Seite 1 von 3

Wer ich heute bin

Verfasst: Mo 26. Mär 2018, 21:01
von Badfeel
Hallo ihr lieben,

in diesem Thread möchte ich einmal mich, meinen Weg und meine Vergangenheit niederschreiben wie ich aus dem was ich war zu dem was ich heute bin
wurde. Vieles davon hat Anfangs wenig mit CD zu tun aber da IHR mir das Gefühl der Geborgenheit und des Verständnis gebt, denke ich das es gut
hierher passt. Sicherlich wird da das ein oder andere "Kompliment erhaschen" dabei sein, aber ich hoffe mir den ganzen Rotz einfach mal aus der Seele
brüllen zu können.

Teil 1 werde ich versuchen morgen zu verfassen, heute nicht mehr, aber mit diesem Thread leg ich einfach mal den Startschuss sodass ich mich auch nicht
mehr davor drücken kann.

Vorab die Warnung, hier kommt teilweise echt harter Tobak und ich versichere euch, das jedes Wort wahr sein wird.

Gruß

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Mo 26. Mär 2018, 21:12
von Tatjana_59
Dann gehör ich mal zu denen die sich offen neugierig zeigen ;)

LG Tatjana

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Mo 26. Mär 2018, 21:37
von Laila-Sarah
Huhu Badfeel,
Badfeel hat geschrieben: Mo 26. Mär 2018, 21:01 Vorab die Warnung, hier kommt teilweise echt harter Tobak und ich versichere euch, das jedes Wort wahr sein wird.
Wie sagte mein Kindheitsheld Han Solo: "I have a bad feeling about this". Ich meine das jetzt im positiven "Nervenkitzel"/cineastischen Sinne.

VlG

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Mo 26. Mär 2018, 22:28
von Maria T
Nun bin ich aber auch neugierig...

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Mo 26. Mär 2018, 22:29
von JanaH
und wie...

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Di 27. Mär 2018, 14:45
von ExuserIn-2018-07-10
Hallo Badfeel
Auch bin ich sehr gespannt und neugierig auf Ihr Leben :!: :!:

Liebe Grüsse José

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Di 27. Mär 2018, 18:37
von Badfeel
Teil 1.

Alter 0 - 6 Jahre. Geboren als Kind einer Drogen- und Alkoholabhängigen Mutter, schockierenderweise gelernte Krankenschwester, und gleiches
beim gelernten Dachdecker Vater. Schon in dieser Zeit musste ich schnell erwachsen werden. Durfte ja immer dazwischen stehen wenn mein Vater meine Mutter mal
wieder schlug. Wir wohnten jetzt, nach 3 Umzügen, in einer netten 3 Zimmer Wohnung, nahe am Rhein. Doch die Idylle war immer trügerisch.

Ja, ich hatte eine Kindheit, geformt von schützenden und gleichzeitig vernachlässigen Händen. Es gab die Tage da ging mein Vater, soweit es sein Zustand es zuließ,
vor die Tür und kickte mit mir Fussball. Doch es gab auch die schwarzen Tage mit viel Gewalt, Gleichgültigkeit oder auch der Ausnutzung. Schließlich war ich ein Kind.
Wer vermutete schon das dieses kleine schnuckelige Jungchen in dem Karton auf dem Fahrrad mit den Stützrädern Drogen zur nächsten Kreuzung fuhr.

Ich erinnere mich noch an den Wutausbruch, von jetzt auf gleich. Eben noch auf dem Bett mit Papi gekämpft, vom Bett gefallen und wollte die Tüte mit Mehl nach ihm
werfen...es war kein Mehl. Und er fand es auch nicht lustig.

Und wenn in dem Moment alles zuviel wurde, dann wurden die Großeltern angerufen und die holten mich ab. Oder man setzte mich in ein Taxi und sagte dem Fahrer,
die Großeltern zahlen, fahren sie ihn bitte dahin. So ging das hin und her. Jedesmal aber kamen meine Eltern wieder um mich zu holen. Und jedes mal ging das Theater von
vorne los.

Ich kam in die Grundschule. Auch hier erfuhr ich, was absolute Unterforderung ist. Ich war kein dummes Kind, ganz im Gegenteil. Diverse Tests die ich im Alter von
22 machte belegten, das ich einen IQ im unterem Begabtenbereich habe. Jedenfalls bestand mein Schultag meist daraus, den Unterricht zu stören und auf dem Pausenhof
andere Kinder mit dem Kampfschrei "Wenn ich groß bin will ich so hauen können wie mein Papa" zu vermöbeln.

