Hallo Uli,
ich wäre definitiv lieber eine Frau, jedoch habe ich vor 25 Jahren für mich festgestellt, dass ich einfache gerne beides bin. Ich habe mich auch gegen ein Outing und eine Trennung von meinem weiblichen und männlichem Leben entschieden. Damit bin ich mit mir im Reinen.
Ich hatte aber die Chance zu testen

Ich bin nach Berlin gezogen, weil ich mich verliebt hatte, das ging leider in die Brüche und ich fand mich in Kreuzberg in einer winzigen Wohnung wieder. Zum ersten Mal seit langem alleine wohnen war schon komisch. Ich hatte kein Geld, aber um die Ecke gab es einen Second-Hand Laden, wo ich mich preiswert eindecken konnte. Mich kannte keiner, Kreuzberg war damals noch sehr schrill, sprich in bin raus wie es mir gefiel. Es war eine tolle Zeit, ich bin mit dem Fahrrad und Röckchen durch die Gegend gebraust....Man lernt dann auch Leute kennen, und die hatten eigentlich kein Problem mit meinen Fummeln. Eigentlich....es war für die Leute nicht immer nachvollziehbar, dass ich mal so mal so auftauchte, zumal ich als Tinchen mich auch anders verhalte...zurückhaltender, ängstlicher.
Dann überschlugen sich bei mir die Ereignisse, auf super tolles folgte super schlimmes....das Transen war dann auch einfach weg......Dadurch landete ich in Prenzlauer Berg und hatte nun einen Freundeskreis, der mich nur als Mann kannte und ein paar Leute in Kreuzberg die mich als Martina kannten. Ich sagte mir: Belass es doch einfach dabei, zum Transen bin ich nach Kreuzberg. Passte gut, bis ich mich wieder verliebt habe....na ja, ich habe alles entsorgt, Abstinenz geschworen und wir hatten tolle Jahre. Wenn es mich zu sehr "gejuckt" hat, dann habe ich Kleider für meine Freundin gekauft und es genossen, wenn sie es für mich anzog....legendär war meine Strumpfhosenberatung im Kaufhof, sie hat nur noch den Kopf geschüttelt was ich alles wusste

Mist mir fallen immer sofort Geschichten ein, zweimal wurde ich doch rückfällig.....
Ich verdiente Geld mit Musik, und war in bis zu vier Bands gleichzeitig.......Da fragte mich eine Sängerin, ob ich mit ihr nicht zum internationalen Frauentag in ihrer Heimat Ingolstadt im Opernhaus auftreten möchte. Bedingung der Veranstalter: Es dürfen nur Frauen, oder Menschen die wie Frauen aussehen auf die Bühne. Mir standen die langen Haare kilometerweit zu Berge, die Gänsehaut spüre ich gerade auch wieder. Ich quetschte mir also ein möglichst beiläufiges: "Ja ok, mach ich auch.." heraus und war wenig später in meinem Second-Hand Laden.....Opernhaus = Abendkleid *hüpf, sing, spring* Ich erstand ein blaues glitzerndes Abendkleid, knielang, mit eingebautem Petticoat. Pumps in 42 waren damals schwer zu bekommen, aber ich fand silberne Riemchensandalen in 41......Schminke und Strumpfhose habe ich mit der Sängerin vor Ort gekauft, um auch sie zu überraschen, wie ich am Strumpfstand das passende ausgesucht habe

.....Sie war dann recht abgenervt, weil ich ewig gebraucht habe um mich zurecht zu machen. Beim Schminken hat sie mir geholfen und dann stand ich auf der Bühne....nein ich schwebte, ich war eine Prinzessin .... Wir sangen zweistimmige Balladen bzw. Duette und es war auch musikalisch ein voller Erfolg. Anschließend konnte ich noch lange mich im feinen Fummel neben all den anderen schicken Damen geniessen. TOLL!!!! Die Mutter der Sängerin sagte später lachend zu mir: "Ihr verdammten Kerle, selbst am Frauentag kommt ihr an und stehlt uns die Show".
Na ja, es gab dann noch einmal einen Auftritt, wo ich im Fummel Heavy Metal machen konnte.....ich wollte mich doch kurz fassen
Soviel zu den Zwei Rückfällen in 7 Jahren. Die Beziehung ging ganz doof in die Brüche und ich habe das Vertrauen verloren, daher bin ich seit dem alleine. Ist aber völlig ok für mich. Das Prinzip der zwei Welten habe ich wieder aufgegriffen. Sprich ich bin im Fummel aus dem Haus gegangen und nach Kreuzberg gefahren, oder als Mann in den anderen Gegenden. Da habe ich dann auch oft etwas ähnliches wie Uli gefühlt, aber Cybill hat es schön auf den Punkt gebracht. Es gibt für fast Alles eine passende Kleidung, ich gehe ja auch nicht im Blaumann ins Büro

Es ist oft schwer, die schönen Sachen links liegen zu lassen, aber ich freue mich dann umso mehr, wenn ich sie wieder anziehe. Manchmal will das Tinchen auch gar nicht raus....dann hat der Kerl in mir mehr Zeit
Ich bin nun erneut umgezogen und da bin ich nun zur Autotranse mutiert, das fertig gestylt aus dem Haus gehen vermisse ich zwar sehr, aber ich denke es ist so besser für mich und mein Umfeld. Es ist mir auch nicht wichtig, ob man mich nun für feige hält, weil ich mich nicht oute und so ein heimliches Doppelleben führe. Ich bin mit mir und dem Mädchen in mir im Reinen, das zählt für mich. Ich habe ja ein wenig ausprobieren können und so weiß ich, dass es mir anders nicht unbedingt besser gehen würde.
Wenn ich mich also auf "Werkseinstellung" zurücksetzen muss, dann überwiegt die Freude, dass die Sachen die ich ausziehe, bald wieder Verwendung finden.
LG Tina
P.S.: Oft beneide ich die Mädels die Dinge mit einem knackigen Satz auf den Punkt bringen können, während ich halbe Romane verfasse.
