Seite 1 von 6

Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 11:53
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Forengemeinde,

mich treibt gerade wieder ein Gedanke um. Wir haben mehr oder weniger oft bis dauerhaft den Wunsch nach dem anderen Geschlecht in uns. Das kann man an vielen Stellen lesen. Man liest, dass es sich "richtig" anfühlt o.ä. Ich finde es spannend, wenn ich spüre, dass ich in eine solche Phase komme, genau zu beschreiben, wie sich dieses Gefühl äußert bzw. wie es sich anfühlt. Ich meine keine Ursachen, sondern die emotionale Ebene. Und ich meine auch nicht das en femme sein, sondern den Zeitpunkt vorher, wenn der Wunsch aufkommt. Ich fange einfach einmal an. Vielleicht wird es klarer was ich meine.

Ich spüre, dass ich aufmerksamer durch die Welt gehe. Ich achte mehr auf meine Umgebung und dort besonders auf andere Frauen. wie würde es sich anfühlen, wenn mir im Spiegel genau diese Frau gegenüber stünde ? Ich vergleiche dann meinen Körper mit dem einer Anderen und merke, dass ich lieber im anderen Körper wäre. Meine Arme und Beine fangen an zu kribbeln und meine Gedanken kreisen zunehmend um dieses Thema. Konzentration auf andere Themen ist dann nur schwer möglich. Es ist als schwebte ich etwas über dem Boden. Eigentlich fühlt es sich gut an, aber es ist fast wie ein kleiner Kontrollverlust. Die Situation gleichzeitig real (ich spüre sie ja) und irreal (der traumhafte Charakter). Nur im Gespräch mit anderen (ich werde "geweckt") komme ich aus dieser Stimmung gezwungenermaßen heraus. Diese tiefe Sehnsucht ist schön und verstörend zugleich. Diese Ambivalenz zieht sich auf allen Ebenen durch das ganze Thema.

Wie geht es Euch dabei ?

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 14:08
von Diana.65
Hallo Vicky
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 12. Sep 2018, 11:53 ...Ich vergleiche dann meinen Körper mit dem einer Anderen und merke, dass ich lieber im anderen Körper wäre. Meine Arme und Beine fangen an zu kribbeln und meine Gedanken kreisen zunehmend um dieses Thema. Konzentration auf andere Themen ist dann nur schwer möglich. Es ist als schwebte ich etwas über dem Boden. Eigentlich fühlt es sich gut an, aber es ist fast wie ein kleiner Kontrollverlust. Die Situation gleichzeitig real (ich spüre sie ja) und irreal (der traumhafte Charakter).
...
Du hast da Gefühl ja schon ganz gut beschrieben. Manchmal kommt so eine Situation, bei der registriert unser Gehirn irgendeine Kleinigkeit an einer Frau und es geht ein Ruck durch den Körper. Manchmal kann man nicht mal genau sagen, was es eigentlich ist, aber irgendwie findet man es schön.
Mir ging es auch schon so, dass so ein Gefühl aufkam, nachdem ich voll gestylt irgendein Detail an mir besonders gelungen fand. Da wünscht man sich, dass das gesamte Paket so passen würde.

Liebe Grüße,
Diana.

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 14:44
von Joe95
Dieser Wunsch entstand bei mir aus der Ablehnung dessen, was ich als männlich definierte. Ich merkte mit der Zeit das ich mich wohler fühlte als sich mein fühlen, denken und handeln, Gleichzeitig damit aber auch meine Kleidung, veränderte. Dazu kam noch eine gewisse Sehnsucht nach bestimmten weiblichen Attributen.
Das alles fühlte sich richtig an.

Es ist für mich nicht der Wunsch nach dem anderen Geschlecht, sondern, ganz im Gegenteil, der Wunsch nach dem eigenen Geschlecht.


Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 12. Sep 2018, 11:53...Ich vergleiche dann meinen Körper mit dem einer Anderen und merke, dass ich lieber im anderen Körper wäre...
Ich schaue auch nach anderen Frauen, deren Körper, deren Kleidung.
Oft beneide ich sie auch. Oft weil es eben so sehr viele Frauen gibt, die schönere Körper oder schönere Kleidung haben als ich.
Aber nur ein wenig, die unzulänglichkeiten meines Körpers machen schon von selbst auf sich aufmerksam, da brauch ich garnicht drüber nachdenken.
Sowas macht nur unglücklich und ich will ja glücklich sein.

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 15:21
von Wally
Liebe Vicky,

Gefühle sind was sehr individuelles. Im Gegensatz zu Gesprächen über äußere Sachen oder Gegenstände können wir über unsere Gefühle nur sehr indirekt kommunizieren. Auf einen Stuhl kann ich mit dem Finger zeigen und ihn "Stuhl" nennen, und wir sind uns dann ziemlich weitgehend und genau darüber einig, was mit dem Wort gemeint ist. Auf ein Gefühl dagegen kann ich nicht mit dem Finger zeigen; eigentlich kenne ich überhaupt nur meine höchstpersönlichen, eigenen Gefühle, und ich kann nur VERMUTEN, dass andere Menschen, wenn sie in ähnlicher Situation ähnlich reagieren, auch ähnliche oder gar dieselben Gefühle haben.

Da das so ist, konnten wir für unsere Gefühle auch nur eine sehr rudimentäre Sprache entwickeln - je nach Sprache so ein paar Dutzend Begriffe für Emotionen. Und weil sprachliche Begriffe unser rationales Denken prägen, neigen wir oft dazu, unsere Gefühle dann selber für "primitiv" zu halten, für so grob und unspezifisch, wie unsere unzureichenden Worte dafür sind.

Tatsächlich ist unsere spezifisch menschliche - und meiner Überzeugung nach auch spezifisch männliche oder weibliche - Gefühlswelt ungeheuer vielfältig und differenziert. Ein bißchen eine Vorstellung davon kann man sich vielleicht machen, wenn man sich die Vielfalt vor Augen führt, in der Musik, bildende Kunst und Belletristik unsere Gefühle ansprechen: auch das höchst individuell, keineswegs bei jedem gleich, oft sogar gegensätzlich.

Ja, ich weiß: so eine theoretische Erklärung ist eigentlich nicht das, was Du von uns wissen wolltest :-) Aber beim Versuch, meine "spezifisch transsexuellen" Gefühle zu beschreiben, muß ich zuvorderst die Schwierigkeit deutlich machen, so etwas verbal auszudrücken: da ist ungeheuer viel in mir drin, für was ich einfach keine Worte habe...

Nehmen wir die Sexualität. Wie sich männliche Geilheit anfühlt, wie sie ausgelöst und angeheizt wird und wie es sich anfühlt, wenn sie sich entlädt, das glaube ich als körperlicher Mann und Frauenliebhaber so einigermaßen zu kennen. Aber selbst da bin ich mir nicht ganz sicher. Immerhin zeigt die Mehrzahl der Männer auch sexuelle Verhaltenstendenzen, die mir zeitlebens fremd geblieben sind: z.B. dieser unbedingte Drang zur Penetration und die Vorstellung dabei, die Frau zu "nehmen", wo ich viel lieber stundenlang genüsslich rumknutsche und den eigentlichen Akt gar nicht so wichtig finde; und wenn's denn dazu kommt, dann habe ich viel eher die Empfindung, dabei etwas zu geben, mich zu verströmen, anstatt jemanden oder etwas in Besitz zu nehmen. Oder der Hang zur Promiskuität: einem one-night-stand konnte ich noch nie was abgewinnen. Für mich wurde eine intime Beziehung schon immer erst dann richtig schön, wenn beim gemeinsamen Frühstück "danach" klar wurde, dass das erst der Anfang und nicht schon wieder das Ende der Beziehung war. Ist die sexuelle Regung, die eine hübsche, nackte Frau in mir auslöst, wirklich das, was "ein Mann" dabei empfindet? Ich weiß es nicht, ich kann es nur vermuten. Wahrscheinlich gibt es da auch schon unter Männern große Vielfalt und ein weites Spektrum.

