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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Eltern, die sich mit den von Dir angesprochenen Wege des Lebens beschäftigen, haben hier einige Informationen zusammengetragen und können sicherlich Hinweise auf eine Beratungsstelle und/oder Elterngruppe geben, die sich in eurer Nähe befindet.
Ob eine Transsexualität vorliegt, kann mit Fachleuten herausgearbeitet werden. Es gibt SpezialistInnen, die sich mit Kindern und Jugendlichen auskennen.
Ich würde eine mögliche Transsexualität allerdings nicht daran festmachen, wie das Kind sich kleidet und mit welchen Sachen es sich gern beschäftigt; denn Mädchen können alles, was auch Jungs können
Ich frage mich wie das wäre bei einer hormonellen Umwandlung... Müsste sie die Hormone ihr Leben lang nehmen?
Ja, davon ist auszugehen, jedenfalls nach den heutigen Kenntnissen und medizinischen Fähigkeiten.
Wie ist das denn, wenn sie äußerlich wie ein Mann aussieht, aber dann unterhalb des Bauchnabels doch eine Frau ist.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, etwas "aufzubauen" - und vorher Prothesen.
Die Frage ist, wozu er sich entscheiden wird.
Du schreibst durchgängig "SIE". Kansst Du schon abschätzen, wie Du mit einem "ER" zurechtkommen würdest?
"ER" und ein neuer Name wären sicherlich die ersten Schritte, abgesehen von der Kleidungsfrage.
Ein dgti-Ergänzungsausweis könnte in der ersten Zeit in der Schule helfen.
Noch vorweg: Ich finde es super, wie ihr mit eurem Kind umgeht, und dass ihr Interesse zeigt, euch dem stellt, was da kommt.
Klar habt ihr jetzt auch Fragen, und Anne-Mette hat auch schon einiges geschrieben.
Bitte macht euch keine Gedanken oder gar Vorwürfe, dass euer Kind durch das Aufwachsen mit seinen Cousins in die "falsche" Richtung gelenkt wurde. Mir selbst war bereits seit meinem 5. Lebensjahr bewusst, dass ich anders war als die anderen Jungs, und das ist nun schon mehrere Jahrzehnte her, hat sich nicht durch irgendwas verändert. Und das ist nicht ungewöhnlich, auch wenn wir älteren Semester bedingt durch die Zeit, in der wir aufgewachsen sind, oft erst sehr spät aus uns heraus kommen.
Durch meine regelmäßigen Treffen mit anderen Betroffenen, kenne ich auch mehrere junge Transmänner, und das sind alles richtig nette, knuffige Typen, die man einfach nur gern haben muss. Die sind alle richtig glücklich und ich denke, dass ist es doch, was ihr euch für euer Kind wünscht.
Das soll's für den Moment gewesen sein. Wenn du noch Fragen hast, werde ich gerne versuchen, sie zu beantworten. Notfalls könnte ich auch die Jungs befragen, wenn ich am Freitag wieder in Leipzig bin.
Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Bei einer 13-Jährigen ist es für die Diagnose "Transsexualität" mit allen Konsequenzen noch viel zu früh - das ist einfach zu unsicher, um in diesem Alter schon irgendwelche irreversiblen Maßnahmen zu ergreifen. Ein gewisser Prozentsatz solcher Mädchen entwickelt sich ein paar Jahre später dann doch noch zu einer ganz mormalen Frau. Dann wäre es unverzeihlich, ihren weiblichen Status unumkehrbar beschädigt zu haben.
Für den Moment ist das für Eure Tochter zweifellos hart - egal, ob sie wirklich transsexuell ist. Eine Pubertät zu durchleben, in der man sich nicht mit dem identifizieren kann, was die Hormone aus einem machen, ist allemal ein schlimmes Schicksal. Da braucht sie jetzt dringend Eure bedingungslose Akzeptanz und Eure seelische Unterstützung - ruhig auch in der Form, daß Ihr sie konsequent als Jungen behandelt, wenn sie das wünscht. Damit macht Ihr sicher nichts kaputt...
