Ein seltsamer Traum ... und ein großes Danke
Verfasst: Mo 22. Apr 2019, 11:43
Hallo zusammen,
ich möchte Euch gerne von einem Traum erzählen, den ich vor ein paar Tagen hatte. Ein sehr schräger Traum, der mich zwar immer noch ziemlich aufwühlt, mich aber jetzt im Nachhinein auch mit großer Dankbarkeit erfüllt.
Wie so oft bei Träumen ist Vieles nicht rational oder logisch, aber darum geht's ja auch nicht.
Bevor ich beginne, möchte ich noch vorausschicken, dass ich beruflich viel mit Justizanstalten zu tun habe, dann wirkt das Kommende vielleicht nicht ganz so strange.
Also los: Es geht um eine junge Frau. Ich weiß nicht warum, aber sie war im Gefängnis. Irgendwie wohl zu Unrecht, denn ich wollte sie unbedingt befreien. Sie war nicht etwa meine Partnerin, eine Verwandte oder Freundin, aber dennoch war ich geradezu besessen davon ihr zu helfen.
Soweit ich mich noch erinnern kann, begann mein Traum in dem Moment, als ich mit einem Auto in der Tiefgarage der Justizanstalt auftauchte. Sie kam in diesem Moment gerade aus irgendeinem Gang gestürmt und mehrere Justizwachebeamte waren hinter ihr her. Sie sprang in das Auto, der Motor heulte auf und mit quietschenden Reifen ging es durch mehrere Absperrungen hinaus auf die Straße. Alles war so schnell gegangen, dass ich nicht einmal ihr Gesicht hatte sehen können.
Dann fuhren wir über Land; jetzt bedeutend langsamer, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, denn die Polizei suchte bereits nach uns. Wir kamen an mehreren Straßensperren vorbei und mein Ausweis wurde kontrolliert. Nach ihr fragten die Polizisten komischer Weise gar nicht und so konnten wir passieren. Während der ganzen Fahrt sah sie nur beim Seitenfenster hinaus, sodass ich nach wie vor ihr Gesicht nicht sehen konnte. Wir sprachen auch kein Wort; wir wussten beide was zu tun war und es gab nichts zu sagen; nur diese enorme Anspannung und Hoffnung, dass wir nicht erwischt würden.
Wir näherten uns einer weiteren Absperrung und unmittelbar neben den Polizisten stand ein Schulfreund von mir, der auch Polizist ist. Er war jedoch nicht im Dienst, sondern mit zwei Frauen privat unterwegs. Er machte mir ein Zeichen, stehen zu bleiben, also hielt ich an. Mein Freund fragte, ob wir sie nicht vielleicht in den nächsten Ort mitnehmen könnten und da ich auf keinen Fall Aufsehen erregen wollte, willigte ich ein.
Die drei stiegen hinten ein und mein Freund wollte nun wissen, wer denn die Frau neben mir sei. Seine Begleiterinnen beugten sich nach vorne, um ihr Gesicht zu sehen, aber sie hatte sich ganz eng an meine Brust geschmiegt und ihre langen Haare hingen in Strähnen über ihr Gesicht. Ich konnte ihre enorme Angst und ihre Verletzlichkeit fast körperlich spüren und geriet in Panik. Mein Freund durfte auf keinen Fall erfahren, dass sie auf der Flucht war. Ich musste sie um jeden Preis beschützen. Also redete ich wie ein Wasserfall einfach drauf los und stellte ihm eine banale Frage nach der anderen. Was er denn so die ganzen Jahre gemacht habe und welche Hobbys er hätte usw.
Es gelang mir, ihn so lange hinzuhalten, bis wir den Ort erreichten, von wo aus sie alleine weiter sollte.
Es war eine Bar; gerammelt voll mit Leuten. Der perfekte Ort für sie, um unterzutauchen.
