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Lessons learned...

Verfasst: So 1. Jul 2018, 07:06
von Jenina
Mädels,

man sagt ja, dass man aus allem, was einem im Leben widerfährt, etwas lernen kann. Das Kann ich eigentlich bestätigen. Gerade hatten wir eine seltsame Aktion, die grandios in die Hose gegangen ist: die Werbung für eine dubiose Gruppe in einem "sozialen Netzwerk" mittels einer "App", die durch rigorose Beschränkung des Zuganges ausgezeichnet ist. Das Hat mich nachdenklich gemacht.

Zunächst: Bist du wirklich schon zu alt für dieses ganze digitale Zeug, dass so prima und neu und so vielversprechend sein soll?

Bestimmt nicht. Denn das, was dort passiert ist mag zwar von der Anwendung von Technik neu sein, aber es ist dahinter etwas ganz schlimmes: Ausgrenzung durch Abgrenzung und damit Diskriminierung von Menschen die anders sind als ein Idealbild. Dieses Ideal ist rein künstlich und willkürlich, es nimmt keine Rücksichten auf den Menschen dahinter. Es ist kindisch. Es gleicht der "schoolyard queen" aus den unsäglichen amerikanischen Teenieserien. Man muss zur Clique dazugehören, sei es um den Preis der Selbstaufgabe. Das will ich nicht, zumal die Zeit des Teenies schon lange zurück liegt.

Meine Frau fragte mich kurz nach meinem unfreiwilligen Outing "Willst du das auch noch mit 60 machen?". Mittlerweile, wo es greifbar wird, weiß ich: ja ich will und werde, wie wird sich noch zeigen, doch es wird meine weibliche Seite auch weiter öffentlich geben. Es geht eben nicht um Idealbilder, das "welche Frau möchtest du gerne einmal sein". Es geht um das, wie ich selbst sein will. Es hat lange gedauert das zu erkennen nach den langen Jahren des Versteckens, aber so langsam weiß ich es eben.

Dann: Wer bin ich nun also?

Zunächst hat mich die "Kik Aktion" erst mal angeregt ein paar Portraitbilder von Jenina zu machen. Ich habe immer auch Portraitbilder gemacht, ganz bewusst. Mir hat es nicht gereicht nur zu zeigen: das hast du jetzt für eine tolle Klamotte an, sondern ich wollte auch Gesicht zeigen. Ein Gesicht das so ganz anders aussieht als das im Alltag. Das gehört bei mir zur Selbsterkenntnis dazu. Angst hatte ich seltsamerweise nie...
DIe Portraits also: Eines als "Bewerbungsbild"
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Und dann habe ich ganz bewusst das Kleid ausgezogen und die Perücke abgesetzt
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Eigentlich ein ganz anderes Gesicht - rein äußerlich zumindest. Doch dahinter steckt der gleiche Mensch, nur eben älter, was man hier schon eher sieht. Und dahinter ist dann wieder der Mensch, der im Alltag herumläuft. Ohne MakeUp und ohne Riesencreolen.

Der Mensch dahinter weiß inzwischen was er ist. Auf jeden Fall keine Frau. Denn meine Frau und alle Cis-Frauen der Welt sehen im Leben auch immer verschieden aus - dahinter ist immer der gleiche Mensch, ob geschminkt und aufgebrezelt oder etwas derangiert nach dem Aufstehen. Darum geht es. Nicht um Äußerlichkeiten.

Mittlerweile ist Jenina angekommen und hat ihren Platz, auch wenn sie manchmal hadert dass er nicht noch größer ist. Nur hat eben der Mensch dahinter auch ein Recht auf Leben. Das sieht aus wie ein Mann, ist es wirklich einer? Ich habe immer mit den vorgeschriebenen "männlichen" Attributen gehadert. Manchmal wollte ich sie erfüllen, das hat nie ganz geklappt. Glücklicher weise habe ich in der Familie und im Arbeitsleben erreicht, dass ich das nicht mehr sein muss. Bei der Arbeit habe ich das Glück, dass es in unseren Teams nur darauf ankommt welche fachliche, aber auch welche soziale Kompetenz man hat. Das ist sehr angenehm, denn man muss sich nicht verstellen, nichts vorspielen. In der Familie hat sich gar nichts geändert, da war ich immer ich. Und wenn meine Frau meint, dass sie mich eigentlich genommen hat, weil ich etwas anders war, obwohl sie nicht wusste was dahinter steckt, dann macht mich das glücklich.

