Rabea„Marie, die Geburt einer Frau
Verfasst: Fr 11. Aug 2017, 05:09
Hallo und einen wunderschönen Abend an alle Nachtschwärmer und Ladys
Ich möchte euch meine Geschichte erzählen.
Und naja, es wird wohl ein Roman... (Nachtrag, es IST ein Roman geworden und ich zolle jedem der sich die Zeit nimmt dies zu lesen höchsten Respekt und möchte meine Dankbarkeit aussprechen. Diese Zeilen hier nieder zu schreiben, hatte allein schon einen befreiende Wirkung)
Angefangen hat alles am letzten Samstag... Nein, angefangen hat alles viel früher, aber die Geschichte wird nicht in chronologischer Reihenfolge ablaufen.
Also zurück zu Samstag. Einer meiner besten Freunde ist zum zweiten Mal Vater geworden. Babypinkeln war angesagt! Nur die engesten Freunde und Väter waren auf der Party.
Der Alkoholpegel steigt stetig und als erstes das Gespräch mit meinem Schwager, dass es in meiner Ehe derzeit nicht besonders gut aussieht. Nach einigen vernünftigen Argumenten seinerseits wurde mir das erste mal bewusst, es ist nicht alles ihre Schuld... Engstirnig, egoistisch und reichlich spät, wurde mir schlagartig bewusst.
Mit der Mischung aus Schuldgefühlen und unzufriedenheit stieg der Alkoholpegel weiter. Unzufrieden? Nur wegen ihr? oder war da noch was anderes?
Ich hatte keine Ahnung...
Irgendwann stand ich alleine draußen, etwas weiter entfernt der anderen Feiernden. Meine zwei besten Freunde mit denen ich seit mehr als zwanzig Jahren befreundet bin kamen auf mich zu.
An dem Zeitpunkt war ich schon hacken stramm. Sie fragten mich ob alles ok sei... Nein nichts war ok, absolut nichts!
Es ging los... Es sprudelte aus mir heraus, irgendwas bahnte sich seinen Weg nach oben, ich wusste noch nicht was es war. Also erzählte ich alles einfach alles und wieder auch nichts, denn ich wusste selbst nicht was los war. Es vielen Wörter wie Identitätsstörung, A-Sexualität, ganze Sätze, ich fühle mich manchmal nicht männlich und auch nicht als Mann wahrgenommen. Jeans und Chucks find ich genauso komfortabel wie Rock und High Heels. Es wurde viel geredet ab da, leider kann ich mich nicht mehr an alles erinnern. Doch die wichtigen Dinge sind hängen geblieben. "Egal was du tust und was passiert wir bleiben immer deine Freunde!" und "Du MUSST mit deiner Frau darüber reden!"
Ja das stimmt muss ich... Aber wie? Leichter gesagt als getan, besonders in unserer momentanen Situation. Dazu später mehr...
Nun fing das Grübeln an und eine Erkenntnis zwang sich immer mehr auf. "Dir gehts nicht nur so schlecht weil eure Ehe gerade schwierig ist"
Ok kapiert, Einsicht ist der erste schritt zu Besserung. Besserung, ja es muss eine Besserung her. Also was tun? Psychologe! kam mir in den Sinn, was blieb mir auch anderes übrig, schließlich hatte ich mir nichts gebrochen oder ähnliches. Ok, ok ich überlegte, ziehen wir einen Psychologen in Betracht. Aber wegen was genau wollte ich mich behandeln lassen? Wegen ich weiß nicht was?
Ich ging in mich, dann, Smartphone Google! (Wow die heutige Generation!!!) Mit drei wahgen Suchbegriffen wie "Ich bin nicht ich" "Ich Mann und Frau" wühlte ich mich vorwärts und suchte hauptsächlich nach Medizienischen Berichten im Bereich der Psychologie. Von einer Seite zur nächsten und irgendwann, schlich sich ein Blog eines Crossdressers dazwischen. Crossdresser, hmm hab ich mich schon mal mit beschäftigt, Karneval, Schminktipps, MzF. Aber Crossdresser? Was hat das mit Psychologie zu tun? Mein Kenntnisstand war, dass dies viele als ein Hobby oder maximal noch als Fetisch bezeichnen.
