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Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 11. Mär 2018, 06:59
von Lorelai74
Hallo Ihr,

weil ich mich gerade auch mit dem Thema ADHS zusätzlich zu CD/ TS beschäftige hat mich interessiert ob
es nicht einen Zusammenhang zwischen beiden Themen gibt... und ja, es scheint wirklich einen zu geben..

Aber mal etwas ausholen:

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, heute viel geschimpfene "Modediagnose" bei Kindern,
ist mehr als der bekannte Zappelphilip oder mehr das Träumerchen und kommt auch im Erwachsenenalter vor.

Dort ändert sich der Schwerpunkt von der in der Kindheit sehr häufigen Hyperaktivität /Absencehafter Abwesenheit
zu einem Spektrum von Symptomen die mal mehr und mal weniger schwer auftreten:

Typischerweise zeigen sich diese negativen Einflüsse:
  • Aufmerksamkkeitsproblem - in Lern- und Ausbildungs- und Arbeitssituationen.
    Unbeständiges Arbeiten mit unerklärlichen Einbrüchen
    Vergessen von Aufgabenteilen mit unvollständigen Arbeitsergebnissen
    Fehlende Aufmerksamkeit, besonders in Gruppensituationen
    Leseunlust aufgrund von Verständnisschwierigkeiten für den Gesamtinhalt
    Ungebremste und schnell gesprochene Redeflüsse
    "Driven by Emotion" -Tätigkeiten und Verhalten folgen nach Lust und Laune
    Erst handeln, dann denken- ohne ausreichende Risikoabwägung.
    Schnelles Gefühl sich provoziert zu führen und Provokation anderer durch verbale Entgleisungen
    Erhöhte Unfallneigung
    Missachtung von Regeln, Gesetzen, Vorschriften
    Kann sich schlecht bremsen: Kaufrausch, riskantes Autofahren etc.
Dabei haben ADHSler auch sehr viele positive Eigenschaften:
  • einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere bezogen
    eine spontane, ausgesprochene emphatische Hilfsbereitschaft
    eine ausgeprägte Offenheit für alles Mögliche
    oft eine große Liebe zu Tieren und zur Natur
    reagieren, wenn es wirklich drauf ankommt, prompt und meist souverän
    erkennen übersensibel (und oft mit intuitiver Begabung) Stimmungen bei ihm bekannten Menschen (wenn sie nicht selbst übererregt sind)
    sind harmoniebedürftig, mögen schöne Farben und Formen um sich herum
    sind oft äußerst kreativ
    haben häufig eine guten Orientierungssinn
    sind oft begeisterungsfähig und schnell von etwas fasziniert
    sind ist nach einem Streit nicht nachtragend, wenn sich der Streitpartner ernsthaft entschuldigt hat (auch noch nach Jahren!)
Aufstellung nach Cordula Neuhaus in "Lass mich, doch verlass mich nicht"


Spannend fand ich einen Artikel über eine Studie aus dem Jahre 2013 zu finden:
Der Studie wollen unter Kinder mit ADHS 6,64 mal mehr Kinder das ein Kind des anderen Geschlechts sein (4,8% von 100%) , als in der Kontrollgruppe mit 0,7% Wunsch nach anderem Geschlecht.
Bei Kindern mit Autismus war der Wunsch nach dem anderen Geschlecht sogar 7,59mal häufiger.

Ich bin kein Experte, aber ich gehe nicht davon aus, dass das Verhältnis unter Erwachsenen anders ist.
Deswegen mal eine Frage:
Wäre es dann nicht logisch, dass in einer Gruppe die wie wir hier - mit einer Vielzahl von Erwachsene mit Genderflexibilität sich nicht auch eine Häufung von ADHS und Autismus finden sollte?
(nicht jetzt mich flamen)..
Wenn dass so wäre, dann würde das erklären warum viele von uns so schwanken, so sehr emotional sind, ihre rolle suchen aber eben auch warum manche nach einer Transition trotzdem nicht glücklich sind.

