Gedanken zur Partnerschaft/Ehe/Beziehung
Verfasst: Di 24. Apr 2018, 07:57
Im Laufe der Transition von Denies habe ich selbst festgestellt, dass dieser gemeinsame Weg durchaus bereichernd sein kann und auch dies haben wir von anderen Betroffenen so verstanden.
Doch was macht diese Bereicherung aus?
Denn selbst wenn man lernt mit einem transsexuellen Partner/einer transsexuellen Partnerin zu leben, so ist das nicht jeden Augenblick ein paradiesischer Weg/Zustand.
Sicher findet jede/r für sich das Besondere, falls man für sich die Absicht erklären konnte, einen gemeinsamen (positiven) Weg zu finden.
Das grundlegend bereichernde finde ich, ist nachdem der Partner/die Partnerin erklärt hat, transsexuell zu sein, sich ab diesem Moment wahrhaftig zu begegnen (gilt auch für familiäre Angehörige und je nachdem auch für das weitere Umfeld).
Zusammen hat man nur dann eine Chance, wenn man vorher verschiedenes "geschluckt, gedeckelt unter den Teppich gekehrt hat, etc.", dies eins nach dem anderen hervorholt und über die Gedanken, Gefühle und besonders über die Ängste spricht.
Allein dieser Prozess kann sehr beängstigend sein. Denn man muss sich der Angst stellen, die einen so stark beeinflusst hat und vor allem die Angst vor Ablehnung sowie vor Einsamkeit geschürt hat.
Natürlich ist das ein sehr weitreichender und großer Prozess je nachdem wie man sein Leben bisher gelebt hat.
Je mehr man unter den Teppich gekehrt hatte, umso heftiger kann die Reaktion ausfallen.
Wie weit habe ich mir mich und mein Leben bereits bewusst gemacht?
Jene, die ganz am Anfang mit der Transition stehen, brauchen für sich und gegenseitig jede Menge Raum, Geduld, Verständnis, Mitgefühl und Zuversicht.
In ein paar Sätzen habe ich angerissen, was so groß sein kann, dass es Paare so sehr sie sich bemühen, es nicht schaffen, ihren gemeinsamen Weg zu bereinigen und sich trennen.
Manchmal ist es auch so, man schafft es, den Weg gemeinsam zu bereinigen und erkennt dann, dass es zusammen nicht mehr klappt, weil man es geschafft hat, sich zum ersten Mal wahrhaftig zu begegnen und somit erkennt, man hat zusammen eine Lüge gelebt — auch das ist möglich.
Darauf komme ich, da Denies von Anfang an, nicht sie selbst war.
Es war noch ziemlich in unserer Anfangszeit als sie etwas zu mir sagte und ich antwortete mit einem kessen direkten Spruch, der aber in jedem Fall humorvoll gemeint war. (Ich finde es schade, dass ich mich nicht mehr an den Wortwechsel im Detail erinnere)
Bei ihr sah ich als an der Körperhaltung wie sie als Schutzreaktion die Schultern hochzog, im Gesicht erstarrte und ich hatte ein Bild vor Augen, wie sie auch noch schützend am liebsten die Arme vors Gesicht gehalten hätte, um einen Schlag abzuwehren.
Ich habe bei ihr Zwiebelschale um Zwiebelschale enthüllt und sie kam immer mehr zur Ruhe sowie ins Vertrauen mir gegenüber.
Noch immer muss ich schlucken, wenn ich mir vor Augen halte, dass ich der erste Mensch bin, dem sie wirklich vertrauen konnte. Es ist eine Medaille mit zwei Seiten. Auf der einen Seite darf ich mich sehr geehrt fühlen, dass ich es in meinem Leben geschafft habe, ein Mensch zu sein, auf den sie sich so einlassen kann. Die andere Seite der Medaille beschreibt knapp 56 Jahre die Sehnsucht jemandem durch und durch vertrauen zu können.
Nachdem nun ganz viele Zwiebelschalen enthüllt waren, kam die Frau zum Vorschein.
Am Anfang schrieb ich, dass mir der Mann fehlen würde/könnte.
Heute sehe ich das in einem anderen Licht.
Ganz klar, ich habe diese Illusion von Mann loslassen müssen, dass dieser "Mann" mir fehlte, ja, das finde ich heute logisch. Schließlich wusste ich ja nicht, wie Denies sich entwickelt, wie ich mich entwickele und wie es überhaupt weiter geht.
Es war der Beginn eines Trauerprozesses um den "Mann", der "geht". Ich bin sehr froh, dass ich diesen annehmen konnte und nicht versuchte, festzuhalten.
Dieses vermeintliche "Festhalten" ist jedoch eine geniale Basis, um für einander Leid zu schaffen.
Die Partnerin kann die Veränderung nicht zulassen und die transidente Partnerin kann dadurch ihren eigenen Weg nicht zulassen, was beide in Schmerzen steuert.
