Seite 1 von 2
wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 06:03
von ULI67
An unserer Situation. Weil wir uns immer verstecken, nimmt uns niemand wahr... andere zeigen sich, fallen aber nicht auf, weil sie zu gut aussehen. Wir sollten mehr an die Öffentlichkeit, dann werden wir zum normalen Bild und sind keine Exoten mehr. Ich weiß, das ist nicht einfach, aber wenn ich über die ganzen Outings lese.... je früher wir das tun, desto besser geht es uns. Klar, das ist nicht bei jeder gleich, ich warte auch noch, bis mein Sohn ein entsprechendes Alter hat, aber ich denke wir sollten aus unseren Verstecken, und das nicht nur zum CSD.
Nur mal so ein Gedanke von mir...
LG Uli
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 07:11
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Uli,
Schuld ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Ich würde es positiv formulieren:
Wir können viel für unsere Akzeptanz tun. So wie Du sagst: nicht mehr verstecken oder vielleicht nicht mehr so viel verstecken ... Es besteht sogar die "Gefahr", dass es für uns ganz normal wird, en femme zu sein. Auch das ist ein Punkt für die Akzeptanz. Ich merke, wenn ich draußen bin, je selbstverständlicher ich mich bewege, um so mehr "Standing" habe ich. Auch mögliche Widerstände Dritter fallen aus. Ich bin dann nicht mehr im "Opfermodus".
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 07:47
von Michelle_Engelhardt
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 27. Aug 2018, 07:11
Ich merke, wenn ich draußen bin, je selbstverständlicher ich mich bewege, um so mehr "Standing" habe ich. Auch mögliche Widerstände Dritter fallen aus. Ich bin dann nicht mehr im "Opfermodus".
Danke Vicky, das ist nämlich ein ganz ganz wichtiger Punkt. Sicheres und selbstbewusstes Auftreten sind tatsächlich das A und O. Nun hat man das in den allermeisten Fällen nicht gleich beim ersten öffentlichen Auftritt aber mit jedem positiven Erlebnis steigt diese Selbstsicherheit auf ein neues Level. Die nette Verkäuferin im Geschäft, die freundliche Bedienung im Café oder entgegenkommende Passanten die Dich anlächeln oder sogar ein Kompliment machen, all das gibt einen ungeheuren Schub.
Liebe Grüße
Michelle
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 07:53
von ExUserIn-2026-04-08
Stimmt. Ich brauche meistens ein paar Stunden bis ich ganz im en femme-Modus bin. Am Anfang habe ich sogar ein bis zwei Tage gebraucht, bis aus Aufregung mehr oder weniger "Normalität" geworden ist. Aber mit der Zeit wird das immer leichter. Man darf nicht zu viel auf einmal von sich selber erwarten. Aber gerade die "Normalität" empfinde ich als besonders passend.
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 08:12
von ExuserIn-2019-12-18
Nun, es braucht wohl auch eine ganze Menge an Selbstbewusstsein, um auch die negativen Dinge mental abfangen zu können.
Das Kichern, das Tuscheln, die verachtenden Blicke, das Ignorieren ..... sind alles Dinge, die man täglich überlächeln muss.
Oft,mögen sie gar nicht negativ gemeint sein, sonder können auch aus einer Neugier und Unsicherheit heraus entstehen, trotzdem braucht Frau die Kraft es zu verarbeiten ... oder?
Und trotzdem müssen wir jeden Tag raus und uns zeigen - ich werde noch zur Feministin
Liebe Grüße
Vanessa
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 08:36
von Inga
Hallo, Uli,
das ist es genau. Wenn ich en femme draußen bin, falle ich kaum auf. Da liegt einfach auch an an dem Stil, den ich mag. Ich mag es nicht, wenn sich die Leute nach mir umdrehen, nur weil ich da bin und ins Auge falle. Warum soll ichmir das zumuten? Ich finde es schon wichtig, dass man zu sich selbst stehen kann und auch zu einem unauffälligen Stil.
Meine Mitmenschen stutzen meist, wenn ich den Mund aufmache und irgendetwas sage. Ja, das sollte ich wohl öfters machen.
Für mich gilt, stärker zu verinnerlichen, dass die feminine Seite eben eine Seite von mr ist, die stärker gezeigt werden möchte, und einfach nicht so vielen Mitmenschen bekannt oder selbstverständlich ist.