Auch hier war das Thema erwachsen sein schon ne große Nummer für mich. Es gab kein Frühstück. Und ja, auch alles weitere lag schon in meinem Aufgabengebiet, wie z.b.
das morgendliche suchen nach etwas zu essen oder das pünktlich aus dem Haus gehen. Immer wenn mein Opa die Gasflasche brachte wusste ich, das es kein Geld für Heizung oder so gab und natürlich auch nicht
fürs Essen. Hier dienten dann die Brot und Kakao Reste der anderen Kinder im Kindergarten.
Im Jugendamtbericht steht später: Das Kind muss sich in der Regel selbst versorgen, um pünktlich zur Schule zu gelangen. Nur mit dem Einsatz der Großeltern wird hin und wieder erreicht, das zumindest die Mutter morgens für ihren Jungen aufsteht. Die Eltern liegen gemäß den Äußerungen des Kindes tagsüber oft im Bett ohne jegliches Interesse an ihrem Kind.
Manchmal waren Fremde in der Wohnung. Auch schliefen sie bei uns. Ich kann mich auch an einen erinnern der in meinem Bett schlief und Abends mit mir auf dem SEGA
Fussball gespielt hat. Ich glaube er verstand unsere Sprache auch nicht. Ich habe keine weiteren Erinnerungen daran, ob ich hier auch ggf mal Opfer wurde. Ich glaube nicht das
meine Eltern so weit gegangen wären, ausschließen kann ich es aber wegen den fehlenden Erinnerungen jedoch nicht zu 100%.

Freitags ging ich mit meiner Mutter klauen. Also rein nach Kaisers und durch den Eingang wieder raus. Draußen wurden noch vereinzelnt Passanten um 2 Mark angebettelt für den
Bus (welchen wir ja nie brauchten, aber mit dem Kind an der Seite zieht die Masche besser). Mit etwas Glück hatte ich dann ein schönes Wochenende, mit weniger saß ich
im Taxi und war auf dem Weg zu meinen Großeltern.

Wenn es ein "gutes" Wochenende war, dann begann es damit, Samstag morgens in die nächste größere Stadt zu fahren um dort das Methadon abzuholen, machen meine Eltern seit
Jahren, bringt nur nix. Was soll das auch helfen wenn die Haltestelle am sogenannten Loch ist, wo du im vorbeigehen schon etwas zugeschoben bekommst und sich in jeder
Ecke jemand nen goldenen Schuss gesetzt hat. Ist wie nem beginnenden "Ich hör auf zu Rauchen" Menschen eine vorzurauchen. Nur schlimmer.

So gut es ging kümmerten sich meine Großeltern und mein Onkel um mich. Es ging an die Ostsee, ich hatte nen eigenes Zimmer und wir unternahmen viel wie Drachenfliegen
Eis essen und so weiter. Einen Schrebergarten hatte mein Opa auch. Da konnte ich viel Zeit verbringen. Wenn meine Mutter dann auftauchte und mich wieder haben
wollte flogen die Fetzen aber meine Großeltern waren zu alt, als das die hier viel machen konnten. Und mein Opa hatte Herzinfakt und Schlaganfall etc schon alles mitgemacht, starker Mann, alles gleich mehrfach. Es folgten natürlich Herzschrittmacher und künstliche Herzklappen usw. Man verfolgte sich, schreiend ums Auto laufend während ich weinend daneben stand und mich in Grund und Boden schämte.

Naja, das letzte was ich im Alter von 6 oder 7 noch weiß ist, wie es einen Abend richtig eskalierte. Mein Vater schlug meine Mutter zusammen und verließ die Wohnung. Sie, dumm wie sie war, wollte hinterher
und ich als kleines Kind stehe an der Haustüre und drehe immer wieder den Hebel zu abschließen um damit sie nicht rausgeht. Irgendwann schaffte sie es doch und unten an der Eingangstüre angekommen stand
schon die Polizei die von Nachbarn gerufen wurde, weil er die Eingangstür demoliert hat.

Und das Taxi kam auch schon...

Hier wird im Jugendamtbericht später festgehalten:
Es ist vorgesehen, eine geeignete andernweitige Unterbringung des Kindes mit Familiencharakter vorzubereiten. Die Großeltern können trotz ihres Einsatzes auf Dauer
das Kind nicht gerecht werden

PS: Da ich es das erste mal so niederschreibe können ein paar "Tante Edit" folgen. Ich muss vieles selber erstmal wieder zusammen bekommen. Ich betone nochmals das alles was hier geschrieben wird, der Wahrheit entspricht.