Der angezeigte Leitsatz bei Google klang interessant, also was solls schau ich mir an... Aus "schau ich mir an" wurde, ich habe ALLES gelesen. Und dann noch einen, und dann fand ich dieses Forum hier und las und las und las...
Zeitsprung... Karneval 2016, mein Schwager hatte die Idee "Wir gehen alle zusammen! Männer als Frauen, Frauen als Männer!" Mein erster Gedanke, "Wow gabs noch nie..." und dann ein kichern in meinem Kopf "hihi das wird dir bestimmt Spaß machen" ein süffisantes Lächeln spiegelte sich hinter meiner Stirn. Ok also als Frau, hmm aber wenn schon Frau dann bitte die volle klitschee Frau, Kleid, High Heels, lange Haare, rote Haare, ich liebe rote Haare! Strümpfe! Oh Gott Strümpfe, (ich hab nen Strumpf-Fetisch, halterlos oder Straps, Strumpfhosen sind nicht so mein Ding) statt sie nur anzufassen würde ich wissen wie es sich anfühlt selbst welche zu tragen! Eine unbekannte und ich gebe zu erregende Vorfreude entwickelte sich.
Die ganze Sache bekam dann einen unglaublich euphorischen Schwung. Mein erstes "Teil" was ich mir zulegte waren Schuhe, meine Mutter sagte früher immer "Übermut tut selten gut" dieser Satz sollte mich später, mit meinen 10cm hohen bordeaux roten High Heels noch einholen... Ab zum Tamaris, Größe 40 im Sale, gekauft. Ich trage eigentlich 41, aber nur weil ich so quadrat Latschen hab... Meine Frau sagte, "kauf ne Nummer kleiner du musst Halt haben!"
Stolz zeigte ich meiner Frau die Schuhe, sie sagt "schön, würde ich auch tragen" ich freute mich! Sie ist sehr modebewusst und hat einen tollen Kleidungstil! Sie kriegt "unnahbar" und gleichzeitig "aufreizend" hin, sie wird nie angesprochen, die Männer haben angst, aber man sieht an ihren Gesichtern, sie würden gerne! Ich liebe meine Frau! Aber ich schweife ab...
Ok da stand ich nun mit meinen "Hacken" noch nie High Heels angehabt also musste ich laufen üben, zuhause, meine Frau hat mir geholfen. Sie wollte schließlich auch nicht mit mir und nem gebrochenen Knöchel ins Krankenhaus wenn an Karneval dann der Alkohol dazu kam. Laufen üben hat Spaß gemacht, ich zog sie öfter und gerne an. "Natürlich zum üben!" Strümpfe trug ich dabei dann auch schon, ohne kam ich nicht in den Schuh, an den Seiten zu eng. Achja Strümpfe, tolles gefühl auf der Haut!
Aus der Schuh ist zu eng wurde mit der Zeit leider, der Schuh ist zu groß (von der Länge her).
Alle weiteren Einkäufe erledigte ich zusammen mit meiner Frau, sie war die Stimme der Vernunft, ich war... "Nein kürzer, nee noch kürzer, mehr, mehr mehr" die Stimme der Vernunft hatte gesiegt, zum Glück, das brauchte ich auch.
Karneval stand an, ich in voller Montur, schwarzes Kleid bis zu den Knien, lange bordeaux rote Haare, imitierte Brüste, schwarze Strümpfe und meine zu großen Schuhe... Meine Frau hat mich geschminkt, fürs erste mal als Frau wars Ok, mir persönlich sah man noch zuviel Mann... Aber es war Karneval und wir wollten Spaß haben und nicht meckern.
Spaß hatte ich auch, mehr als alle anderen! Allerdings auch zum Leid meiner Frau, als nach Stunden tanzen auf ungewohnten Schuhen meine Beine nachgaben und sie mich aufgefangen hat.
