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Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 09:48
von Whoopy Highfly
Hallo Leute,
in der letzten Zeit geht mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Wie soll ein Outing oder soll überhaupt ein Outing gegenüber der ehemaligen Klasse stattfinden?
Ausschlaggebend war der heutige Artikel in der Zeitung, warum ich damit ins Forum gehe.
20181220_Zeitung-klein.jpg
Da viele Klassenkameraden bei mir im Ort leben und arbeiten wird das ja wohl irgendwann nicht mehr zu heimlichen sein. Auch sind einige in vereinen tätig, wo ich auch bin. diejenigen, die auswärts leben, werden das auch mitbekommen, da diese Netzwerke auch greifen.
Unsichtbar machen kann ich mich nicht.
Sogar meine Krankheit war schneller durch die Republik, als gedacht.
Ich fühle mich zwischen 2 Welten. Ich denke, das einige Tolerant sind, andere wieder gleichgültig, andere wieder "¦.
Wie sieht ihr das?
Habt ihr Erfahrung?
"¦?
GLG
Steffi
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 10:01
von Jasmine
Ich bin viel in der Welt unterwegs gewesen, habe im Ausland gewohnt und habe dadurch den Kontakt zu meinen ehemaligen Klassenkameraden -innen verloren. Zum Einen schade, zum Anderen habe ich so viele neue Menschen, Kulturen usw. kennengelernt, das bei mir der Verlust eigentlich als nicht relevant eingestuft wird. Bei Klassentreffen meiner Partnerin erlebte ich das "Ich kann, ich bin, ich habe", ob das so erstrebenswert ist, ich weiß nicht. Aber wenn meiner Partnerin ihre Klassentreffen wichtig sind, unterstütze ich sie gerne.
Liebe Grüße Jasmine
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 10:06
von Svetlana L
Das hätte mich im letzten Jahr auch interessiert, da wir unser 30-jähriges zum Eintritt in die Oberschule feierten. Die Einladung kam per Mail noch an Thomas L und ich habe dann lediglich an alle geantwortet, dass aus Thomas mittlerweile Svetlana geworden ist. Reaktionen kamen keine und letztendlich musste ich mein Kommen wegen eines kurzfristigen Krankenhausaufenthalts auch absagen. Seitdem habe ich nichts mehr von den Mitschüler_innen gehört, kann aber auch nicht behaupten, dass mir dabei irgendetwas fehlt.
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 10:11
von heike65
Hallo Steffi
also ein Klassentreffen habe ich noch nicht erlebt, aber da ich immer noch in der Kleinstadt lebe in der ich aufgewachsen bin, wie auch viele meiner Klassenkameraden/innen brauchte es kein Klassentreffen um mein transsein publik zu machen.
Es war völlig unproblematisch, die coolste Reaktion kam von einer Klassenkameradin die auch mal meine Jugendliebe war.
Ich hoffe ich gebe ihre Worte richtig wieder (sie war als Kundin bei mir im Laden)
"Hi, schaust gut aus so im Rock als Mädel, wie darf ich dich jetzt ansprechen ? Ich mag das unpersönliche "Du" nicht so, und Heiko passt ja nun nicht mehr.....
Heike, ok, du ich hab da null Probleme mit, mein bester Freund aus meiner Lehrzeit ist mittlerweile auch meine beste Freundin, incl. OP, möchtest du dich mit ihr austauschen ? "
Das war nun extrem positiv, aber negatives gab es bis dato nicht, zumindest nicht offen zur schau gestellt.
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 10:25
von Anja
Moinsen
ich hatte dieses Jahr mein erstes Klassentreffen als Frau.
Das Ganze baute sich über eine Facebook-Veranstaltung auf und ich wurde von einer meiner Ex-Freundinnen, mit der ich bei FB befreundet bin, eingeladen.
Es war eine einzige Party, die bis weit in die Nacht rein ging. Wir hatten eine Menge Spaß und es gab keinen, der irgendwelche Probleme mit mir hatte. Und das im tiefsten Osten
Natürlich kam die Frage nach "der OP" auf, aber damit hatte ich natürlich gerechnet...
Davon ab aber war alles gut.