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Di 27. Mär 2018, 18:54
von Maria T
Hallo badfeel.
Wow, schon in dem jungen alter so viel mitgemacht. Ich ziehe meinen Hut.
Klasse das du die kraft hast das so öffentlich zu machen.
Lg Maria

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Di 27. Mär 2018, 20:28
von melody1992
Hallo Badfeel, (dr)

ich habe deinen Beitrag gelesen und mir kamen beim Lesen fast die Tränen. Ich bin in einer sehr fürsorglichen Familie aufgewachsen. Umso schwerer fällt es mir, mir vorzustellen, dass es in anderen Familien nicht auch so sein sollte. Es tut mir für dich sehr leid, dass du deine Kindheit nicht so leben konntest, wie es sein sollte. Ich würde dich jetzt am liebsten umarmen und dir wünschen, dass deine neue Familie dir die Aufmerksamkeit und Liebe zukommen lassen hat, die jedes Kind verdient.

Ich werde auch die nächsten Kapitel lesen...
schon allein weil ich auf einen gutes Ende hoffe.

LG, Mel )))(:

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Mi 28. Mär 2018, 08:28
von ExuserIn-2018-07-10
Hallo Badfeel.

Respekt.
Es zeigt Mut dass du alles so offen erzählst. Nur starke Frauen können das schaffen!
Jetzt weiss ich dass ich eine sehr liebevolle Kindheit hatte.

Liebe Grüsse
José

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Mi 28. Mär 2018, 17:55
von Badfeel
Teil 2:
Jugendamtbericht:

...wege der einstweiligen Anordnung wird wegen Eilbedürftigkeit ohne vorherige Anhörung der Beteiligten gemäß den -§-§ 1666 f. BGB dem Vater und der
Mutter das Aufenthaltsbestimmungrecht bezüglich des Kindes entzogen und dem genannten Jugendamt als Pfleger übertragen...

...Unter den gegebenen Umständen kommt eine mildernde Maßnahme als die Trennung des Kindes von der elterlichen Familie nicht in betracht...
Die "Trennung" sah an dieser Stelle so aus das mich meine Großeltern für ein Wochenende bei sich behielten. Montags ging es dann in eine Pflegefamilie.
Mir wurde gesagt, wir schauen uns die mal an. Ich wusste ja was mir blühte, wahrhaben wollte ich es aber zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Es ging also los. Am Ort des Geschehens angekommen empfing man uns in einem schönen großen Haus. mir fiel direkt auf, das die dort ansässigen Kinder
nicht mir entsprachen, es waren alle welche mit extremen Behinderungen. "Hier passe ich sicher nicht her".

Es folgte ein Gespräch mit der Mutter des Hauses, mit vielen Anpreisungen, Urlauben in Spanien und so weiter. Der folgende Satz ist bis heute in meinem
Kopf eingebrannt und es hat sehr viele Jahre gedauert, bis ich meiner Großmutter das verziehn habe. "Schau dir das Haus doch mal an", sagte man mir
während man selber weiterreden möchte.
Gesagt getan. Wir gingen durch die Zimmer und in den Garten, man zeigte mir alles und dann standen wir in einem neutralen Zimmer. "Das ist jetzt dein
Zimmer" warf man mir an den Kopf. Meine Großeltern waren nämlich schon weg. Tadaaaaa....

Da war ich nun, in einem Haus voller fremden und mit Kindern, von denen nur 2 für mich überhaupt brauchbar waren. Ein Junge, klein wenig jünger als ich
und nen Mädchen im Alter von 16. Auch nicht die hellste aber zumindest so, das ich eine Beziehung aufbauen konnte.
In dieser Familie traf scheinbar echt jedes Klischee auf den Punkt. Alle Kinder wurden in einer Wanne gebadet, das letzte in der ... des ersten. Die wirkliche
Mutter war nie da, die Tochter leitete es und führte nen gutes Leben mit Cabrio und allem pipapo. Und dann gab es da noch die Haushälterin die einen Hass auf Kinder hatte.