Doch habe ich noch meine Grenzen: Nachbarschaft und Berufsalltag.
Liebe Grüße
Inga
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 08:38
von Céline
Guten Morgen,
Selber Schuld..........?In gewisser Weise geb ich Dir da recht.Ich selbst hab mich ja auch Jahrzehnte aus Angst, Scham und weil ich dachte ich wäre irgendwo krank versteckt und lebte mein wirkliches Ich nur Stundenweise aus,ständig mit der Angst entdeckt zu werden.Die Angst alles Wichtige im Leben dadurch zu verlieren dürfte mein ich nicht ganz unbegründet sein,vielen geht es so.Natürlich auch um meine nicht Frau zu blamieren.
Die Frage ist wie kommt Jede/Jeder Einzelne mit der Situation klar und wie weit geht das ganze.
Bei mir war irgendwann der Punkt erreicht an dem es vorbei sein müsste das lebenslange Versteckspiel und ich endlich ich sein musste mit allen Konsequenzen.
Seitdem lebe ich komplett als die Frau die ich schon immer war.Für mich ist das Auftreten als Frau mittlerweile zum normalen Alltag geworden und ich glaube ich gehe tatsächlich meistens im Alltag unter, ich möchte mich auch gar nicht ständig erklären obwohl das hin und wieder vorkommt.Wie Vicky schreibt:Es ist inzwischen vollkommen normal"
Es war aber gerade anfangs als mein Passing noch nicht besonders gut war extrem belastend mit dem ständigen Blicken und Geflüster und selten auch Beleidigungen fertig zu werden.
Deswegen ist die psychische Belastung nicht zu unterschätzen und Viele besitzen noch nicht genug Stärke und Selbstbewusstsein um das zu ertragen.Viele werden aber aus Persönlichen Gründen diesen Schritt nie gehen wollen oder können.
Ich für mich versuche immer wenn es nötig Aufklärungsarbeit zu leisten bin aber ehrlich das ich irgendwann alles hinter mir lassen möchte und einfach nur noch leben möchte.
Das war aber nur die Sicht von mir als TS
Euch noch eine schöne Woche,liebe Grüße
Kelly
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 08:42
von ExUserIn-2026-04-08
Es war aber gerade anfangs als mein Passing noch nicht besonders gut war extrem belastend mit dem ständigen Blicken und Geflüster und selten auch Beleidigungen fertig zu werden.
da kann ich Dir zustimmen, Kelly. Vielleicht noch eine Anmerkung hierzu. Man wächst mit den Herausforderungen, denen man sich stellt. In der Stube zuhause funktioniert das nicht. Da brät man im eigenen Saft.
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 09:46
von Joe95
Recht hast du ja...
ULI67 hat geschrieben: Mo 27. Aug 2018, 06:03...Wir sollten mehr an die Öffentlichkeit, dann werden wir zum normalen Bild und sind keine Exoten mehr...
Das ist genau meine Lebensweise und ich muss sagen es lebt sich gut so.
Was noch nicht so ganz optimal ist ist die Tatsache dass ich trotz femininer Kleidung und Bhgröße 100c noch als "Mann" angesprochen werde.
Naja, da könnte ich noch entgegen wirken, aber ständig geschminkt is nicht meins, Perrücke auch nicht.
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 10:39
von Céline
Stimmt Vicky,
Als ich mich zum ersten Mal rausgewagt habe, das war auch der Punkt an dem es für mich klar war "Ja das bin ich ,jetzt ist Schluss mit dem Verstecken" habe ich mich tatsächlich ganz bewusst Herausforderungen gestellt.Ich muss dazu schreiben das ich mir bevor ich den Entschluss gefasst habe eine neue Perücke in einem Perückenladen(auf meinem Avatarbild habe ich sie einmal getragen) gekauft habe, sah aber im Spiegel nicht mich und beschloss in meine neue Rolle langsam hineinzuwachsen, im Grunde noch als Mann in Feminiemer Kleidung.Ich ging immer wieder mal alleine zum McDonald Kaffee trinken,bei uns auf dem Dorfmarkt einkaufen,Nachts tanken und und und...
