Michelle_Engelhardt hat geschrieben: Mo 5. Mär 2018, 10:30
Hi,
jetzt fummel ich schon den halben Morgen an mir rum (nee, nicht was ihr jetzt vielleicht denkt)
Beine epilieren, Gesichts- und Händepeeling, Augenbrauen formen und zupfen und gleich werden noch Fuß- und Fingernägel neu angemalt.
Nun gehöre ich ja auch zu jenen, die mit einer gewissen Körperbehaarung "gesegnet" sind, sodaß ich schon gewisse Zeit für die Jagd auf störende Haare investiere.
Dennoch, auch wenn es manchmal bissi nervig ist, habe ich festgestellt, das mir das ganze Brimborium im Großen und Ganzen schon einen gewissen Spaß bereitet. Es fühlt sich einfach gut an, etwas für mich zu tun.
Wie ist das denn bei euch?
Liebe Grüße
Michelle
Hallo Michelle,
du bist ja auch alltagserprobte 24/7-Frau und weißt, was es bedeutet, jeden Tag Styling und Make-up in vertretbarer Zeit durchzuziehen. Ich weiß nicht, ob du von zu Hause aus arbeitest oder 5x die Woche raus musst. Da ich morgens beizeiten im Büro sein will, stehe ich ziemlich früh auf, um spätestens gegen 5 Uhr loszukommen. Mein Outfit lege ich am Abend zuvor zurecht, um ein bisschen Zeit zu sparen. Gerade wegen der vielen Sitzungen und Projektbesprechungen will ich keinesfalls immer dasselbe anziehen und wechsle zwischen cool-leger, business-like oder einem Mix aus beidem, je nach Stimmung

Da ich erst ein knappes halbes Jahr als Frau auch im Job unterwegs bin, gibt es ständig Leute, die mich neu in meiner äußerlichen weiblichen Identität kennenlernen und sehr genau kucken, ob nun von anderen Behörden oder Firmen. Da fühle ich mich gut gestylt wohler, als wenn ich hektisch alles zusammenwürfeln würde.
Peeling mach ich nur 1x pro Woche am Wochenende, ebenso Augenbrauenstutzen. Das reicht mir aus.
Körper- und Gesichts-Behaarungstechnisch hab ich riesiges Glück, denn außer ein paar Stoppelchen über der Oberlippe hab ich fast nix zu bieten. Da genügt es, einmal am Wochenende schnell mit einem 6-Klinger über die Beine zu rutschen und das war's. Allerdings muss ich jeden Morgen den Bartnachwuchs bekämpfen, denn mangels Epilation / IPL usw. ließe sich auch der geringe Nachwuchs nach 24 Stunden nur schwer abdecken. Doch mit meinem Flexball-Nassrasierer und ergänzend mit einem Hobel als letzten Schliff ist das kein Problem.
Die Fingernägel befeile ich mehrmals pro Woche und gönne ihnen jeden Morgen einen Nagelhärter-Lack und abends eine Nagel- und Nagelbett-Pflegecreme aus dem Regal für Naturfreundinnen. Jedesmal wenn ich endlich mal schön Farbe lackieren will, reißt mir dennoch irgendein Nagel ein und ich muss ihn kurz schneiden und ich lass es mit dem farblichen Lackieren
Morgens gönne ich meinem Körper Mandelöl und abends eine Feuchtigkeits-Lotion, meinem Gesicht eine Tages- und passende Nachtcreme mit Schwerpunkt Hydro (Anti-Age kommt später

). Das tägliche Schminken beschränke ich auf Make-up, Contouring, etwas Kajal auf den Lidern und Lippenstift. Nur noch fixieren und fertig. Mascara und aufwendigen Lidschatten schenke ich mir im Alltag.
Mehr als die Hälfte der Zeit brauche ich fürs Haarewaschen, Wickler eindrehen, abfönen, modellieren, fixieren. Es hat keinen Sinn, die Frisur am Vorabend fertigzustellen. Ein Mal ins Bett gelegt und alles ist geschrottet. Im Stehen zu schlafen finde ich recht unbequem und mit meinen großen Wicklern ist das Liegen zu Hardcore. So bleibt mir nichts weiter übrig, als morgens alles komplett neu aufzubauen. Perücke lehne ich kategorisch ab, so lange es mein Haar noch irgendwie selbst hergibt, auch wenn ich damit weder Barbiepuppe, Meerjungfrau noch Eisprinzessin sein kann
Am Ende muss ich in den Spiegel schauen und sagen können, dass ich "schön" bin. Nun kann man mich als eitel beschimpfen, aber für mich ist
Selbstakzeptanz die Grundvoraussetzung, um überhaupt rauszugehen. Jede Minute der 1-1,5-stündigen täglichen Prozedur empfinde ich als gut investiert, denn dadurch kann ich anschließend 14 Stunden lang meine Frau stehen. Das gibt mir auch die Sicherheit, mich vor 20 Leute zu stellen und Sitzungen zu leiten.
Mag man auch mir immer anmerken können, dass ich keine geborene Frau bin, so hab ich mit selbstbewusstem, authentischem Auftreten und einem rundum stimmigen Erscheinungsbild noch nie das Gefühl gehabt, negativ aufzufallen. Natürlich gibt es manchmal Verunsicherung auf der anderen Seite, wenn mich jemand zuvor als Mann kannte und ich ihm erstmalig als äußere Frau im Rock gegenüber stehe. Aber auch in diesen Fällen kommt es aufs "Gesamtpaket" an und die tägliche Morgen-Prozedur legt den Grundstein dafür.
LG
Semele