Eine weibliche Seele im falschen Körper
Verfasst: Di 28. Sep 2010, 22:28
Hallo,
in einem anderen Thema wurde nach Berichten gefragt zu: "Wie fing es an" ?
Eine weibliche Seele im falschen Körper
verfasst von Heidi im November 2007
Von der Kindheit bis zum Outing
Einleitung:
Aus der Sicht eines "Betroffenen", also TG möchte ich mein Leben zwischen den Geschlechtern von der Kindheit an - etwa im Alter von 4 Jahren, die Zeit läßt auch die Erinnerung verblassen - bis zum Outing im Sommer 2007 schildern. Ich glaube viele von Euch werden in einen "Spiegel" schauen, vieles wird Euch bekannt vorkommen, wird Euch vertraut sein, habt ihr so oder ähnlich auch erlebt.
Ich werde meine "Lebensbeichte" in folgende Kapitel gliedern:
1.) Vorwort
2.) Kindheit, Schule, Lehre
3.) 1. Ehe, Gesellenzeit, Beginn der Alkoholabhängigkeit?
4.) Scheidung, neue Partnerin, mein Alkoholischer Tiefpunkt
5.) 2. Ehe bis zum Outing, "trockenes" Leben
6.) Mein Outing
7.) Mein Leben danach Siehe auch Heidis Outdoor Erlebnisse
Weitere Unterteilungen: Bei Bedarf
Wie es meine Zeit erlaubt werde ich die Kapitel "füllen".
Einiges wird bestimmt eine starke psychische Belastung für mich, dann Bitte ich um Verständnis für eine "Kleine" Pause.
Vorwort
Ich schreibe nur was Ich denke, fühle und erlebt habe! Es ist nichts erfunden, kein Roman.
Ein Leben mit vielen Höhepunkten und sehr vielen Tiefen - Auch einmal ein Gang durch die Hölle!
Ob mein erster Schrei ein männliches Brüllen oder ein weiblicher spitzer, hoher, schriller Aufschrei war, kann ich mich nicht mehr erinnern.
Woher kommt meine Neigung zum Transgender? Ich glaube mein TG - Leben ist auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen.
Meine weiblichen Chromosomen müssen bei der Geburt überwogen haben und ich habe die weiblichen Gene meiner Mutter geerbt.
Danke Mutti, es hat fast 6 jahrzehnte gedauert bis ich es annehmen konnte, aber heute bin ich sehr, sehr glücklich!! Du hast ein Mädchen geboren mit ein klein wenig Mann drumherum. So beginne ich meinen Frauenlebensweg etwas später, dafür umso intensiver.
Für diese These spricht: von Kindheit an braunes, sehr lockiges Haar - Naturlocken - [heute inzwischen ergraut und gelichtet].Wenig Körperbehaarung, im Gegensatz zu sonst eher üppigem männlichen Urwald. Keine "Fußballerwaden", eher schlanke Waden und kleine Füsse [ich trage Damenschuhe Größe 42 !! ].
Kleine, sehr zierliche Hände und kurze Arme [ich hatte immer Schwierigkeiten passende, kleine Arbeitshandschuhe zubekommen; die Ärmellänge bei D-Blusen, D-Pulli's passt bei Größe 48/50 oder XL optimal].
Seit der Pubertät ein kleiner Busen, oft genug der Grund für "Hänseleien", nicht nur in der Jugendzeit!
Die "soziale Variante" könnte ein weiterer Auslöser (oder auch ein verstärkendes Element) gewesen sein, meine Mutter war alleinerziehend und wir lebten mit Oma / Opa in einer Wohnung. Da mein Vater wohl ein "Nichtsnutz" war, wie mir immer erzählt wurde, (ich habe ihn nie kennengelernt), wurde ich in einer Art "Männerfeindlichkeit" erzogen >Alle Männer taugen nichts!< Doch dazu mehr im ersten Kapitel.
Ich bin kein Arzt oder Psychologe, doch ich kann das im Vorwort geschriebene akzeptieren und für mich annehmen. Es ist für mich die einzigste Erklärung für ein glückliches, zufriedenes Frauenleben.
