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Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: Sa 31. Mär 2018, 20:59
von Anne-Mette
Moin,
Wer lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell ist, fühlt sich in Pflegeheim und Krankenhaus oft fremd, wenn nicht gar stigmatisiert. Pflegewissenschaftler, Lesben und Schwule fordern jetzt spezielle Konzepte.
Ich würde intersexuelle Menschen gern einschließen.
Einen Pflegedienst habe ich mal direkt angesprochen und erhielt die Auskunft, ob Frau ob Mann, ob..., das ist egal.
Trotzdem wäre es interessant zu wissen, wie "erhöhter Pflegebedarf" geleistet und abgerechnet wird.
https://www.pflegen-online.de/ignoriert ... nd-schwule
Gruß
Anne-Mette
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: Sa 31. Mär 2018, 21:38
von Ronda_PTL
Hi Anne-Mette,
der Artikel ist sehr aufschlussreich und ich halte die darin geäußerten Kritikpunkte für völlig gerechtfertigt.
Denn ich kann aus eigener Anschauung und Erfahrung bestätigen, dass nicht nur die LGBTIQ-Minderheiten schon aus dem "Raster" der Pflege fallen, das gleiche "Phänomen" fängt schon bei PatientInnen an, die nicht in das herkömmliche Erwartungsmuster passen: Alter über 65 etwa, teils senil, teils dement, sehr unselbstständig, meist ohne familiären Rückhalt oder aktiv pflegende Angehörige. So in etwa sieht heute das "Profil" in den zahllosen Heimen oder bei den mobilen Pflegediensten aus.
Meine Frau, die noch vor ihrem 50. Lebensjahr (!!), durch bisher nicht eindeutig geklärte Ursachen, zum inzwischen schweren Pflegefall wurde, der sie an den Rollstuhl fesselt, ihre Eigenversorgung massiv einschränkt und sogar schon jetzt "Pflegegrad 3" erhalten hat, hat genau solche stigmatisierenden Erfahrungen auch schon gemacht. Auf dieses Klientel, der an sich i.d.R. noch voll im Erwerbsleben stehenden Menschen, die einen schlimmen Schicksalsschlag wegstecken müssen, ist das "System Pflege" in keinster Weise eingestellt.
Erst recht nicht, wenn es sich um Menschen handelt, die im Kopf völlig klar sind, aber mit extremen körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben. Da sind oft nicht einmal die unbedingt nötigen technischen Hilfsmittel vorhanden, um eine angemessene Versorgung zu gewährleisten. Es ist die absolute Ausnahme, wenn eine Einrichtung all dies Grundvoraussetzungen erfüllt. Man /Frau kann nur beten und hoffen, dass einem eine "zu frühe" Pflege erspart bleibt. Doch das war sicher nicht im Sinne der Erfinder des Pflegesystems.
Nachdenkliche Grüße
Ronda.
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 01:02
von Kerstin
Sorry - aber der Artikel ist bullshit.
Ronda_PTL hat geschrieben: Sa 31. Mär 2018, 21:38
.... das gleiche "Phänomen" fängt schon bei PatientInnen an, die nicht in das herkömmliche Erwartungsmuster passen: Alter über 65 etwa, teils senil, teils dement, sehr unselbstständig, meist ohne familiären Rückhalt oder aktiv pflegende ....
Genau da fangen doch die Probleme schon an - wir haben schlicht weg ein Pflegesystem welches auf Anschlag fährt - das warum möchte ich jetzt noch nicht einmal diskutieren - und dann möchten Lobbyisten für eine Minderheit extra Behandlungen.
Nee des wird nix.
Ich weis das euch meine Meinung wiedereinmal nicht gefallen wird. Und ja auch ich weis wie es ist im Alter krank und Pflegebedürftig zu sein.
Das Verhältnis auf Pflegestationen etc. lautet nicht ein Pfleger ein Patient sondern ein Pfleger viele Patienten.