Ich bin gespannt auf die Diskussion
VLG
Lorelai

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Artikel:
https://psychcentral.com/news/2014/03/1 ... 67048.html
https://www.medscape.com/viewarticle/822077

Studie:
https://link.springer.com/article/10.10 ... 014-0285-3

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 11. Mär 2018, 12:35
von Nicole Fritz
Hallo allerseits, hallo Lorelai,

das ist ein interessantes, aber auch sehr komplexes Thema. Ich möchte es nun einfach einmal KNALLHART aus meiner Perspektive darstellen, so wie ich es als heidnische Trans-Anarchistin mit abgrundtiefem Hass gegen unsere Ausbeuter-Herren-Gesellschaft mit Segen des Allmächtigen sehe.

Man sollte endlich in dieser beschissenen Gesellschaft radikal etwas ändern, statt - mit Hilfe der Krankenkassen auf Kosten der Allgemeinheit - immer nur an irgendwelchen Symptomen herum kurieren zu wollen. Aber das Volk ist ja dumm genug, dass man ihm solche "Krankheiten" einreden kann. Wie krank sind aber diejenigen, die uns beherrschen? Ich erkenne da Psychopathen mit Charaktereigenschaften, die man auch bei Schwerverbrechern vorfindet. Was ist denn wohl sonst von einem Präsidenten zu halten der - wie es ja weltweit immer beliebter wird - die Demokratie mit Füßen tritt? Demokratie ist für mich nur der erste Schritt zu einer freiheitlichen, anarchisch geprägten Ordnung ohne Gewalt und Ausbeutung und ohne einen (allmächtigen) Herrn. Deshalb sollten wir ihre Möglichkeiten intensiv nutzen, statt uns immer wieder von irgendwelchen selbst ernannten Obrigkeiten nieder machen zu lassen. Die sagen: "Wir schaffen das!" - Und was sagen wir? - Einige von uns gehen nicht einmal zur Wahl!

Nun zu den "Krankheiten":


AD(H)S: Was soll denn bitte dabei heraus kommen, wenn man unsere Kinder immer mehr unter Druck setzt, damit sie sich der zunehmenden Ausbeutung unterordnen? - Teamfähigkeit, Flexibilität und diese ganze verfluchte Scheiße. Statt auf die Stärken jedes Einzelnen aufzubauen (nicht jeder fühlt sich in einer Gruppe wohl oder ist ständig neugierig auf Veränderungen), werden nur "angepasste Arschlöcher" gefördert. Wer einen starken eigenen Willen hat, erträgt das irgendwann einfach nicht mehr, hört nicht mehr zu und zappelt herum. Das ist meiner Meinung nach ganz normal und vollkommen natürlich. Aber heute wird man da mit Medikamenten, die nichts anderes als Drogen sind, ruhig gestellt (und die Allgemeinheit zahlt wieder).

Und dann dieser zum Himmel schreiende Blödsinn mit dem Sport als Ausgleich. Wer Sport hasst, weil er von seinen Lehrern und Mitschülern dabei immer nieder gemacht wird, empfindet das als Belastung und nicht als Ausgleich. Also wird er noch mehr zappeln, wenn er still sitzen soll.

In meiner Rolle als Mann entwickelte ich nie so etwas wie ein Selbstwertgefühl. Wenn ich etwas anderes machte als mich mit meinen vielen Hobbys mit mir selbst zu beschäftigen, dann tat ich das nicht für mich, sondern für irgendwelche Leute, die ich dafür hasste: Eltern, Lehrer, Chefs, usw.. Also schaltete ich quasi den Verstand beim Arbeiten aus, und spulte alles möglichst schnell mechanisch wie ein Roboter runter. Je eher ich fertig war, desto früher konnte ich mich wieder in meine eigenen Welt frei fühlen. Wer aber nicht mit allen Sinnen dabei ist, vergisst immer wieder etwas oder hat irgendwelche Aussetzer. Die Qualität der Arbeit lässt entsprechend zu wünschen übrig. Da das Beschriebene komplett unterbewusst abläuft, kann man sich bemühen so viel man will. Man merkt nicht, was da vorgeht und kann entsprechend nichts verbessern. Bei mir als ganz konkretes Beispiel: Ich habe wichtige Termine verschlafen, obwohl ich sie mit dickem Filzstift in den Terminkalender "eingebrannt" hatte.