Zwar haben wir uns den gemeinsamen Weg gewünscht — doch es hat keine Garantie gegeben.
Auch wenn Denies ein irre Tempo bei ihrer Transition hinlegte, so war da für mich ausreichend Raum, mir ihre Entwicklung ansehen zu können und mich hinein zu spüren.
Ziemlich schnell kam in mir dann auch die Zuversicht, mich auf die Frau hin entwickeln zu können, was sich weiter bei mir bestätigt und ich bin gespannt auf unser Leben, wenn die Heilungsphase nach der GaOp beginnt.
Damals dachte ich, dass wenn alle Stricke reißen, käme immer noch eine polyamore Lösung in Frage — doch das sehe ich heute ganz anders.
Ich schaue nicht mehr nach Männern als vor dem Leben mit meiner Frau auch und in unserer Verbindung ist das, weshalb ich mich in diesen "Mann" verliebte, stärker geworden und das ist, was für mich zählt.
Doch es hätte auch ganz anders kommen können.
Es hätte sein können, dass ich mit den weiteren Facetten, die nun zu Tage treten gar nicht klar komme und mich mit dem Menschen, wohin er sich entwickelt hat, nicht wohl fühle — das Weshalb lasse ich einmal außen vor.
Denn ich bin immer noch überzeugt, dass man sehr viel besser auf einen anderen Menschen zugehen kann je mehr man mit sich selbst im Reinen und in Balance ist (besonders emotional).
Ich kann mich inzwischen auch nicht frei davon sehen, dass ich mich aus der HeteroSchublade heraus von vornherein auch in eine Frau hätte verlieben können, wenn sich diese Verbindung wie mit Denies heraus kristallisierte.
In dem, wie Denies nun wahrhaftig ist und nun endlich die Chance hat, wirklich gründlich auch ihr Leben aufzuräumen und mit der Vergangenheit Frieden zu machen, habe auch ich es noch leichter, ich selbst zu sein. Sie lebt es mir täglich vor, wie wichtig sie sich selbst ist und das ist die Einladung auch an mich, mir selbst wichtig zu sein und mich so gut um mich zu kümmern, wie ich es tatsächlich brauche.
Da ich ihr es zugestehen konnte, sie selbst zu sein und sich noch weiter zu entfalten, habe ich auch für mich diese Plattform des Lebens geschaffen, dies ebenso zu können.
Wir haben sehr viel, was hoch kam, zusammen angeschaut, besprochen, beredet, bearbeitet und uns immer tiefer kennengelernt wie wir tatsächlich sind und dass wir zwei Menschen sind, mit denen man es durchaus immer besser auch "aushalten" kann.
Doch was macht diese Bereicherung aus?
Denn selbst wenn man lernt mit einem transsexuellen Partner/einer transsexuellen Partnerin zu leben, so ist das nicht jeden Augenblick ein paradiesischer Weg/Zustand.
Sicher findet jede/r für sich das Besondere, falls man für sich die Absicht erklären konnte, einen gemeinsamen (positiven) Weg zu finden.
Das grundlegend bereichernde finde ich, ist nachdem der Partner/die Partnerin erklärt hat, transsexuell zu sein, sich ab diesem Moment wahrhaftig zu begegnen (gilt auch für familiäre Angehörige und je nachdem auch für das weitere Umfeld).
Zusammen hat man nur dann eine Chance, wenn man vorher verschiedenes "geschluckt, gedeckelt unter den Teppich gekehrt hat, etc.", dies eins nach dem anderen hervorholt und über die Gedanken, Gefühle und besonders über die Ängste spricht.
Allein dieser Prozess kann sehr beängstigend sein. Denn man muss sich der Angst stellen, die einen so stark beeinflusst hat und vor allem die Angst vor Ablehnung sowie vor Einsamkeit geschürt hat.
Natürlich ist das ein sehr weitreichender und großer Prozess je nachdem wie man sein Leben bisher gelebt hat.
Je mehr man unter den Teppich gekehrt hatte, umso heftiger kann die Reaktion ausfallen.
Wie weit habe ich mir mich und mein Leben bereits bewusst gemacht?
Jene, die ganz am Anfang mit der Transition stehen, brauchen für sich und gegenseitig jede Menge Raum, Geduld, Verständnis, Mitgefühl und Zuversicht.
In ein paar Sätzen habe ich angerissen, was so groß sein kann, dass es Paare so sehr sie sich bemühen, es nicht schaffen, ihren gemeinsamen Weg zu bereinigen und sich trennen.
Manchmal ist es auch so, man schafft es, den Weg gemeinsam zu bereinigen und erkennt dann, dass es zusammen nicht mehr klappt, weil man es geschafft hat, sich zum ersten Mal wahrhaftig zu begegnen und somit erkennt, man hat zusammen eine Lüge gelebt — auch das ist möglich.
Darauf komme ich, da Denies von Anfang an, nicht sie selbst war.