Dabei hat sie sich eine Zerrung im Rücken zugezogen und musste sich sogar einige Tage krankschreiben lassen. All der Spaß den wir hatten war vergessen, naja verständlich und es tat mir so unendlich Leid dass sie nun schmerzen wegen mir hatte! Der Satz meiner Mutter halte in meinem Kopf wider... Letzter Kommentar ihrerseits war dann "Du ziehst nie wieder High Heels an!"
Autsch das tat irgendwie weh, aber diese meine Reaktion genauso der Spaß den ich hatte ,konnte ich damals noch nicht richtig einordnen. Ich schob es auf meinen "Strumpf-Fetisch" und das Gefühl auf der Haut wenn man selbst welche trägt.
Es vergingen dann einige Wochen und meine Frau ging wieder arbeiten. An vielen Nachmittagen war ich alleine zuhause und dachte an meine Schuhe, an meine Strümpfe, meine Perrücke und das Kleid. Alles hatten wir aufgehoben. Hin und wieder konnte ich nicht anders und zog etwas davon an. Und es gefiel mir, wieder... Die ersten Gedanken fanden einzug "Bist du Pervers?"
"Bist du Schwul?" , ich dachte an meine Frau, in Dessous, ich war erregt. Dann hab ichs ausprobiert, ich dachte an nackte Männer, ich versuchte mir vorzustellen Sex mit einem Mann zu haben. Es blieb bei dem Versuch und es schüttelte mich. Nein, schwul war ich nicht! Dann doch "Pervers"? Ich bekam ein schlechtes gewissen und zog alles ganz schnell aus. Dieser Vorgang wiederholte sich dann doch einige Male (außer die nackten Männer, die hatte ich abgehakt) Immernoch ahnte ich nicht zu welcher Erkenntnis ich noch kommen würde und schob alles auf meinen Fetisch.
Mein Frau wurde Schwanger! Wir waren so glücklich, so unglaublich glücklich! Unser kleines Mädchen und Papa's ganzer Stolz war unterwegs!
Leider hatte meine Frau keine schöne Schwangerschaft und schon sehr früh arge Probleme und starke Schmerzen. Nach 6 Wochen hat ihre Ärztin sie freigestellt. Sie war nun den ganzen Tag zuhause und mit Kleid, Schuhe etc. tragen war nun nichts mehr...
Sie wurde ein anderer Mensch, ständige Schmerzen, der Entzug (Sie hat sofort aufgehört zu rauchen), das Gefühl zuhause gefangen zu sein machten aus meiner starken und lebensfrohen Frau, (und nun entschuldige mein Schatz für diesen Ausdruck) ein Wrack.
Unter all dem litt nicht nur sie sehr sondern auch ich, außerdem litt ich auch noch unter mir selbst. Ich fühlte mich, ich glaube eingeschlossen trifft es recht gut. Ich konnte ihr nicht die Unterstützung geben die sie brauchte und auch verdient hatte. Ich habe sie nicht völlig vernachlässigt aber ich hätte mehr tun können, nein ich hätte mehr tun MÜSSEN!
Zwischen all dies schob sich dann auch noch ein Bewerbungsverfahren, welches für uns beide sehr nervenaufreiben war. Nicht nur wegen seiner Dauer sondern auch wegen dem großen finanziellen Zugewinn, der für uns mit demnächst nur noch einem Gehalt so wichtig war. (Das ganze zog sich ein halbe Jahr hin, war dann aber zum Glück auch erfolgreich)
2016 bestand zu dreivierteln aus Leid, Schmerz und Streit. Einziger Lichtblick war unsere geliebte Tochter und unser Wille zu kämpfen, aneinader festzuhalten!
Hallooween rückte näher... Meine Frau konnte nicht, sie war schon im 7. Monat. Sie sagte ich solle feiern mal wieder außer Haus kommen. Hab ich schon erwähnt dass ich meine Frau liebe?
(Eine Freundin ist gefahren und wir waren nicht zu weit weg, ich hätte also jederzeit zu ihr zurück gekonnt)
Als was gehst du? Es machte "klick" in meinem Kopf, es folgte etwas dass sich wie ein Befreiungsschlag anfühlte... Natürlich als Frau!