Und dann die andere Seite: wenn ich weibliche Unterwäsche und Rock und Bluse darüber anziehe, wenn ich mich weiblich zurechtmache und in der Öffentlichkeit zeige, wenn ich mir in meinen Tagträumen vorstelle, weiblich hübsch und sexy zu sein und mit meinem Körper sehnsuchtsvolle Blicke und sexuelles Begehren auf mich zu ziehen - dann regt sich in mir ein ganz unbeschreiblich euphorisches Kribbeln, das den ganzen Körper erfaßt, mir über den Rücken und bis in die Finger- und Zehenspitzen läuft und dann doch wieder sein Zentrum in Brüsten und Unterleib findet. Das ist ein völlig anderes Gefühl als die punktuelle, Schwanz-zentrierte Geilheit, die ich von "männlichem" Sex her kenne - so völlig anders, dass ich erst mal lernen musste, dass auch dieses Gefühl überhaupt was mit Sex zu tun hat. Zum ersten Mal so richtig intensiv habe ich es gespürt, als ich zum ersten Mal als Ministrant in der katholischen Kirche aus der Sakristei vor die Kirchengemeinde trat: das erste Mal öffentlich im MinistrantenROCK... (Schade, dass damals nur Jungen ministrieren durften. Wäre das damals schon - wie heute - überwiegend ein Mädchenjob und ich der einzige Junge dabei gewesen, dann hätte mich die Euphorie bei diesem Akt vermutlich völlig überwältigt :-) ) Dabei waren das keineswegs "sündige" Gedanken und Empfindungen; meine Frömmigkeit als Ministrant war echt und tief. Das euphorische Kribbeln habe ich damals dem spirituellen Geschehen zugeordnet.

Ist dieses "Kribbeln", das ich beim Crossdressing empfinde, WEIBLICHE Sexualität? Ist es dasselbe, was eine Frau empfindet, wenn sie sich schön macht, sich sexuell begehrenswert zeigt, wenn sie bewundernde Blicke auf sich spürt und mit ihren Reizen spielt? Ich kann es wiederum nur vermuten. Und wenn ja, dann ist es vermutlich auch wieder nur ein Teilaspekt dessen, was weibliche Sexualität ausmacht. Und zudem für jede Frau auch individuell wieder ein Stück anders.

Es bleibt schwierig. Wenn ich mir's so recht überlege, dann wissen wir über die menschliche Sexualität nahezu GARNICHTS.

Herzliche Grüße
Wally

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 19:59
von Aria
Hey Vicky,
vorneweg, ich weiss nicht genau, was du mit der Titelfrage wissen möchtest. Geht es dir als Teilzeitfrau um das Gefühl des "Jetzt haben wollens"?
Quasi wie ein Junky, der einen Affen schiebt, nur eben im positiven Sinn.
Oder geht es dir als TS um den Wunsch Frau sein zu wollen und das Gefühl von Sehnsucht, wenn dir Frauen über den Weg laufen?
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 12. Sep 2018, 11:53 Ich spüre, dass ich aufmerksamer durch die Welt gehe. Ich achte mehr auf meine Umgebung und dort besonders auf andere Frauen. wie würde es sich anfühlen, wenn mir im Spiegel genau diese Frau gegenüber stünde ? Ich vergleiche dann meinen Körper mit dem einer Anderen und merke, dass ich lieber im anderen Körper wäre. Meine Arme und Beine fangen an zu kribbeln und meine Gedanken kreisen zunehmend um dieses Thema. Konzentration auf andere Themen ist dann nur schwer möglich. Es ist als schwebte ich etwas über dem Boden. Eigentlich fühlt es sich gut an, aber es ist fast wie ein kleiner Kontrollverlust. Die Situation gleichzeitig real (ich spüre sie ja) und irreal (der traumhafte Charakter). Nur im Gespräch mit anderen (ich werde "geweckt") komme ich aus dieser Stimmung gezwungenermaßen heraus. Diese tiefe Sehnsucht ist schön und verstörend zugleich. Diese Ambivalenz zieht sich auf allen Ebenen durch das ganze Thema.
Sollte das die Umschreibung für den Gefühlszustand aus meiner ersten Frage sein, würde ich es ganz banal als Tagträumerei erklären. Mehr fällt mir dazu echt nicht ein.
Vielleicht kann ich ja mehr dazu schreiben, wenn du mir genauer erklären kannst, in welcher Ebene (CD/TV, TS) dich dieses Gefühl erwischt.