Also was soll das jetzt alles?

Ich bin heute ien glücklicher Mensch. Auch wenn ich zeitweise gelebt habe wie Sisyphos und immer wieder das geglichen tat was keine Sinn zu haben schien. Doch Albert Camus schreibt: "Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen". Darüber ich nachgedacht. Mit dem Steinerollen habe ich aufgehört als ich mich geoutet habe. Die Arbeit war nicht umsonst. Sie war Lebenserfahrung. Etwas, was diejenigen, die so begeistert sind von ihren "Apps" und ihren "Freunden" noch fehlt, was sie erst lernen müssen und sicher werden. Das Leben ist lang - hoffentlich.

Man wird nicht zum glücklichen Menschen durch Fremdbestimmung seines Ich. Man muss es befreien, es selbst bestimmen lassen was zu tun und zu lassen ist. Mit Geduld, aber mit Konsequenz. Welchen Weg auch immer. Ich habe meinen gefunden und respektiere jenen Menschen auf dem seinigen, mit Toleranz und Akzeptanz.

Das gilt auch für die Freundinnen von "Kik" Gruppen - uneingeschränkt... (ki)

Jenina

Re: Lessons learned...

Verfasst: So 1. Jul 2018, 08:09
von Conny-Andrea
Jenina hat geschrieben: So 1. Jul 2018, 07:06 Zunächst: Bist du wirklich schon zu alt für dieses ganze digitale Zeug, dass so prima und neu und so vielversprechend sein soll?

Bestimmt nicht. Denn das, was dort passiert ist mag zwar von der Anwendung von Technik neu sein, aber es ist dahinter etwas ganz schlimmes: Ausgrenzung durch Abgrenzung und damit Diskriminierung von Menschen die anders sind als ein Idealbild. Dieses Ideal ist rein künstlich und willkürlich, es nimmt keine Rücksichten auf den Menschen dahinter. Es ist kindisch. Es gleicht der "schoolyard queen" aus den unsäglichen amerikanischen Teenieserien. Man muss zur Clique dazugehören, sei es um den Preis der Selbstaufgabe. Das will ich nicht, zumal die Zeit des Teenies schon lange zurück liegt.
Hallo Jenina,

ich gebe dir recht. Man muss nicht alles machen, nur weil es möglich ist.

Ich bin etwa gleichaltrig, habe mehrere Computer (privat und beruflich), und bin für meine ganze Familie Berater und Administrator. Ich kenne mich mit digitaler Technik also einigermaßen aus. Gleichzeitig lehne ich es aber ab ein Handy zu besitzen, ich habe kein Konto bei Facebook, Twitter, Instagram, o.ä. Einrichtungen. Wenn ich irgendwann glaube, dass meine Meinung andere Menschen interessieren könnte, dann gebe ich das bekannt, so wie hier in diesem Forum. Ich glaube nicht, das es hier jemanden interessiert wie mein Mittagessen aussieht.

Dubiose Seiten wie das genannte Beispiel schrecken mich schon beim ersten Eindruck ab. Wie viel aufregender war mein erster Eindruck (und alle weiteren) von diesem Forum. Ich habe mich wochenlang durch beinahe alle Themen durchgelesen und hatte zahlreiche Aha-Effekte. Meine Anmeldung hier war dann nur noch eine Frage der Zeit.

Jenina hat geschrieben: So 1. Jul 2018, 07:06 Dann: Wer bin ich nun also?

Das ist eine sehr gute Frage, die ich für mich noch nicht beantworten kann. Ich weiß nur, dass ich zur Zeit im Wandel bin. Wann der beendet ist, kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht einmal in welche Richtung der Wandel geht, da meine Emotionen sich ständig ändern. Mal denke ich, es geht vorwärts, mal rückwärts.