Aber mein Freund und die Frauen waren zunehmend misstrauischer geworden. Sie wollten nun unbedingt wissen, wer die Frau ist und folgten uns in das Lokal. Sie war vor mir und ich wollte ihr einen Vorsprung verschaffen. Also bewegte ich mich ganz langsam, machte mich breit und verstrickte meinen Freund hinter mir weiter in ein sinnloses Gespräch. Tatsächlich gelang es ihr so, vorerst in der Menge zu verschwinden.
Kurze Zeit später, während ich immer noch auf ihn einredete, sah ich sie aus dem Augenwinkel heraus im hinteren Teil der Bar wieder auftauchen. Sie hatte sich umgezogen, und obwohl ich sie nur von der Seite sah (also wieder ihr Gesicht nicht erkennen konnte), wusste ich genau, dass sie es ist. Sie wollte durch einen Seitenausgang aus dem Lokal hinaus, aber die vielen Leute behinderten sie, als wollten sie verhindern, dass sie es ins Freie schafft. Inzwischen hatte mein Freund sie ebenfalls entdeckt und wollte nun gemeinsam mit seinen Begleiterinnen zu ihr hin. Ich versuchte ihnen so gut wie möglich den Weg zu versperren, aber sie schoben und drückten so stark gegen meinen Rücken, dass wir ihr immer näher kamen. Ich konnte sie schon fast berühren, während sie weiterhin verzweifelt versuchte, sich zwischen den Leuten einen Weg zur Tür zu bahnen. Gerade als es schien, mein Freund würde sie an mir vorbei zu fassen bekommen, tat sich eine kleine Lücke auf und sie kam vorwärts. Sie wollte sich noch zu mir umdrehen, aber sie schaffte es nicht mehr ihren Kopf zu drehen; schon schloss sich die Lücke wieder. Und auch ich hätte ihr noch so gerne gesagt, wie sehr ich mir wünsche, dass sie glücklich wird - aber alles was mir über die Lippen kam war: "Geh, geh!".
Dann wachte ich völlig verschwitzt und mit rasendem Herzen auf. Es war alles so real gewesen; die Gefühle von Angst und Panik, aber auch diese unendlich tiefe Verbundenheit zu ihr und zuletzt dieser Schmerz, als ich sie loslassen und wegschicken musste, waren so intensiv, dass ich einige Zeit brauchte, bis ich mich wieder halbwegs gefangen hatte.
Obwohl ich keinen blassen Schimmer von Traumdeutung habe, wurde mir schnell klar, was mein Unterbewusstsein mir sagen wollte. Und als ich immer wieder darüber nachdachte, was das denn nun für den weiteren Weg von Luna bedeutet, empfand ich plötzlich auch ein überwältigendes Gefühl der Dankbarkeit.
Dankbarkeit für dieses Forum, für Anne-Mette, die es ermöglicht und für Euch. An diesem Ort kann sie — die Frau, dieser so wesentliche Teil von mir — existieren. Hier kann sie ihre Gedanken mit Menschen teilen, die sie verstehen und an deren Leben und Erfahrungen teilhaben. Durch Eure Geschichten und Beiträge lernt sie mehr über sich selbst, entwickelt sich weiter, wird selbstbewusster und fordernder. Dies ist fürs Erste jener Ort, an dem sie sich nicht länger verstecken muss; der Ort, wo sie nicht mehr eingesperrt ist.
Dafür danke ich Euch von ganzem Herzen.
Alles Liebe
p.s.: Sorry, dass es so lang geworden ist; ich bin im Moment einfach ziemlich emotional.
p.p.s.: Am nächsten Tag hatte ich die letzte Kontrolluntersuchung nach meiner Tumorerkrankung und wurde offiziell als geheilt aus der Nachsorge entlassen. Auf der Heimfahrt vom Krankenhaus holte ich dann noch die Buchungsunterlagen für den Berlin-Urlaub mit meiner Frau Anfang Mai. Was für ein wunderschöner, emotionaler Tag.