LG Kerstin
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 01:35
von Ulrike-Marisa
Nun, ich bin noch nicht so alt, dass die Frage der Pflege unbedingt relevant sei. Aber ich möchte eines Tages, sollte es notwendig sein, nicht als Transfrau, die keine GAOP hat, in einem Männersaal liegen, wo Typen über Fussball streiten oder sonst komische Themen. Ich denke für mich wird ein selbst bestimmter Freitod die Wahl sein, wie ich mein Leben bei Bewusstsein in würde beenden möchte sei es auf See oder im Winter im Schnee auf Art der Inuit. Nein, zur Last fallen möchte ich nicht meinen Angehörigen, die mit meiner Würde nicht recht etwas anfangen können. aber das ist hoffentlich noch etwas hin.
Gruß, Ulrike-Marisa
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 02:41
von Ronda_PTL
Kerstin hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 01:02
Sorry - aber der Artikel ist bullshit.
Ronda_PTL hat geschrieben: Sa 31. Mär 2018, 21:38
.... das gleiche "Phänomen" fängt schon bei PatientInnen an, die nicht in das herkömmliche Erwartungsmuster passen: Alter über 65 etwa, teils senil, teils dement, sehr unselbstständig, meist ohne familiären Rückhalt oder aktiv pflegende ....
Genau da fangen doch die Probleme schon an - wir haben schlicht weg ein Pflegesystem welches auf Anschlag fährt - das warum möchte ich jetzt noch nicht einmal diskutieren - und dann möchten Lobbyisten für eine Minderheit extra Behandlungen.
Nee des wird nix.
Ich weis das euch meine Meinung wiedereinmal nicht gefallen wird. Und ja auch ich weis wie es ist im Alter krank und Pflegebedürftig zu sein.
Das Verhältnis auf Pflegestationen etc. lautet nicht ein Pfleger ein Patient sondern ein Pfleger viele Patienten.
LG Kerstin
Werte Kerstin,
Mit Verlaub, aber ich finde es furchtbar anmaßend den ganzen Artikel als "BS" abzukanzeln. Des Weiteren wirfst Du mit zwei simplen Sätzen auch meine Ausführungen in die Tonne. So geht es wirklich nicht! Vor allem wird es der Problematik keineswegs gerecht.
Es greift zu kurz, nur das eine Ende der Fahnenstange zu beklagen, dass die Plegenden am Anschlag sind. Und wo liegen die Ursachen? Am Geld? NEIN! Es ist wahrlich GENUG Geld im System, aber es profitieren die FALSCHEN davon. Statt das System im Sinne des Pflegegesetzes zu optimieren, wurde es mehrheitlich in private Träger-Hände von GEWINNORIENTIERTEN Firmen gelegt, die mit dem Geld aus dem System jede Menge Gewinne machen, bei zu wenig Fach-Personal und zu geringen Löhnen der Beschäftigten. Aber Hauptsache die Anteilseigner bekommen hohe Dividenden.
Die Politik wäre längst in der Pflicht hier einen Riegel vorzuschieben, Korekturen dieser Fehlentwicklunghen einzuleiten. Es gibt genügend Modellrechnungen und gute Beispiele, wie man es besser organisieren könnte, ohne dass die Kassen und die Bürger mehr belastet würden. Aber seit Jahren gibt es nur kosmetische Korekturen und keine grunsätzlichen Ansätze, den Misbrauch des Systems nach den Gestzen des kapitalistischen Marktes aufzubrechen. Überall auf der Welt, wo soziale Gesundheits-System nach rein gewinnwirtschaftlichen Maximen arbeiten, beobachten wir die gleichen oder ähnliche Missstände.
Aber es ja so viel einfacher, die vermeintlichen partikularen LOBBYINTERESSEN anzuprangern. Dann braucht man nicht das große Rad drehen, nicht wahr?
LG Ronda.