LG Aria

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 20:38
von Theresa-Annalena
Liebe Vicky ,

Ich verstehe was Du meinst. Ich (!) schiebe diese besondere
"Empfindlichkeit" mittlerweile auf eine Anstauung mein anderes Ich's welches ich immer noch nicht vollständig zulasse.
Den CD's wird das nicht so wichtig sein, da es eher um den temporären äußeren Wechsel geht.
Wenn Du aber als TS noch Deinen Mann stehen musst, oder der "Kompromiss" trotzdem Dein Ich auf unbestimmte Zeit verwehrt,
wirst Du diesen Punkt das "alle Schranken gefallen sind" nicht erreichen. Ich stelle mal eine Gegenfrage: Warum ziehen sich viele "abgeschlossene" TS hier aus dem Forum zurück? Meine Antwort:
weil sie Sich Deine Frage nicht mehr stellen müssen und endlich in Ruhe das Leben führen welches ihrem wahren Ich entspricht.
Die Frage die Du stellst, ist wohl eine, die man sich stellt, bevor man den grossen Schritt wagt. Ich verdränge sie in der Regel mit aller Macht... noch...

LG Tessa

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 21:09
von Aria
Tessa, dann musst du aber - um wirklich schon so weit zu sein - erkennen, dass du nicht die anderen Frauen bist, sondern, dass du DU bist. Ich spreche jetzt nicht dich an, sondern Vicky.
Denn ich glaube, ich habe nun verstanden worauf ihr hinaus wollt. Es macht keinen Sinn, sich mit anderen zu vergleichen! Erst wenn man erkannt hat, dass man nicht so sein wird, wie
diese oder jene Frau, sondern die, die man schon immer war, die aber bloss die ganze Zeit unter einer männlichen Fassade versteckt war, ist man bereit, den nächsten Schritt zu gehen --> Psy.