Jenina hat geschrieben: So 1. Jul 2018, 07:06 Man wird nicht zum glücklichen Menschen durch Fremdbestimmung seines Ich. Man muss es befreien, es selbst bestimmen lassen was zu tun und zu lassen ist. Mit Geduld, aber mit Konsequenz. Welchen Weg auch immer. Ich habe meinen gefunden und respektiere jenen Menschen auf dem seinigen, mit Toleranz und Akzeptanz.

Dem kann ich mich nur anschließen.

Liebe Grüße von Conny-Andrea

Re: Lessons learned...

Verfasst: So 1. Jul 2018, 08:56
von Jasmine
Jenina hat geschrieben: So 1. Jul 2018, 07:06 man sagt ja, dass man aus allem, was einem im Leben widerfährt, etwas lernen kann. Das Kann ich eigentlich bestätigen. Gerade hatten wir eine seltsame Aktion, die grandios in die Hose gegangen ist: die Werbung für eine dubiose Gruppe in einem "sozialen Netzwerk" mittels einer "App", die durch rigorose Beschränkung des Zuganges ausgezeichnet ist. Das Hat mich nachdenklich gemacht.

Zunächst: Bist du wirklich schon zu alt für dieses ganze digitale Zeug, dass so prima und neu und so vielversprechend sein soll?
Ich bin bestimmt keine Gegnerin von "Sozialen Netzwerken", aber ich hab gelernt, das ein bisschen weniger für mich persönlich besser ist. Facebook, Twitter und Instagram sind nach meinen Erfahrungen keine Option mehr für mich. Mir reicht dieses wunderbare und schöne Forum.
Liebe Grüße Jasmine

Re: Lessons learned...

Verfasst: Mo 9. Jul 2018, 13:04
von ExUserIn-2026-04-08
Hi Jenina,

Deine Bilder erinnern mich sehr an eine Karikatur von Ludwig XIV: http://wissensreise.de/Wissensreise/Moz ... zen03.html
Auch wenn ich zeitweise gelebt habe wie Sisyphos und immer wieder das geglichen tat was keine Sinn zu haben schien. Doch Albert Camus schreibt: "Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen". Darüber ich nachgedacht.
Ich denke auch, dass das Nachdenken sich lohnt. Und es ist etwas anderes, selber sich die Dinge zu erarbeiten als sie von irgendwoher zu übernehmen.

Steine rollen bei mir immer noch den Berg herunter. Es ist wie bei einer Murmelbahn ... https://aquacado.de/projekte/murmelbahn/

Re: Lessons learned...

Verfasst: Mo 9. Jul 2018, 14:16
von Ulrike-Marisa
Moin,
..das entscheidende an der Bewältigung des Lebens ist doch die Bereitschaft und auch die Fähigkeit zum glücklich sein. Dazu gehört nicht unbedingt Reichtum und sonst etwas, sondern die Fähigkeit, mit den gegebenen Dingen im Leben zurecht zu kommen und sie zu akzeptieren und das beste daraus zu machen,. Viele Dinge im Leben können wir auch für uns selbst nicht ändern, aber zu einem erträglichen Besseren wenden; manches auch definitiv nicht; und auch dieses Nicht ist nicht das Ende der Fahnenstange, sondern das, wie wir dann damit umgehen. Erfahrungen kann man nicht kaufen, sondern nur machen und versuchen, daraus zu lernen. Glücklich sein kann man auch lernen, wird zumindest behauptet. Da geht es wohl eher um kleine Dinge im Leben, die persönliche Freude bereiten, ein nettes Wort/Kontakt, die sprichwörtliche Blume am Wegesrand, der Blick in die Natur, der selbst gefertigte Gegenstand u. v. m., das einem selbst das Leben dann erst lebenswert erscheinen lassen und glücklich werden lässt, alles in gewissen Grenzen natürlich.

Grüße, Ulrike-Marisa ))):s