Ok aber nur Frau, hatten wir ja schon. Ich wollte es schmutziger... Krankenschwester!
Ohne meine Stimmer der Vernunft, danke mein Schatz, wäre ich als und jetzt verzeiht bitte den Ausdruck, Krankenschwesternutte gegangen.
Das schlimmste war, es war Halloween und ich wollte hübsch aussehen, nein nicht gruselig ich wollte hübsch aussehen! An Halloween...
Meine Ausrede war "jeder der entdeckt dass ich ein Mann bin, gruselt sich schon genug!" Aber ich wollte nicht entdeckt werden. Das Passing musste besser sein als Karneval (den Ausdruck kannte ich da noch nicht)
Ich wurde nervig für meine Frau... Ich schaute zig Videos in denen sich Männer schminkten und hinterher zu 100% als Frau durchgingen, das wollte ich auch! Schminktipps hier, Schminktipps da. Ich brauche dies um das abzudecken, dann noch jenes damit alles hält. Und dann noch das, das, das, und das!
Sie sagte "warum soll ich dich nicht wieder wie zu Karneval schminken? Du hast gut ausgesehen!" Sie sagte "ich mach keine Nutte aus dir!"
Ich wurde gemein, weil ich es nuttig wollte in meinem Überschwang! Ich sagte: "Ok dann schminkt mich eben Sahra (name fiktiv) dieses mal und nicht du!"
Sie war geknickt, zurecht und im nachhinein betrachtet hab ich mir selbst Steine in den Weg gelegt, wenn nicht sogar Brücken eingerissen.
Am Halloween Abend hat sie mich dann doch geschminkt. Es wurde besser als an Karneval ich gefiel mir besser. Ich hab mich wieder wohlgefühlt. Ich schaute in den Spiegel und ich gefiel mir. Trotzdem hatte ich irgendwie im Hinterkopf, dass muss noch besser gehen, sagte aber nichts ich wollte sie nicht nochmal oder mehr kränken...
Dieser kleine Hintergedanke führte dann dazu dass ich fast den ganzen Abend mit meinen Freunden nur über Kopfnicken kommuniziert habe oder nur sehr leise... Denn, meine Stimme! Ich wollte nicht enttarnt werden... Hat geklappt wurde ich nicht, glaube ich... Nüchtern betrachtet hats wohl nur teilweise geklappt. Zumindest wurde ich zwei mal angebaggert und auch da nickte ich wieder nur, hat nicht soviel Spaß gemacht, also der ganze Abend. Zwar genoss ich es als Frau unterwegs zu sein, aber mir fehlte auch MEINE Frau, mit ihr zusammen war ich unbefangener, mir war es egal ob ich entdeckt wurde. Angebaggert werden hat noch viel weniger Spaß gemacht, außer meiner Clique, die hatten Spaß dabei... Aber ich weiß jetzt wie sich Frauen fühlen wenn sie von betrunkenen Grobianen "bedrängt" werden.
Halloween war vorbei, das Kostüm landete zum anderen im Ankleidezimmer...
Dann bekam ich wieder einen Schlag versetzt, meine Frau... Ihre Worte waren "So das reicht jetzt aber auch mit den Frauenverkleidungen, das war das letzte mal. Wir bekommen jetzt ein kleines Kind und sie muss dich so nicht sehen."
Ok sie hat recht, die Kleine muss das nicht sehen, aber nie wieder? Zum ersten Mal fing ich an, an eine weibliche Seite von mir zu denken.
Ich wollte erstmal nicht aufgeben. Ich fing an Anspielungen zu machen, sachen wie "Ich könnte auch mal deine beste Freundin sein" sie blockte alles ab, sie konterte immer wieder mit Dingen wie "Ich habe einen Mann geheiratet, keine Frau"
Tja was soll ich sagen sie hat ja recht damit. Ich fand keinen Weg, außerdem konnte ich mich ja auch immernoch nicht selbst definieren, ich verspürte nur diesen... Drang...
Mir viel auch beim besten Willen nicht ein wie ich mit dem Argument "Drang" vernünftig argumentieren sollte.