Es war noch ziemlich in unserer Anfangszeit als sie etwas zu mir sagte und ich antwortete mit einem kessen direkten Spruch, der aber in jedem Fall humorvoll gemeint war. (Ich finde es schade, dass ich mich nicht mehr an den Wortwechsel im Detail erinnere)
Bei ihr sah ich als an der Körperhaltung wie sie als Schutzreaktion die Schultern hochzog, im Gesicht erstarrte und ich hatte ein Bild vor Augen, wie sie auch noch schützend am liebsten die Arme vors Gesicht gehalten hätte, um einen Schlag abzuwehren.
Ich habe bei ihr Zwiebelschale um Zwiebelschale enthüllt und sie kam immer mehr zur Ruhe sowie ins Vertrauen mir gegenüber.
Noch immer muss ich schlucken, wenn ich mir vor Augen halte, dass ich der erste Mensch bin, dem sie wirklich vertrauen konnte. Es ist eine Medaille mit zwei Seiten. Auf der einen Seite darf ich mich sehr geehrt fühlen, dass ich es in meinem Leben geschafft habe, ein Mensch zu sein, auf den sie sich so einlassen kann. Die andere Seite der Medaille beschreibt knapp 56 Jahre die Sehnsucht jemandem durch und durch vertrauen zu können.
Nachdem nun ganz viele Zwiebelschalen enthüllt waren, kam die Frau zum Vorschein.
Am Anfang schrieb ich, dass mir der Mann fehlen würde/könnte.
Heute sehe ich das in einem anderen Licht.
Ganz klar, ich habe diese Illusion von Mann loslassen müssen, dass dieser "Mann" mir fehlte, ja, das finde ich heute logisch. Schließlich wusste ich ja nicht, wie Denies sich entwickelt, wie ich mich entwickele und wie es überhaupt weiter geht.
Es war der Beginn eines Trauerprozesses um den "Mann", der "geht". Ich bin sehr froh, dass ich diesen annehmen konnte und nicht versuchte, festzuhalten.
Dieses vermeintliche "Festhalten" ist jedoch eine geniale Basis, um für einander Leid zu schaffen.
Die Partnerin kann die Veränderung nicht zulassen und die transidente Partnerin kann dadurch ihren eigenen Weg nicht zulassen, was beide in Schmerzen steuert.
Zwar haben wir uns den gemeinsamen Weg gewünscht — doch es hat keine Garantie gegeben.
Auch wenn Denies ein irre Tempo bei ihrer Transition hinlegte, so war da für mich ausreichend Raum, mir ihre Entwicklung ansehen zu können und mich hinein zu spüren.
Ziemlich schnell kam in mir dann auch die Zuversicht, mich auf die Frau hin entwickeln zu können, was sich weiter bei mir bestätigt und ich bin gespannt auf unser Leben, wenn die Heilungsphase nach der GaOp beginnt.
Damals dachte ich, dass wenn alle Stricke reißen, käme immer noch eine polyamore Lösung in Frage — doch das sehe ich heute ganz anders.
Ich schaue nicht mehr nach Männern als vor dem Leben mit meiner Frau auch und in unserer Verbindung ist das, weshalb ich mich in diesen "Mann" verliebte, stärker geworden und das ist, was für mich zählt.
Doch es hätte auch ganz anders kommen können.
Es hätte sein können, dass ich mit den weiteren Facetten, die nun zu Tage treten gar nicht klar komme und mich mit dem Menschen, wohin er sich entwickelt hat, nicht wohl fühle — das Weshalb lasse ich einmal außen vor.
Denn ich bin immer noch überzeugt, dass man sehr viel besser auf einen anderen Menschen zugehen kann je mehr man mit sich selbst im Reinen und in Balance ist (besonders emotional).
Ich kann mich inzwischen auch nicht frei davon sehen, dass ich mich aus der HeteroSchublade heraus von vornherein auch in eine Frau hätte verlieben können, wenn sich diese Verbindung wie mit Denies heraus kristallisierte.
In dem, wie Denies nun wahrhaftig ist und nun endlich die Chance hat, wirklich gründlich auch ihr Leben aufzuräumen und mit der Vergangenheit Frieden zu machen, habe auch ich es noch leichter, ich selbst zu sein. Sie lebt es mir täglich vor, wie wichtig sie sich selbst ist und das ist die Einladung auch an mich, mir selbst wichtig zu sein und mich so gut um mich zu kümmern, wie ich es tatsächlich brauche.
Da ich ihr es zugestehen konnte, sie selbst zu sein und sich noch weiter zu entfalten, habe ich auch für mich diese Plattform des Lebens geschaffen, dies ebenso zu können.
Wir haben sehr viel, was hoch kam, zusammen angeschaut, besprochen, beredet, bearbeitet und uns immer tiefer kennengelernt wie wir tatsächlich sind und dass wir zwei Menschen sind, mit denen man es durchaus immer besser auch "aushalten" kann.