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Perspektive Daily: "Sexuelle Vielfalt ist, wenn wir es nicht so genau wissen müssen"

Verfasst: Mi 4. Jul 2018, 13:54
von Jaddy
Der heutige Artikel bei PD (es gibt immer nur einen pro Tag) dreht sich um "Ambiguitätstoleranz". Damit meint der Autor eine Toleranz gegenüber Vieldeutigkeit. Das Gegenteil von sofort sichtbarer, eindeutiger Zuordnung - und Zuschreibung.

Was er beschreibt klingt eigentlich nicht schlecht und kommt dem gestern angesprochenen Utopia nahe, wo jeder Mensch mit all seinen Eigenheiten gleichermassen akzeptiert wird. Auch die historische Herleitung ist äusserst interessant. Spoiler: Homosexuellenfeindlichkeit wäre weitgehend ein Export europäischer Mission...

Dennoch bin ich stutzig geworden bei beim letzten Absatz:
"Könnten wir heute in einer Gesellschaft ohne Labels leben? Geht es auch ohne Schubladen wie -»hetero-« oder -»homo-«, die vermeintlich unsere Identität prägen? [...] Ambiguitätstoleranz greift Identitäten an und verwischt ihre Grenzen."
Als positives Beispiel nennt der Autor die Queer-Bewegungen
"Diese sehen sich als Gegenentwurf zu vorherrschenden, starren Lebenskonzepten und wehren sich gegen die vermeintliche Notwendigkeit, Geschlechter und sexuelle Identitäten eindeutig festzulegen. Stattdessen verfolgen sie die Utopie einer Gesellschaft, die Vielfalt begrüßt und Menschen nicht in menschengemachte Schubladen zwängt.
Ganz so einfach nach dem Motto "jeder ist einfach so okay" scheint es mir nicht. Das bekommt nämlich auch schnell was von "du bist mir egal". Erstens braucht wohl jeder Mensch, wenn schon nicht Vorbilder, so doch mindestens Orientierungspunkte. Zweitens können wir nicht ohne Benennungen und wenigstens temporäre Definitionen über etwas reden. So ganz ohne Identitäten wird es nicht gehen. Dass die aber eher zur Orientierung und dem Zusammenhalt dienen sollten, statt zur Ausgrenzung, da gehe ich mit. Utopia forever! ;)

https://perspective-daily.de/article/555/oNF2WyKE

Re: Perspektive Daily: "Sexuelle Vielfalt ist, wenn wir es nicht so genau wissen müssen"

Verfasst: Mi 4. Jul 2018, 14:23
von ExUserIn-2026-04-08
Ich sehe das weitgehend ähnlich. Die Schublade ist nicht das eigentliche Problem. Wir leben ständig mit Schubladen (z.B. bei Berufsbezeichnungen) oder wie Du es sagst Orientierungspunkte. Das eigentliche Kernproblem ist das Bewerten von Schubladen. Hinter Ausgrenzung stehen immer Bewertungen.