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 03:31
von triona
Zur Info aus dem Impressum des Artikels:
Herausgeber und Verlag: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co.KG, Hannover
Das ist also eine Werbungs-orientierte Fachzeitschrift, die in der Regel kostenlos an Unternehmen der entsprechenden Zielgruppe abgegeben - d.h. verteilt - wird. Hier vermutlich an Pflegedienste, Pflegeheime usw. Das Unternehmen verdient sein Geld mit Anzeigen in ihren Publikationen.
siehe auch hier:
https://www.pflegen-online.de/sites/def ... a_2018.pdf
(Ob es wie bei zahlreichen anderen Publikationen dieses Verlags für andere Branchen auch eine gedruckte Ausgabe gibt, entzieht sich meiner Kenntnis.)
Dies zu wissen könnte vlt eine Einschätzung des Artikels und seiner möglichen Hintergründe erleichtern.
liebe grüße
triona
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 07:28
von Magdalena
Hallo,
nur wer gerade selber pflegt oder gepflegt wird, kann ermessen wie schnell man an Grenzen stößt. Es ist nicht nur die Pflege allein. Oft ist man in den Wirren der Bürokratie gefangen. Da sind Anträge zu stellen. Die Begutachtung des zu Pflegenden muss vorbereitet werden. Also fleißig alle möglichen Unterlagen von den behandelnden Ärzten einholen. Arztbriefe nach Krankenhausaufenthalten vorlegen und den Aufwand der Pflege dokumentieren. Dies ist nicht ein Teil der viel Zeit erfordert in der man nicht dem Pflegenden zur Verfügung steht.
Man muss sich informieren was einem eigentlich zusteht. Die Hilfsmittel einfordern, je nach Krankheitsbild. Ich selber habe meine Eltern zu betreuen, und kann einiges berichten. So wurde die notwendige Begutachtung meiner Mutter immer wieder verschoben, weil sie mehrmals in verschieden Krankenhäuser behandelt wurde. Die Begutachtung erfolgt aber nur im häuslichen Umfeld oder im Pflegeheim. Da meine Mutter sehr lange im Krankenhaus war, ist der Antrag zur Begutachtung vom MDK zurück an die Krankenkasse gegangen. Es bedeutet erneut einen Antrag stellen und warten bis ein neuer Termin ins Haus steht. Derweil muss man die Kosten und alleine tragen oder man hat einen guten Pflegdienst, der einen unterstützt soweit es möglich ist.
Dann, wenn es zu Hause nicht mehr geht, einen Pflegeplatz in einem Heim zu bekommen, ist wieder nicht nur mit einer Menge Papierkram verbunden. Nein es wartet kein Heim unbedingt darauf Patienten und Patientinnen aufzunehmen. Es bedeutet warte bis ein Platz frei wird. Also, so makabrer es klingt, durch den Tod eines anderen ein Platz frei wird. Dies ist sicher der Punkt, auf den Kerstin hinweisen wollte. Die Heime sind überlastet schon den normalen Pflegenotstand zu verwalten. So ist für unsere Besonderheit nicht immer das nötige Verständnis vorhanden. Insofern finde ich den Artikel schon wichtig auch auf diese Problematik aufmerksam zu machen.
Viele Grüße Magdalena
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 09:24
von Anne-Mette
Moin,
Ulrike-Marisa schrieb: "Nun, ich bin noch nicht so alt, dass die Frage der Pflege unbedingt relevant sei.".
Pflege hat nicht unbedingt etwas mit Alter zu tun, wie wir gerade hautnah feststellen können.
Im Vergleich mit Pflegediensten in Großstädten haben wir es hier aber ganz gut getroffen; denn die Pflegekräfte sprechen Deutsch oder sogar Plattdeutsch.
Sie sind sogar bereit, auf meine Fragen zu antworten: "... was wäre, wenn ich...".
Aus Hamburg habe ich Klagen gehört. Es sind dort viele Pflegekräfte aus "osteuropäischen Ländern" tätig - und es hapert einerseits mit der Sprache und andererseits mit dem Verständnis, wenn es um Menschen geht, die transsexuell sind. Allerdings ist das fehlende Verständnis nicht nur bei den Pflegekräften selbst vorhanden, sondern auch bei den Einsatzleitungen.
Gruß
Anne-Mette
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 15:00
von Michi
Kerstin hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 01:02
Sorry - aber der Artikel ist bullshit.