Einmal versteckte ich mich hinter einer Tür weil ich mit dem Jungen verstecken spielte. Die Tür ging auf, ich dachte es wäre er, und die Türklinke knallte gegen
den Ellenbogen der Haushälterin. Da hab ich dresche bekommen.
Urlaube nach Spanien sahen so aus, das wir alle in nen T4 gestopft wurden, der mit der größten körperlichen Beeinträchtigung lag zu unseren Füßen und wir krümelten
den voll.
über 20 Stunden dauerte die Fahrt. Das Haus war schön in Spanien, mit Pool usw. Ans Meer ging es auch oft. Ansonsten wurde schnell klar, wo das Geld hinfloss das
die Familie für die Kids bekam. Frühstück Kellogs, Nachmittags nen Sack Toast mit Nutella und Abends...ich erinnere mich nicht mehr.
Tagsüber meist das gleichen Prozedere jedoch. Die behinderten Kinder wurden an den Bäumen im Garten fixiert mit irgendwelchen Gurten währen wir drei gescheiten überall
Spielen konnten. Wir drei waren auch die Einzigen, mit denen man ans Meer gefahren ist.
Noch heute fahre ich manchmal in den Ort in Spanien denn der war wirklich schön. Die Stadt Benidorm. Touristenort aber für mich und meine Ansprüche an einen
Urlaub absolut ausreichend. Ist auch ne gute Strecke damit mein Amerikanischer Van wenigstens einmal im Jahr so richtig warm wird.

Wenigstens klappte es hier nun auch mit der Schule. Man erkannte das ich gefordert werden musste, man tat es und die Noten waren gut. Außerschulische Aktivitäten
nahm ich war, Zirkus AG und so ein Unsinn halt. Auch fand ich erste Freunde mit denen ich die Nachmittage verbringen konnte. Ich besuchte meine Eltern und meine
Großeltern dann auch regelmäßig. Wenig hatte sich jedoch geändert.

Aber was sollte ich in dieser Pflegefamilie in die ich überhaupt nicht reinpasste? Irgendwie muss ich hier weg.
Schnell erkannte ich , je mehr Probleme ich der Familie bereitete, desto eher würde ich da wieder rauskommen. Ich fing an zu stibitzen. Erst waren es
Nutella Becher die ich mir morgens dann einverleibte, dann war keine Geldbörse mehr vor mir sicher.
Auch fing ich an zu Rauchen. Ich glaube an dieser Stelle war ich nun 10 oder 11 Jahre alt. Versteckte mich mit dem 16 jährigen Mädchen immer im Hochsitz eines
Försters und wir rauchten da. Anschließend halbe Tube Zahnpasta futtern und gut ist. Heute weiß ich das ich damals gestunken haben muss wie nen Schornstein
aber sowas weiß man als Kind ja nicht :D

Als ich das Weihnachtsgeld aus der Börse der Mutter geklaut habe und mir dafür Micky Maus
Magazine kaufte (eigentlich war es nichtmal ich sondern der Junger der es mir dann gab) überspannte ein Bogen. Wieder gab es Dresche und das Verhältnis spannte sich
extrem. Ein Psychater wurde hinzugezogen. Jeden Mittwoch durfte ich nun dahin radeln, lag im gleichen Ort.
Jedoch, dies erkannte ich schnell, je mehr Probleme ich der Familie bereitete, desto eher würde ich da wieder rauskommen. Ich fing an zu stibitzen. Erst waren es
Nutella Becher die ich mir morgens dann einverleibte, dann war keine Geldbörse mehr vor mir sicher.

Bildchen malen, Intelligenz unterdrücken und mit dem Strom schwimmen. Mit diesem verhalten kam ich die Sitzungen relativ ungeschoren durch. Hatte nur nicht
den Punkt beachtet, das die Dame echt was drauf hatte und das Spiel durchschaute. Zum Glück sah sie aber auch, das diese Familie nix für mich ist und setzte sich dafür
ein, mich da raus zu holen.

Die Tatsache jedoch, das ich nun 2x schon geschlagen wurde, rief meine Großeltern wieder auf den Plan. Gemeinsam mit dem Jugendamt wurde beschlossen, mich
aus diesem Haus zu holen. Für 2 Wochen durfte ich bei meinen Großeltern die Ferien verbringen. Dannach ... ich weiß nicht ob ich es rückblickend als besser oder
schlechter empfinde, aber dies in Teil 3...

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Do 29. Mär 2018, 11:55
von sbsr
Deine Geschichte zu lesen verschlägt mir die Sprache, ich weiß nicht was man dazu sagen soll.

Du sollst nur wissen, wir hören Dir zu, solange Du magst.

LG, Svenja

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Fr 30. Mär 2018, 22:06
von Badfeel
Teil 3

Die 2 Wochen bei meinen Großeltern waren schön. Trotz meiner Intelligenz überragte die Illusion, das ich doch bei meinen Großeltern groß werden durfte.
Schnell wurde ich eines besseren belehrt als es hieß, es geht in die nächste Pflegefamilie.