Also ließ ich es, ich verdrängte alles. Oder zumindest versuchte ich es, hat nicht ganz geklappt, alles spielte sich dann allerdings nur noch hin und wieder in meinem Kopf ab.
Und dann gings weiter...
Unsere Tochter kam zur Welt und mit einem mal waren der Drang die Fantasien verschwunden. Puff, weg!
Wir waren soooooo Glücklich, dieses kleine zauberhafte Wesen, dieses Wunder der Natur! Meine Frau hat mir ein bildhübsches Mädchen geschenkt! Papa hat geweint vor Stolz und Glück.
Dann kamen neue schwierige Zeiten... Ich hatte den neuen Job, ich war in der ersten Zeit viel unterwegs, war mehr arbeiten als zuhause. Schlechter Zeitpunkt, aber für unsere Zukunft war der neue Job wichtig. Es wurde zu einer hart umkämpften Zukunft.
Das Spiel in der Schwangerschaft fing an sich zu wiederholen, für mich fühlte es sich so an als müsste ich alles alleine bewältigen.
Die Harmonie zuhause ging erneut verloren... Unser zusammenleben bestand nur noch aus Streit, meckern und ignorieren.
Dann kam der Abend des Babypinkelns, die selbstrecherche und dieses Forum mit all den Information...
Augenblicklich schossen Erinnrungen in meinen Kopf aus meiner Kindheit, irgendwie muss ich die verdrängt haben. Erinnerungen wie ich sie von vielen von euch hier schon gelesen habe. Als ich klein war, hab ich auch heimlich Muttis Strumpfhosen getragen und das Gefühl genossen ein paar male hab ich auch ein Kleid angezogen. Beim spielen mit anderen Kindern hab ich auch hin und wieder eine weibliche Rolle eingenommen.
Ich spiele leidenschaftlich gerne PC oder PS4 auch da wähle ich oft einen weiblichen Charakter, Ok das tun vielleicht viele aber hier passt es so gut ins Bild...
Etwas begann sich zu regen in meinem Kopf und dann sagte jemand "Schön dass du mich endlich wahrnimmst, jetzt gib mir doch bitte noch einen Namen"
Rabea-Marie war geboren...
Ich möchte euch meine Geschichte erzählen.
Und naja, es wird wohl ein Roman... (Nachtrag, es IST ein Roman geworden und ich zolle jedem der sich die Zeit nimmt dies zu lesen höchsten Respekt und möchte meine Dankbarkeit aussprechen. Diese Zeilen hier nieder zu schreiben, hatte allein schon einen befreiende Wirkung)
Angefangen hat alles am letzten Samstag... Nein, angefangen hat alles viel früher, aber die Geschichte wird nicht in chronologischer Reihenfolge ablaufen.
Also zurück zu Samstag. Einer meiner besten Freunde ist zum zweiten Mal Vater geworden. Babypinkeln war angesagt! Nur die engesten Freunde und Väter waren auf der Party.
Der Alkoholpegel steigt stetig und als erstes das Gespräch mit meinem Schwager, dass es in meiner Ehe derzeit nicht besonders gut aussieht. Nach einigen vernünftigen Argumenten seinerseits wurde mir das erste mal bewusst, es ist nicht alles ihre Schuld... Engstirnig, egoistisch und reichlich spät, wurde mir schlagartig bewusst.
Mit der Mischung aus Schuldgefühlen und unzufriedenheit stieg der Alkoholpegel weiter. Unzufrieden? Nur wegen ihr? oder war da noch was anderes?
Ich hatte keine Ahnung...
Irgendwann stand ich alleine draußen, etwas weiter entfernt der anderen Feiernden. Meine zwei besten Freunde mit denen ich seit mehr als zwanzig Jahren befreundet bin kamen auf mich zu.
An dem Zeitpunkt war ich schon hacken stramm. Sie fragten mich ob alles ok sei... Nein nichts war ok, absolut nichts!