ich möchte Euch gerne von einem Traum erzählen, den ich vor ein paar Tagen hatte. Ein sehr schräger Traum, der mich zwar immer noch ziemlich aufwühlt, mich aber jetzt im Nachhinein auch mit großer Dankbarkeit erfüllt.
Wie so oft bei Träumen ist Vieles nicht rational oder logisch, aber darum geht's ja auch nicht.
Bevor ich beginne, möchte ich noch vorausschicken, dass ich beruflich viel mit Justizanstalten zu tun habe, dann wirkt das Kommende vielleicht nicht ganz so strange.
Also los: Es geht um eine junge Frau. Ich weiß nicht warum, aber sie war im Gefängnis. Irgendwie wohl zu Unrecht, denn ich wollte sie unbedingt befreien. Sie war nicht etwa meine Partnerin, eine Verwandte oder Freundin, aber dennoch war ich geradezu besessen davon ihr zu helfen.
Soweit ich mich noch erinnern kann, begann mein Traum in dem Moment, als ich mit einem Auto in der Tiefgarage der Justizanstalt auftauchte. Sie kam in diesem Moment gerade aus irgendeinem Gang gestürmt und mehrere Justizwachebeamte waren hinter ihr her. Sie sprang in das Auto, der Motor heulte auf und mit quietschenden Reifen ging es durch mehrere Absperrungen hinaus auf die Straße. Alles war so schnell gegangen, dass ich nicht einmal ihr Gesicht hatte sehen können.
Dann fuhren wir über Land; jetzt bedeutend langsamer, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, denn die Polizei suchte bereits nach uns. Wir kamen an mehreren Straßensperren vorbei und mein Ausweis wurde kontrolliert. Nach ihr fragten die Polizisten komischer Weise gar nicht und so konnten wir passieren. Während der ganzen Fahrt sah sie nur beim Seitenfenster hinaus, sodass ich nach wie vor ihr Gesicht nicht sehen konnte. Wir sprachen auch kein Wort; wir wussten beide was zu tun war und es gab nichts zu sagen; nur diese enorme Anspannung und Hoffnung, dass wir nicht erwischt würden.
Wir näherten uns einer weiteren Absperrung und unmittelbar neben den Polizisten stand ein Schulfreund von mir, der auch Polizist ist. Er war jedoch nicht im Dienst, sondern mit zwei Frauen privat unterwegs. Er machte mir ein Zeichen, stehen zu bleiben, also hielt ich an. Mein Freund fragte, ob wir sie nicht vielleicht in den nächsten Ort mitnehmen könnten und da ich auf keinen Fall Aufsehen erregen wollte, willigte ich ein.
Die drei stiegen hinten ein und mein Freund wollte nun wissen, wer denn die Frau neben mir sei. Seine Begleiterinnen beugten sich nach vorne, um ihr Gesicht zu sehen, aber sie hatte sich ganz eng an meine Brust geschmiegt und ihre langen Haare hingen in Strähnen über ihr Gesicht. Ich konnte ihre enorme Angst und ihre Verletzlichkeit fast körperlich spüren und geriet in Panik. Mein Freund durfte auf keinen Fall erfahren, dass sie auf der Flucht war. Ich musste sie um jeden Preis beschützen. Also redete ich wie ein Wasserfall einfach drauf los und stellte ihm eine banale Frage nach der anderen. Was er denn so die ganzen Jahre gemacht habe und welche Hobbys er hätte usw.
Es gelang mir, ihn so lange hinzuhalten, bis wir den Ort erreichten, von wo aus sie alleine weiter sollte.
Es war eine Bar; gerammelt voll mit Leuten. Der perfekte Ort für sie, um unterzutauchen.