Autismus (Asperger-Syndrom): Meinen Platz in der Gesellschaft habe ich nie gefunden. In einer Gruppe fühlte ich mich immer unter Druck und war ständig bereit zur Verteidigung. Das ist extrem anstrengend. Also beschäftigte ich mich immer gerne sehr intensiv mit mir selbst. Ich träumte oft herum statt wie erwartet am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen - da kann man leicht Asperger diagnostizieren. Seltsam ist nur, dass diese "Symptome" immer mehr verschwinden, seit ich als Nicole unterwegs bin. Ist scheinbar doch kein Asperger. Sah wohl immer nur so aus.

Jetzt fühlt sich die "kleine" Nicole (hat bald ihren 1. Geburtstag) wieder besser! Endlich sind die Wut und der Hass wieder einmal hinaus gebrüllt!

So viel also erst einmal nur das wichtigste aus meiner Sicht zu diesem Thema. Es ist der aktuelle Stand meiner Erkenntnisse und Empfindungen. Damit sollte der Zusammenhang zwischen AD(H)S- oder Autismus-Diagnosen und Trans* verständlich sein.

LG Nicole

PS: Interessant ist vielleicht auch, dass ich hier als anarchische Heidin für Ur-Christliche Werte eintrete, die der Vatikan ins Gegenteil verkehrt hat.

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 11. Mär 2018, 13:57
von Jaddy
Moin Nicole, Deine Beschreibungen gehen in Richtung der Gedanken, die mir bei Lorelais Beitrag kamen: Dass möglicherweise die Symptome ähnlich sind, ohne dass ein kausaler Zusammenhang besteht. So laienpsychologisch könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich das Gefühl, irgendwie nicht zu den Erwartungen der Gesellschaft zu passen, in beiden (und vielleicht weiteren Fällen) ähnlich äussern.

Ich bin da fachlich nicht so drin. Kennt sich jemand aus, wie man das aufdröseln könnte? Gibt es Untersuchungen dazu?

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 11. Mär 2018, 14:12
von Laila-Sarah
Hallo Mädels,

ich kann hier über mich sagen, dass ich als kleiner Bub-Mädel-Hybrid einen leichten Autismus (Asberger) hatte und auch unter ADHS litt. Triff also zumindest auf mich zu ;)

∑lG

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 11. Mär 2018, 14:57
von Lorelai74
Jaddy hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 13:57 die mir bei Lorelais Beitrag kamen: Dass möglicherweise die Symptome ähnlich sind, ohne dass ein kausaler Zusammenhang besteht. So laienpsychologisch könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich das Gefühl, irgendwie nicht zu den Erwartungen der Gesellschaft zu passen, in beiden (und vielleicht weiteren Fällen) ähnlich äussern.

...
Gibt es Untersuchungen dazu?
Hallo Jaddy,
Gute Frage mit dem Zusammenhang dahinter.
Es kann gut sein das es keinen kausalen Zusammenhang gibt, also von wegen Adhs begünstigt Trans, wohl aber das der Man unter Adhslern mehr Trans findet- aus unbekanntem Grund.

In der Studie finden sich nur Daten einer dritten Gruppe mit Epilepsie, die keine signifikante Erhöhung hatte. Ich würde annehmen dass diese aber auch von der Gesellschaft abgelehnt werden- wäre es also das Moment Ablehnung, sollte auch die dritte Gruppe eine Erhöhung zeigen.
Und:
Wäre die Ablehnung durch die Gesellschaft/Eltern der Grund für Trans/Adhs müssten dann nicht unter Menschen mit Migrationshintergrund, die öfters Ablehnung erfahren, dann nicht mehr Adhs und Transmenscheb zu finden sein?

Ich müsste mal zur Absicherung Recherche betreiben aber ich denke das Ablehnung durch die Gesellschaft nicht der Grund für Trans/Adhs ist sondern ein Symptom.

