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warum bin ich wie ich bin? Fragezitat von Frieda.

Verfasst: Mo 3. Sep 2018, 00:56
von Emilia
"Was ist mit mir nur passiert? Warum bin ich wie ich bin?
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Ist das gut oder schlecht? Möchte ich so bleiben oder lieber nicht? Ändern kann ich es eh nicht, aber die Frage stell ich mir!

Ich bin ja nun gerade dabei, herauszufinden wer, wie oder was ich bin. Lange, sehr lange wusste ich mit ziemlicher Sicherheit, ein ernsthaftes Problem zu haben. So dachte ich bis lang.
Was uns anmakelt, macht uns nachdenklich, bereitet uns Probleme, bringt uns immer wieder in Situationen die uns unangenehm sind weil wir anders sind. Ist es gut oder schlecht?
Es ist sowohl das eine aber auch das andere, meine ich. Aber was überwiegt, gibt es mehr Positives oder mehr Negatives in der Position anders zu sein.

Ich erinnere mich genau an meinen ersten Schritt nach draußen, nachts als Frau, nein als Mädchen. Ich war Namenlos, eine Niemand, ca. 12 Jahre alt, und meine vor pubertierenden Gefühle waren so emotionsgeladen, dass es mir fast egal war, in diesem Gefühlsfeuerwerk, wenn mein Herz in diesem Moment stehen geblieben wäre. Anders kann ich dieses überaus schöne Erlebnis nicht beschreiben.

Im Gegenzug, als ich älter wurde, gingen immer mehr Fragen durch meinen langhaarigen Männerkopf. Ich wusste nicht was ich tat und warum, wo das Böse herkam. Ich war der einzige auf der Welt, der so pervers, krank, abnorm und widerlich war, der in etwa auf der selben Stufe eines Vergewaltiger oder gar eines Kinderschänder stand und im höchsten Maß strafbar war und überhaupt nicht auf der Erde leben durfte.

Ich nehme nun die ungleichen Aussagen und lege sie auf eine Waage, das Positive in eine, das Negative in die andere Waagschale. Ich raffel gleich alle Gefühle, Gedanken, Erlebnisse meines ganzen Lebens zusammen und lege sie je nach gut und nicht gut, mit in die Schalen.
Es ist meine Waage, die mir sagt, ich möchte nicht anders sein. Ich möchte mich erleben und auf keines der Gefühle und Erlebnisse verzichten, obwohl ich so schreckliche Gedanken dabei hatte oder erwischt, enttarnt, entlarvt und öffentlich an den Pranger gestellt zu werden und die Welt mit Fingern auf mich zeigt, da ist das Schwein! Und, noch bin ich in meinem Umfeld nicht geoutet und somit stehen mir noch einige Probleme bevor und laufe Gefahr, meine Frau zu verlieren (was für ein Preis!).
Dennoch möchte ich unter allen Umständen "ich" bleiben. Wie gesagt, es ist meine Waage und meine Gewichte.

Ist es gut so zu sein wie man/Frau ist, mit all seinen Problemen? Oder wäre das makellose Leben ohne Probleme besser? Es kann sein, dass es nicht alle so sehen wie ich. Und warum ich nun so bin wie ich bin, weeß ick ooch nich. Bin halt Berliner.
Frieda, vielen Dank für Deine Gedanken.
Liebe Grüße Emilia. (Smiley)

Re: warum bin ich wie ich bin? Fragezitat von Frieda.

Verfasst: Mo 3. Sep 2018, 06:58
von Cybill
Hallo Emilia,

es ist sicher gut, zu akzeptieren , wie man/frau/div ist. Aber es ist besser, an sich und seiner Situation zu arbeiten, um es dem Ideal eines makellosen Lebens anzunähern.
Dabei gilt es immer sich selbst nicht zu verlieren und gleichzeitig das Mögliche zu tun.
Ich glaube, es ist diese Gratwanderung, die das Leben spannend und erfüllt macht.

- Cy

Re: warum bin ich wie ich bin? Fragezitat von Frieda.

Verfasst: Mo 3. Sep 2018, 07:25
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Emilia,

ich habe es im anderen Fred schon angedeutet. Ich denke, wir machen ein Täter-Opfer-Spiel aus unserem eigenen Wesen. Ich denke, das ist nicht gesund.