Bisher bin ich (mit meiner offenen Art) auch noch nie auf Ablehnung gestoßen. Obwohl ich im Vorfeld schon sehr nervös gewesen bin. Aber ich bin dann zusammen mit meiner Ex und noch einer Klassenkameradin dorthin gefahren, so fühlte ich mich in der kleinen Gruppe zumindest etwas geschützt. Aber das war eigentlich garnicht nötig, wie sich hinterher heraus stellte.
Grüße
die Anja
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 17:48
von Whoopy Highfly
Vielen dank für eure Antworten.
Da vermutlich nächstes Jahr unser Klassentreffen ansteht, habt ihr mir einige Aspekte aufgezeigt.
Ich bin immer noch unschlüssig und weiß noch nicht wo ich stehe.
Bevor ich nicht weiß, wer oder was ich bin oder sein werde, denke ich, dass ich dem Treffen fern bleiben werde.
Meine Unsicherheit wird immer größer und das "Wasser" immer näher. (Meine die Tränen, die ich vergieße).
Gruß
Steffi
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 22:59
von ExuserIn-2022-05-28
Hi, habe ich schon hinter mir mein Bericht dazu gibt es
Hier
https://www.transtreff-iserlohn.de/2018 ... entreffen/ zu lesen.
LG Chrissie
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Do 20. Dez 2018, 23:03
von Andrea aus Sachsen
.
Voriges Jahr war ich 40 Jahre nach Schulabschluss zum ersten Mal auf einem Klassentreffen. Während ich früher in der männlichen Rolle viel zu menschenscheu war, um zu so einem Treffen zu gehen und außerdem glaubte, nichts interessantes beitragen zu können, fieberte ich dem diesmal regelrecht entgegen. Der Vollständigkeit wegen muss ich aber auch erwähnen, dass ich damals, kurz nachdem ich eine neue Arbeit gefunden hatte, mit mir und der Welt erst einmal "im Reinen" war. Wäre ich dagegen in "Hartz 4" gelandet, hätte ich möglicherweise nicht das Bedürfnis nach so einem Treffen gehabt.
Ich wurde nicht enttäuscht. In lockerer Atmosphäre gab es viele nette und interessante Gespräche, an die ich mich gern erinnere. Von Imponiergehabe oder dem "Wetteifern", wer mehr vorzuweisen habe, war nicht das geringste zu spüren.
Die meisten meiner ehemaligen Mitschüler(innen) waren von meiner äußerlichen und charakterlichen Veränderung positiv überrascht. Richtig negative Reaktionen gab es keine. So freue ich mich bereits jetzt auf das nächste Klassentreffen.
Ich hatte auch in meinem "Tagebuch" etwas dazu geschrieben:
viewtopic.php?p=177431#p177431
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 03:53
von Ronda_PTL
Hallo Steffi:
Ich habe den Artikel aus der Zeitung gelesen und finde die dortigen Überlegungen, Befürchtungen und Ratschläge durchwegs nah an der Realität und kann daher auch Deine tiefen Bedenken und Zweifel gut verstehen.
in der letzten Zeit geht mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Wie soll ein Outing oder soll überhaupt ein Outing gegenüber der ehemaligen Klasse stattfinden?
Ausschlaggebend war der heutige Artikel in der Zeitung, ...
Nun bin ich zwar als PTL/CD/TZF nicht in der 1:1 gleichen Situation wie die TRANS-Mädels, die hier schrieben, wie problemlos und offen / tolerant / feundlich, ja fast schon "selbstverständlich" so ein Klassentreffen nach mehreren Jahrzehnten für sie ablief, aber ich habe doch große Mühe zu glauben, dass es IMMER so locker und glatt abgehen wird.
Mir scheint da sind besonders gute Beispiele von sehr selbstsicheren Persönlichkeiten in der Mehrzahl, mit offenbar auch außergewöhnlich guten Erinnerungen an die "Schulzeit" / den Klassenverband ...
Wenn ich allein dran denke, wie verkrampft und auch teils wirklich typisch (so wie im Artikel geschildert) unsere Klasentreffen da oftmals abliefen, will ich mir gar nicht ausmalen wie es gewesen wäre, wenn ich mich offen als PTL/CD dort geoutet hätte.

Bestenfalls wäre ich wohl wieder in die Schublade gesteckt worden: "Naja, Du warst ja immer schon ein etwas Spinnerter und konntest wenig mit Konventionen und Regeln der Gesellschaft anfangen!"
