Wie verletztlich/tolerant dürfen, sollen, können wir sein?
Verfasst: Do 27. Sep 2018, 20:23
Hallo ihr Lieben, ich hätte mal eine Frage an Euch, die mich immer wieder beschäftigt, wobei es mir ausschließlich um Beziehungen geht, und zwar primär solche, in denen das "Thema" nicht von Anfang an offen auf dem Tisch lag.
In vielen Threads, die ich lese, geht es (immer wieder auch) um Reaktionen der Partner(in) (ich lasse alle anderen Gruppen, wie Kinder, Familie, Kollegen, Nachbarn usw mal außen vor) auf ein Outing oder Coming Out.
Diese decken bekanntlich das gesamte Spektrum von Akzeptanz, vielleicht sogar Unterstützung, bis hin zu totaler Ablehnung ab.
Es kommen (emotional vorgetragene) Fragen wie: Steckst Du in der Midlife Crisis? Kann man das nicht therapieren? oder Statements wie: "Du machst Dich ja lächerlich!, Ich bin hier die Frau!, Ich werde nie mit Dir als Frau ausgehen/zusammenleben! Das ist ja pervers! usw.
Vielfach werden solche Reaktionen von unsereins als verletztend, abwertend oder als mangelnde Zuneigung bzw Liebe, zumindest aber enttäuschend aufgenommen; vor allem, wenn unseren ersten (oft mehr gestammelten) Erklärungsversuchen nicht relativ rasch ein entsprechendes Verständnis und Einlenken folgt. Man fühlt sich vielleicht missverstanden, verletzt oder einfach traurig.
Jetzt frage ich mich: Sind solche Reaktionen von Menschen, die mit dem Thema Transgender (in welcher Form auch immer) nie etwas zu tun hatten und daher keine Ahnung davon haben, die vielleicht zugleich mit sozialen und wirtschaftlichen Ängsten zu kämpfen haben, und deren gesamtes Lebensgefüge gerade ins Schwanken gerät, nicht geradezu zwingend zu erwarten?
Wir leben damit oft schon seit Jahrzehnten, haben uns über Trans* schlau gemacht, unsere Persönlichkeit weiterentwickelt (oftmals allerdings ohne sagen zu können was wir tatsächlich sind oder eines Tages sein werden), haben berufliche und soziale Risiken wieder und wieder abgewogen, bereiten uns mitunter lange Zeit auf den Moment der Wahrheit vor, versuchen uns die richtigen Worte in der passenden Situation zurechtzulegen; tja, und dann kommen wir (ob nun freiwillig oder nicht) wie die Sintflut mit unserer Besonderheit über unsere Partnerinnen. Das scheint mir eine recht ungleiche Ausgangslage für eine konstruktive Diskussion zu sein.
Ich stelle mir vor, wie ich nach Hause komme und meine Frau sehe. Sie sitzt auf dem Sofa, trägt eine Kurzhaarperücke, eine megacoole Sonnenbrille und hat sich einen modischen Schnauzer aufgeklebt. Sie trägt Lederjacke (Schultern ausgepolstert), T-Shirt (Busen flach zum Körper gebunden), Jeans und Cowboyboots, hält eine Zigarre in der Hand und erklärt mir, sie müsse mir etwas sagen. Eigentlich sei sie (zumindest teilweise) ein Mann. Sie habe schon immer so gefühlt, sich aber nie etwas zu sagen getraut. Sexuell werde sich (vorerst) aber nichts ändern (auch wenn sie gern mal den männlichen Part übernehmen würde), und es wäre doch wirklich cool wenn wir auch mal so als boys um die Häuser ziehen könnten. Wir könnten über Bikes und Fußball quatschen und überhaupt sei dies nur eine Bereicherung der Beziehung....
What!? Falscher Film? Hast Du Fieber? Hey, ich steh auf girls, immer schon und exklusiv. Ich bin ja nicht schwul oder bi! Was werden die Familie und die Nachbarn sagen? Ganz zu schweigen von meinen Kumpels? Wie geht das im Job? Ich mein', Du arbeitest in einer Boutique für Damenmode? Verdammt, ich will mit Dir als Frau zusammen sein. Ich will lange Haare, rote Nägel und Dessous!!! Ich will mein Supergirl!!!
Wie würde ich wirklich reagieren? Wieviel Zeit würde ich brauchen? Würde Zeit überhaupt eine Veränderung bringen? Wie weit könnte ich mitgehen?
