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Feminist*innen, Gender und Gedöns

Verfasst: Fr 4. Jan 2019, 10:09
von Marlene K.
Beim Lesen der TAZ bin ich über dieses Interview von Heide Oestreich mit Hajo Schumacher gestolpert:
https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... =post&f=16
"Dr. Hirschhausens kleine Lebensberatung"

Schlüpfrige Sprüche und ein Karrierefimmel gehören für den Politikjournalisten Hajo Schumacher der Vergangenheit an. Denn eine Beziehungskrise machte ihn zum Feministen. Ein Gespräch über Männlichkeit und seinen Frieden mit den Frauen
Hajo S.:
...Wer heute noch witzelt, weil jemand "Studierende" sagt, ist eher peinlich.
Heide O.:
Was war der Auslöser für Ihre Bekehrung?
Hajo S.:
Eine veritable Beziehungskrise. Meine Frau und ich stellten fest, dass wir unbewusst die klassischen Rollen unserer Eltern nachspielten, nachdem die Kinder da waren. Ich kam abends erschöpft nach Hause, und Mutti lag auf dem Sofa. Ich fühlte mich über-, sie sich unterfordert, bei beiden wuchs Unmut.
...
Ein paar Minuten Rollentausch und Perspektivwechsel schaffen mehr Verständnis als jahrelange Streitereien.
...
Erste Erkenntnis: Dieses Chefdings war nicht meins. Meine Frau sagte: Komm bloß nicht mit dem nächsten Führungsjob an. Wenn man den eigenen Helden- und Karrierefimmel infrage stellt, wankt plötzlich auch das Rollenbild, weil nicht mehr viel übrig bleibt vom klassischen männlichen Selbst.
Heide O.:
Weil man nicht mehr der Größte und Stärkste sein muss?
Hajo S.:
Und weil ich kapiert habe, dass das "Gedöns", wie Gerhard Schröder mal sagte, für mich extrem wichtig ist. Work-Life-Fun-Gender-Balance bedeutet für mich nicht Luxus, sondern gelingendes Leben.
Heide O.:
In dem Wort Gedöns steckt ja die gesamte gesellschaftliche Abwertung der Weiblichkeit. Das sind die Schwachen, wir sind die Starken.
Hajo S.:
...Zu Chefzeiten habe ich manchmal schlüpfrige Sprüche gemacht. Bis mir eine ältere Kollegin nett, aber klar sagte, wie so etwas, vor allem in einer Hierar-­chie, auf jüngere Kolleginnen und auch Kollegen wirkt. Inzwischen weiß ich: Solche Witze sind Teil alltäglicher Erfahrungen mit Übergriffigkeiten, die viel mit Machtdemonstration zu tun haben.
Heide O.:
Sie haben die Selbstaufwertung des Mannes durch Leistung im Buch "Heldenfimmel" genannt. Ihren eigenen Heldenfimmel haben Sie dann aufs Laufen verlagert?
Hajo S.:
Ja, der Heldenfimmel für Arme. .... Wer das nicht schafft, kann immer noch Experte werden und sich in Gin-Tastings oder Fußball fliehen: "Der hat Ahnung", lautet das größte Männerkompliment. Die Übersetzung: Der treibt einer immensen Aufwand, um sich nicht mit seinen seelischen Schmerzen zu befassen.
Heide O.:
Sich davon zu verabschieden, stelle ich mir nicht ganz leicht vor.
Hajo S.:
Weil plötzlich die Ablenkung durch Nebensächlichkeiten fehlt und die Sinnfrage auftaucht: Wofür der Quatsch? Ich fand heraus, dass es mir beim Laufen gar nicht um Gesundheit ging, sondern um Anerkennung von anderen. Ein klassisches Leben im Außen, um eigene oder andere Erwartungen zu erfüllen.
Hier sind viele auch bei uns oft verhandelte Fragen, Klischees und Rollenbilder mit angesprochen, für mich auf zutreffende und amüsante Weise.
Mein Sein als Männer liebender Mensch mit oft "weiblich" empathisch geprägter Gefühlswelt hat mich schon immer in den üblichen Sportvereinen und beruflichen Hierarchien anecken lassen, ohne das ich mein Unbehagen immer klar bennen konnte. Hier erkenne ich vieles wieder...

Re: Feminist*innen, Gender und Gedöns

Verfasst: Fr 4. Jan 2019, 10:43
von Marlene K.
Den wichtigsten Teil, gerade für uns, habe ich jetzt glatt ausgelassen:
Heide O.:
Wie war es denn vor diesem Frieden mit den Frauen?
Hajo S.:
Eher islamistisch: Heilige oder Hure. Was in Partnerschaften oft zu dieser tiefen Hassliebe führt mit ihren Piksereien.
Heide O.:
Es ging um "Fuckability". Genau das, was Frauen Männern immer vorwerfen?
Hajo S.:
Ist Frauen total fremd, diese Kategorisierung, schon klar. Für toxisch halte ich die Polarisierung der Geschlechter: stark, schwach, hart, weich. Wir sind aber keine Gegenteile, sondern Variationen der Gattung Mensch. Wenn wir die männlichen und weiblichen Anteile wie einen Schieberegler betrachten, der nie dauerhaft einrastet, würden wir die Realität eher treffen.

Re: Feminist*innen, Gender und Gedöns

Verfasst: Sa 5. Jan 2019, 10:10
von Marlene K.
Da ist mir im Thema wohl ein Missgeschick passiert beim einfügen der Quelle...
Hier die Korrektur:
https://www.taz.de/!5560117/
Danke für den Hinweis, liebe Luise

Re: Feminist*innen, Gender und Gedöns

Verfasst: So 6. Jan 2019, 16:48
von Jaddy
Fein, dass er seine Läuterung beschreibt, aber mein spontaner Gedanke war: Da wird ein Mann dafür gefeiert (und klopft sich selbst auf die Schulter), dass er nach Jahrzehnten Ignoranz wegen einer Beziehungskrise gelernt hat, kein A******** mehr zu sein.