Nun verbrachte ich also meine Jugend in wieder neuer Umgebung. Neue Schule, neue Freunde, neue Hobbies und neuer Ärger. Zwar war diese Familie
psychologisch gesehen eine ganz andere Größenordnung als die letzte, doch man merkte, das diese nicht mit der Zeit ging und viele typische Probleme
eines heranwachsenden gingen unter, dazu später mehr.

Meine Jugend verlief erstmal sehr schön, ich konnte mich entfalten, machte viel mit meinen Freunden, trat der freiwilligen Feuerwehr bei und hatte
Kindheitsspaß. Auch war diese Familie mit Kindern bestückt, mit denen ich was anfangen konnte, arrogante ältere Mädels und Jungs, wobei hier nur einer
in meinem Alter war, ziemlicher Prolet aber ok, immer noch besser als "fixierte behinderte an Bäumen" um es mal schnell zu formulieren.

Ich glaube, durch diesen Jungen, mit dem ich meine ersten sexuellen Erfahrung gesammelt habe, entstand auch der Reiz der Damenkleidung. Diese mopste ich
den Mädels immer aus dem frische Wäsche Korb und trug sie dann wenn ich mit ihm was "erleben" konnte.
Auch wurden die Mädels gerne beim duschen durchs Schlüsselloch bespitzelt, aber welcher Junge macht sowas nicht mal?
Da die Familie von Handys, PCs oder Freundinnen wenig hielt in dem Alter, hatte ich wenig Freundinnen. Ich glaub es waren 3. Die erste verließ mich weil ich nen Landei war, nie Zeit hatte
oder weg konnte, ich kein ICQ hatte usw,
die zweite weil sie hasste das ich rauchte und die dritte, das kommt später, wurde der Grund warum mein Leben wieder eine tragische Wendung nehmen sollte.

Wie dem auch sei, aufgeblüht durchlebte ich einige Hochs. Zwar bekam ich auch ordentlich ärger wegen dem Rauchen und vielmehr deswegen, weil die mir die Kippen bei Edeka
klaute. Auch Prügeln stand hin und wieder auf meinem Tagesplan. Psychologisch betreut wurde ich natürlich immer noch.
Als dann die Mädelskleidung bei mir gefunden wurde weil ich nicht vorsichtig genug war, stellte ich die Welt der Familie damit auf den Kopf. DAS konnte diese gar nicht verstehen.
Also wieder neue Termine beim Psychologen gemacht.
Bildchen malen und erklären, warum man das schön findet. Ich glaube, ich habe mir schon hier die Frage gestellt, warum man nicht etwas schön finden kann OHNE es immer erklären
zu müssen/können.
Mir kann ja auch keiner erklären, warum er den Fiat Multipla schön findet...ehrlich...

Es gab dann natürlich auch die "typischen" Probleme. Nachts aus dem Fenster abhauen, damit man bei Freunden einen Geburtstag feiern konnte. Alle durften bleiben oder draußen bleiben bis 10 oder 11
nur wir mussten um 18 Uhr zum essen daheim sein und dann war es zu dunkel um draußen zu sein.

Psychologisch hielt man mich für stabil und alt genug, einen regelmäßigen Kontakt zu meinen Eltern und Großeltern zu pflegen. Alle 2 Wochen wurde ich also im Wechsel von Samstag auf Sonntag
zu denen geschickt. Psychologie und Realität...
Bei meinen Großeltern gab es oft Reibereien weil ich ihnen die Geschichte mit der ersten Familie nicht verziehen habe und bei meinen Eltern...naja. Sie gaben sich Mühe mir nen gutes Bild
zu vermitteln, aber das gelang mehr schlecht als recht.

Mein Interesse der Feuerwehr war zu der Zeit das einzige, das mich wirklich rausholte aus dem Sumpf. Ich ackerte und lernte wie ein besessener um wirklich alles zu lernen und zu wissen.
Wir übten, wir fuhren weg, nahmen an Veranstaltungen teil usw.

Dann starb meine Freundin bei einem Autounfall mit ihrer Mutter...

