Reif für eine Comedysendung
Verfasst: So 20. Mai 2018, 19:32
Hallo zusammen,
gestern habe ich mich endlich getraut und bin en femme ausgegangen. Es war zwar der absolute Nervenkrieg, aber am Ende eine doch eine tolle Erfahrung. Als Terrain hatte ich mir meine alte Uni ausgesucht, da Samstags dort nicht viel los ist.
Also Unterwäsche und Damenturnschuhe angezogen, darüber Herren-T-Shirt und kurze Jeans, Perücke, Damenjeans, Damenshirt, Handtasche, Brüste und Schminkzeug in einen Rucksack und mit der S-Bahn zur Uni gefahren. Auf der Fahrt waren natürlich die Nerven gespannt bis zum Anschlag, aber ich hatte es mir vorgenommen und mir immer wieder gesagt, da musst du jetzt durch.
Angekommen unbeobachtet in die Bibliothekstoilette und fertiggemacht. Als zwischendurch öfter mal das Licht ausging, habe ich natürlich Panik bekommen, aber ich habe trotzdem weitergemacht.
Fertig, ein paar letzte prüfende Blicke in den Spiegel, noch ein paar mal tief durchgeatmet und raus. Rucksack im Schließfach eingeschlossen und die ersten unsicheren Schritte durchs Gebäude gemacht. Als ich mich dann vollständig in einer Glastür gespiegelt sah, dachte ich nur: "Warum bist du nicht schon früher so ausgegangen?" Dann kam der Moment, als mir das Herz in die Hose rutschte. Ein Pärchen kam an mir vorbei, zu spät, um mich wegzudrehen und dann sprach er mich auch schon an: "Entschuldigung, weißt du, wie lange die Bibliothek offen hat, wir finden hier keine Mitarbeiter mehr, hat man dich schon rausgeschmissen?" Ich dachte mir nur: "Wie meint er das jetzt...?" Seine Partnerin grinste mich an. Ich entgegnete tonlos, dass man mich nicht rausgeschmissen habe und dass die Bibliothek ganz normal geöffnet hätte. Er war erleichtert und sie zogen weiter. Natürlich war meine Aussage unwahr, aber dazu später mehr.
Erst einmal war ich erleichtert, dass mich niemand negativ zu beurteilen schien oder dies offen zeigte. Einige Frauen, die mich von Weitem sahen, lächelten mich an. Schließlich entspannte ich mich etwas. Schließlich dachte ich, dass es Zeit sei, mich auf den Heimweg zu machen und ging zurück in Richtung Bibliothek. Auf dem Weg begegnete mir ein weiteres Pärchen. Wieder rutschte mir mein Herz in die Hose, aber als sie mich angrinste und meinte "wow, Sie sehen ja besser aus als ich", entspannte ich mich wieder. Aber nur so lange, bis ich versuchte die Tür zum Schließfachraum zu öffnen. Abgeschlossen, was zum Teufel ist das? Auch andere Zugangstüren zu den Bibliotheksräumen waren zu. Was war los, es war doch erst 16 Uhr und die Öffnungszeiten sind bis 18 Uhr?! Panik machte sich breit, was tun? Schließlich entdeckte ich ein Hinweisschild und dachte mir: "Du Hirni hättest vielleicht mal vorher die Homepage besuchen sollen!!" An Pfingstsamstag nur bis 14:00 Uhr geöffnet.