Vom Kleinkind zum Schulkind
Im Nachkriegs Berlin, einer 4 - Mächte - Stadt war vieles anders als im übrigen Deutschland. Ich will versuchen, zum besseren Verständnis, den damaligen Zeitgeist und wie ich meine Umwelt wahrnehmen konnte, in meiner Lebensgeschichte einfließen zulassen.
Ich weiß nicht wieweit ich mich bewußt zurück erinnern kann und beginne daher 1952/53, also im Alter von 3 bis 4 Jahren. Ich bin in Berlin - Neukölln geboren und wir, also meine Mutter und ich wohnten bei Oma und Opa.
Opa war Hauswart in einem Mietshaus in einer Neuköllner Haupt-Geschäfts-Strasse [Der Bezirk Neukölln lag im amerikanischen Sektor, also in Westberlin]. Im Vorderhaus waren große Geschäfte und die Treppen mit roten Teppichen belegt, die von Messingstangen gehalten wurden - Hochherrschaftlich! Es gab einen Seitenflügel und
ein Hinterhaus mit der Hausmeisterwohnung im Paterre. Ein zweiter kleinerer Seitenflügel mit Wendeltreppe, der Dienstboteneingang. Einmal im
Monat ist eine Dame von der Verwaltung gekommen und hat (in der Hausmeisterwohnung) die Mieten kassiert. Nach und nach kamen die Mieter um ihren
Mietzins zuzahlen, der im Mietbuch quittiert wurde.
Damals trug ich ein "Leibchen" - ein langes Unterhemd, mehr ein Kleidchen mit Strumpfhaltern - und lange Baumwollstrümpfe. Mit meinem lockigen Haar und in diesem "Outfit" sah ich wohl eher wie ein Mädchen aus. So hörte ich jeden Monat wieder: "Ach, die süsse Kleine" und "So ein liebes Mädchen, spielt so schön mit ihren Puppen". Ich hatte Teddybären und andere Tiere, die Kleidchen anhatten - meine Tiere sollten nicht frieren - hatte Oma gestrickt und genäht. Irgendwann sagte Oma immer: "Es ist ein Junge. Doch meine Tochter hat sich doch so sehr ein Mädchen gewünscht, es sollte doch ein Mädchen werden!"
Draußen Spielen - nur im Hof - Auf der Hauptstraße viel zu gefährlich (ich glaube sie hatten auch Angst, mein Vater könnte mich entführen). So hatte ich in meiner Kindheit kaum Kontakte zu anderen Jungen. Das männliche - mein Vater - war das Böse, Opa war die Ausnahme. Das "Böse" zahlte keine Alimente, wann immer eine Fändung beim Arbeitgeber vorlag "schmiss" er die Arbeit und suchte sich eine neue Stelle. Das war damals möglich - es gab genug freie Arbeitsstellen. Ich weiß über meinen Vater nur, die Scheidung erfolgte kurz nach meiner Geburt und es war das Tabu-Thema, jeglicher Kontakt wurde verhindert.
Ich weiß außerdem noch aus dieser Zeit, ich war sehr oft krank, hatte sehr oft hohes Fieber, Erkältungen. Auch wenn ich beim Spielen hinfiel oder mich verletzte heulte ich sehr viel. Oft sagte Opa: "Das ist kein Junge! Heult und flennt bei jedem bisschen - eine Mimose - ein kleines Mädchen!"
Zu Feiertagen bekamen wir Pakete aus den USA (Care - Pakete). Darin enthalten: Schokolade und anderes süsses und Lebensmittelkonserven. Aber auch: Mädchenhemdchen und Höschen mit Blümchenmuster. "Das kann unsere Kleine(r) gut drunter tragen, ist doch nicht zu sehen und hält warm".
Mit 6 Jahren wurde ich Eingeschult. Opa gab altersbedingt die Hauswartstelle auf und da es eine Dienstwohnung war mußten wir ausziehen.
Fortsetzung folgt!
