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Nicoles Drehleier-Projekt

Verfasst: So 4. Nov 2018, 22:52
von Nicole Fritz
Hallo,

Nach meinem Beitrag "Nicole dreht am Rad" in Nicoles Galaxie und dem Vorschlag von Anne-Mette in "wie man eine E-Gitarre baut" möchte ich nun hier mein Projekt dokumentieren. Wie ich dazu kam, habe ich bereits erzählt. Also beginne ich mit der Konstruktion und der Auslegung der Drehleier für die reine Stimmung mit Naturtönen.

Die alte 7-stufige Tonleiter baut auf folgende Bruchzahlen der Wellenlänge auf: A 9/10 (Sekunde), B 5/6 (Terz), C 3/4 (Quarte), D 2/3 (Quinte), E 3/5 (Sexte), F 5/9 (Septime), G 1/2 (Oktave). Der Grundton ist die Oktave G mit der Wellenlänge 1/1, 1/2, 1/4 usw. . Man beginnt mit der ersten Stufe A zu zählen und nicht mit der Stufe null G, da im Mittelalter die Null als Zahl des Teufels galt.

Eine Drehleier besitzt üblicherweise Bordunsaiten in G und C, die zur Begleitung einen konstanten Ton erzeugen. Die Melodiesaiten sind in G mit einer Oktave Abstand gestimmt. Bei reiner Stimmung mit Naturtönen passt es so aber nur für eine Melodie auf den Grundton G genau. Spielt man auf C aufbauend, ergeben sich relativ geringe Abweichungen mit glatten Bruchzahlen, die roten Balken im nachfolgenden Diagramm.

Tonhoehe.JPG

In der Waagerechten ist im Diagramm die Tonhöhe in Cent aufgetragen. Bei gleichmäßiger Temperierung entsprechen jeweils 100 Cent einem Halbtonschritt. An den blauen Balken erkennt man gut, wie die Naturtöne davon abweichen. Links sind die Bezeichnung der Töne und die Naturton-Bruchzahlen für G (blaue Balken) und bei Abweichung für C (rote Balken) angegeben.

Beginnt man die alte A B C D E F G - Tonleiter mit einem anderen Grundton als G, erhält man auf G eine andere Skala, die anders klingt (bei F das heutige F-Dur und bei D das heutige D-Moll). Dabei verschieben sich die Abstände, sodass Halbtöne erforderlich werden. Die Drehleier wurde um das Jahr 1100 entwickelt, als man gerade begann die Tonleiter mit den Halbtönen zu erweitern. Als gewissermaßen erster Schritt einer Temperierung ergibt sich so die im Diagramm gezeigte erweiterte Naturtonleiter mit Halbtonschritten, die mit den Bordun-Tönen G und C harmoniert. Für die Halbtöne werden dabei die einfachsten Bruchzahlen verwendet, die mit G oder C zusammen passen (je kleiner Zähler und Nenner der Brüche sind, desto weniger reiben sich die Töne mit dem Bodun-Ton).

Aus den Brüchen im Diagramm ergeben sich mit 380 mm als gewählte Mensur die Positionen für die Tangenten, die für die jeweiligen Töne mit Tasten gegen die Melodiesaiten gedrückt werden. Da die Tangenten verstellbar sind, wählte ich den Mittelwert zwischen Naturtönen und gleichmäßig temperierter Stimmung. So kann die Drehleier sowohl in reiner als auch in temperierter Stimmung justiert werden. Nachfolgend sind oben die Tangenten-Schieber und unten die dazu gehörigen Tasten maßstäblich dargestellt. Jeweils oben für die Halbtöne G#/Ab, A#/B, C#/Db, D#/Eb, F#/Gb, ... und unten für die Ganztöne A, H, C, D, E, F, G, ... (von rechts nach links).

Mensur2.JPG

Parallel zu der Tangenten-Auslegung gibt es auch eine Berechnung der Maße des Resonanzkörpers in Form einer Tabellenkalkulation. Aus diesen Daten erzeuge ich gerade zunächst maßstäbliche Skizzen, aus denen dann, wenn schließlich alles richtig zusammen passt, exakte Zeichnungen für die jeweiligen Bauteile entstehen sollen. Nachfolgend habe ich die aktuellen Skizzen zur einer Übersicht zusammen gefügt.