Aber mein Freund und die Frauen waren zunehmend misstrauischer geworden. Sie wollten nun unbedingt wissen, wer die Frau ist und folgten uns in das Lokal. Sie war vor mir und ich wollte ihr einen Vorsprung verschaffen. Also bewegte ich mich ganz langsam, machte mich breit und verstrickte meinen Freund hinter mir weiter in ein sinnloses Gespräch. Tatsächlich gelang es ihr so, vorerst in der Menge zu verschwinden.
Kurze Zeit später, während ich immer noch auf ihn einredete, sah ich sie aus dem Augenwinkel heraus im hinteren Teil der Bar wieder auftauchen. Sie hatte sich umgezogen, und obwohl ich sie nur von der Seite sah (also wieder ihr Gesicht nicht erkennen konnte), wusste ich genau, dass sie es ist. Sie wollte durch einen Seitenausgang aus dem Lokal hinaus, aber die vielen Leute behinderten sie, als wollten sie verhindern, dass sie es ins Freie schafft. Inzwischen hatte mein Freund sie ebenfalls entdeckt und wollte nun gemeinsam mit seinen Begleiterinnen zu ihr hin. Ich versuchte ihnen so gut wie möglich den Weg zu versperren, aber sie schoben und drückten so stark gegen meinen Rücken, dass wir ihr immer näher kamen. Ich konnte sie schon fast berühren, während sie weiterhin verzweifelt versuchte, sich zwischen den Leuten einen Weg zur Tür zu bahnen. Gerade als es schien, mein Freund würde sie an mir vorbei zu fassen bekommen, tat sich eine kleine Lücke auf und sie kam vorwärts. Sie wollte sich noch zu mir umdrehen, aber sie schaffte es nicht mehr ihren Kopf zu drehen; schon schloss sich die Lücke wieder. Und auch ich hätte ihr noch so gerne gesagt, wie sehr ich mir wünsche, dass sie glücklich wird - aber alles was mir über die Lippen kam war: "Geh, geh!".
Dann wachte ich völlig verschwitzt und mit rasendem Herzen auf. Es war alles so real gewesen; die Gefühle von Angst und Panik, aber auch diese unendlich tiefe Verbundenheit zu ihr und zuletzt dieser Schmerz, als ich sie loslassen und wegschicken musste, waren so intensiv, dass ich einige Zeit brauchte, bis ich mich wieder halbwegs gefangen hatte.
Obwohl ich keinen blassen Schimmer von Traumdeutung habe, wurde mir schnell klar, was mein Unterbewusstsein mir sagen wollte. Und als ich immer wieder darüber nachdachte, was das denn nun für den weiteren Weg von Luna bedeutet, empfand ich plötzlich auch ein überwältigendes Gefühl der Dankbarkeit.
Dankbarkeit für dieses Forum, für Anne-Mette, die es ermöglicht und für Euch. An diesem Ort kann sie — die Frau, dieser so wesentliche Teil von mir — existieren. Hier kann sie ihre Gedanken mit Menschen teilen, die sie verstehen und an deren Leben und Erfahrungen teilhaben. Durch Eure Geschichten und Beiträge lernt sie mehr über sich selbst, entwickelt sich weiter, wird selbstbewusster und fordernder. Dies ist fürs Erste jener Ort, an dem sie sich nicht länger verstecken muss; der Ort, wo sie nicht mehr eingesperrt ist.
Dafür danke ich Euch von ganzem Herzen.
Alles Liebe
p.s.: Sorry, dass es so lang geworden ist; ich bin im Moment einfach ziemlich emotional.
p.p.s.: Am nächsten Tag hatte ich die letzte Kontrolluntersuchung nach meiner Tumorerkrankung und wurde offiziell als geheilt aus der Nachsorge entlassen. Auf der Heimfahrt vom Krankenhaus holte ich dann noch die Buchungsunterlagen für den Berlin-Urlaub mit meiner Frau Anfang Mai. Was für ein wunderschöner, emotionaler Tag.