Es kann für sie vielleicht ein gewisser Trost sein, wenn Ihr ihr klarmacht, dass mit dem Aufschub medizinischer Maßnahmen bis zur Volljährigkeit noch nichts verloren ist, es läuft ihr nichts davon. Die Hormonbehandlung bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen wirkt auch später noch sehr prompt und viel effektiver als in der umgekehrten Richtung. Die kriegen nach einem halben, dreiviertel Jahr Testosteron-Einnahme Stimmbruch und Bartwuchs und werden dann von anderen Leuten im Alltag so prompt und zuverlässig im Wunschgeschlecht identifiziert (wir nennen das "Passing"), davon können wir Mann-zu-Frau-Transsexuelle zeitlebens nur träumen... Selbst die Brust ist da kein Problem; die Frau-zu-Mann-Transsexuellen, die ich kenne (ich kenne etliche näher), haben die Brüste eigentlich mehr um ihres persönlichen Körpergefühls willen entfernen lassen, als weil sie damit im sozialen Umfeld irgend ein Problem gehabt hätten. Und eine Brustamputation ist zwar zweifellos auch nicht lustig, aber medizinisch doch eine relativ problemlose Routine-Operation. Umgekehrt wird man aber Stimmbruch und Bartwuchs durch keine Hormontherapie der Welt wieder los, wenn sie erst mal da sind; ein erneutes Passing als Frau wird dann im Fall einer Umkehr sehr, sehr schwer, selbst wenn alles andere vom Busen bis zur Menstruation unbeschädigt weiblich geblieben ist. Man muß sich also schon wirklich ABSOLUT sicher sein, bevor man sich auf diesen Weg begibt.
Momentan könnt Ihr wohl nichts anderes tun, als nach Kräften dazu beizutragen, dass Eure Tochter trotz der momentan misslichen Umstände eine möglichst unbeschwerte, lebensbejahende Jugend erleben darf. Dazu gehört emotionale Sicherheit und vor allem auch, unnötige Reibung zu vermeiden, wo immer möglich. Wenn sie ein Junge sein will, akzeptiert und respektiert IHN als solchen, solange es so ist - egal, ob das für immer ist oder sich doch irgendwann nochmal dreht. Auch im letzteren Fall hat es seinen Sinn und seine Notwendigkeit gehabt.
betreffs Pubertät möchte noch einen Gedanken anfügen ...
(Zwischenzeitlich hast du geantwortet, aber ich möchte jetzt nicht noch mal alles umschreiben.)
Es ist durchaus möglich und kann hilfreich sein, das Kind nicht erst die falsche Pubertät durchmachen zu lassen. Darüber sollte man mit Fachleuten sprechen, und das Für und Wider abwägen. Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich will keineswegs Angst und Panik verbreiten, doch man sollte mögliches selbstverletzendes Verhalten bis hin zu Suizidversuchen, auf Grund der als falsch empfundenen körperlichen Entwicklung, nicht einfach beiseite wischen. Das kann schon sehr belastend für die Jugendlichen sein, und in der Pubertät geht es in uns drin manchmal ziemlich chaotisch zu. Da sind extreme Reaktionen nicht gerade unwahrscheinlich.
Natürlich ist die Verzögerung ebenfalls ein Eingriff in den Körper. Das sollte man nicht verharmlosen. Jedoch gilt es zumindest darüber nachzudenken, was wohl weniger schlimm wäre. Und auch dazu wieder mein Rat, sich von Fachleuten umfassend informieren zu lassen. Nur wenn man alle Optionen auf dem Tisch hat, kann man eine Entscheidung treffen, mit der man auch später leben kann.
Aber wie schon gesagt, ich möchte das nur zu bedenken geben. Wenn man weiß, was kommen kann, ist man besser vorbereitet, und kann im Fall der Fälle besser darauf eingehen und reagieren.
Jetzt noch kurz zu deiner letzten Antwort ...