Als nächstes: Der Umzug + die Schulzeit
Wie immer: Lob + Tadel + Fragen ausdrücklich erwünscht
in einem anderen Thema wurde nach Berichten gefragt zu: "Wie fing es an" ?
Eine weibliche Seele im falschen Körper
verfasst von Heidi im November 2007
Von der Kindheit bis zum Outing
Einleitung:
Aus der Sicht eines "Betroffenen", also TG möchte ich mein Leben zwischen den Geschlechtern von der Kindheit an - etwa im Alter von 4 Jahren, die Zeit läßt auch die Erinnerung verblassen - bis zum Outing im Sommer 2007 schildern. Ich glaube viele von Euch werden in einen "Spiegel" schauen, vieles wird Euch bekannt vorkommen, wird Euch vertraut sein, habt ihr so oder ähnlich auch erlebt.
Ich werde meine "Lebensbeichte" in folgende Kapitel gliedern:
1.) Vorwort
2.) Kindheit, Schule, Lehre
3.) 1. Ehe, Gesellenzeit, Beginn der Alkoholabhängigkeit?
4.) Scheidung, neue Partnerin, mein Alkoholischer Tiefpunkt
5.) 2. Ehe bis zum Outing, "trockenes" Leben
6.) Mein Outing
7.) Mein Leben danach Siehe auch Heidis Outdoor Erlebnisse
Weitere Unterteilungen: Bei Bedarf
Wie es meine Zeit erlaubt werde ich die Kapitel "füllen".
Einiges wird bestimmt eine starke psychische Belastung für mich, dann Bitte ich um Verständnis für eine "Kleine" Pause.
Vorwort
Ich schreibe nur was Ich denke, fühle und erlebt habe! Es ist nichts erfunden, kein Roman.
Ein Leben mit vielen Höhepunkten und sehr vielen Tiefen - Auch einmal ein Gang durch die Hölle!
Ob mein erster Schrei ein männliches Brüllen oder ein weiblicher spitzer, hoher, schriller Aufschrei war, kann ich mich nicht mehr erinnern.
Woher kommt meine Neigung zum Transgender? Ich glaube mein TG - Leben ist auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen.
Meine weiblichen Chromosomen müssen bei der Geburt überwogen haben und ich habe die weiblichen Gene meiner Mutter geerbt.
Danke Mutti, es hat fast 6 jahrzehnte gedauert bis ich es annehmen konnte, aber heute bin ich sehr, sehr glücklich!! Du hast ein Mädchen geboren mit ein klein wenig Mann drumherum. So beginne ich meinen Frauenlebensweg etwas später, dafür umso intensiver.
Für diese These spricht: von Kindheit an braunes, sehr lockiges Haar - Naturlocken - [heute inzwischen ergraut und gelichtet].Wenig Körperbehaarung, im Gegensatz zu sonst eher üppigem männlichen Urwald. Keine "Fußballerwaden", eher schlanke Waden und kleine Füsse [ich trage Damenschuhe Größe 42 !! ].
Kleine, sehr zierliche Hände und kurze Arme [ich hatte immer Schwierigkeiten passende, kleine Arbeitshandschuhe zubekommen; die Ärmellänge bei D-Blusen, D-Pulli's passt bei Größe 48/50 oder XL optimal].
Seit der Pubertät ein kleiner Busen, oft genug der Grund für "Hänseleien", nicht nur in der Jugendzeit!
Die "soziale Variante" könnte ein weiterer Auslöser (oder auch ein verstärkendes Element) gewesen sein, meine Mutter war alleinerziehend und wir lebten mit Oma / Opa in einer Wohnung. Da mein Vater wohl ein "Nichtsnutz" war, wie mir immer erzählt wurde, (ich habe ihn nie kennengelernt), wurde ich in einer Art "Männerfeindlichkeit" erzogen >Alle Männer taugen nichts!< Doch dazu mehr im ersten Kapitel.
Ich bin kein Arzt oder Psychologe, doch ich kann das im Vorwort geschriebene akzeptieren und für mich annehmen. Es ist für mich die einzigste Erklärung für ein glückliches, zufriedenes Frauenleben.