Hallo Kerstin,
ich würde es nicht so drastisch formulieren, aber ja, im Grunde genommen hast du Recht.
Ich will nicht in Abrede stellen, dass eine von der Heterosexualität abweichende sexuelle Orientierung in Pflegeeinrichtungen auch Probleme bereiten kann. Aber ich denke, dass es für alle(!) Menschen nicht einfach ist, in einer fremden Umgebung zusammen mit fremden Menschen auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
Für Trans- und Intersexuelle, und besonderes wenn sie auf körperliche Angleichung ganz oder teilweise verzichtet haben oder aus gesundheitlichen Gründen verzichten mussten, dürfte es jedoch außerordentlich problematisch sein, unter solchen Umständen dahin vegetieren zu müssen.
Kerstin hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 01:02
Genau da fangen doch die Probleme schon an - wir haben schlicht weg ein Pflegesystem welches auf Anschlag fährt - das warum möchte ich jetzt noch nicht einmal diskutieren
Doch. - Genau das Warum muss man aussprechen!
Bei der Pflege geht es zumeist nicht um den Menschen, sondern um den Profit privater Unternehmen. Meine Expartnerin hat bei einem solchen arbeiten müssen. Und wenn ich dir verrate, dass dort gezielt der Personalschlüssel unterfahren wurde, und dass die ganzen Kontrollen durch den MDK immer Tage vorher angekündigt, und dementsprechend eine Farce waren, weil man dann jedes Mal anfing, die Akten zu frisieren, und der MDK fast ausschließlich die Dokumentation in den Akten, aber so gut wie nie die Pflegearbeit selbst kontrollierte, dann wirst du mir wahrscheinlich zustimmen. (Eigentlich müssten Kontrollen in der Pflege ähnlich laufen, wie die Kontrollen durch den Zoll auf Baustellen. Zumindest wenn man es ernst meinen würde.)
Liebe Grüße
Michi
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 15:06
von Ronda_PTL
Hi zusammen ...
Nachdem ich oben nicht sehr ernst genommen worden bin und mir das Gefühl teils gegeben wurde, ich würde nur "Blödsinn" verbreiten, will ich noch ein
Interview mit einem der führenden Pflege-Experten unseres Landes hier anführen, der sich seit 40 Jahren mit der Thematik beschäftigt und mehrere sehr lesenswerte Bücher veröffentlicht hat, die aber leider nur von den "falschen Leuten" gelesen werden, scheint es. Sein Name ist Claus Fussek und er hat sich in diesem Interview nochmals zu einigen meiner auch angesprochenen Punkt geäußert.
https://www.augsburger-allgemeine.de/po ... 38686.html
Frohe Ostern trotz aller Missstände Euch allen!
Passt auf, dass die Eier nicht im Schnee oder Regen auf Nimmerwiedersehen verschwinden ...
LG Ronda.
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 15:57
von Michi
Hallo Ronda,
vielem was Herr Fussek sagt, kann ich vorbehaltlos zustimmen. Ich verstehe auch sehr gut, dass es sich zum Fürsprecher der Pflegebedürftigen macht.
Nur seine Sicht auf die Pflegekräfte selbst kann ich nicht uneingeschränkt teilen. Einerseits fühlt sich sicherlich nicht nur eine verschwindend kleine Minderheit den Pflegebedürftigen gegenüber verpflichtet, und kümmert sich unter den arg beschränkten Umständen bestmöglich um die Menschen. Meine Expartnerin und nicht wenige ihrer Kolleginnen hat beispielsweise viel unbezahlte Mehrarbeit geleistet, um die Pflegebedürftigen im wahrsten Sinne nicht in der Scheiße liegen zu lassen. Und Fusseks Aussage, die Pflegekräfte sind eine starke Macht ... sollten sie etwa für mehr Lohn streiken? - Wie stellt der sich das vor!!! - Man kann die Pflegebedürftigen doch nicht wie Maschinen und Produktionsanlagen in der Industrie einfach abschalten. Die Pflegekräfte können auch nicht einfach mal so kündigen. Sie arbeiten größtenteils im Niedriglohnbereich, andere Jobs gibt es kaum, und mal eben ohne Arbeit zu sein, würde die Familien massiv in Bedrängnis bringen, weil sie finanziell permanent am Limit sind. Und all das wird von der Politik begünstigt und von den Heimbetreibern massiv ausgenutzt.