OK, ganz ruhig, irgendwie wird sich das Problem lösen. Aber eins ist klar: En Femme gehe ich nicht zur Gebäudesecurity!! Also ab auf die nächste Toilette, Perücke ausgezogen und abgeschminkt. Nun stand ich allerdings vor einer weiteren schier unlösbaren Aufgabe: Wie zum Teufel bekommt man zwei Silikonbrüste Größe 85F in eine Handtasche, die bereits mit Schminkzeug voll ist? Nach einer halben Stunde und endlosem Umschichten irgendwie geschafft. Nun musste ich jemanden mit einem Schlüssel finden. Schließlich entdeckte ich einen Mitarbeiter der Uni und fragte ihn. Er sagte mir ganz normal, ich solle zum Pförtner gehen. Kein komisches Mustern oder Grinsen, sondern er zeigte mir vollkommen freundlich und normal den Weg. Dort angekommen, musste ich erst einmal eine leichte Sprachbarriere durchbrechen. Aber da ich im richtigen Leben als DaF-Dozent arbeite, ging das recht problemlos. Auch hier wurde ich trotz der Damenturnschuhe, des Damenshirts und der Damenjeans, die ich ja immer noch anhatte, nicht komisch gemustert. Er sagte mir, dass der Kollege gerade seinen Rundgang mache und in 10 Minuten da sei. Der Kollege ging dann ohne zu murren oder mich komisch zu mustern mit mir zur Bib, öffnete mir und ich konnte meine Sachen holen, nachdem ich mich natürlich erst im Stockwerk vertan hatte. Auf dem Rückweg kam ich dann wieder an dem Pärchen, das ich auf dem Gang getroffen hatte, die mich anlächelten. Ich war mittlerweile so entspannt, dass ich problemlos zurücklächeln konnte. Nachdem ich mich dann wieder vollständig umgezogen hatte, machte ich mich auf den Heimweg.
In der U-Bahn fiel mir dann ein, dass ich meinen Schminkspiegel vergessen hatte. Also ab zu Galeria-Kaufhof in die Kosmetik-Abteilung. Kein Spiegel da, die Verkäuferin war allerdings auch freundlich zu mir, obwohl ich nicht mehr en femme war. Aber Männer mit Whitesnake "1987"-Shirt machen das ja auch ab und zu... Also ab zu DM und einen Neuen Spiegel gekauft.
Auf dem Nachhauseweg ging es mir schließlich immer besser und ich war froh, dass ich es durchgezogen und keine negativen Rückmeldungen bekommen hatte. Ich werde es auf jeden Fall wiederholen!!
Den Rest des Abends verbrachte ich dann entspannt mit Zigarre und Bier auf dem Sofa und genoss es, dass Bayern gegen Eintracht verlor...
gestern habe ich mich endlich getraut und bin en femme ausgegangen. Es war zwar der absolute Nervenkrieg, aber am Ende eine doch eine tolle Erfahrung. Als Terrain hatte ich mir meine alte Uni ausgesucht, da Samstags dort nicht viel los ist.
Also Unterwäsche und Damenturnschuhe angezogen, darüber Herren-T-Shirt und kurze Jeans, Perücke, Damenjeans, Damenshirt, Handtasche, Brüste und Schminkzeug in einen Rucksack und mit der S-Bahn zur Uni gefahren. Auf der Fahrt waren natürlich die Nerven gespannt bis zum Anschlag, aber ich hatte es mir vorgenommen und mir immer wieder gesagt, da musst du jetzt durch.
Angekommen unbeobachtet in die Bibliothekstoilette und fertiggemacht. Als zwischendurch öfter mal das Licht ausging, habe ich natürlich Panik bekommen, aber ich habe trotzdem weitergemacht.
Fertig, ein paar letzte prüfende Blicke in den Spiegel, noch ein paar mal tief durchgeatmet und raus. Rucksack im Schließfach eingeschlossen und die ersten unsicheren Schritte durchs Gebäude gemacht. Als ich mich dann vollständig in einer Glastür gespiegelt sah, dachte ich nur: "Warum bist du nicht schon früher so ausgegangen?" Dann kam der Moment, als mir das Herz in die Hose rutschte. Ein Pärchen kam an mir vorbei, zu spät, um mich wegzudrehen und dann sprach er mich auch schon an: "Entschuldigung, weißt du, wie lange die Bibliothek offen hat, wir finden hier keine Mitarbeiter mehr, hat man dich schon rausgeschmissen?" Ich dachte mir nur: "Wie meint er das jetzt...?" Seine Partnerin grinste mich an. Ich entgegnete tonlos, dass man mich nicht rausgeschmissen habe und dass die Bibliothek ganz normal geöffnet hätte. Er war erleichtert und sie zogen weiter. Natürlich war meine Aussage unwahr, aber dazu später mehr.
