ich bin heute auf einen sehr spannenden Artikel im Spiegel gestoßen.
Online leider nur als Spiegel-Plus Artikel verfügbar:
http://www.spiegel.de/plus/die-luege-al ... 0161216207
Im Kern geht es darum, dass eine Gruppe durch gezielte Unwahrheiten, Mythen, Fiktionen oder wie auch immer man Lügen freundlich umschreibt, zusammengehalten und stärker wird. Durch die öffentlich sichtbare "Aufgabe des rationalen Verstands" zeigen sich die Mitglieder untereinander wie wichtig ihnen die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe ist.
Die Logik dahinter: je größer der Abstand zu den Fakten, desto stärker der Zusammenhalt. Wie bei einer Sekte.
Im politischen Raum sind und waren ja auch immer solche Dinge vorhanden:
Der Umvolkungs-Mythos der AfD, die 6500 Lügen des Donald T., die EU-Verschwörungstheorie in Italien, Leugnung des menschengemachten Klimawandels, "¦ in jedem dieser Fälle werden die Anhänger der jeweiligen "Bewegung" immer stärker resistent gegenüber Fakten und Überzeugungsversuchen Außenstehender (Presse, Wissenschaft).
Die vergiftete Spitze der Entwicklung zeigen aktuell die dreistesten Aussagen von Autokraten wie: Das Wahlergebnis kann nur wahr sein wenn ich/wir gewonnen habe, sonst ist es gefälscht. (Gehört z.B. vor der letzten Präsidentenwahl in den USA)
Damit fällt die Maske endgültig: Es geht um die Realisierung eines Post-Demokratischen und Post-Aufklärerischen Gesellschaftsmodells!
Wo zur Wahrheit wird was der Führer einer Gruppe als solche postuliert (oder als identitätsstiftender Grundmythos sowieso geglaubt wird) - und ein Faktum, das dem entgegensteht schon deshalb zur Lüge erklärt wird, ist tatsächlich die Aufgabe des rationalen Verstands sichtbar. Die Folgen sind nur noch katastrophal zu nennen.
Der Gedankengang ist bis hierhin noch weit genug von mir als Person weg um Gesprächsstoff zu sein für eine ganz lockere Diskussion.
Aber es geht weiter"¦
Diese Betrachtung kann man natürlich auf alle möglichen anderen Dinge anwenden: Bei Religion wird es dann schon sehr viel persönlicher und ich möchte das aus Gründen des Respekts vor allen die einen starken Glauben haben, nicht vertiefen.
Ich habe aber auch mal ganz distanziert und reflektiert an mich als Mitglied der CD/TV-Gemeinde gedacht und mir ein paar selbstkritische Fragen gestellt:
Belüge ich mich selbst in Bezug auf meine geschlechtliche Ausprägung und tun das die anderen CD/TV die ich kenne auch?
Erzeugen ich / wir durch diesen gemeinsamen Mythos der Zugehörigkeit zu einem "dritten Geschlecht" erst diesen Zusammenhalt?
Wird dieser dadurch verstärkt, dass ich, nicht meinen Verstand, aber mein angeborenes Geschlecht (mal mehr mal weniger) aufgebe?
Gibt es den Effekt: Je mehr ich meinen männlichen Part aufgeben und den weiblichen stärken, umso mehr gehöre ich dazu?
Warum habe ich eigentlich tendenziell einen offeneren, vertrauensvolleren Umgang mit CD/TVs als mit anderen?
Das Nachdenken über diese Fragen macht für mich im stillen Kämmerlein keinen Sinn. Deshalb stelle ich die ja auch hier ein.
Ich weiß ja aus vielen sehr tiefgründigen Beiträgen, dass wir hier eine Reihe von Querdenkerinnen haben und freue mich darauf Eure Sichtweisen zu lesen.
Viele Grüsse
Eva