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 21:23
von Céline
Hallo,
@Tessa:Da muss ich Dir Recht geben,ich habe die Erfahrung schon öfters gemacht das Mädels die ihren Weg beendet haben und ihr neues Leben führen sich tatsächlich zurückziehen und einfach unerkannt leben wollen.Ich finde das sehr Schade den so trennten sich bereits mehrere "Freundschaften"von mir.Ich möchte und kann das aber nicht verurteilen denn......mir geht es genauso.Das anfängliche 24/7 Kopfkino schwindet von Jahr zu Jahr und ich lebe einfach.Ich habe zwar noch einen weiten Weg vor mir aber ich führe eine "normale"Beziehung zu meiner Frau,gehe jeden Tag zur Arbeit,habe meinen Freundeskreis....wie jeder andere Mensch auch.Die Angst, Verschlossenheit und Scham ist verschwunden und im täglichen Leben ist die Thematik größtenteils einfach nicht mehr da.Ich bin einfach nur noch Frau auch wenn der größte Schritt noch ansteht.Eines möchte ich aber nach Möglichkeit nie aufhören:Anderen zu helfen,deshalb versuche ich meine SHG auch weiterhin mitzuleiten.
Auch die Freunschaft zu meiner besten Freundin wird weiterhin bestehen und selbst wenn wir zu zweit unterwegs sind schwindet die Thematik zusehends,wir sind einfach zwei Mädels die unterwegs sind.
@Vicky:Interessante Frage....ich kanns Dir echt nicht genau sagen.Mein langes Leben als Mann war für mich eigentlich normal.Da war halt etwas was ich nicht verstand und erklären könnte.Ich fühlte mich nie den männlichen Geschlecht zugehörig aber ich war ja keine Frau, also doch Mann ?????In meiner Erziehung und in der Zeit als ich aufwuchs gab es nichts über die Thematik und es wurde nicht über so etwas gesprochen.Ich wusste einfach nichts darüber auch wenn das heute komisch klingt.Es war ja schließlich pervers.Also war ich ein Mann der ein heimliches Leben hinter verschlossenen Türen lebte.
Es hat auch sehr lange gedauert bis ich es verstanden und aktzepiert habe das ich tatsächlich TS bin.Ich hatte wirklich lange Angst vor der Antwort und habe nach ca 2Jahren meine Therapeutin gefragt:Bin ich wirklich Transident?Ihre Antwort, sie lächelte:"Das war mir schon von Anfang an klar".Zu deiner eigentlichen Frage,ich hätte nicht den Wunsch danach, ich war schon immer eine Frau die 45 Jahre verzweifelt versucht hat das normale Leben eines Mannes zu führen und dabei alle gesellschaftlichen Ansprüche zu erfüllen bis ich fast daran zerbrochen wäre wenn ich nicht Hilfe gesuchtund bekommen hätte.
Heute erschrecke ich manchmal wenn ich alte Bilder von mir sehe, denn ich bin das nicht ich kenne den Kerl nicht.Er verschwindet zusehends aus meinem Kopf obwohl ich meine Vergangenheit nie leugnen wollte.
Ich hoffe ich habe jetzt nicht zu viel wirres Zeug geschrieben aber das ging mir gerade alles so durch den Kopf.
Liebe Grüße
Kelly

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 22:09
von Theresa-Annalena
Kelly hat geschrieben: Mi 12. Sep 2018, 21:23 ...Ich fühlte mich nie den männlichen Geschlecht zugehörig...
Liebe Kelly, eigentlich wollte ich Vickys Antwort abwarten,
Aber das was uns hier verbindet, ist schon fast selbsterklärend.
Ich weiß es es ist schwierig, aber die Schnittmenge die uns verbindet, ist irgendwie auch unsere Zukunft die uns verbinden wird. Jeder Weg ist individuell genauso wie die Folgen unserer Entscheidungen. Jedoch scheint das Ziel dasselbe zu sein.
Man lässt zu, man verweigert, man ist stolz, man möchte vor lauter Scham versinken, man erkennt, man verzweifelt,
Man findet einen Kompromiss, man lebt ihn nicht aus,
Der Kompromiss ist falsch, man gibt es nicht zu,
Die Erkenntnis ist da, doch ich springe wie ein Lemming
in die sichere sozialgeisselnde Masse. Selbstvernichtung?
Warum tuen wir das? Tessa.

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Mi 12. Sep 2018, 22:34
von Céline
@Tessa:Angst......Gesellschaftlicher Zwang......unendliche Scham anderst zu sein und meine anfängliche größte Angst:Irgendwann komplett alleine und einsam der komplette soziale Abstieg in die Isolation und alles Geliebte zu verlieren nur weil ich nicht "Normal"sein kann
Zum Glück hatt sich nichts bestätigt,ich muss aber auch dankbar sein solch ein Glück zu haben,das ist nicht selbstverständlich und wird mir sehr oft bewusst.
LG Kelly