DCFC0093_1.JPG

Wie man sieht, passt noch nicht alles zusammen. Einige Bauteile müssen noch ihren endgültigen Platz erhalten. Das Rad und die Tangenten sollen beispielsweise weiter nach rechts zum Kopf mit den Wirbeln hin. Neben den Tangenten werden die Stege in ihrer Postion und die Lage der Saiten in Bezug auf das Rad einzeln einstellbar ausgeführt (in der unteren Preisklasse - unter 1000 € - sind meistens alle Stege fest und die Saiten werden mit in den Steg geklemmten Pappstreifen an das Rad angepasst).

So viel erst einmal zu meinem Projekt.

Liebe Grüße
Nicole

PS: Zum Vergrößern bitte auf die Bilder klicken.

Re: Nicoles Drehleier-Projekt

Verfasst: So 4. Nov 2018, 23:40
von Frl_Astrid
wahnsinn
mit lieben Grüssen Astrid

Re: Nicoles Drehleier-Projekt

Verfasst: Mo 5. Nov 2018, 04:45
von triona
Frl_Astrid hat geschrieben: So 4. Nov 2018, 23:40 wahnsinn
Nee, ganz solides Handwerk.


Das sieht ja ganz so aus, wie wenn du genau weißt, was du da tust. Da werde ich dir nicht mehr viel neues sagen können. Ich habe mir vor langer Zeit mal eine Autoharp gebaut. Ist derzeit aber zerlegt, weil was dran nicht stimmte. Und seither nicht mehr dazu gekommen, neue Wirbel zu besorgen und wieder zusammen zu bauen. Und dann noch einen Dulzimer, den ich auch schon lange nicht mehr gespielt habe.

So eine Drehleier hatte mich damals auch gereizt. War mir dann aber damals bisserl zu kompliziert. Und um eine fertige zu kaufen, hatte ich kein Geld. Müßte irgendwo noch ein Liederbüchel dafür herumliegen haben.

Derzeit befasse ich mich eher mit dem Bau von Mundharmonikas und Obertonflöten. Letztere funktionieren übrigens auch nach dem Naturton-Prinzip. Mein Langzeitprojekt ist hier eine Fujara-Orgel. Die Blöcke und die Rohre sind schon seit einer Weile da. Die Idee auch. Die 6 Pfeifen sollen über ein Mundharmonika-Mundstück angeblasen werden. Aber weiter ist es bislang leider noch nicht gekommen.

Mein neuestes Projekt ist ein Stepptanz-Brett. Das ist fertigungstechnisch recht einfach. Dürfte also nicht so lange dauern. (Schau hier: viewtopic.php?f=116&t=17112) Habe ich heute erst entdeckt beim herumstöbern im Youtube.


Ich wünsch dir viel Erfolg. Kannst du eigentlich schon Leier spielen, oder mußt du das erst noch lernen? Kennst du diese junge Frau schon:
https://www.youtube.com/channel/UCSEOK9 ... ZwdGesCpIg
Bei ihren Videos findest du sicher auch noch ein paar Tips. Und sie spielt wirklich klasse. Ansonsten gibt es im Netz ja eine ganze Menge zu lesen und zu sehen über sowas.


liebe grüße
triona

Re: Nicoles Drehleier-Projekt

Verfasst: Mo 5. Nov 2018, 19:28
von Nicole Fritz
Hallo Triona,

also, Patty kenne ich und Leier spielen kann ich nicht. Ich habe mir aber Gitarre, Keyboard und Blockflöte selbst beigebracht, da sollte das mir der Leier auch gehen. Anleitungen gibt es ja reichlich bei Youtube.

Ob ich so ganz genau weiß, was ich da mache? Ich denke eher weniger. Im Moment bin ich mit den Holz noch unsicher. Eigentlich sollte der Korpus in Form einer Laute aus dünnem Sperrholz gefertigt werden. Das gibt es im Baumarkt nur aus Pappel, Kiefer oder Buche, was sich alles als Tonholz eher weniger eignet. Für Böden und Decken werden im Netz relativ dicke Platten aus Fichte angeboten. Für die Decke wären sie ideal, erscheinen mir aber für den gewölbten Korpus zu massiv. Die Wände der restaurierten Laute sind erheblich dünner und aus sehr hartem Sperrholz. Es erinnert mich an das Flugzeug-Sperrholz von meinem Modellbau - aber wäre das als Tonholz geeignet?

Ich glaube, die runde Form hat mehr Einfluss auf den Klang als das Holz. Und wenn es zu dick ist, wird es in zweifach gewölbter Form kaum schwingen. Für dünnes Sperrholz aus Fichte oder anderem Tonholz habe ich aber noch kein Angebot gefunden.

LG Nicole