Ich fiel, ich fiel so tief es nur ging und wenn ich den Boden erreichte, fiel ich wieder. Ich fing das klauen wieder an, irgendwo brauchte ich Geld um Kippen zu kaufen. Ich hörte
auf keinen mehr, verschwand über Nacht im Wald, pennte in unseren diversen gebauten Hütten. Ich hasste alles.
Zu der Zeit kam dann auch der Alkohol ins Spiel. Zum einen eben weil es die mitläuferei war, zum anderen weil ich mir manchmal meinen Kummer damit ersaufen wollte. Auch versuchte ich in
dieser Zeit, mich mit selbstgemixten "Drinks" aus meinem Kosmos Chemie Baukasten das Leben zu nehmen oder fügte mir tiefe Schnitte in die Arme zu.
Die Familie konnte mit meinem Kummer nix anfangen, ich war ja zu jung für eine Freundin. Ziemliche Ironie. Beide Elternteile haben eine psychologische Ausbildung, beide wussten das
ich überdurchschnittlich intelligent war und beide kamen nicht auf den Gedanken, das ich ggf etwas weiter entwickelt sein könnte als andere Kinder. Pauschal einfach, du bist zu jung für
Mädchen.
Dann ging die Gewalt los. Wer mich schief anschaute, bekam sie direkt auf die Kauleiste. Suspendierung aus der Schule, diverse Ausschlüsse wegen Instabilität usw.

Naja, das ganze Drama entwickelte sich dermaßen weit, das man mich in den Weihnachtsferien vom Jugendamt abholen ließ. Da man nicht wusste wohin mit mir kam ich in der nächsten
Großstadt in eine Jugendauffangstelle. Da saß ich nun, nachts um 2 Uhr, wieder aus einem Leben gerissen.

Ich bekam erstmal ein Bett für die Nacht. Schlafen. 8 Uhr aufstehen 10 Uhr mussten wir raus und durften erst um 18 uhr wieder rein.
Ich lernte anderen Bewohner der Auffangstelle morgens kennen. Es gab Toast oder Kornflakes. Dann hieß es Sachen packen für draußen und gut ist. Ab dem verlassen der Tür
war es allen egal was mit uns Kids passiert.. Es scherrte auch keinen, das die Unterkunft direkt am größten Drogenumschlagplatz der Stadt lag. Türe raus, Joint an und den Tag irgendwie
rumbekommen.
Der einzige Vorteil den ich hatte, ich musste nur 3 Stationen zu meinen Eltern und 6 zu meinen Großeltern fahren. Hier bekam ich mal etwas Geld, was später wieder in Hasch oder Gras investiert
wurde oder in Alkohol.
Manchmal ging ich mit einem der Mädels in die Gossen um zu betteln.
Man kümmerte sich auch nicht um uns. Einmal die Woche durften wir waschen. Damit meine Füße nicht ausschließlich nach Käse riechten, wuschen wir unsere Socken desöfteren im
Waschbecken da man es sonst kaum aushalten konnte.
Durch die Bekanntschaft mit den anderen Kids, die viel viel mehr mit Drogen zu tun hatten, habe ich viele zwielichtige Gestalten kennengelernt. Auch hier lernte ich, Menschen einschätzen
zu können. Naja, zumindest dann, wenn man nicht gerade High war.
Und ich sah richtiges Elend. Ich sah besoffene die von Straßenbahnen erfasst wurden, ich sah tote in den öffentlichen Klos im Loch die sich den goldenen Schuss gesetzt haben.
Ich sah Leute im Loch die alles verloren hatten nur um ihre Arme löschriger zu machen als nen schweizer Käse.
Und ich sah Gewalt, echte Gewalt. Nicht das kindergekloppe das ich vom Stapel ließ. Ich sah wie Junkis wegen Schulden verdroschen wurden, so sehr das es knackte.

Nach ca einem Monat wurde ich in ein Heim abgeschoben. Dies sollte eine Übergangslösung sein bis ein Therapie Platz für mich frei wird. Das Heim war nen echtes Old School
Ding. Du kamst um 13 Uhr aus der Schule, dann bis 15 Uhr Hausaufgaben machen, von 15:30 bis 17 Uhr dann Sportprogramm, um 18 Uhr essen, die Zeit von 18 bis 20 War durchplant wer
wann wie lange duschen durfte und um 20 Uhr dann ARD Nachrichten gucken, alle Mann auf der Couch, mitschreiben um dann ein Thema danach reflektieren zu können.
Rauchen durfte man nur 4x am Tag, die Kippe mussten wir uns am Büro abholen. Morgens, Mittags, Nachmittags und Abends. Daher klaubten wir uns immer die Reste der Betreuer
aus den Aschenbechern oder haben unsere aufgehoben um uns Abends am Fenster heimlich eine zu basteln und zu rauchen.
Manche der Kids hatten auch echt nen Schuss weg. Jedes Kind hatte hier seine Probleme zu tragen. Aber so wuchsen wir zusammen. So sehr, das wir manchmal Nachts im
Keller auch intime Dinge taten. Wir wurden sogar dabei mal erwischt. Gab auch wieder nur Ärger XD.
Zu der Zeit lernte ich einen meiner besten Freunde in der Schule kennen. Er versorgte mich nicht nur mit Kippen, sondern war auch mein Anker und Fels. Mit ihm konnte ich über alles Sprechen und
noch heute haben wir engen Kontakt obwohl wir gute 100 km auseinander wohnen.
Obwohl ich im letzten halben Jahr der 10ten Klasse von NRW nach Rheinlandpfalz die Schule wechselte, schaffte ich , wenn auch überraschend, einen Realschulabschluss.