Was die Frage angeht, ob sich alle Kinder, die Pubertätsblocker bekommen, dann für das Wunschgeschlecht entscheiden, und ob jene, die keine bekommen, tatsächlich mit ihrem biologischen Geschlecht zufrieden sind, da wäre ich sehr vorsichtig. Hier auch wieder die Empfehlung, Experten zu fragen, ggf. auch eine zweite Meinung einholen. Denn bei dem, was im Netz geschrieben wird, muss man sehr vorsichtig sein. Da sind auch Leute unterwegs, die Transidentität/Transsexualität bestreiten, und alles daran setzen, entsprechende Schritte zu verhindern.
Insbesondere, wenn so pauschalisierende und polarisierende Aussagen kommen wie die, die darauf hinausläuft, dass die Gabe von Pubertätsblockern ja/nein faktisch darüber entscheidet, ob ein Kind transsexuell "wird", sollte man sehr vorsichtig werden, denn da werden bewusst Ängste bei den Eltern geschürt, die ja doch mehr oder minder große Sorgen und Bedenken haben, ihren Sohn bzw. ihre Tochter "zu verlieren" und was sie ihren Kindern da antun.
Ich schrieb eben ganz bewusst: transsexuell "wird" mit den Anführungszeichen, weil das zwar öfter, und speziell von Gegnern so propagiert wird, aber grundsätzlich falsch ist. Kein Mensch wird transsexuell, denn das kann man sich nicht aussuchen.
Ich hoffe, du wirst von den vielen Informationen nicht erschlagen. Falls irgendetwas unklar sein sollte, scheue dich bitte nicht, weiter nachzufragen.
Und bitte: Ich möchte dich nicht in eine Richtung drängen. Ja? Ich kann von hier aus keine Diagnose stellen, nur Infos geben.
Wenn ich vielleicht noch etwas aus eigener Erfahrung anfügen darf, um dir zu zeigen, wie sehr ich mir Gedanken mache, dann dieses:
Als ich mich von meiner Frau getrennt habe, wollte mein noch vergleichsweise junges Kind (unter 10) bei mir bleiben, und hat dies auch sehr deutlich gesagt. Ich war auch nicht sicher, was nun richtig ist, wollte aber auch das Richtige tun, und habe mit mit dem Jugendamt in Verbindung gesetzt, wissend, dass man die Kinder gerade in dem Alter zumeist pauschal der Mutter "zuordnet". Aber es kam ganz anders. Die Psychologin hat sich alles genau angehört, was mein Kind zu sagen hatte, und sie schätzte ein, dass unser Kind trotz seinen jungen Alters bereits eine sehr klare und gefestigte Vorstellung davon hat, und empfahl sehr deutlich, seinem Wunsch statt zu geben.
Also hört eurem Kind genau zu, und schaut, dass Therapeuten und Ärzte eurem Kind sehr genau zuhören.
Liebe Grüße und euch alles Gute
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
die Entscheidung, erstmal Fachleute zu konsultieren, scheint mir die richtige zu sein. Nicht dass das Götter in Weiß wären. Über deine Tochter bzw. deinen Sohn wissen sie nicht mehr als sie bzw. er selbst oder ihr als Eltern. Sie können das Wissen nur in einen größeren Rahmen einordnen. Aus anderem Zusammenhang weiß ich, wie leicht unvollständige Informationen oder subjektiv geprägtes Wissen in die Irre leiten können.
Egal was ihr macht, eine gewisse Unsicherheit wird zunächst bleiben. Deinem Kind und dir als Begleiterin wünsche ich alles Gute auf eurem Weg.
Cataleya hat geschrieben: Di 11. Sep 2018, 10:25
Dir jedenfalls vielen Dank für deine Unterstützung
Hallo Nina,
danke für die Blumen, doch ich tue nicht mehr, als ich von anderen erwarten würde, wenn ich in solch einer Situation wäre.
Ich habe diesen Thread hier weiter unter Beobachtung, und wenn irgendetwas ist, dann melde dich einfach. (Per PN ist ebenso in Ordnung.)
Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.