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Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: Sa 17. Feb 2018, 16:03
von Anne-Mette
Moin,
ein Artikel vom shz, "unserer Regionalzeitung":
https://www.shz.de/lokales/schleswiger- ... 09476.html
Ich hatte schon ein Foto von der Printausgabe gemacht; aber nun sehe ich, dass es den Artikel auch online gibt.
In der Printausgabe gibt es dazu noch einen kleinen Artikel der Reihe "Am Rande bemerkt".
Klischee und Vorurteil beschäftigt sich (auch) mit der Frage: Was ist typisch männlich, was typisch weiblich?"
Gruß
Anne-Mette
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: Sa 17. Feb 2018, 16:13
von biene38
Was ich mich immer wieder frage, was haben lange Haare, Strapse oder Strumpfhosen mit Weiblichkeit zu tun? Das werde ich wohl nie verstehen....irgendwie eine verkehrte Welt.
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: Sa 17. Feb 2018, 17:17
von ExuserIn-2022-03-18
Hi
Ich denke für sie war es zu dem damaligen Zeitpunkt einer der wenigen Dinge, mit denen sie sich weiblicher fühlen konnte, bzw. dass wenigstens irgendetwas an der Kleidung weiblich ist, auch wenn es niemand sehen konnte. Es sind eben auch einfach Kleidungsstücke die von den meisten Menschen mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden
Das heißt ja nicht, dass Männer keine Strumpfhosen usw. tragen dürfen

Aber ich sehe es auch eher als Kleidung für Frauen.
LG, Alex
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: Sa 17. Feb 2018, 17:45
von biene38
Das liest man recht häufig in diesen Biographien, "erkannte dass er/sie ein Mädchen ist, schon als Kind trug er/sie gern die Kleidung der Schwester oder Mutter". Und vermutlich begann es bei den meisten so, oder?
Im Übrigen genau wie bei mir, und auch mir wurde gesagt und klar gemacht, dass Männer und Buben so etwas nicht tragen. So entsteht durch Sozialisation der Wunsch nach der weiblichen Geschlechterrolle, da scheinbar die männliche nicht passt. Und man macht es natürlich dann heimlich.
Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass es weniger mit Weiblichkeit zu tun hat, sondern viel mehr mit unterdrückter und nicht akzeptierter Männlichkeit.
Ich weiß, dass diese Ansicht hier nicht gerne gehört wird...
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: Sa 17. Feb 2018, 18:16
von ExUserIn-2024-07-13
Interessanter Gedanke, biene38, aber, wenn er zutrifft bzw. zuträfe, müßten nicht fast alle Forumsmitglieder, die üblicherweise bzw. ganz überwiegend weiblich konnotierte Kleidung (Röcke, Kleider...) tragen, ihre Probleme mit unterdrückter und nicht akzeptierter Männlichkeit haben? Für mich sieht es so aus, als sei das Gegenteil der Fall: endlich die Weiblichkeit ausleben, zu der selbstverständlich Röcke, Kleider, Make-up und auch reizvolle Dessous gehören.
Denke ich vielleicht zu kurz und komme nicht auf den tieferen Sinn bzw. die tiefere Wahrheit Deiner These? Wenn dem so sein sollte, wäre es nett von Dir, mir auf die Sprünge zu helfen.
Viele Grüße,
Yvette
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: Sa 17. Feb 2018, 18:57
von hannah51
Hallo Ihr Lieben,
Scheint doch keine einfache Antwort zu geben....
ich hab mir mal als Teenie die Lippen angemalt..
Hab mal später Strumpfhosen Geklaut (!) und mal getragen....
Durch die zögerliche Anerkenntnis meiner schwulen Seite bin ich dann wieder auf
das Transvestitenthema gekommen... schon toll soweit..
hab dadurch aber auch erst meine passive erotische Seite richtig erkannt.
Möchhte nicht als Frau gelten
fühle mich aber in dieser Kledungssymbolik sauwohl..
ich bewundere Menschen , die ihren Weg so konsequent weitergehen....
und auf einen positiven Weg finden.
Bin übrigens datu noch verheiratet mit meiner Frau...
Leben ist nicht geradeaus !!!
liebste Grüße
Hannah
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 02:49
von biene38
Yvette hat geschrieben: Sa 17. Feb 2018, 18:16
ihre Probleme mit unterdrückter und nicht akzeptierter Männlichkeit haben? Für mich sieht es so aus, als sei das Gegenteil der Fall: endlich die Weiblichkeit ausleben, zu der selbstverständlich Röcke, Kleider, Make-up und auch reizvolle Dessous gehören.