Dann war die Zeit im Heim zu Ende, es war ja nur ne Übergangslösung.

Ich kam in eine Psychatrie.
Hier erlebte ich nach weiteren Schnittwunden und Eskapaden jedoch den Aufstieg meiner Person. Ich lernte durch strenge Regeln mein leben zu ordnen und vernünftig mit
Problemen umzugehen. Man provozierte uns auch um eben genau die Stresssituaionen hervorzurufen. Ausgangsstufen, Geldeinteilung, Arbeiten, geregelte Essenszeiten usw
schafften zu bewirken, das ich meine Intelligenz und mein frühes erwachsen werden endlich in einen gemeinsamen Karton legen konnte und aus meinem Tief rauskam.

Ich schaffte auch den Sprung in die Höhere Handelsschule, bezog ein betreutes Wohnen Appartement. Auch schaffte ich wieder den weg in eine (oder zu der zeit viel
zu viele) Beziehungen. Jedenfalls baute ich mir, fernab jeglichen Kontakts zu meiner Familie ein neues Leben auf.

Wie das verlief, das erfahrt ihr in Teil 4.

PS: Ich musste mich anstrengen hier alles in eine Zeitlinie zu bekommen da vieles so Schlagartig passierte, das ich jegliches Zeitgefühl verloren habe.

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: Sa 14. Apr 2018, 22:45
von Badfeel
Teil 5

Nachdem ich eine Ausbildung zum K.i.E. gefunden hatte zog ich aus der Psychatrie aus und bezog meine erste eigene Wohnung. Beziehungen hatte ich immer
mal wieder welche, keine die wirklich hielten. Aber ich machte mein Ding.

Kurz vor dem Ende meiner Probezeit nahm mich mein Chef beiseite und sagte das er mich entlässt. Ich verstand nicht warum. Aber, als kleines Steh auf Männeken
wanderte ich durch die Stadt und schaffte es, noch auf dem Weg nach Hause, mich bei einem Schuhladen in das sogenannte EQJ Programm zu bringen. Also nen bezahltes
Jahres Praktika vom Amt. 3 Monate später flog nen Azubi weil er klaute und ich durfte meine Ausbildung weitermachen.

In dieser Zeit lernte ich dann ein Mädchen kennen, das noch ein riesiger Teil meines Lebens werden sollte. Jedenfalls schaffte ich meine Ausbildung und hatte neben meinen
Abschlüssen in der Schule auch endlich mal was gelernt.
Die meiste Unterstützung kam hier immer von meinen Großeltern oder meinem Onkel. Den Kontakt zu meinen Erzeugern hatte ich nun komplett abgebrochen. Der letzte
Besuch den ich unternahm zeigte mir eine zerstörte Welt.
Aufgedunsen von Drogen und Alkohol mit fettiger Haut lebten sie sich durch den Tag. Die letzte Begegnung mit meinem Dad war in der Auffangstation. Da hat er mich nicht
mal erkannt.
Wenn ich heute über diese Situation nachdenke, treibt es mir immer noch die Tränen in die Augen.

Natürlich lebte ich in dieser Zeit auch. Diverse one Night Stands, legte meine über mir wohnende Nachbarin flach und vor allem Partys ohne Ende. Meine kleine Bude lag im Erdgeschoss, also am WE die Fenster auf, meine
Möbel in den Innenhof und dann wird gesoffen und gefeiert. Ihr könnt euch nicht vorstellen was wir alles da abgerockt haben. Die Partys waren episch und wenn ich mich
heute an die guten alten Zeiten erinnere, dann an die wo wir so sternhagelvoll waren, das wirklich nix ausgelassen wurde.

