Hallo Solveig,
Ich frage mich, wo bleibt der Aufschrei aus der Community?
Das frage ich mich auch, siehe unten.
Wo bleiben die Reaktionen der Verbände (BVT, DGTI, LSVD usw.) zu dieser unverfrorenen Arroganz der Bundesregierung? Ist man schon so sehr an Demütigungen gewöhnt, dass man dem Heimatminister Alles durchgehen lässt?
Nein, letzteres bestimmt nicht. Aber die Möglichkeiten sind leider sehr begrenzt. Kein Verband kann Minister_innen einbestellen und ihnen die Leviten lesen.
Die Antwort auf die kleine Anfrage von B90/Grüne wurde auch nicht vom Seehofer-Ministerium verfasst. Sie kommt aus dem Familienministerium unter Ministerin Giffey. Der Inhalt der Antwort ist zur Zeit auch nicht besonders dringend und wichtig. Es steht nichts drin, was man nicht schon wusste, nicht erwartet hat oder was aktuell eine größere Bedeutung hätte.
Die BVT* hat nach Veröffentlichung der Antwort natürlich trotzdem mit Leuten bei den B90/Grünen gesprochen und auch ergänzende Informationen zu den Antworten aus dem BMFSFJ gegeben. Auch mit diesem Minsterium wurden und werden Gespräche geführt (m.E. sogar mit kleinen Schritten in die richtige Richtung).
Es wäre aber falsch, die wenigen vorhandenen Ressourcen jetzt auf diesen Bereich zu konzentrieren. Bisher hat kein Ministerium o.ä. einen konkreten Plan für eine TSG-Reform vorgelegt. Es wird darüber gesprochen, aber nicht gehandelt. Dagegen wird man von Seiten der Verbände etwas unternehmen müssen, ganz klar. Aber erst dann, wenn das aktuelle Problem vom Tisch ist.
Die oberste Priorität liegt zur Zeit darauf, den Attestierungszwang noch irgendwie aus dem GÄG-Entwurf zur 3. Option herauszubekommen*. Ob das gelingt ist unklar, obwohl es gute Argumente dagegen gibt. Aber es gibt eben auch nur wenige Menschen, die sich dafür einsetzen und viele die dagegenhalten. An diesem Punkt wird jedenfalls hart gearbeitet, weil der GÄG-Entwurf aktuell im Gesetzgebungsverfahren ist. Es wird für jede TSG-Reform, egal wann sie kommt, von entscheidender Bedeutung sein, ob der Attestierungszwang im GÄG bleibt oder die 3. Option selbstbestimmt zugänglich wird.
Hab es gut
Marielle
*) Den dazu nötigen 'Aufschrei' verpennt die Trans*-Community in weiten Teilen seit langem. Viele scheinen zu glauben, dass das Gesetz zur dritten Option sie nicht betrifft. Das ist leider zu kurz gedacht und nach dem 'Abwarten' könnte wieder Heulen und Zähneklappern kommen.