Vielleicht hätte ich es genauer ausdrücken sollen, sie haben ihre Probleme mit der von der Gesellschaft nicht akzeptierten männlichen Seite. Ich sehe nämlich meine Vorliebe für schöne Stoffe, Gewänder, Röcke, Kleider Make-up und auch das sich Sexy-Fühlen-Dürfen und auch meine sensible Seite als eine männliche Seite von mir an (ich bin nun mal ein gesunder biologischer Mann, und habe diese Seite dennoch, obwohl ich offensichtlich zu einer Minderheit gehöre, aber es ist dennoch eine männliche Seite), nur eben dass diese von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Lebst Du Dich dennoch aus, wirst Du mit Missachtung gestraft. Haben bestimmt auch schon die meisten hier erlebt. Diese Seite passt eben nicht in das männliche Rollenbild, das in dieser Gesellschaft geprägt ist. Dass Röcke, Kleider , Make-up nichts mit biologischer Weiblichkeit zu tun hat, dazu möchte ich den Beweis anführen, dass es Zeiten gab, in denen es ganz anders war, in denen die Männer die kurzen Röcke, die schönen Strümpfe getragen haben, und sehr körperbetont gekleidet waren, Perücken getragen haben usw..
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 07:07
von Magdalena
Hallo,
ich denke, es ist nicht einfach zu trennen. Denn jede von uns empfindet beim tragen weiblich zugeordneter Kleidungsstücke etwas anderes. Ich erinnere mich zurück an meine Kindheit. Einmal in einem Ferienlager wurde zur Abschlussfeier ein Programm aufgeführt. Jede Gruppe sollte mit einem Beitrag zum Gelingen der Feier beitragen. Unser Jungengruppe hatte sich für eine Modenschau entschieden. Dazu, mit Erlaubnis der Erzieher, borgten wir und Kleider von den Mädchen aus. Da standen wir nun in Mädchenkleidern auf der improvisierten Bühne. Für die meisten war es nur ein Spaß. Mir jedoch erging es anders. Für mich war etwas schönes. und nicht dabei sich verstecken müssen. Sicher ausgelöst durch das Gefühl ein Kleid zu tragen, schwebte ich im siebten Himmel.
Auch wenn es nicht direkt etwas mit Weiblichkeit zu tun hat, oder doch? Das Spiel mit der Kleidung von anderen Geschlecht war geweckt. Es war der Türöffner so zu sagen, die Entdeckungsreise der eigenen Weiblichkeit zu beginnen. Und wie bei jeder Reise muss ich mich entscheiden, wohin es gehen soll. Es gab viele Irrwege. Nicht immer geht der Weg nur gerade aus einem Ziel entgegen. So verstehe ich es auch, wie in dem Artikel, zunächst unter der männlichen Alltagskleidung Strumpfhosen und Dessous zutragen. Es war vielleicht der Anfang an deren Ende aus Dirk Hanna wurde.
Viele liebe Grüße Magdalena
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 08:00
von Lorelai74
biene38 hat geschrieben: So 18. Feb 2018, 02:49
..sie haben ihre Probleme mit der von der Gesellschaft nicht akzeptierten männlichen Seite. Ich sehe nämlich meine Vorliebe für schöne Stoffe, Gewänder, Röcke, Kleider Make-up und auch das sich Sexy-Fühlen-Dürfen und auch meine sensible Seite als eine männliche Seite von mir an (ich bin nun mal ein gesunder biologischer Mann, und habe diese Seite dennoch, obwohl ich offensichtlich zu einer Minderheit gehöre, aber es ist dennoch eine männliche Seite), nur eben dass diese von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird...
Hallo Biene,
alle Begriffe, alle Definitionen sind nie für alle passend. Du hast deine Perspektive und siehst dich als Mann, andere würden sagen CD, Mann* oder oder oder..
Sind die Begriffe so wichtig?
Ist es nicht vielmehr wichtig sich gegenseitig in unserer Vielfalt zu akzeptieren?
Ich denke Kleidung dient neben der primären Aufgabe warm halten und ans Wetter anpassen nunmal hauptsächlich als Ausdruck von Geschlecht, Gruppenzugehörigkeit und Status.
Wenn ein Mann Kleidung anzieht die von der Mehrheit der Gesellschaft als weibliche Kleidung angesehen wird, dann wird das halt meist als Versuch gesehen in die Frauenrolle zu schlüpfen, selbst wenn das der Mann selbst anders definieren mag. Dass ist leider so..
Ich denke es geht nicht darum wer recht hat, sondern halt immer um persönliche Perspektiven
Du bist einzigartig,
Wie jede/r hier!
Deine Sichtweise ist gut , alle anderen auch
VLG
Lorelai
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 08:34
von biene38
Lorelai74 hat geschrieben: So 18. Feb 2018, 08:00
Ist es nicht vielmehr wichtig sich gegenseitig in unserer Vielfalt zu akzeptieren?
