Hallo Cybill, hallo zusammen,
vielen Dank für den Hinweis auf den Artikel. - Er ist zweifellos einVersuch, einen Weg aus dem bekannten Dilemma herauszufinden. Jedoch kann sich der Artikelschreiber nicht von den feminstischen Denkschablonen lösen, und zementiert so die schon viel zu oft wiederholten Stereotypen und Falschbehauptungen.
So lange man dem Beispiel insbesondere der lautstarken FeministInnen folgt, es ihnen gleich tut, Frauen und Männer auseinander dividiert, und die Männer direkt oder indirekt zum Bösen hochstilisiert, so lange kann es keine Enspannung geben. Das geht schon damit los, dass man aufhören muss, dem "Mann" die Alleinschuld an allem Übel dieser Welt qua Geschlecht zuzuweisen. Dem ist nicht so. Es war nicht "der Mann", sondern Einzelpersonen, die entsprechend gehandelt haben. Diese Einzelpersonen waren oft Männer, aber auch hinter diesen Männern standen zumeist Frauen. - Das Patriarchat ist keinesfalls das Schlaraffenland für Männer gewesen, so wie das immer wieder dargestellt wird. Ganz im Gegenteil war es für die allermeisten Männer ein enges Korsett und Hamsterrad. Sie hatten die alternativlose Aufgabe, ihre Familie, ihre Frau und die Kinder zu versorgen. Der Mann war formal der "Herr im Hause", aber noch die Generation meiner Großeltern und Eltern wusste/weiß ganz genau, dass die Frau zumeist viel mehr darüber bestimmte, was im Hause passierte. Sie flüsterte dem Mann ihre Entscheidungen ein, und gab ihm so das Gefühl des Handelns, deligierte aber zugleich auch die Verantwortung und Schuld an den Folgen an ihn. Oft wurde bei Familienfeieren nach reichlich Alkohol zu vorgerückter Stunde recht offen über die tatsächlichen Machtverhältnisse gesprochen, und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir als Kinder staunend die Ohren spitzten, wenn die Alten z.B. zu sagen pflegten: "Der Mann ist der Kopf, die Frau der Hals. Und so wie der Hals sich dreht, muss der Kopf mit!" Auch werden sich wohl noch einige von den älteren Semestern unter euch daran erinnern, wie es war, wenn wir als Kinder zu Hause irgendwas "ausgefressen" hatten, und die Mutter damit drohte: "Warte nur bis dein Vater nach Hause kommt!". Und wenn er dann kam, hat er seine Kinder erst freundlich begrüßt, aber 5 Minuten später, nach einer entsprechenden Instruktion durch die Mutter gab's eine fette Tracht Prügel. Da kann man dem Mann einzig vorwerfen, dass er sich hat instrumentalisieren lassen, während die Mutter rafiniert im Hintergrund blieb und auf unschuldig machte. Noch heute ist es so, dass in bestimmten Kulturkreisen, wo das Patriarchat weiter vorherrscht, es die Mütter sind, die durch ihr aktives, konkludentes Handeln für die Erhaltung des Status Quo sorgen. Die Mütter sind es, die ihre Söhne zu Machos erziehen, und ihre Töchter unterdrücken, denn es ist klar geregelt, dass Kindererziehung Frauensache ist.
Ich weiß, dass das mache nicht gerne lesen. Dennoch bin ich der Meinung, dass man die Probleme nicht auf die Weise lösen kann, auf die man es noch immer versucht. Man kann nicht ernsthaft erwarten, dass ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, dass Männer und Frauen aufeinander zugehen, wenn man ständig die Unterschiede betont, einseitige Schuldzuweisungen macht, und sie so gegeneinander aufhetzt. Das ist wie der Versuch, ein brennendes Haus zu löschen, in dem man so lange Brennmaterial nachlegt, bis der Sauerstoff aufgebraucht ist.
Michi
Edit: Typo