Ich muss dabei fairerweise hinzufügen, dass ich mein Abitur an einem damals noch NICHT koeduktaivem Gymnasium (= reine Jungens-Schule) und NICHT mehr im Klassenverband, sondern in der damals gerade neu eingeführten "Kollegstufe" gemacht habe, will sagen: Wir hatten gar keine Klassenverbände mehr in den letzten 2 Jahren vor dem Abi. Insofern ist der Vergleich vielleicht doppelt schwierig, zudem verbrachte ich diese Zeit im wohl konservativsten, strikt katholisch dominierten Bayern, was die Soziostruktur angeht. Wir waren für eine Großstadt schon immer mehr als "konventionell", um nicht zu sagen "ignorant".

Fazit an Dich: Ich kann Deine Gefühle und Gedanken nachvolziehen, liebe Steffi. Ich würde mir das an Deiner Stelle wohl nur zumuten, wenn Dein Innerstes, Dein Weg und Deine "Reise" zu Dir so weit fortgeschtitten ist, dass Du auch mit möglichen negativen Reaktionen gut umgehen gelernt hast. Sonst kostet Dich so ein Treffen womöglich mehr Energie, als Du an positivem Input mit nach Hause nimmst. Wenn Du aber für Dich ein positives Gefühl aufbauen kannst, dann kann es sicher ähnlich wirken wie bei Deinen TS/TG-Schwestern.
Hoffe ich konnte ein klein wenig Sinnvolles beitragen?
GLG Ronda

Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 04:48
von Rabea-Marie
Hallo Steffi oder besser Guten Morgen!
Also wenn es sowieso hierauf hinausläuft:
Da viele Klassenkameraden bei mir im Ort leben und arbeiten wird das ja wohl irgendwann nicht mehr zu heimlichen sein.
Würde ich behaupten, bei der Gelegenheit sparst du dir viele unstrukturierte Einzelgespräche... Wenn es so ist wie du sagst und früher oder später kommt es sowieso raus, sparst du dir auch den Buschfunk!
Besser es erfahren möglichst viele aus deinem Mund, wenn sie es schon wissen müssen, als du triffst einen und der erzählst dem nächsten, und dem nächsten und dem nächsten...
Wir alle haben wohl als Kinder Stillepost gespielt und wissen was am Ende dabei raus kommt...
Ich hab es jetzt nach und nach allen meinen Freunden, also wirklich Freunde keine Bekannten, erzählt und es ist befreiend! Letztes Wochenende war ich mit ihnen das erste mal als Rabea feiern. War total super! Ich kann mit der Frau von meinem besten Freund über Make Up reden, mit ihm über Sorgen und Ängste.
Positiver Nebeneffekt, umso mehr Menschen es wissen die mir wichtig sind, umso egaler wird mir was der Rest so denkt.
LG Rabea
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 07:01
von Whoopy Highfly
Hallo Mädels,
Vielen Dank für euer Statement.
Manche Sicht der Dinge sehe ich klarer andererseits bin ich weiterhin unsicher. Vielleicht kommt die Unsicherheit dadurch, weil ich noch keine Klarheit über mich habe.
Fazit, ich werde unsicherer, oder mache ich mir zuviele Gedanken.
Da kam mir der Artikel gereade recht um mir meine Überlegungen anzustellen.
GLG
steffi
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 07:41
von ab08
Hallo Steffi,
ich bin ja transsexuell bzw. intersexuell.
Abitur 1972 (Kollegstufe, also 81 Mitschüler) am Allgäugymnasium in Kempten
Die Entscheidung zum CO erfolgte nach schwerer Erkrankung 2004. -->
Dienstliches CO 2008
2007(35 Jahre) kurz vor dem CO war ich also noch in "männlicher Rolle" wie immer beim Klassentreffen.
(Gymnasiallehrerin zur Diskretion /Zurückhaltung verpflichtet, machte ich auch keine Andeutungen, sprach es also nicht an..
--> Ich machte auch
keinen "Alltagstest". -- So etwas ging bei mir aus beruflichen Gründen nämlich nicht!)
2012 (40 Jahre Abitur) wurde ich nach meiner Information bei meiner Anmeldung gleich im Verzeichnis "weiblich" gespeichert.