Erst einmal war ich erleichtert, dass mich niemand negativ zu beurteilen schien oder dies offen zeigte. Einige Frauen, die mich von Weitem sahen, lächelten mich an. Schließlich entspannte ich mich etwas. Schließlich dachte ich, dass es Zeit sei, mich auf den Heimweg zu machen und ging zurück in Richtung Bibliothek. Auf dem Weg begegnete mir ein weiteres Pärchen. Wieder rutschte mir mein Herz in die Hose, aber als sie mich angrinste und meinte "wow, Sie sehen ja besser aus als ich", entspannte ich mich wieder. Aber nur so lange, bis ich versuchte die Tür zum Schließfachraum zu öffnen. Abgeschlossen, was zum Teufel ist das? Auch andere Zugangstüren zu den Bibliotheksräumen waren zu. Was war los, es war doch erst 16 Uhr und die Öffnungszeiten sind bis 18 Uhr?! Panik machte sich breit, was tun? Schließlich entdeckte ich ein Hinweisschild und dachte mir: "Du Hirni hättest vielleicht mal vorher die Homepage besuchen sollen!!" An Pfingstsamstag nur bis 14:00 Uhr geöffnet.
OK, ganz ruhig, irgendwie wird sich das Problem lösen. Aber eins ist klar: En Femme gehe ich nicht zur Gebäudesecurity!! Also ab auf die nächste Toilette, Perücke ausgezogen und abgeschminkt. Nun stand ich allerdings vor einer weiteren schier unlösbaren Aufgabe: Wie zum Teufel bekommt man zwei Silikonbrüste Größe 85F in eine Handtasche, die bereits mit Schminkzeug voll ist? Nach einer halben Stunde und endlosem Umschichten irgendwie geschafft. Nun musste ich jemanden mit einem Schlüssel finden. Schließlich entdeckte ich einen Mitarbeiter der Uni und fragte ihn. Er sagte mir ganz normal, ich solle zum Pförtner gehen. Kein komisches Mustern oder Grinsen, sondern er zeigte mir vollkommen freundlich und normal den Weg. Dort angekommen, musste ich erst einmal eine leichte Sprachbarriere durchbrechen. Aber da ich im richtigen Leben als DaF-Dozent arbeite, ging das recht problemlos. Auch hier wurde ich trotz der Damenturnschuhe, des Damenshirts und der Damenjeans, die ich ja immer noch anhatte, nicht komisch gemustert. Er sagte mir, dass der Kollege gerade seinen Rundgang mache und in 10 Minuten da sei. Der Kollege ging dann ohne zu murren oder mich komisch zu mustern mit mir zur Bib, öffnete mir und ich konnte meine Sachen holen, nachdem ich mich natürlich erst im Stockwerk vertan hatte. Auf dem Rückweg kam ich dann wieder an dem Pärchen, das ich auf dem Gang getroffen hatte, die mich anlächelten. Ich war mittlerweile so entspannt, dass ich problemlos zurücklächeln konnte. Nachdem ich mich dann wieder vollständig umgezogen hatte, machte ich mich auf den Heimweg.
In der U-Bahn fiel mir dann ein, dass ich meinen Schminkspiegel vergessen hatte. Also ab zu Galeria-Kaufhof in die Kosmetik-Abteilung. Kein Spiegel da, die Verkäuferin war allerdings auch freundlich zu mir, obwohl ich nicht mehr en femme war. Aber Männer mit Whitesnake "1987"-Shirt machen das ja auch ab und zu... Also ab zu DM und einen Neuen Spiegel gekauft.
Auf dem Nachhauseweg ging es mir schließlich immer besser und ich war froh, dass ich es durchgezogen und keine negativen Rückmeldungen bekommen hatte. Ich werde es auf jeden Fall wiederholen!!
Den Rest des Abends verbrachte ich dann entspannt mit Zigarre und Bier auf dem Sofa und genoss es, dass Bayern gegen Eintracht verlor...