Zum einen ist da die Position des Täters. Du nennst es das "Schwein", das keine Lebensberechtigung hat. In dieser Position ist das Leben im Gegengeschlecht eine "Straftat". Auf der anderen Seite ist da das "Opfer, das für seine Art zu leben nichts kann und vom Umfeld nicht akzeptiert wird.

Ich stelle mir heute die Frage, muss ich das in dieser Weise bewerten ? Ist die Bewertung selber nicht das eigentliche Problem ? Natürlich gibt es eine Bewertung in der äußeren Welt. Aber die ist weder schwarz-weiß, noch muss sie für mich so relevant sein, dass ich sie mir zu eigen mache.

Du sagst:
Es ist meine Waage, die mir sagt, ich möchte nicht anders sein.
Geht es um ein Abwägen zwischen einem vermeintlichen "Gut" und "Böse", wenn es um das eigene Wesen geht ? Deshalb drückt dieser Satz für mich Widerspruch und Lösung des Themas aus. Wenn es um das eigene Wesen geht, was gibt es da abzuwägen ? Aber wenn da eine Stimme in Dir sagt, dass Du so sein möchtest, ist das wirklich die Stimme einer Abwägung ? Ist das nicht viel mehr die Stimme eines inneren Seins, dass verlangt, dass Du so lebst, wie Du bist, ohne diese Abwägungen ?

Man kann im täglichen Leben noch genug abwägen, ob eine Situation für einen selber gesund ist. So würde ich mir verkneifen, in einem Block in der Dunkelheit vor einem Haufen Rechtsradikaler die "Transe" zu zeigen. Aber bei der Partnerin sieht das schon anders aus. Das muss Jede/r mit sich selber ausmachen.

Aber am Anfang steht die Anerkennung seines Wesens vor sich selber. Das geht mMn nur rückhaltlos. Damit gewinne ich eine Haltung, die es mir viel einfacher macht, den/die Andere/n in ihrem Wesen zu sehen und an zu erkennen. Wie will ich andere Menschen anerkennen, wenn ich das für mich selber nicht kann ? MMn geht das nicht. Meine persönliche Lebenserfahrung sagt mir, dass ich sogar meine Partnerinnen falsch gewählt habe, weil ich meine Hoffnungen, Wünsche und Träume verdrängt habe. Ich war so zu sagen nur nur ein halber Mensch. Aber als halber Mensch konnte ich den Gegenüber nicht richtig erkennen. Ich war ja auf einem Auge blind. Erst als ich begann, mit dem anderen Auge zu blinzeln, fand ich in einer Beziehung Tiefgang. Sie ist nicht zu erreichen, wenn man sich selber verdrängt.

Ja, ein Outing kann das Ende einer Beziehung sein. Das ist dann vielleicht auch richtig so, denn der/die Partner/in ist vielleicht nicht die richtige und man selbst auch nicht für den/die Partner/in. Aber es kann auch der Einstieg in ein besseres, weil bewussteres Leben sein. Es ist halt immer wieder die gleiche Frage:

Wie möchte ich sein ? Hast Du sie nicht schon beantwortet (siehe Zitat oben) ? Was hindert Dich ?

Re: warum bin ich wie ich bin? Fragezitat von Frieda.

Verfasst: Mo 3. Sep 2018, 08:20
von Frieda
Duuuu bist doch kein Problem Emi!! !! !!
Jedes Wesen auf diesen Planeten ist etwas göttliches! Und mein persönlich göttliches, ist immr etwas, was sich um uns herum befindet zB auch ein Schmetterling, selbst, wenn ich diese Wesen, ihren Körper immer wieder erschreckend finde, und trotzdem lehne ich sie nicht ab, sondern stelle mich meinen falschen Gedanken die sich seit der Schulzeit in mir verfestigten (seit ich die Insektenwelt unter einem Mikroskop sah) und gehe auch mit meinen Kids in Schmetterlingshäuser, weil sie es sich wünschen.

Emilia!!!!
In meiner Wahrnehmung hast du in deinem 2. Absatz den richtigen Grundgedanken schon aufgegriffen, bist dann aber wiederholt in ein bewerten gefallen!
Ich las einmal folgende Worte ....."Wenn du in der Welt etwas siehst, was du nicht für akzeptabel hälst, kannst du dir sicher sein, ist dein Verstand verwirrt!", für mich waren diese Worte ein Schlüsselerlebnis! Für mich sind diese Worte eine Befreiung gewesen und sie sind für mich sonnenklar!!!