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Do 13. Sep 2018, 06:10
von Michelle_Engelhardt
Kellys Posting #7 ist im Prinzip eine 1:1 Kopie von meinem Werdegang. Das viele Mädels sich am Ende des Weges aus der "Szene" zurückziehen ist sehr schade, aber sie haben trotzdem mein vollstes Verständnis. Mein Ding ist es jedoch nicht. Ich habe auf meinem Weg so viel Hilfe und Fürsprache erhalten, das gebe ich gerne weiter. Das heißt jedoch nicht, das ich mich ausschließlich in Transkreisen bewege. Ich führe ein ganz normales Leben mit Job, Haushalt, Freunden, Hobbies usw.

Es ist auch nicht ein Wunsch nach dem anderen Geschlecht, es ist ein Muss. Entweder man geht diesen Schritt oder man geht vor die Hunde. So zumindest habe ich es für mich empfunden (jetzt rein auf TS bezogen).

Liebe Grüße
Michelle

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Do 13. Sep 2018, 08:17
von Joe95
Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Do 13. Sep 2018, 06:10...Entweder man geht diesen Schritt oder man geht vor die Hunde. So zumindest habe ich es für mich empfunden (jetzt rein auf TS bezogen)...
Das ist nicht nur bei dir so.
Ich habe in letzter Zeit versucht meiner Frau zuliebe ein wenig zurück zu stecken.

Ich kann es nicht.

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Do 13. Sep 2018, 08:20
von Jenina
Vicky,

es ist eine wichtige Frage, die Du da ansprichst. Und es wundert mich überhaupt nicht dass darauf auch Antworten kommen die offenbar auch nicht verstehen was gemeint ist. SInd wir als Transvestiten tatsächlich so verschieden in unseren Gefühlen von denen einer TS? Mir scheint fast so, denn auch ich kann umgekehrt nicht nachvollziehen woher man so genau weiß, dass man "eine Frau ist".

Wenn Aria schreibt:
Sollte das die Umschreibung für den Gefühlszustand aus meiner ersten Frage sein, würde ich es ganz banal als Tagträumerei erklären. Mehr fällt mir dazu echt nicht ein.
Vielleicht kann ich ja mehr dazu schreiben, wenn du mir genauer erklären kannst, in welcher Ebene (CD/TV, TS) dich dieses Gefühl erwischt.
dann ist das für mich ein Provokation, die von sehr geringer Empathie zeugt. Ich möchte nicht eskalieren und Gleiches mit Gleichem vergelten wenn ich die Gefühle von TS werten sollte. Ich will nämlich überhaupt nicht werten sondern das tun was Vicky möchte. Dass ich nämlich für mich selbst versuche zu beschreiben, was diese "komischen Gefühle" sind die mich offenbar von den anderen, den "normalen" Männern unterscheiden. Und eben auch offenbar von den "richtigen" Frauen.

Ich kann alles nachvollziehen was Vicky beschreibt. Und es hat immer eine tiefe Zerissenheit ausgelöst weil ich es nicht richtig einordnen konnte und eigentlich bis heute kann. Das liegt daran, dass es schwer ist, Gefühle überhaupt mit Worten zu beschreiben, schon da geschehen Ungenauigkeiten, ja Missverständnisse. Ich versuche bei meinen Versuchen der Beschreibung auch, ob ich mich in andere Menschen hinein versetzen kann. Sowohl in den Mann, dem das fremd, ja geradezu pervers vorkommt. Aber auch in eine Frau, deren Bild ich gerne sein möchte. Was empfindet sie wenn sie sich stylet? Was ist der Antrieb? Ist es womöglich der gleiche wie bei mir? Sind es auch Motive, die aus sexuellen Gefühlen herrühren? (Dank an Wally für ihre, wie ich finde mutige, Beschreibung ihrer Gefühle) Ist das nicht schlimm? SAgen die ach so gewissen TS nicht immer "trans* hat nichts mit Sexualität zu tun?