Ich hatte sehr große Angst und wahnsinnige Bedenken was alles passiert aber genau daran bin ich gewachsen und habe so mein Selbstbewusstsein das vorher nie besonders groß war gestärkt.Für mich war das bisher ein schwieriger,steiniger aber lohnenswerter Weg.Heute könnte ich fast täglich vor Glück weinen weil ich mein neues Leben oft noch gar nicht fassen kann Vorallem das viele Positive das ich erleben darf
Liebe Grüße
Kelly
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 11:11
von ChristinaF
Vielleicht liege ich mit meiner Meinung etwas falsch. Aber mit mir als Frau kommt meine Umwelt sehr gut zurecht. Tuscheln und Kichern über mich sind mir bislang fremd; obwohl meine Stimme klar macht, dass ich TS bin. Und hinausgehen in die Öffentlichkeit ist für mich obligo, da ich ja als Frau lebe.
Möglicherweise bezieht sich der thread auch mehr auf Transgender, die teilweise als Frau leben?
LG Christina
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 11:34
von Michi
Hallo zusammen,
auch ein sehr interessanter Thread ...
Weil ich das bereits Gesagte nicht wiederholen möchte, ein paar weitere Gedanken von mir.
Selbstbewusstsein hat mehrere Bedeutungsebenen, wird aber oft damit gleich gesetzt, anderen mehr oder weniger mit hoch erhobener Nase entgegen zu treten. Ich kenne solche Menschen, darunter auch meine Ex-Lebensgefährtin, die sich zwar als sehr selbstbewusst angesehen haben, aber eher das Gegenteil davon waren. Sie benutzen dieses gespielte "starke" Auftreten vor allem als Panzer, unter dem sie ihre Unsicherheit verbergen. Ich frage mich jedoch, ob das auf Dauer funktioniert und glaubhaft ist, oder ob man daran irgendwann zerbricht, wenn man nicht mit sich selbst ins Reine kommt. Bei meiner Ex sieht es so aus, dass sie ihr Leben lang auf der Flucht war, auch bei mir nicht zu sich gefunden hat, obwohl es anfangs danach aussah. Sie wurde überall als stark und selbstbewusst wahrgenommen, niemand mir bemerkte das Häufchen Elend, was sie im Inneren war, und wenn doch, oder wenn nur die Gefahr bestand, dann hat sie sich zurückgezogen ... so auch vor mir.
Ich denke, wir sollten uns nicht an die Suche nach dem Selbstbewusstsein selbst klammern, sondern mehr so wichtigen Fragen wie Selbstwahrnehmung, Selbsterkenntnis, Selbstwertgefühl, Selbstachtung, ... nachgehen.
Für sich selbst Antworten darauf zu finden, wird meiner Meinung nach viel eher in Selbstbewusstsein münden, als sich das Hirn zu zermartern, was man nur tun müsse, wie man denn nun selbstbewusster auftreten könne.
Liebe Grüße
Michi
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 11:38
von Michi
VanessaL hat geschrieben: Mo 27. Aug 2018, 08:12
Und trotzdem müssen wir jeden Tag raus und uns zeigen - ich werde noch zur Feministin
Warum nicht einfach Mensch? Das ist im Gegensatz zu allen Arten von Ismen ein Konzept, was nicht in "wir" und "die" einteilt.
Liebe Grüße
Michi
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 11:45
von Michi
ChristinaF hat geschrieben: Mo 27. Aug 2018, 11:11
Möglicherweise bezieht sich der thread auch mehr auf Transgender, die teilweise als Frau leben?
Ich bin geneigt zu sagen, dass sich das generell auf Menschen bezieht, die sich verstecken.
Und auf "uns" bezogen:
Es gibt sowohl die, die sich verstecken, wie auch solche, die offen auftreten. Das gilt für Teil- und Vollzeit-Frauen gleichermaßen.
Liebe Grüße
Michi
Re: wir sind schon etwas selbst Schuld...
Verfasst: Mo 27. Aug 2018, 13:23
von Cybill
So wie ich das sehe, kann man/frau/trans es nicht von jeder Person erwarten, dass sie die Sichtbarkeit der Transwieauchimmergemeinde durch eigenes Auftreten unterstützt. Viele von uns haben auf der einen Seite Schwellenangst oder müssen auf der anderen Seite soziale Nachteile befürchten.
Gerade in kleinen sozialen Einheiten ist der "Druck" zur Anpassung oft extrem. Nicht jedem ist die Schlagfertigkeit oder die soziale Kompetenz gegeben, mit einer durch das persönliche Auftreten induzierten Konfliktsituation zurecht zu kommen.
Lasst uns daher mit den Klemmschwestern und -brüdern milde sein.
- Cy