Auch der "Autoscene" konnte ich mich anschließen da meine Großeltern mir mein erstes Auto schenkten, einen Peugeot 106. Da ballerte ich mit Freunden natürlich dann
alles rein was ging. Chips, Fetter Auspuff usw bis die Kupplung mir um die Ohren flog und ich ihn gegen einen Gold 2 in Zahlung gab, welcher natürlich auch getunt wurde
mit Duplex Anlage und was nicht alles so auf dem Programm steht.

Wie dem auch sei, nun trat die Person in mein Leben, die in Teil 5 noch eine andere Rolle erhalten soll.
Sie war/ist meine große Liebe. Ich hätte auch nie gedacht, das ich mal so jemanden in so einer Situation kennenlerne. Durchzechte Nacht mit Freunden und wir standen in Boxershorts
mitten inner Stadt am Mittag und machten ne Wasserschlacht an einem Brunnen. Da kam sie. Gothic zu der Zeit, aber einfach nur Bildhübsch.
Man unterhielt sich und da ich nun wusste wo sie den ganzen Tag rumhängt, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, genau dort auch meine Zeit zu verbringen. Man nannte uns alle
immer Kinokinder weil der Ort nen altes Kino war.

Interessant wurde es an der Stelle, wie das alles genau passiert ist begreife ich heut noch nicht. Sie hatte Interesse an mir, wir gingen eine 1 wöchige Beziehung ein, dann servierte sie mich
ab. Kurz danach wurde sie beim Überqueren eine grünen Ampel von einem jungen Autofahrer umgefahren und landete im Krankenhaus. Ich, der in der Zeit natürlich wenig
anbrennen ließ, hatte schon eine neue Freundin und besuchte sie oft.
Die Beziehung die ich führte war eigentlich auch wundervoll, inkl Verlobung. Doch am Ende des Liedes verließ mich das Ding vor nen anderen.

Jedenfalls fand ich SIE wieder. Wir unternahmen viel, waren ständig unterwegs und machten schöne Sachen oder Unfug. Dann, eines Abends, blieb sie bei mir und, nun kommts, ging nicht
mehr weg. Ab dem Tag waren wir ein paar und es gab nur noch ein "uns". Das war nun fast 10 Jahre her.

Auch kamen natürlich weitere Probleme wie Arbeitslosigkeit und so weiter auf uns zu. Sie fand nach ihrem Gym Abschluss eine feste Stelle bei der sie heute noch ist, ich hatte weniger
Glück. Nach der ersten Ausbildung blieb ich nen halbes Jahr hier, dann ein halbes da, dann eine neue Ausbildung zum Versicherungsfachmann, Umschulung zum
Monteur für Brandschutz, danach ein Jahr in den Einzelhandel zurückgekehrt und heute wieder Monteur.
Aber stets war sie da, hielt mich aufrecht und gab mir einen Halt, den sich jeder Mensch eigentlich wünscht.

Wir gingen einfach durch Dick und Dünn. Jeden Beziehungsstress den man sich vorstellen kann hatten wir. Vor 3 Jahren sogar eine Trennung. Hab sie für nen halbes Jahr rauswerfen müssen,
so schlimm wurde es aber anders als ich hatte sie ihre Familie hier, meine wohnt ja über 100 km entfernt.
Aber es half. Ich tobte mich in der Zeit aus mit Partys und Freunden, ließ mal wieder den Proleten raushängen und sie konnte in sich gehen und begreifen, was für einen verdammten
Hauptgewinn sie mit mir hatte. Ja ich weiß das klingt arrogant, aber so sehe ich mich heute. Ich opfere mich für die die ich Liebe auf, bin Rücksichtsvoll, Verständnisvoll und eben alles
was ein Mann mit ner großen femininen Seite eben mitbringt. Nicht einer der Assis auf die die Weiber heute stehen und alle Nase lang fremdgehen und was weiß ich noch.

Jedenfalls besann sie sich und unsere Beziehung ging richtig schön weiter, auf einem noch höheren Niveau als davor.
Doch nun hapert alles irgendwie.

Mit Teil 5, den ich bald verfasse, sind wir im "Heute" angekommen. Und das bereitet mir wahrlich Kopfschmerzen. Da kommt nun alles zusammen.

Re: Wer ich heute bin

Verfasst: So 15. Apr 2018, 01:43
von Karla
Gänsehaut!
Wünsche Euch beiden, daß es GUT weiter geht!
LG Elly