Dein vorletzter Absatz zeigt deine Angst, vielleicht sogar deine größte Angst!? Emi! Ich kann dir diese Angst nicht nehmen, kein anderer Mensch kann das! Angst ist wichtig für uns, sie schützt uns, weil sie uns vorsichtig macht....aber Angst darf uns niemals beherrschen, es ist wichtig, dass du dich vielleicht hin und wieder mal selbst daran erinnerst!
Welchen Trost kann oder könnte ich/wir dir schenken, bzgl der Angst deine Frau sie evtl verlieren zu können? Ich denke ich kann es nicht, keiner kann dies! Aber ich kann dir Zitate schenken die mir auf meinem Weg hilfreich waren .......
"Wenn du verlierst, verliere nicht den Lerneffekt."
"Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest um sie zu erreichen."
"Die schwierigste Zeit in unserem Leben ist die beste Gelegenheit, innere Stärke zu entwickeln."

Ein Gedanke kommt mir bzgl deiner Frau noch.
Zu akzeptieren, dass Alles ein Ende hat (ich rede von ehrlicher, warer Akzeptanz!)..schenkt Frieden. Ob du dich deiner Frau nun öffnest oder nicht, dir sollte klar sein, dass Eure Beziehung ein Ende haben wird...irgendwann! Und! Ich weiß nicht ob ihr Eltern seid, aber stell dir einmal folgender Frage. Würdest du dir wünschen, dass deine Kids immer zu dir kommen können, egal(!!!!!!) mit welchen Sorgen und Nöten? Könntest du ihnen bedingungslos beistehen, ohne sie zu verurteilen, weil du sie bedingungslos liebst? ....und Dann frage dich bzw vielleicht, ich sage vielleicht (!) fragst du deine Frau, ob sie bereit dazu wäre das Wesen, was ihr jetzt ängstlich zu ihren Füßen sitzt, ob sie sich stark genug fühlt, dieses Wesen wahrhaftig sehen zu wollen?

Und deine letzte Frage in deinem Artikel kann ich für mich ganz klar mit NEIN beantworten! Dazu glaube ich auch nicht, dass es ein makelloses Leben gibt, ich bin überzeugt, dass jedes Wesen sein Päckel zu tragen hat ganz gleich wo es lebt, mit welchem Status, oder welchen von Menschen gemachten "besonderen" Annehmlichkeiten.


....Ich bitte um Gnade vor Recht, weil ich diese Texte Anderer einzufügen, leider noch nicht beherrsche. Ich werde mich bemühen, dieses zeitnah abstellen zu können!....

Namaste🙏

Re: warum bin ich wie ich bin? Fragezitat von Frieda.

Verfasst: Di 4. Sep 2018, 09:20
von Emilia
Hallo Ihr Lieben,
es sind genau Eure Gegenargumente, die mich zum nachdenken bewegen, was in dem Moment meiner Findung so wichtig ist. Vielen Dank dafür.

Vicky, danke für Deine Aussage. Eigentlich wollte ich aufzeigen wie dicht Fluch und Segen nebeneinander liegen und es in meinem Fall doch eher ein Segen ist trotz aller Probleme. Du hast sicher Recht nicht alles abwägen zu dürfen, ick hab et ma jemacht und bin zu nem Ergebnis für mich gekommen.

Cybill, du schreibst: u.a. "Aber es ist besser, an sich und seiner Situation zu arbeiten" vielen Dank für Deine Meinung, Du hast Recht und ich denke auf dem Weg zu sein.

Frieda, Klar habe ich Angst vor der Zukunft, ich hatte ja auch Angst in der Vergangenheit, was längst verflogen ist. Aber es gibt eben Herausforderungen denen man/Frau sich stellen muss, damit man voran kommt und es einem besser geht und die nehme ich in kauf. Überaus hilfreich sind Deine Gedanken wie zB.("Würdest du dir wünschen, dass deine Kids immer zu dir kommen können, egal(!!!!!!) mit welchen Sorgen und Nöten?"), denn wer seine Nächsten über alles liebt, für den dürfte es keine Frage sein, ein Gedanke den ich noch nie so gesehen habe. An dieser Stelle ganz lieben Dank für Deinen Trost, den ich eigentlich hier nicht einfordern und gar nicht so weit in meine Person hinein tauchen wollte, sondern vielmehr an Deine Fragen festhalten, die ja weiterführend vielleicht von allen beantwortet werden.
Sch"¦, der Job zieht mich hier weg, no time!
Liebe Grüße, Emi.