VLG
Lorelai

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 11. Mär 2018, 16:08
von Jaddy
Lorelai74 hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 14:57 In der Studie finden sich nur Daten einer dritten Gruppe mit Epilepsie, die keine signifikante Erhöhung hatte. Ich würde annehmen dass diese aber auch von der Gesellschaft abgelehnt werden- wäre es also das Moment Ablehnung, sollte auch die dritte Gruppe eine Erhöhung zeigen.
Und:
Wäre die Ablehnung durch die Gesellschaft/Eltern der Grund für Trans/Adhs müssten dann nicht unter Menschen mit Migrationshintergrund, die öfters Ablehnung erfahren, dann nicht mehr Adhs und Transmenscheb zu finden sein?

Ich müsste mal zur Absicherung Recherche betreiben aber ich denke das Ablehnung durch die Gesellschaft nicht der Grund für Trans/Adhs ist sondern ein Symptom.
Hm, ich bin nicht sicher, dass ich richtig rübergebracht habe, was ich meine :)

These: Jemand passt wegen irgendetwas (ADHS, Asperger/Autismus, Trans*, etc) nicht in die soziale Umgebung und die aus dieser empfundenen Nichtkonformität heraus gebildeten Verhaltensweisen werden fälschlich als Symptome der danach diagnostizierten Diversität gedeutet.

So nach dem Motto: All diese Gruppen entwickeln zusätzlich zu den eigenen Symptomen weitere, die nur durch die Empfindung der Ausgrenzung bzw. des nicht dazu passen entstehen. Quasi eine Art identische Immunreaktion auf die Umwelt.

Aber das sind vermutlich akademische Kümmelspaltereien, denn die einzige Abhilfe, eine generelle Verhaltensänderung gegenüber Diversität, ist noch lange nicht in Sicht.

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 08:03
von ExUserIn-2026-04-08
Moin,
Wäre es dann nicht logisch, dass in einer Gruppe die wie wir hier - mit einer Vielzahl von Erwachsene mit Genderflexibilität sich nicht auch eine Häufung von ADHS und Autismus finden sollte?
ein kausaler Zusammenhang ist aus der Statistik nicht ableitbar. Ein beliebtes Beispiel ist der Rückgang der Geburten mit dem Rückgang der Störche in den 1960er Jahren. Daraus kann man nicht ableiten, dass der Storch die Kinder gebracht hat. Insofern bleibt die Frage, ob es einen Zusammenhang gibt. Denkbar sind auch andere Hintergründe. Jaddy hat das ja schon angedeutet.

Darüber hinaus schätze ich die Dunkelziffer bei TG-Menschen als hoch ein. Denkbar wäre auch, das ADHS-TG-Menschen eher bereit sind, über ihre Situation zu reden. Das würde die Statistik wieder deutlich verschieben.

Alles in allem sagen die Zahlen nicht mehr als dass von den befragten TG-Menschen ein entsprechender Anteil auch ADHS-diagnostiziert sind, der höher liegt als der Durchschnitt. Wenn man also eine These eines Zusammenhangs erkennt, ist das kein Ergebnis, sondern der Anfang einer vertieften Untersuchung im Sinne von These - Antithese - Synthese.

Grüße
Vicky

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 09:55
von heike65
Das Thema hatten wir unlängst in der Flensburger SHG.

Dort war eine Transfrau mit Asperger, und wie wir von einer Freundin erfahren haben (sie ist in der Transberatung und in Selbsthilfegruppen aktiv, aber leider nicht in diesem Forum) tritt Transsexualität beim Asperger Syndrom deutlich häufiger auf wie unter dem Rest der Bevölkerung.
Aus welchen Gründen / Zusammenhang ist aber wohl nicht bekannt.

Liebe Grüsse
Heike

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 10:11
von Lorelai74
Hallo Ihr

@Jaddy: also wenn ich dich richtig verstehe, dann wäre die These das die Ablenkung/die Reaktion der Umgebung manche Symptomatik fördert oder dampft.

Ich denke dass es so ist- mit Förderung im direkten Umfeld und Hilfen oder Ignorieren oder Ablehnen kann sich der Charakter ganz schnell ändern. Ich denke aber auch, dass die Umwelt nichts erzeugen kann was nicht schon "angelegt" ist.

@Nicole

Ich erkenne deine Meinung an, kann dir aber nicht zustimmen.