Wie wäre das bei Euch?
Sorry, dass es so lang geworden ist. Das musste mal raus. Vielleicht mag ja doch die eine oder andere antworten.
Alles Liebe
Luna
In vielen Threads, die ich lese, geht es (immer wieder auch) um Reaktionen der Partner(in) (ich lasse alle anderen Gruppen, wie Kinder, Familie, Kollegen, Nachbarn usw mal außen vor) auf ein Outing oder Coming Out.
Diese decken bekanntlich das gesamte Spektrum von Akzeptanz, vielleicht sogar Unterstützung, bis hin zu totaler Ablehnung ab.
Es kommen (emotional vorgetragene) Fragen wie: Steckst Du in der Midlife Crisis? Kann man das nicht therapieren? oder Statements wie: "Du machst Dich ja lächerlich!, Ich bin hier die Frau!, Ich werde nie mit Dir als Frau ausgehen/zusammenleben! Das ist ja pervers! usw.
Vielfach werden solche Reaktionen von unsereins als verletztend, abwertend oder als mangelnde Zuneigung bzw Liebe, zumindest aber enttäuschend aufgenommen; vor allem, wenn unseren ersten (oft mehr gestammelten) Erklärungsversuchen nicht relativ rasch ein entsprechendes Verständnis und Einlenken folgt. Man fühlt sich vielleicht missverstanden, verletzt oder einfach traurig.
Jetzt frage ich mich: Sind solche Reaktionen von Menschen, die mit dem Thema Transgender (in welcher Form auch immer) nie etwas zu tun hatten und daher keine Ahnung davon haben, die vielleicht zugleich mit sozialen und wirtschaftlichen Ängsten zu kämpfen haben, und deren gesamtes Lebensgefüge gerade ins Schwanken gerät, nicht geradezu zwingend zu erwarten?
Wir leben damit oft schon seit Jahrzehnten, haben uns über Trans* schlau gemacht, unsere Persönlichkeit weiterentwickelt (oftmals allerdings ohne sagen zu können was wir tatsächlich sind oder eines Tages sein werden), haben berufliche und soziale Risiken wieder und wieder abgewogen, bereiten uns mitunter lange Zeit auf den Moment der Wahrheit vor, versuchen uns die richtigen Worte in der passenden Situation zurechtzulegen; tja, und dann kommen wir (ob nun freiwillig oder nicht) wie die Sintflut mit unserer Besonderheit über unsere Partnerinnen. Das scheint mir eine recht ungleiche Ausgangslage für eine konstruktive Diskussion zu sein.
Ich stelle mir vor, wie ich nach Hause komme und meine Frau sehe. Sie sitzt auf dem Sofa, trägt eine Kurzhaarperücke, eine megacoole Sonnenbrille und hat sich einen modischen Schnauzer aufgeklebt. Sie trägt Lederjacke (Schultern ausgepolstert), T-Shirt (Busen flach zum Körper gebunden), Jeans und Cowboyboots, hält eine Zigarre in der Hand und erklärt mir, sie müsse mir etwas sagen. Eigentlich sei sie (zumindest teilweise) ein Mann. Sie habe schon immer so gefühlt, sich aber nie etwas zu sagen getraut. Sexuell werde sich (vorerst) aber nichts ändern (auch wenn sie gern mal den männlichen Part übernehmen würde), und es wäre doch wirklich cool wenn wir auch mal so als boys um die Häuser ziehen könnten. Wir könnten über Bikes und Fußball quatschen und überhaupt sei dies nur eine Bereicherung der Beziehung....
What!? Falscher Film? Hast Du Fieber? Hey, ich steh auf girls, immer schon und exklusiv. Ich bin ja nicht schwul oder bi! Was werden die Familie und die Nachbarn sagen? Ganz zu schweigen von meinen Kumpels? Wie geht das im Job? Ich mein', Du arbeitest in einer Boutique für Damenmode? Verdammt, ich will mit Dir als Frau zusammen sein. Ich will lange Haare, rote Nägel und Dessous!!! Ich will mein Supergirl!!!
Wie würde ich wirklich reagieren? Wieviel Zeit würde ich brauchen? Würde Zeit überhaupt eine Veränderung bringen? Wie weit könnte ich mitgehen?
Wie wäre das bei Euch?
Sorry, dass es so lang geworden ist. Das musste mal raus. Vielleicht mag ja doch die eine oder andere antworten.
Alles Liebe
Luna