Ich möchte sagen: Das Pflegepersonal ist ebenso wie die Pflegebedürftigen Opfer des Systems.
Liebe Grüße
Michi
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 16:34
von Jasmine
MichiWell hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 15:57
Ich möchte sagen: Das Pflegepersonal ist ebenso wie die Pflegebedürftigen Opfer des Systems.
So sehe ich es auch. Wie wird in einem so reichen Land mit alten und/oder pflegebedürftigen Personen umgegangen?
====Turbokapitalismus====auf Kosten derer die sich nicht wehren können?
Nachdenkliche und liebe Grüße Jasmine
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 17:10
von Ronda_PTL
MichiWell hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 15:57
Und Fusseks Aussage, die Pflegekräfte sind eine starke Macht ... sollten sie etwa für mehr Lohn streiken? - Wie stellt der sich das vor!!! - Man kann die Pflegebedürftigen doch nicht wie Maschinen und Produktionsanlagen in der Industrie einfach abschalten.
(...)
Ich möchte sagen: Das Pflegepersonal ist ebenso wie die Pflegebedürftigen Opfer des Systems.
Liebe Michi,
da kann ich nicht zustimmen, denn die MANGELNDE Solidarität der in der Pflege insgesamt Beschäftigten ist schon sehr betrüblich und leider auch bezeichnend für die Branche, wie ich im Laufe der Jahre selbst immer wieder erleben musste. Da hat Hr. Fussek natürlich den wundesten Punkt getroffen: Die Menschen müssen SELBST aktiv werden, sich solidarisieren und gemeinsam für eine VERÄNDERUNG des kaputten Systems kämpfen! Ich weiß schon, dass das gerade in den Helfer-Berufen eine wenig verankerte Haltung ist, weil man/frau ja den Anvertrauten und Patienten nicht schaden will. Aber genau DESHALB haben die "bad guys" im System ja seit Jahrzehnten keine "Entmachtung" zu befürchten. SO funktioniert der gesamte "Raubtierkapitalismus" letztlich.
Wir in Deutschland sind enorm LEIDENSFÄHIG, sind ein Volk von Stammtisch- & virtuellen Protestierern, das gilt ja auch für andere Bereich unserer Gesellschaft, wo dringend Änderungen, Widerstand und Aufbegehren nötig wären. Und die Pflegebranche ist die Leidensfähigste vermutlich überhaupt. Und so hat sich über Jahrzehnte nichts geändert. Die Dummen sind am Ende Patienten, Pflegende und Angehörige.
Wenn diese Gesellschaft es NICHT schafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wird sich auch in den nächsten 50 Jahren wenig verbessern. Dann bleiben alle in der "Opferrolle" verhaftet ...
Rebellische Grüße,
Ronda.
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 17:55
von Michi
Ronda_PTL hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 17:10
MichiWell hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 15:57
Und Fusseks Aussage, die Pflegekräfte sind eine starke Macht ... sollten sie etwa für mehr Lohn streiken? - Wie stellt der sich das vor!!! - Man kann die Pflegebedürftigen doch nicht wie Maschinen und Produktionsanlagen in der Industrie einfach abschalten.
(...)
Ich möchte sagen: Das Pflegepersonal ist ebenso wie die Pflegebedürftigen Opfer des Systems.
Liebe Michi,
da kann ich nicht zustimmen, denn die MANGELNDE Solidarität der in der Pflege insgesamt Beschäftigten ist schon sehr betrüblich und leider auch bezeichnend für die Branche, wie ich im Laufe der Jahre selbst immer wieder erleben musste. Da hat Hr. Fussek natürlich den wundesten Punkt getroffen: Die Menschen müssen SELBST aktiv werden, sich solidarisieren und gemeinsam für eine VERÄNDERUNG des kaputten Systems kämpfen! Ich weiß schon, dass das gerade in den Helfer-Berufen eine wenig verankerte Haltung ist, weil man/frau ja den Anvertrauten und Patienten nicht schaden will. Aber genau DESHALB haben die "bad guys" im System ja seit Jahrzehnten keine "Entmachtung" zu befürchten. SO funktioniert der gesamte "Raubtierkapitalismus" letztlich.