Bei uns dauern Klassentreffen zwei Tage (Besuch der Schule, Restaurants, Besichtigungen usw.)
Natürlich gab es 2012 Gespräche über das Thema und intensive Nachfragen zu meiner Transsexualität.
Beim letzten Treffen 2017 (45 Jahre Abitur) war es aber im Grunde kein großes Thema mehr.
Liebe Grüße
Andrea
StDin. a.D. Andrea Bullmer, Nürnberg
P.S. Danke, liebe Steffi, für die gute Frage.
Das hilft sicher vielen anderen auch.

Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 10:19
von ExUserIn-2026-04-08
Steffi1000 hat geschrieben: Fr 21. Dez 2018, 07:01
Fazit, ich werde unsicherer, oder mache ich mir zuviele Gedanken.
Da kam mir der Artikel gereade recht um mir meine Überlegungen anzustellen.
Sind die vielen Gedanken nicht Folge von Unsicherheit ?
Hast Du Dir schon einmal überlegt, worin Deine Unsicherheit konkret liegt ? Ablehnung ? Angriffe ? Ausstoß ? Oder ist es etwas ganz anderes ? Was verlierst Du, wenn Du es tust ? Was verlierst Du, wenn Du es nicht tust ? Was kannst Du gewinnen ?
Ich bin zwar auch keine TS, aber im Grundsatz habe ich mir diese Frage auch gestellt. Am Ende habe ich gewonnen, wenn ich zu mir gestanden habe. Es ist aber auch legitim, sich nicht überall zu outen. Es ist eine sehr persönliche Entscheidung.
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: Fr 21. Dez 2018, 11:22
von ExUserIn-2026-01-22
Steffi1000 hat geschrieben: Do 20. Dez 2018, 09:48
...in der letzten Zeit geht mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Wie soll ein Outing oder soll überhaupt ein Outing gegenüber der ehemaligen Klasse stattfinden?
Wie sieht ihr das?
Habt ihr Erfahrung?
Hallo Steffi,
zu diesem Thema wollte ich eigentlich auch schon lange mal einen Thread aufmachen, da mich diese Frage auch zum Grübeln bringt.
Meine ehemaligen Klassenkameraden sind in ganz D und der Welt verstreut - man sieht sich also nur einmal zum Klassentreffen. Von daher gab es bisher auch keine Möglichkeit mit ihnen überhaupt über das Thema Crossdressing zu sprechen. Ich denke gerne an meine Schulzeit zurück, da ich dort eine Menge Spaß hatte und mit den Klassenkameraden immer ein freundschaftliches Verhältnis hatte.
Dennoch würde ich wohl als Mann (also den "Typ" den sie kennen...) zum Klassentreffen gehen. Aber hier muß ich mich fragen: "betrüge ich mich da selbst, wenn ich nicht zu "Jennifer" stehe?" Ich denke NEIN. Ich verleugne mich da nicht, sondern möchte die anderen (und somit Unwissenden) nicht in eine unangenehme Lage bringen mit der sie vielleicht nicht umzugehen wissen.
Jennifer
Re: Klassentreffen / wie sehen einen die Klassenkameraden
Verfasst: So 23. Dez 2018, 01:44
von Mirjam
Hallo Steffi, hallo alle anderen,
ja, die Frage, wie bringe ich es rüber, kam mir auch schon ab und zu, obwohl ich noch (mindestens) ein Jahr länger Zeit haben dürfte, 2020 wäre bei mir wieder ein "rundes". Mamma mia, ich werde alt ...
Aber dass ich hingehe, wenn nichts dazwischen kommt, ist für mich klar. Warum auch nicht? Ich muss mich ja auch nicht mit den "Mein Haus, mein Auto, mein Boot"-Typen unterhalten, das war noch nie meine Welt. Und dass ich jetzt Mädel bin -- ja und? So wirklich wundern dürfte das auch niemand, der_die sehenden Auges das letzte mal dabei war, obwohl ich es mir damals ja noch nicht mal selbst eingestanden hatte. Aber mindestens einer hatte mich zuerst von hinten gesehen und sich gefragt, wer die denn jetzt ist ...
Was du jetzt machen sollst? Das kann ich dir nicht sagen. Aber vielleicht geben dir die Erfahrungen und Gedanken anderer ja neue Denkanstöße ...
LG, Mirjam