@Vicky
Ja es wäre spannend eine These zu entwickeln. Ja weder die Studie noch ich sagten es gibt einwn Kausalen Zusammenhang, nur dass es eine Häufung gibt. Befragt wurden Asperger, Adhs und Epilepsiekinder auf TG. Wenn man annimmt das die Häufung wirklich Auftritt- müssten wir dann nicht hier in der Umkehr auch mehr ADHS und Asperger treffen??
Das wäre mal meine These ...

@Heike

Vielen lieben Dank für die Information.

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 12:19
von ExUserIn-2026-04-08
Befragt wurden Asperger, Adhs und Epilepsiekinder auf TG.
Vielleicht sind ADHS- und Asbergerkinder auskunftsfreudiger oder sind eher zu einer offenen Auskunft bereit?

Unter diesen Umständen ist sogar die Aussage, dass TG in den genannten Gruppen häufiger vorkommt, fraglich.

Grüße
Vicky

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 15:20
von Laila-Sarah
Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 12. Mär 2018, 12:19 Vielleicht sind ADHS- und Asbergerkinder auskunftsfreudiger oder sind eher zu einer offenen Auskunft bereit?
Oder, es könnte aber auch sein, dass Kinder sehen, das die Umwelt sie nicht so wahrnimmt und ihnen so gewährt wie sie sich fühlen und dann aus Frust die Umwelt ignorieren und in ihre eigen Welt flüchten. Das war bei mir zumindest so.

VlG

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 22:10
von Lorelai74
Hallo Ihr,

viele Thesen, die wir nicht wirklich belegen können.

Aber mal angenommen die Grundaussage stimmt. Was heisst dann dass für uns eine Community von Genderflexiblen?
Müssten wir dann nicht hier überdurchschnittschlich viele Menschen finden die diese Persönlichkeit haben?


VLG
Lorelai

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Mo 12. Mär 2018, 22:25
von Michi
Ich habe selbst ADS ohne H ... und kann mich der Sichtweise von Vicky_Rose nur anschließen.

Ergänzend möchte ich anmerken, dass Menschen mit AD(H)S oder Asperger meiner Meinung nach viel eher als andere Menschen bereit sind, über sich selbst nachzudenken, sich wieder und wieder zu hinterfragen, anstatt wie die meisten anderen Menschen einfach wie gewünscht zu funktionieren.


Liebe Grüße
Michi

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: Fr 23. Mär 2018, 23:17
von AndroSern
Nicole Doll hat geschrieben: So 11. Mär 2018, 12:35 ....Man sollte endlich in dieser beschissenen Gesellschaft radikal etwas ändern, statt - mit Hilfe der Krankenkassen auf Kosten der Allgemeinheit - immer nur an irgendwelchen Symptomen herum kurieren zu wollen. Aber das Volk ist ja dumm genug, dass man ihm solche "Krankheiten" einreden kann. Wie krank sind aber diejenigen, die uns beherrschen? Ich erkenne da Psychopathen mit Charaktereigenschaften, die man auch bei Schwerverbrechern vorfindet. Was ist denn wohl sonst von einem Präsidenten zu halten der - wie es ja weltweit immer beliebter wird - die Demokratie mit Füßen tritt? Demokratie ist für mich nur der erste Schritt zu einer freiheitlichen, anarchisch geprägten Ordnung ohne Gewalt und Ausbeutung und ohne einen (allmächtigen) Herrn. Deshalb sollten wir ihre Möglichkeiten intensiv nutzen, statt uns immer wieder von irgendwelchen selbst ernannten Obrigkeiten nieder machen zu lassen. Die sagen: "Wir schaffen das!" - Und was sagen wir? - Einige von uns gehen nicht einmal zur Wahl!
{...]
In meiner Rolle als Mann entwickelte ich nie so etwas wie ein Selbstwertgefühl. Wenn ich etwas anderes machte als mich mit meinen vielen Hobbys mit mir selbst zu beschäftigen, dann tat ich das nicht für mich, sondern für irgendwelche Leute, die ich dafür hasste: Eltern, Lehrer, Chefs, usw.. Also schaltete ich quasi den Verstand beim Arbeiten aus, und spulte alles möglichst schnell mechanisch wie ein Roboter runter. Je eher ich fertig war, desto früher konnte ich mich wieder in meine eigenen Welt frei fühlen. Wer aber nicht mit allen Sinnen dabei ist, vergisst immer wieder etwas oder hat irgendwelche Aussetzer. Die Qualität der Arbeit lässt entsprechend zu wünschen übrig. Da das Beschriebene komplett unterbewusst abläuft, kann man sich bemühen so viel man will. Man merkt nicht, was da vorgeht und kann entsprechend nichts verbessern. Bei mir als ganz konkretes Beispiel: Ich habe wichtige Termine verschlafen, obwohl ich sie mit dickem Filzstift in den Terminkalender "eingebrannt" hatte.

