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Die nervige Frage
Verfasst: Fr 11. Mai 2018, 22:14
von Jaddy
"Du solltest mit uns zu den Mädels rein", waren sich zwei der drei wichtigsten Frauen in meinem Leben gestern einig. Das Männerklo passe nicht mehr für mich, so wie ich inzwischen aussehe. Weicheres Gesicht, minimaler Bartschatten um den Mund, der Rest per Laser epiliert, beginnende Oberweite, leicht geschminkt und angezogen mit Kleid und Heels. Langsam bekomme ich das Erscheinungsbild, das ich will. Gemischte SIgnale, "dazwischen" eben. Enbi.
In der Tat fühle ich mich so auf dem Klo mit dem Männchen vorne auf der Tür nicht ganz wohl. Manchmal ist es witzig, wenn ich am Waschbecken stehe und jemand, der reinkommt stutzt und erst noch mal das Türsymbol checkt. Aber mich in Gegenwart von Kerlen zu kämmen, Rock und Bluse zurecht zu zuppeln oder auch nur im Kleid zu einer Klokabine zu gehen ist schon manchmal unangenehm. Kerle eben, die gucken.
Das dumme ist: In dem Raum nebenan fühle ich mich nicht besser. Zum einen das Imposter-Syndrom. Meine männliche Sozialisation und der männliche Anteil meiner körperlichen Erscheinung flüstern mir aus dem Hinterkopf zu, "du gehörst hier nicht hin, das bist du nicht". Das sehen auch die regulären Benutzerinnen und das bedeutet Problem zwei. Die Kerle fühlen sich durch mich sicher nicht bedroht (ausser in ihrer Weltsicht). Aber Frauen? Dies ist einer ihrer Schutzräume.
Die Toilettenfrage ist eigentlich so lächerlich. In jedem schlechten Artikel zur dritten Option taucht sie auf. Alle Enbis, die ich kenne sind genervt davon. Und trotzdem sind sie das perfekte, weil unverwässerte Sinnbild dieser Zweiteilung, die in der Klofrage Genderidentität und Biologie wie vor Urzeiten miteinander verkoppelt.
Und jedesmal in Kinos und Restaurants wird mir das wieder nervig bewusst.
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Fr 11. Mai 2018, 23:44
von Anne-Mette
Moin,
Du solltest länger und häufiger ausprobieren, was besser passt.
Schließlich hast Du doch viele(ich bitte um Verzeihung) Jahre wohl eher die "Herren-Toiletten" aufgesucht und "die Frauen-Toiletten" noch nicht so oft.
Über kurz oder lang wird sich vielleicht durchsetzen, dass zumindest ein Teil dieser Räume "neutral" sein wird; aber bis dahin kann noch viel Wasser die Elbe hinabfließen.
Gruß
Anne-Mette
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 08:10
von Magdalena
Hallo,
ich möchte hier nochmals eine Episode einfügen. Es war in einem Kaufhaus, wo ich dringend auf die Toilette musste. Ich war en femme unterwegs. Im Vorraum zu den Toiletten war an dem obligatorischen Tisch mit dem Teller um seinen Obolus zu zahlen stand die Toilettenfrau. Als ich nun die verkehrte Herrentoilette ansteuerte, da das Symbol verdeckt war. Wies mich die Dame darauf hin, doch die nächste Tür zur Damentoilette zu benutzen. An dem besagten Tisch zahlte ich und lächelte, nach dem ich meine Toilette verrichtet hatte.
Viele Grüße Magdalena
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 08:44
von Bea Magdalena
Hallo zusammen,
so gings mir in den "12 Aposteln" in Köln im Karneval auch schon mal, im Maredo dagegen wurde ich in ähnlichem Outfit zur Herrentoilette komplimentiert und darin prompt blöd angemacht. Bisher ist mir das bei den Damen noch nie passiert, toi toi toi. Allerdings versuche ich mich unauffällig zu verhalten und bleibe nicht länger als notwendig.
Liebe Grüße
Bea
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 09:12
von Dolores59
Manchmal ist es witzig, wenn ich am Waschbecken stehe und jemand, der reinkommt stutzt und erst noch mal das Türsymbol checkt.
Das erlebe ich in schöner Regelmäßigkeit (vielleicht sollte ich zukünftig das Örtchen wechseln). Gelegentlich bestätige ich den Herren, dass sie richtig sind. Manche müssen dann schmunzeln. Diese Vorgänge zeigen allzu deutlich, wie sehr Menschen auf den ersten Eindruck angewiesen sind (Rock oder Kleid an = muss eine Frau sein).
Aber mich in Gegenwart von Kerlen zu kämmen, Rock und Bluse zurecht zu zuppeln oder auch nur im Kleid zu einer Klokabine zu gehen ist schon manchmal unangenehm. Kerle eben, die gucken.
In meinem Alter können mich glotzende Kerle nicht beeindrucken. Wenn die glotzen, unterbreche ich kurz meine Toilette (im alten Sinne) und glotze ich zurück.
Von Toilettenfrauen/-männern bin ich auch schon zur Damenabteilung gewiesen worden. Nachdem ich sie aufgeklärt hatte, war die Sache ok.
