Teil 2:
Jugendamtbericht:
...wege der einstweiligen Anordnung wird wegen Eilbedürftigkeit ohne vorherige Anhörung der Beteiligten gemäß den -§-§ 1666 f. BGB dem Vater und der
Mutter das Aufenthaltsbestimmungrecht bezüglich des Kindes entzogen und dem genannten Jugendamt als Pfleger übertragen...
...Unter den gegebenen Umständen kommt eine mildernde Maßnahme als die Trennung des Kindes von der elterlichen Familie nicht in betracht...
Die "Trennung" sah an dieser Stelle so aus das mich meine Großeltern für ein Wochenende bei sich behielten. Montags ging es dann in eine Pflegefamilie.
Mir wurde gesagt, wir schauen uns die mal an. Ich wusste ja was mir blühte, wahrhaben wollte ich es aber zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Es ging also los. Am Ort des Geschehens angekommen empfing man uns in einem schönen großen Haus. mir fiel direkt auf, das die dort ansässigen Kinder
nicht mir entsprachen, es waren alle welche mit extremen Behinderungen. "Hier passe ich sicher nicht her".
Es folgte ein Gespräch mit der Mutter des Hauses, mit vielen Anpreisungen, Urlauben in Spanien und so weiter. Der folgende Satz ist bis heute in meinem
Kopf eingebrannt und es hat sehr viele Jahre gedauert, bis ich meiner Großmutter das verziehn habe.
"Schau dir das Haus doch mal an", sagte man mir
während man selber weiterreden möchte.
Gesagt getan. Wir gingen durch die Zimmer und in den Garten, man zeigte mir alles und dann standen wir in einem neutralen Zimmer. "Das ist jetzt dein
Zimmer" warf man mir an den Kopf. Meine Großeltern waren nämlich schon weg. Tadaaaaa....
Da war ich nun, in einem Haus voller fremden und mit Kindern, von denen nur 2 für mich überhaupt brauchbar waren. Ein Junge, klein wenig jünger als ich
und nen Mädchen im Alter von 16. Auch nicht die hellste aber zumindest so, das ich eine Beziehung aufbauen konnte.
In dieser Familie traf scheinbar echt jedes Klischee auf den Punkt. Alle Kinder wurden in einer Wanne gebadet, das letzte in der ... des ersten. Die wirkliche
Mutter war nie da, die Tochter leitete es und führte nen gutes Leben mit Cabrio und allem pipapo. Und dann gab es da noch die Haushälterin die einen Hass auf Kinder hatte.
Einmal versteckte ich mich hinter einer Tür weil ich mit dem Jungen verstecken spielte. Die Tür ging auf, ich dachte es wäre er, und die Türklinke knallte gegen
den Ellenbogen der Haushälterin. Da hab ich dresche bekommen.
Urlaube nach Spanien sahen so aus, das wir alle in nen T4 gestopft wurden, der mit der größten körperlichen Beeinträchtigung lag zu unseren Füßen und wir krümelten
den voll.
über 20 Stunden dauerte die Fahrt. Das Haus war schön in Spanien, mit Pool usw. Ans Meer ging es auch oft. Ansonsten wurde schnell klar, wo das Geld hinfloss das
die Familie für die Kids bekam. Frühstück Kellogs, Nachmittags nen Sack Toast mit Nutella und Abends...ich erinnere mich nicht mehr.
Tagsüber meist das gleichen Prozedere jedoch. Die behinderten Kinder wurden an den Bäumen im Garten fixiert mit irgendwelchen Gurten währen wir drei gescheiten überall
Spielen konnten. Wir drei waren auch die Einzigen, mit denen man ans Meer gefahren ist.
Noch heute fahre ich manchmal in den Ort in Spanien denn der war wirklich schön. Die Stadt Benidorm. Touristenort aber für mich und meine Ansprüche an einen
Urlaub absolut ausreichend. Ist auch ne gute Strecke damit mein Amerikanischer Van wenigstens einmal im Jahr so richtig warm wird.
Wenigstens klappte es hier nun auch mit der Schule. Man erkannte das ich gefordert werden musste, man tat es und die Noten waren gut. Außerschulische Aktivitäten
nahm ich war, Zirkus AG und so ein Unsinn halt. Auch fand ich erste Freunde mit denen ich die Nachmittage verbringen konnte. Ich besuchte meine Eltern und meine
Großeltern dann auch regelmäßig. Wenig hatte sich jedoch geändert.
Aber was sollte ich in dieser Pflegefamilie in die ich überhaupt nicht reinpasste? Irgendwie muss ich hier weg.
Schnell erkannte ich , je mehr Probleme ich der Familie bereitete, desto eher würde ich da wieder rauskommen. Ich fing an zu stibitzen. Erst waren es
Nutella Becher die ich mir morgens dann einverleibte, dann war keine Geldbörse mehr vor mir sicher.
Auch fing ich an zu Rauchen. Ich glaube an dieser Stelle war ich nun 10 oder 11 Jahre alt. Versteckte mich mit dem 16 jährigen Mädchen immer im Hochsitz eines
Försters und wir rauchten da. Anschließend halbe Tube Zahnpasta futtern und gut ist. Heute weiß ich das ich damals gestunken haben muss wie nen Schornstein
aber sowas weiß man als Kind ja nicht
Als ich das Weihnachtsgeld aus der Börse der Mutter geklaut habe und mir dafür Micky Maus
Magazine kaufte (eigentlich war es nichtmal ich sondern der Junger der es mir dann gab) überspannte ein Bogen. Wieder gab es Dresche und das Verhältnis spannte sich
extrem. Ein Psychater wurde hinzugezogen. Jeden Mittwoch durfte ich nun dahin radeln, lag im gleichen Ort.
Jedoch, dies erkannte ich schnell, je mehr Probleme ich der Familie bereitete, desto eher würde ich da wieder rauskommen. Ich fing an zu stibitzen. Erst waren es
Nutella Becher die ich mir morgens dann einverleibte, dann war keine Geldbörse mehr vor mir sicher.
Bildchen malen, Intelligenz unterdrücken und mit dem Strom schwimmen. Mit diesem verhalten kam ich die Sitzungen relativ ungeschoren durch. Hatte nur nicht
den Punkt beachtet, das die Dame echt was drauf hatte und das Spiel durchschaute. Zum Glück sah sie aber auch, das diese Familie nix für mich ist und setzte sich dafür
ein, mich da raus zu holen.
Die Tatsache jedoch, das ich nun 2x schon geschlagen wurde, rief meine Großeltern wieder auf den Plan. Gemeinsam mit dem Jugendamt wurde beschlossen, mich
aus diesem Haus zu holen. Für 2 Wochen durfte ich bei meinen Großeltern die Ferien verbringen. Dannach ... ich weiß nicht ob ich es rückblickend als besser oder
schlechter empfinde, aber dies in Teil 3...