Alle diese Fragen bewegen mich bei der Betrachtung meiner Gefühle. Damit bin ich nicht schnell fertig. Es wäre schön wenn ich das als Traum abtun könnte. Es ist aber real in meinem Leben, und das jeden Tag und jede Stunde. Ich habe solche seltsamen Gefühle kürzlich bei zwei Gelegenheiten beschrieben. Die eine waren die Gefühle beim "Tucking-Langzeitversuch", als ich gar nicht lassen wollte von dem scheinbaren Anderssein an der Stelle, mir der ich sonst noch nie irgendwelche Problemem hatte. Die andere Gelegnheit war die, als ich die Fotomontage "Judith in Jena" machte und die erotischen Gefühle damit auszudrücken verucht habe, die offenbar da sind und nach Anerkennung suchen. Das ist für mich die gleiche Anerkennung wie die, zu meinem Leben als Transvestit zu stehen.

Es war eine schöne Gelegenheit wieder über solch schwierige Fragen nachzudenken. Danke dafür liebe Vicky. Es wäre schön wenn wir das auch mal wieder persönlich besprechen könnten. Die Gelegenheit ist bald...

Jenina

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Do 13. Sep 2018, 09:48
von lexes
TessaLouboutin hat geschrieben: Mi 12. Sep 2018, 20:38 Die Frage die Du stellst, ist wohl eine, die man sich stellt, bevor man den grossen Schritt wagt. Ich verdränge sie in der Regel mit aller Macht... noch...
LG Tessa
Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Do 13. Sep 2018, 06:10 Entweder man geht diesen Schritt oder man geht vor die Hunde.
Quasi-Philosophisch .... Wäre ein schöner Titel für das Thema (ap)

Ihr beide solltet Euch mal auf ein Bier / einen Sekt treffen und quatschen

Re: Wie fühlt sich der Wunsch nach dem anderen Geschlecht an ?

Verfasst: Do 13. Sep 2018, 09:53
von Joe95
Jenina hat geschrieben: Do 13. Sep 2018, 08:20...SInd wir als Transvestiten tatsächlich so verschieden in unseren Gefühlen von denen einer TS? Mir scheint fast so, denn auch ich kann umgekehrt nicht nachvollziehen woher man so genau weiß, dass man "eine Frau ist"...
Ich denke ja.
Ob nun DWT, Tv oder Crossdresser, gemeinsam ist allen das sie ihre männlichkeit nicht grundsätzlich ablehnen.
Ich tue das, weshalb ich also davon ausgehe dass ich nicht zu den oben genannten zähle.
Woher ich nun weiß das ich eine Frau bin?
Es gibt keine allgemeingültige Definition welches Verhalten, welche Gefühle oder welche Gedanken männlich oder weiblich sind.
Niemand kommt mit einer Liste und hakt ab, soundsoviel männliche Eigenschaften, soundsoviel weibliche also bist du...

Wir selber, jeder von uns, definieren männlich und weiblich. Jeder für sich, auch wenn sich viele bei vielem einig zu sein scheinen.
Es gibt Verhaltensweisen bei mir und meinen Mitmenschen, die ich als männlich definiere und es gibt welche, die ich als weiblich definiere.
Genau so gibt es körperliche Attribute, die ich als weiblich bzw. männlich definiere. Das gleiche bei Gefühlen, ja, auch bei Kleidung.

Bei mir fing es damit an das mich immer mehr von mir als männlich definiertes abgestoßen hat, wogegen mir von mir als weiblich definiertes mir immer mehr richtig bzw. erstrebenswert vorkam.
Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich wusste eine Frau zu sein.

Genau genommen könnte man sagen ich bin nur eine Frau, weil ich glaube eine Frau zu sein, aber ich denke das wäre zu sehr vereinfacht.
Schließlich habe ich ja auch im laufe meiner Entwicklung alle anderen Varianten ausgeschlossen.