Einzelkabinen für alle Geschlechter gibt es leider selten.
LG
Dolores
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 11:39
von Jaddy
Vielen Dank für eure Beiträge
Bis sich neutrale, vielleicht nach Funktionen getrennte Toiletten flächendeckend durchgesetzt haben, wird dies ein ständiger Stolperstein bleiben, ohne eine wirklich schöne Lösung.
Mir ging es vor allem um die Stimmung, vor eine unmögliche und eigentlich sinnlose Wahl gestellt zu werden, nur das "kleinere Übel" nehmen zu können.
Bei Toiletten ist es am auffälligsten, aber es setzt sich fort überall wo nur genau zwei Möglichkeiten angeboten werden. Formulare mit Zwangsanreden - "Pflichtfeld" - Sportvereine, etc. Und an ganz vielen Stellen ist es einfach völlig überflüssig, weil weder die sozialen Rollenklischees, noch die körperliche Ausstattung für den jeweiligen Prozess irgendeine Rolle spielen.
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 11:49
von Anne-Mette
Moin,
da stimme ich Dir zu!
Allerding: in den letzten 10-11 Jahren, in denen ich die Verhältnisse nicht nur kritisch beobachte, sondern mich für Veränderungen einsetze,
hat sich bis auf wenige Einzel-Fälle nicht viel getan.
Inzwischen bin ich soweit, dass ich mich (wohl oder übel) der geforderten Ordnung stellen werde; denn sonst bleiben mir einige Türen verschlossen.
Das ist betrüblich.
Gruß
Anne-Mette
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Mo 14. Mai 2018, 10:36
von ExUserIn-2026-04-08
Ich sehe das pragmatisch. Wenn ich muss, dann muss ich. Und ich gehe dann dorthin, wo ich mich besser aufgehoben fühle. Das mache ich dann aber mit dem Bewusstsein, dass ich niemanden darum fragen muss, sondern dass es normal für mich ist. Es hat bis dahin auch niemand gestört. Ich glaube, das Selbstbewusstsein und Entschiedenheit im Auftreten sind Ausschlag gebend.
Aber bis ich dahin gekommen bin, habe ich eine Weile gebraucht ...
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Di 15. Mai 2018, 18:11
von Jasmine
Saari hat geschrieben: Mo 14. Mai 2018, 11:25
Wenn ich zur Toilette muss, gehe ich dorthin was meiner Kleidung am Nächsten kommt.
Am Anfang (nach meinem Outing) war ich unsicher welche Toilette ich betreten soll. Hier halfen mir zwei Freundinnen als wir unterwegs waren. Sie bemerkten, wie ich unruhig wurde und lieber nach Hause als auf eine Toilette gehen wollte. Sie hakten sich bei mir ein und sagten zu mir: Wenn du auf Toilette musst dann gehen wir zusammen. Seitdem gehe ich auf die Toilette die ich für mich als "richtig" ausgewählt habe.
Liebe Grüße Jasmine
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Fr 6. Jul 2018, 09:36
von Inga
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 11. Mai 2018, 23:44
Moin,
Du solltest länger und häufiger ausprobieren, was besser passt.
Schließlich hast Du doch viele(ich bitte um Verzeihung) Jahre wohl eher die "Herren-Toiletten" aufgesucht und "die Frauen-Toiletten" noch nicht so oft.
.....
Gruß
Anne-Mette
Hallo,
So geht es mir seit nun über zehn Jahren CrossDressing in der Öffwentlichkeit: Bin ich im Frauenmodus unterwegs und allein bei "Weibchen" ist alles gut. Treffe ich auf andre Personen im Vorraum, zucke ich innerlich zusammen, ob ich wirklich richtig bin. Ob das mit mehr Erfahrung wirklich noch weg geht?
Es ist auf den ersten Blick die übliche Toilettenfrage. Doch macht mir Jaddy etwas Wichtiges deutlich: Bei der Toilettenfrage geht weniger um unterschiedliche Ausstattung bei Männchen und Weibchen, sondern um die Menschen die ich dort ggfs. antreffe und wo ich mich in einen gefühlten Zwischenstadium oder Anders-Stadium befindend immer auch etwas deplaciert vorkomme. Allein deswegen bin ich schon für Unisex-Toiletten. Doch an den "Schutzraum", in dem sich Frauen gemeinsam zurück ziehen können und den ich nicht stören mag, habe ich nicht so recht gedacht.
Liebe Grüße
Inga
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Fr 6. Jul 2018, 09:45
von Svetlana L
Gestern, Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf: "Toiletten für alle Gender"
Die Lösung könnte so einfach sein.
Re: Die nervige Frage
Verfasst: Fr 6. Jul 2018, 10:44
von Nicole Fritz
Hallo,
dann möchte ich jetzt diese nervige Frage mal ingenieurmäßig angehen. Ich bin ja gewissermaßen Expertin für die Behandling von Fäkalien, obwohl ich mich dabei immer mit dem anderen Ende der dafür eingerichteten Anlagen kümmerte: zuerst Abwasserkanäle und dann viele Jahre lang Kläranlagen. Aber die Eintrittsstellen zu dieser recht komplexen Technik gehören ja irgendwie auch dazu. Und ein Systen funktioniert bekanntlich immer nur dann wirklich gut, wenn alle Komponenten optimal zusammen wirken.