Jetzt fühlt sich die "kleine" Nicole (hat bald ihren 1. Geburtstag) wieder besser! Endlich sind die Wut und der Hass wieder einmal hinaus gebrüllt!

LG Nicole
PS: Interessant ist vielleicht auch, dass ich hier als anarchische Heidin für Ur-Christliche Werte eintrete, die der Vatikan ins Gegenteil verkehrt hat.


Nicole, alles ist im grünen Bereich!
Wir werden noch viel und oft schreien müssen.
Die Diskussionen rund um AD(h)S sind auch ohne unsere Spezial-Thematik noch nicht abgeschlossen. Ähnlich wie das Schein-Phänomen BurnOut.
Unser wirkliches Problem ist m.E. gar nicht der Zusatzfaktor eines Krankheitsbildes, sondern wir müssen uns mit Schlaumeyern rumschlagen, die über unser Sein mehr zu wissen vorgeben, als ihr hohler Kopf auch nur ansatzweise zu fassen in der Lage ist - und das macht wirklich wütend und bei gewissen Grundvoraussetzungen auch aggressiv. (obwohl ich dabei noch super viel Glück hatte, ohne wirklich zu wissen, warum).
Ich mag es gerne, mit seltsamen Vergleichen umzugehen.
Stell Dir vor, Du sollst jeden Tag in Gummi-Stiefeln, die viel zu schmal sind, deine Wege zu gehen. Da geht man doch drauf, wird entweder stumpfsinnig oder aggressiv (Authismus passt eher sogar nicht die gesamte Diskussion)
Übrigens: Aus meiner Sicht ist die religiöse Komponente viel sehr von den brüllenden Hardlinern bestimmt. Die Religion eignet sich für unser Thema auf keinen Fall als Beleg. Denn Religion ist eine Herzensangelegenheit und kein Sachbeleg. Und über die Glaubenstexte zu diskutieren ist schon unter den "Gläubigen" all zu oft sehr waghalsig und frustrierend - sage ich als fröhlich frommer Mensch! - Aus meiner Sicht sind alle Menschen, so wie sie sind gewollte Geschöpfe, gewollt, so wie wir alle eben nun mal sind. - Ich kann keinen anderen Text in meiner Bibel finden.
Tschüss und ein nettes Wochenende wünscht
Christel

Re: Genderidentität und ADHS/Autismus

Verfasst: So 18. Nov 2018, 21:55
von Lorelai74
Hallo ihr,

es gibt eine zwei neue Studien mit neuen interessanten Zusammenhängen zwischen Geschlechtsidentitätsstörungen und anderen psychologischen Symptomen

Die erste Studie:
Titel: Gender dysphoria and attention problems: possible clue for biological underpinnings
(meine Übersetzung wäre: Geschlechtsidentitätsstörung und Aufmerksamkeitsprobleme: Mögliche Hinweise für biologische Grundlagen)
Received 15 Mar 2017, Accepted 09 Jul 2017, Published online: 27 Jul 2017
https://www.tandfonline.com/doi/full/10 ... 17.1354417

Ziel der Studie war die Häufigkeit psychiatrischer Diagnosen bei Jugendlichen mit Geschlechtsidentitätsstörung zu ermitteln und mit einer Kontrollgruppe im Hinblick auf Familienfunktionen, emotionale Probleme und Verhaltensprobleme zu vergleichen.
METHODEN: (meine Übersetzung basierend auf dem Deckblatt der Studie)
An der Studie wurden 20 Fällen mit geschlechtsspezifischer Dysphorie und 40 Kontrollfälle ausgewertet (5—17 Jahre).
- Zu den verwendeten Instrumenten gehörten das soziodemografische Formular, das Family Assessment Device (FAD), die Checkliste für das Verhalten von Kindern und der Zeitplan für affektive Störungen sowie die Schizophrenie für Kinder im Alter von Kindern.