Wir in Deutschland sind enorm LEIDENSFÄHIG, sind ein Volk von Stammtisch- & virtuellen Protestierern, das gilt ja auch für andere Bereich unserer Gesellschaft, wo dringend Änderungen, Widerstand und Aufbegehren nötig wären. Und die Pflegebranche ist die Leidensfähigste vermutlich überhaupt. Und so hat sich über Jahrzehnte nichts geändert. Die Dummen sind am Ende Patienten, Pflegende und Angehörige.
Wenn diese Gesellschaft es NICHT schafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, wird sich auch in den nächsten 50 Jahren wenig verbessern. Dann bleiben alle in der "Opferrolle" verhaftet ...
Rebellische Grüße,
Ronda.
Hallo Ronda, hallo zusammen,
ich möchte dir nicht widersprechen, muss dich aber dennoch korrigieren. Das Problem ist nicht die mangelnde Solidarität der in der Pflege Beschäftigten, sondern ein gravierender Mangel an Solidarität in unserer Gesellschaft als Ganzes. Die meisten Pflegekräfte würden einfach nicht streiken, weil dann niemand die Pflegebedürftigen versorgen würde und weil sie das mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren könnten. Das ist ja gerade das Perfide daran, dass das Pflegepersonal so knapp berechnet ist, dass man nicht mal einen kleinen Bummelstreik machen könnte, ohne dass die Pflegebedürftigen massiv daunter zu leiden hätten.
Du schreibst zurecht "Raubtierkapitalismus". Eigentlich sind wir komplett am Arsch!
Aber in unserem Land hat man seit der Wiedervereinigung das Prinzip "teile und herrsche" geradezu perfektioniert. Es ist so offensichtlich, dass es kaum jemand glaubt, wie die Menschen hier gegeneinander ausgespielt werden. Und daran haben sich alle politischen Parteien, die seit dem an der Macht waren, eifrig beteiligt, obwohl sie es hätten besser machen können. Aber so sind wir nach nun bald 30 Jahren nur eine beschissene Lobbykratie geworden. Und so lange es noch einem nennenswerten Teil der Leute ein klein wenig besser geht als denen, die inzwischen ganz unten angekommen sind, so lange kann und wird man die Menschen weiter gegeneinander aufhetzen. - Und die Menschen spielen leider mit: Arbeitnehmer gegen Rentner und Arbeitslose, Gutverdiener gegen Geringverdiener, Junge gegen Alte, Frauen gegen Männer, West gegen Ost und so weiter.
Jede(r) von uns sollte mal in sich gehen und ganz genau überlegen, bei welchem dieser vielen Aufhetz-Spiele er fröhlich und ohne Nachzudenken mitspielt.
Und dann überlegt euch, wer die Gewinner sind, vor wessen Karren ihr euch spannen lasst!
Edit: Im Prinzip muss man nicht weniger als die Revolution ausrufen!!!
Michi
PS: Sorry Ronda, der Großteil dessen, was ich grad schrieb geht nicht gegen dich sondern ist viel mehr an die Allgemeinheit gerichtet.
Re: Ignoriert die Pflege Lesben und Schwule?
Verfasst: So 1. Apr 2018, 19:00
von Kerstin
Ulrike-Marisa hat geschrieben: So 1. Apr 2018, 01:35
.....Ich denke für mich wird ein selbst bestimmter Freitod die Wahl sein, wie ich mein Leben bei Bewusstsein in würde beenden möchte sei es auf See oder im Winter im Schnee auf Art der Inuit. ....
Ein selbst bestimmter Freitot erscheint auch mir als alternative, stellt sich nur die Frage ob ich die Kraft dafür haben werde.