Als Ingenieur habe ich gelernt: Je mehr Komponenten ein System hat, desto anfälliger ist es für Störungen (Murphys Gesetz: was kaputt gehen kann, geht auch kaputt). Das spicht schon einmal deutlich für Unisex-Toiletten. Dann ist aber bei jeder Planung auch der Wunsch des Kunden sehr wichtig. Und da gibt es bei den Herren eben die Pavian-Alphatier-Fraktion, die ihr extra langes Teil gerne am Pinkelbecken zeigen möchte. Hier sollte also ein Kompromiss gefunden werden.
Dazu mein ingenieurtechnischer Vorschlag: ein gemeinschaftlicher Bereich mit Waschbecken und Einzelkabinen und davon abgetrennt für die Herren ein Raum mit Pinkelbecken. Das Geld für die dritten Toiletten, das man dabei einspart, könnte man dann für wichtigere Dinge wie beispielsweise Bildung ausgeben - wobei ich den Nutzen daraus irgendwie immer mehr anzweifle.
Wichtiger Hinweis für Allergiker: Der vorstehende Text könnte Spuren von Sarkasmus enthalten.
Liebe Grüße
Nicole
PS: falls gewünscht, kann ich gerne Planungsunterlagen (gemäß VOB bzw. VOL) zu diesem Vorschlag erstellen, die Abrechnung erfolgt dann wie üblich nach HOAI.
Re: Die nervige Frage
Verfasst: So 8. Jul 2018, 10:01
von Joe95
Eigentlich reicht es doch vollkommen aus die vorhandenen Toiletten als "Multi-Gender" zu deklarieren.
Sollten Urinale vorhanden sein können diese ja auch durchaus von Frauen benutzt werden, notfalls können benötigte
Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden.
Ich denke das wäre ja dann auch im Sinne der Gleichberechtigung.
Re: Die nervige Frage
Verfasst: So 8. Jul 2018, 17:29
von Michi
Svetlana L hat geschrieben: Fr 6. Jul 2018, 09:45
Gestern, Alice-Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf: "Toiletten für alle Gender"
Die Lösung könnte so einfach sein.
Die Lösung ist so einfach, das ist wohl das Problem. Einfachen Lösungen misstraut man gerne.
Re: Die nervige Frage
Verfasst: So 8. Jul 2018, 17:41
von Exuser-2019-01-04
Nicole Doll hat geschrieben: Fr 6. Jul 2018, 10:44
Hallo,
dann möchte ich jetzt diese nervige Frage mal ingenieurmäßig angehen. Ich bin ja gewissermaßen Expertin für die Behandling von Fäkalien, obwohl ich mich dabei immer mit dem anderen Ende der dafür eingerichteten Anlagen kümmerte: zuerst Abwasserkanäle und dann viele Jahre lang Kläranlagen. Aber die Eintrittsstellen zu dieser recht komplexen Technik gehören ja irgendwie auch dazu. Und ein Systen funktioniert bekanntlich immer nur dann wirklich gut, wenn alle Komponenten optimal zusammen wirken.
Als Ingenieur habe ich gelernt: Je mehr Komponenten ein System hat, desto anfälliger ist es für Störungen (Murphys Gesetz: was kaputt gehen kann, geht auch kaputt). Das spicht schon einmal deutlich für Unisex-Toiletten. Dann ist aber bei jeder Planung auch der Wunsch des Kunden sehr wichtig. Und da gibt es bei den Herren eben die Pavian-Alphatier-Fraktion, die ihr extra langes Teil gerne am Pinkelbecken zeigen möchte. Hier sollte also ein Kompromiss gefunden werden.
Dazu mein ingenieurtechnischer Vorschlag: ein gemeinschaftlicher Bereich mit Waschbecken und Einzelkabinen und davon abgetrennt für die Herren ein Raum mit Pinkelbecken. Das Geld für die dritten Toiletten, das man dabei einspart, könnte man dann für wichtigere Dinge wie beispielsweise Bildung ausgeben - wobei ich den Nutzen daraus irgendwie immer mehr anzweifle.
Wichtiger Hinweis für Allergiker: Der vorstehende Text könnte Spuren von Sarkasmus enthalten.
Liebe Grüße
Nicole
PS: falls gewünscht, kann ich gerne Planungsunterlagen (gemäß VOB bzw. VOL) zu diesem Vorschlag erstellen, die Abrechnung erfolgt dann wie üblich nach HOAI.
Hallo Nicole,
könntest Du Deine parawissenschaftliche Expertise und Dein Wissen als Ingenieur nicht dazu nutzen, ein Verfahren zu entwickeln, wie man unkompliziert eine DIY-GaOP hinbekommt? Das würde mich doch schon mehr interessieren als über gestörte Fäkaliensysteme nachdenken zu müssen...
VG Sasha