundeter Männerstimme.-
Ermutigt machte ich mich daran die Fußgängerzone zu erkunden. Ich hatte mir 4- Punkte vorgenommen: Etwas anprobieren, etwas kaufen einen Cappuccino trinken und die Damentoilette zu benutzen. Für den Beginn erschien mir C&A am geeignetsten. Ich spielte mit dem Gedanken mir ein langes Sommerkleid zuzulegen und fand eines das halbwegs passabel aussah. Die Umkleidekabine stellte eine gewisse Erleichterung dar, da ich mich endlich unbeobachtet fühlen könnte. Das Kleid war jedoch ein Reinfall. Es war so tief ausgeschnitten dass nicht nur mein unrasiertes Dekolleté sondern auch der BH sichtbar wurde. Im großen Spiegel könnte ich immerhin Make-up und Outfit kontrollieren und beschloss den Mantel aufgrund der hohen Temperaturen offen zu tragen.
Nach Verlassen der Kabine fiel mein Blick auf die Ständer mit Unterwäsche. Als Mann traue ich mich nicht in BHs und Schlüpfern zu kramen (ich stamme halt noch aus einem anderen Jahrhundert), als Frau war dies nach ganz kurzem Zögern und trotz der Verkäuferin die dort Wäre einordnete kein Problem. Da mein 95B zu weit geworden war wollte ich mir eine Nr. kleiner zulegen. Ein passendes Exemplar in bevorzugtem schwarz war schnell gefunden, jedoch konnte ich keine Kasse erspähen. Einfach die Verkäuferin gefragt, die mich freundlich auf "direkt vor der roten Wand" hinwies. Angestellt, bezahlt und freundliche Worte gewechselt. Einkaufen ist so einfach.
Meine Blase forderte mich auf den vierten und vermutlich heikelsten Punkt meiner to do Liste jetzt möglichst zeitnah in Angriff zu nehmen. Bei C&A konnte ich keinen Hinweis auf eine Kundentoilette entdecken, daher verließ ich das Gebäude und wandte mich in Richtung des Kaufhauses Hagemeyer. Direkt hinter dem Eingang war ein Ständer mit netten Sommerkleidern, allerdings alle ohne Verschlüsse, das heißt zum über den Kopf ziehen, was ich unpraktisch finde da ich mich vor dem Anziehen schminke. Die Kundentoilette befand sich im 4.OG. Zielstrebig die Tür mit dem Damen- Symbol angesteuert und eine Kabine aufgesucht. Zum Händewaschen wie selbstverständlich neben zwei anderen Frauen platziert. Keine nahm Anstoß.
Direkt vor dem Kaufhaus war ein Straßencafé mittig in der Fußgängerzone platziert. Um niemandem zu dicht auf die Pelle zu rücken, der möglicherweise an meiner Nähe Anstoß nehmen könnte,- nahm ich an einem freien Tisch in der Ecke Platz. Zu den nächsten besetzten Tischen war jeweils ein Tisch frei. Der südländische Kellner kam und nahm die noch freien Stühle von meinem Tisch weg ohne sich zu erkundigen ob ich noch jemanden erwarte. Dann ging er wieder. Während ich mir überlegte, ob ich aus diesem handeln irgendwelche Schlüsse ziehen sollte, füllten sich die freien Tische neben mir. Der Sicherheitsabstand war völlig unbegründet. Der Kellner kehrte zurück und nahm als erstes meine Bestellung auf bevor die Nebentische dran waren, also waren- auch diese Bedenken unbegründet. Vorsichtig schlürfend um mit dem Milchschaum nicht die Schminke auf meiner Oberlippe zu verschmieren trank ich meinen Cappuccino. Der Lippenstift hinterließ ziemliche Suren auf der Tasse. Ich winkte dem Kellner und rundete die 2,40 auf 3€ auf.
Damit hatte ich die selbstgestellten Aufgaben erfüllt. Ich würde etwas lockerer, hatte mich in der Mindener Fußgängerzone akklimatisiert und wurde in meiner Rolle sicherer. Ich schlenderte durch die Einkaufsstraßen, durchsuchte die rausgestellten Sonderangebote vor den Damenbekleidungsgeschäften (in der Regel zu klein) und machte in einer ruhigen Seitenstraße Bilder von mir selbst.
Bei H&M probierte ich noch zwei Sommerkleider an. Das eine saß wie ein Futtersack das andere hatte wieder einen viel zu tiefen Ausschnitt. Das schönste Kleid im Laden lag neben mir auf dem Stuhl in der Umkleidekabine.
Ich ging noch ein Stück an der Weser spazieren, machte mich dann aber auf den Weg zum Parkhaus da ich (als Mann) zuhause erwartet wurde.-
Ich wollte mir eigentlich einen ruhigen Waldweg für die Demaskierung suchen, aber irgendwie war es wohl so, dass ich das Frausein möglichst lange auskosten wollte. Ich fuhr an sämtlichen Parkplätze und Abzweigungen vorbei. Schließlich erreichte ich das Weichbild von Bremen. Mit meiner Sporttasche in der Hand ging ich in den IKEA Markt. Diesmal steuerte ich zielstrebig die Herrentoilette an und schloss mich in der King-Size Kabine ein. Nach ca. 10 Minuten war ein für die Familie vorzeigbarer Zustand wieder hergestellt, ich machte mich auf den Weg nach Hause.
Ich bin mit meiner ersten richtigen Shoppingtour sehr zufrieden. Es gibt sicher noch einiges am Passing zu verbessern aber man möchte sich ja auch weiterentwickeln.
Aus dieser Tour nehme ich folgende Erkenntnis mit: Die Menschen sehen in mir die Frau, erkennen aber den Mann dahinter. Wenn mir dies bewusst ist muss ich keine Angst vor "Entdeckung" haben und kann mich sehr viel freier bewegen.
Liebe Grüße
Helga