Habe den Text gelesen.
Bei dem Thema habe ich immer den Eindruck, es gibt auf der einen Seite die Verfechterinnen einer Gendersprache, ihrerseits mit einem weiten Spektrum zwischen vernünftigen Ideen und völlig abgehoben, auf der andern Seite die Schenkelklopfer die alles in der Richtung mit Häme überziehen - und dazwischen die grosse Masse, die das überhaupt nicht interessiert und eigentlich die Sprache so belassen will.
Die Autorin erscheint mir schon ziemlich abgehoben und verrennt sich in manchen Punkten :
Ende der Siebzigerjahre wurde geschrieben: "Leser(innen)", daraus wurde "Leser/innen". Das Wort wurde in der Mitte gespalten, was symbolisiert, dass Frauen die zweite Wahl sind: "Wir reden hier von Lesern; Leserinnen sind unter Umständen mitgemeint."
daraus abzuleiten, "dass Frauen die zweite Wahl sind", ist nicht nachvollziehbar.
Mein Kompromissvorschlag ist, dass wir den Genderstern auf das kleine i setzen. Das löst alle Probleme: Das Wort hat immer noch eine weibliche Anmutung, das Sternchen ist da, zerreißt aber nichts. Ein i mit Stern gibt es auf den Tastaturen noch nicht, aber wir haben auch das @-Zeichen irgendwann auf die Tastaturen bekommen.
... einfach mal einen neuen Buchstaben in die deutsche Sprache und auf allen Tastaturen einführen. Und wenn er nur für die Frau Pusch ist. Geht's noch ?
Das weibliche Geschlecht wurde in der Sprache schon immer diskriminiert: In der Grammatik ist vorgesehen, dass Bezeichnungen für Frauen aus denen für Männer abgeleitet werden, im Deutschen wird dafür ein "-in" angehängt. ...
Außer für Frauen gibt es Ableitungs-Suffixe nur noch für kleine Gegenstände oder Unwichtiges: "-chen", -"lein", "-le" oder "-el": Brötchen, Mädchen, Fräulein, Spätzle, Mädel.
das hat nichts mit Diskriminierung zu tun.
und Mädel oder Spätzle sind weder klein noch unwichtig !
Nebenbei nennt sie noch ein positives Beispiel für ein genderneutrales Wort:
Das Pferd. Es heißt "das Pferd" und dann haben wir "die Stute" und "der Hengst". Aber wenn der Oberbegriff gleich einem Unterbegriff sein soll, das ist doch absurd!
da kenne ich auch Beispiele für die beiden andern Varianten:
Oberbegriff = Unterbegriff(m): Hund (m), Hündin(w) (auch wenn es zusätzlich noch "Rüde" gibt)
Oberbegriff = Unterbegriff(w): Katze (w), Kater (m)
So ist eben die Sprache, nicht immer logisch aber klingt für mich natürlich.
Ich persönlich denke ähnlich wie Anke - es wird sich nur das durchsetzen was praktikabel ist. Man wird sehen.
Nicole Doll hat geschrieben: So 21. Apr 2019, 10:10
Und bei den männlichen Standardformulierungen kann sich da wie bei der Bedeutung von 'Dilettant' ein anderes Verständnis entwickeln. Dann könnte man sagen "Sie ist Frisör" und nicht 'Frisörin', wobei dann 'Frisör' nicht mehr als Mann, der Haare schneidet, sondern als genderneutrale Berufsbezeichnung aufgefasst wird.
Nicole, damit berührst du aber einen Punkt, der von Gendersprachlern (sorry, fällt mir grad kein anderes Wort ein) immer bestritten wird:
Das generische Maskulinum, also daß man die maskuline Bezeichnung "Frisör" gleichzeitig als genderneutral - alle Geschlechter umfassend begreift, das war schon immer ein Kritikpunkt der Gendersprachler.
Von Männern gebraucht ist es genderneutral gemeint, aber wird leider nicht von jeder so aufgefasst. Nachvollziehbar aber schwierig zu lösen.
Randbemerkung zu Dilettant:
im italienischen und im englischen hat das Wort 'dilettante' eine etwas andere (wertfreie) Bedeutung: Amateur
Schönen Sonntag

ascona