METHODS: The study sample consisted of 20 cases with gender dysphoria and 40 controls (5—17 years of age).
The instruments included were Sociodemographic Form, Family Assessment Device (FAD), Child Behavior Checklist, and Schedule for Affective Disorders and Schizophrenia for School Aged Children Present-Lifetime Version.

ERGEBNIS:
90 Prozent der Fälle mit Geschlechtsidentitätstörung hatten mindestens 1 psychiatrische Diagnose.
Die Aufmerksamkeits-Defizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHD) (75%) war die führende Komorbidität,
gefolgt von einer schweren Depression (25%). Die Gruppe der Geschlechtsidentitätstörungen signifikant höhere Bewertungen in Bezug auf Kommunikation, Rollen, affektive Beteiligung und allgemeine familiäre Funktionsskalen der FAD sowie in allen Subscales der Child Behavior Checkliste auf.
Der Checkscale-Score der Checkliste für untergeordnete Kinder war signifikant mit der Diagnose von Gender-Dysphorie in der binären logistischen Regressionsanalyse verbunden (Odds Ratio: 0,82; p <0,001).

RESULTS:
90 Percent of the cases with gender dysphoria had at least one psychiatric diagnosis.
Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) (75%) was the leading comorbidity, followed by major depressive disorder (25%). Gender dysphoria group had significantly higher scores in communication, roles, affective involvement, and general family functioning subscales of FAD and in all Child Behavior Checklist subscales. High Child Behavior Checklist attention subscale score was significantly associated with the diagnosis of gender dysphoria in binary logistic regression analysis (odds ratio: 0.82; p"‰<"‰.001).

Eine Bitte: Zieht euch in der evtl. Diskussion nicht an dem Wording Störung hoch, dass ist das wissenschaftliche Vokabular das halt verwendet wird.
Geschlechtsidentitätsstörung im Rahmen der Studie ist definiert als: Zustand, bei der eine deutliche Unvereinbarkeit zwischen dem Geschlecht eines Individuums bei der Geburt und dem Geschlecht besteht, das die Person selbst identifiziert hat Diese Personen sehen und fühlen sich als ein anderes Geschlecht als das ihnen zugewiesene Geschlecht. Es bezieht sich also auf Transidentitär bzw Transgender Menschen.

Aus meiner Sicht: ja die Stichprobe ist recht klein mit 20 Fällen, aber mit 90% Findings recht aussagekräftig.
Ja ich kenn auch den Satz: glaube keiner Studie die man nicht selbst gefälscht hat.. aber spannend ist es schon.


Die zweite Studie
"Transgender Youth More Often Diagnosed With Mental Health Conditions"
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5914494/

Ziel der Studie war es ein Verständnis der Größenordnung von psychischen Problemen, insbesondere von lebensbedrohlichen Problemen, die von Transgender- und / oder geschlechtsneutralen (TGNC) Jugendlichen auftreten, zu verstehen um
ein besseres Management dafür aufzubauen.

METHODE:
(Meine Übersetzung basierend auf dem Studiendeckblatt)
Durch Auswertung von Elektronische Krankenakten wurde eine Stichprobe von 588 transfemininen und 745 transmasculinischen Kindern (3—9 Jahre) und Jugendlichen (10—17 Jahre)identifiziert, die in esundheitssystemen in Kalifornien und Georgia registriert waren.
Zehn männliche und zehn weibliche Cisgender-Kandidaten wurden je nach Geburtsjahr, Rasse und / oder ethnischer Zugehörigkeit, Studienort und Mitgliedschaftsjahr des Index-Datums an jedes TGNC-Individuum angepasst (erster Beleg für einen nicht konformen Status des Geschlechts). Prävalenzraten wurden berechnet, indem der Anteil von TGNC-Individuen mit einer bestimmten Diagnose oder Diagnosekategorie für psychische Gesundheit durch den entsprechenden Anteil in jeder Referenzgruppe durch den Status der Transfeminine und / oder Transmasculin, die Altersgruppe und der Zeitraum vor dem Indexdatum dividiert wurde.