Da hast Du absolut Recht, und deswegen soll auch jeder den Weg gehen, der für ihn richtig erscheint. Und mir ist bewußt, dass keiner der Wege leicht ist, denn was wir letztendlich alle wollen ist, dass wir unser Leben so leben können, wie wir wollen, und das möglichst ohne große Hindernisse. Ich weiß von mir selbst, welch großes Hindernis es ist, wenn man offensichtlich in eine Rolle nicht hineinpasst, man sich eigentlich in eine andere Rolle sehnt, und wie einen das belasten kann.
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 09:56
von Jenina
Liebe Biene,
ich danke Dir für Deine Sichtweise. Ich denke drüber nach und muss sagen: Du hast recht wenn ich es auf mich beziehe.
Ich bin eine Mann, rein biologisch. Ich war nie eine Frau und werde keine sein, rein biologisch. Ich lebe nicht in einem falschen Körper.
Aber ich lebe im falschen Gefühl. Und genau das stimmt nicht, denn natürlich sind meine Gefühle genau die richtigen denn nur ich kann wissen was gut und richtig für mich ist. Also sind diese Gefühle falsch für eine Gesellschaft, die sich über lange Jahre Regeln geschaffen hat, zu denen meine Gefühle nicht passen. Das macht sie doch aber nicht falsch, verdammt noch mal. Also habe ich sie unterdrückt und tue das teilweise bis heute. Das ist mein Dilemma und ich denke auch das von den anderen Transvestiten, Crossdressern, non-binaries oder wie immer wir das nennen.
Deine Sicht auf dieses Dilemma finde ich richtig, besser als das "Streben nach Weiblichkeit". Es sollte mehr ein Streben nach dem Zulassen von Gefühlen sein, die mir gut tun, weil es mir eben gut tut mich zu schminken und mir schöne Dinge anzuziehen. Denn dass diese heute ausschließlich dem weiblichen Geschlecht zugehörig sind ist nur eine Form der aktuellen Kultur. Und die ließe sich ändern, wenn man denn wollte...
Jenina
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 15:31
von Lorelai74
biene38 hat geschrieben: So 18. Feb 2018, 08:34
Und mir ist bewußt, dass keiner der Wege leicht ist, denn was wir letztendlich alle wollen ist, dass wir unser Leben so leben können, wie wir wollen, und das möglichst ohne große Hindernisse. Ich weiß von mir selbst, welch großes Hindernis es ist, wenn man offensichtlich in eine Rolle nicht hineinpasst, man sich eigentlich in eine andere Rolle sehnt, und wie einen das belasten kann.
.
Die Gesellschaft weißt uns Rollen zu..
und die es wagen Auszubrechen stehen schnell am Rand und werden geächtet.
Wir allen wissen wie schlimm dass werden kann, und deswegen bewundere ich den Mut derjenigen Menschen die sich Outen, die eine andere Rolle einfordern.
Ja der Weg ist nie einfach...
Aber der Gedanke ist schön das man an den Dingen die einem Spaß machen einfach Spaß haben darf.
VLG
Lorelai
Re: Aus Dirk wurde Hannah : Transgender in Angeln: "Hier möchte ich heil werden“
Verfasst: So 18. Feb 2018, 16:05
von Inga
Hi,
ich finde Bienes Einwand gut und finde die Beiträge, die ihre Gedanken aufgreifen, sehr interessant.
Ich denke, dass ich mich in manchen männlichen Klischees der Gesellschaft etwa vom knallharten Machoheld nicht wieder finde. So bin ich nicht und will auch gar nicht sein. Andere männlichen Typen wie etwa dem "verständnisvollen Sofie" stehen mir schon näher. Ist das aber schon alles.
In Kleidungsfragen war ich schoin immer mehr der Pullovertyp, nicht der Anzugstyp. Pullis und Jeans passen mir allerdings in Damengrößen besser als in Herrengrößen. Im Alltag im Männermodus trage ich fast nur Kleidung aus der Damenabteilung in Damengrößen. Trotzdem verstehe ich mich nicht als Frau und werde ich nicht für eine Frau gehalten. Auch wird die Kleidung nicht für deplaziert gehalten. Höchstens mal in der schwarz-grau-blau-beigen Männerwelt für etwas leger.
Klar, würde ich auch gerne mal aufgetakelt oder mit Kleid auftreten. Mache ich aber nicht, wenn ich im Männermodus auftreten will. Nicht nur weil es gesellschaftlich nicht akzeptiert ist. Nicht nur weil ich mich nicht traue wegen drohender Konflikte. Sondern auch, weil ich damit weibliche Sieten in mir verbinde, die ich mit dem Tragen zugleich hervor hole und austrage.
Schön, wenn es andere auch jetzt in der Gesellschaft können. ich kann es nur bei besonderen Anlässen, wo es akzeptiert wird (Zu Hause, CSD, Stammtische, etc.)
Liebe Grüße
Inga