Vom Kleinkind zum Schulkind
Im Nachkriegs Berlin, einer 4 - Mächte - Stadt war vieles anders als im übrigen Deutschland. Ich will versuchen, zum besseren Verständnis, den damaligen Zeitgeist und wie ich meine Umwelt wahrnehmen konnte, in meiner Lebensgeschichte einfließen zulassen.
Ich weiß nicht wieweit ich mich bewußt zurück erinnern kann und beginne daher 1952/53, also im Alter von 3 bis 4 Jahren. Ich bin in Berlin - Neukölln geboren und wir, also meine Mutter und ich wohnten bei Oma und Opa.
Opa war Hauswart in einem Mietshaus in einer Neuköllner Haupt-Geschäfts-Strasse [Der Bezirk Neukölln lag im amerikanischen Sektor, also in Westberlin]. Im Vorderhaus waren große Geschäfte und die Treppen mit roten Teppichen belegt, die von Messingstangen gehalten wurden - Hochherrschaftlich! Es gab einen Seitenflügel und
ein Hinterhaus mit der Hausmeisterwohnung im Paterre. Ein zweiter kleinerer Seitenflügel mit Wendeltreppe, der Dienstboteneingang. Einmal im
Monat ist eine Dame von der Verwaltung gekommen und hat (in der Hausmeisterwohnung) die Mieten kassiert. Nach und nach kamen die Mieter um ihren
Mietzins zuzahlen, der im Mietbuch quittiert wurde.
Damals trug ich ein "Leibchen" - ein langes Unterhemd, mehr ein Kleidchen mit Strumpfhaltern - und lange Baumwollstrümpfe. Mit meinem lockigen Haar und in diesem "Outfit" sah ich wohl eher wie ein Mädchen aus. So hörte ich jeden Monat wieder: "Ach, die süsse Kleine" und "So ein liebes Mädchen, spielt so schön mit ihren Puppen". Ich hatte Teddybären und andere Tiere, die Kleidchen anhatten - meine Tiere sollten nicht frieren - hatte Oma gestrickt und genäht. Irgendwann sagte Oma immer: "Es ist ein Junge. Doch meine Tochter hat sich doch so sehr ein Mädchen gewünscht, es sollte doch ein Mädchen werden!"
Draußen Spielen - nur im Hof - Auf der Hauptstraße viel zu gefährlich (ich glaube sie hatten auch Angst, mein Vater könnte mich entführen). So hatte ich in meiner Kindheit kaum Kontakte zu anderen Jungen. Das männliche - mein Vater - war das Böse, Opa war die Ausnahme. Das "Böse" zahlte keine Alimente, wann immer eine Fändung beim Arbeitgeber vorlag "schmiss" er die Arbeit und suchte sich eine neue Stelle. Das war damals möglich - es gab genug freie Arbeitsstellen. Ich weiß über meinen Vater nur, die Scheidung erfolgte kurz nach meiner Geburt und es war das Tabu-Thema, jeglicher Kontakt wurde verhindert.
Ich weiß außerdem noch aus dieser Zeit, ich war sehr oft krank, hatte sehr oft hohes Fieber, Erkältungen. Auch wenn ich beim Spielen hinfiel oder mich verletzte heulte ich sehr viel. Oft sagte Opa: "Das ist kein Junge! Heult und flennt bei jedem bisschen - eine Mimose - ein kleines Mädchen!"
Zu Feiertagen bekamen wir Pakete aus den USA (Care - Pakete). Darin enthalten: Schokolade und anderes süsses und Lebensmittelkonserven. Aber auch: Mädchenhemdchen und Höschen mit Blümchenmuster. "Das kann unsere Kleine(r) gut drunter tragen, ist doch nicht zu sehen und hält warm".
Mit 6 Jahren wurde ich Eingeschult. Opa gab altersbedingt die Hauswartstelle auf und da es eine Dienstwohnung war mußten wir ausziehen.
Fortsetzung folgt!
Als nächstes: Der Umzug + die Schulzeit
Wie immer: Lob + Tadel + Fragen ausdrücklich erwünscht