Hinweis: Prävalenz ist normalerweise die Anzahl der Studienteilnehmre zum Untersuchungszeitpunkt mit einem Symptom geteilt durch Anzahl der in die Gesamtzahl Individiuen in der Studie.
METHODS
Electronic medical records were used to identify a cohort of 588 transfeminine and 745 transmasculine children (3—9 years old) and adolescents (10—17 years old) enrolled in integrated health care systems in California and Georgia. Ten male and 10 female referent cisgender enrollees were matched to each TGNC individual on year of birth, race and/or ethnicity, study site, and membership year of the index date (first evidence of gender nonconforming status). Prevalence ratios were calculated by dividing the proportion of TGNC individuals with a specific mental health diagnosis or diagnostic category by the corresponding proportion in each reference group by transfeminine and/or transmasculine status, age group, and time period before the index date.
ERGEBNIS: (übersetzt aus der Studie)
Häufige Diagnosen für Kinder und Jugendliche waren Aufmerksamkeitsstörungen (15% Transfeminine; 16% Transmakulin) und depressive Störungen (49% Transfeminine; 62% Transmaskulin).
In allen diagnostischen Kategorien war die Prävalenz unter TGNC-Jugendlichen um ein Vielfaches höher als in übereinstimmenden Referenzgruppen.
Die Prävalenzraten (95% -Konfidenzintervalle [CIs]) für selbstgeschädigte Verletzungen bei Jugendlichen in der Vergangenheit 6 Monate vor dem Indexdatum lagen zwischen 18 (95% CI 4,4—82) und 144 (95% CI 36—1248).
Der entsprechende Bereich für Suizidgedanken lag zwischen 25 (95% CI 14—45) und 54 (95% CI 18—218). [/ Quote]

RESULTS[/u][/b]
Common diagnoses for children and adolescents were attention deficit disorders (transfeminine 15%; transmasculine 16%) and depressive disorders (transfeminine 49%; transmasculine 62%), respectively. For all diagnostic categories, prevalence was severalfold higher among TGNC youth than in matched reference groups. Prevalence ratios (95% confidence intervals [CIs]) for history of self-inflicted injury in adolescents 6 months before the index date ranged from 18 (95% CI 4.4—82) to 144 (95% CI 36—1248). The corresponding range for suicidal ideation was 25 (95% CI 14—45) to 54 (95% CI 18—218).
Die Erläuterung was das bedeutet findet sich in diesem Artikel zur Studie:
https://share.kaiserpermanente.org/arti ... onditions/
Dort heisst es:
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (Transfeminine: 15 Prozent, Transmaskulin: 16 Prozent): Diese Zahlen sind 3 bis 7 Mal höher als die übereinstimmende Cisgender-Referenzgruppe.
Depressive Störung (transfeminine: 49 Prozent, Transmaskulin: 62 Prozent): Diese Zahlen sind 4 bis 7 mal höher als die übereinstimmende Cisgender-Referenzgruppe.
Attention deficit disorder (transfeminine: 15 percent, transmaskuline: 16 percent). These numbers are 3 to 7 times higher than the matched cisgender reference group.
Depressive disorder (transfeminine: 49 percent, transmasculine: c2 percent). These numbers are 4 to 7 times higher than the matched cisgender reference group.

Aus meiner Sicht:
Deutlich höhere Stichprobe mit starker Evidenz dass jemand der Trans ist, sehr oft auch Depressionen haben kann oder auch ADHS hat.
Falls ihr Trans seid und in psychologischer Behandlung oder diese starten wollt, bitte teil euren Psychologen die Studien mit. Beides sollte IMHO abgeklärt werden und kann die Therapie verändern

Viele liebe Grüsse
Lorelai