Es ging los... Es sprudelte aus mir heraus, irgendwas bahnte sich seinen Weg nach oben, ich wusste noch nicht was es war. Also erzählte ich alles einfach alles und wieder auch nichts, denn ich wusste selbst nicht was los war. Es vielen Wörter wie Identitätsstörung, A-Sexualität, ganze Sätze, ich fühle mich manchmal nicht männlich und auch nicht als Mann wahrgenommen. Jeans und Chucks find ich genauso komfortabel wie Rock und High Heels. Es wurde viel geredet ab da, leider kann ich mich nicht mehr an alles erinnern. Doch die wichtigen Dinge sind hängen geblieben. "Egal was du tust und was passiert wir bleiben immer deine Freunde!" und "Du MUSST mit deiner Frau darüber reden!"
Ja das stimmt muss ich... Aber wie? Leichter gesagt als getan, besonders in unserer momentanen Situation. Dazu später mehr...
Nun fing das Grübeln an und eine Erkenntnis zwang sich immer mehr auf. "Dir gehts nicht nur so schlecht weil eure Ehe gerade schwierig ist"
Ok kapiert, Einsicht ist der erste schritt zu Besserung. Besserung, ja es muss eine Besserung her. Also was tun? Psychologe! kam mir in den Sinn, was blieb mir auch anderes übrig, schließlich hatte ich mir nichts gebrochen oder ähnliches. Ok, ok ich überlegte, ziehen wir einen Psychologen in Betracht. Aber wegen was genau wollte ich mich behandeln lassen? Wegen ich weiß nicht was?
Ich ging in mich, dann, Smartphone Google! (Wow die heutige Generation!!!) Mit drei wahgen Suchbegriffen wie "Ich bin nicht ich" "Ich Mann und Frau" wühlte ich mich vorwärts und suchte hauptsächlich nach Medizienischen Berichten im Bereich der Psychologie. Von einer Seite zur nächsten und irgendwann, schlich sich ein Blog eines Crossdressers dazwischen. Crossdresser, hmm hab ich mich schon mal mit beschäftigt, Karneval, Schminktipps, MzF. Aber Crossdresser? Was hat das mit Psychologie zu tun? Mein Kenntnisstand war, dass dies viele als ein Hobby oder maximal noch als Fetisch bezeichnen.
Der angezeigte Leitsatz bei Google klang interessant, also was solls schau ich mir an... Aus "schau ich mir an" wurde, ich habe ALLES gelesen. Und dann noch einen, und dann fand ich dieses Forum hier und las und las und las...
Zeitsprung... Karneval 2016, mein Schwager hatte die Idee "Wir gehen alle zusammen! Männer als Frauen, Frauen als Männer!" Mein erster Gedanke, "Wow gabs noch nie..." und dann ein kichern in meinem Kopf "hihi das wird dir bestimmt Spaß machen" ein süffisantes Lächeln spiegelte sich hinter meiner Stirn. Ok also als Frau, hmm aber wenn schon Frau dann bitte die volle klitschee Frau, Kleid, High Heels, lange Haare, rote Haare, ich liebe rote Haare! Strümpfe! Oh Gott Strümpfe, (ich hab nen Strumpf-Fetisch, halterlos oder Straps, Strumpfhosen sind nicht so mein Ding) statt sie nur anzufassen würde ich wissen wie es sich anfühlt selbst welche zu tragen! Eine unbekannte und ich gebe zu erregende Vorfreude entwickelte sich.
Die ganze Sache bekam dann einen unglaublich euphorischen Schwung. Mein erstes "Teil" was ich mir zulegte waren Schuhe, meine Mutter sagte früher immer "Übermut tut selten gut" dieser Satz sollte mich später, mit meinen 10cm hohen bordeaux roten High Heels noch einholen... Ab zum Tamaris, Größe 40 im Sale, gekauft. Ich trage eigentlich 41, aber nur weil ich so quadrat Latschen hab... Meine Frau sagte, "kauf ne Nummer kleiner du musst Halt haben!"
Stolz zeigte ich meiner Frau die Schuhe, sie sagt "schön, würde ich auch tragen" ich freute mich! Sie ist sehr modebewusst und hat einen tollen Kleidungstil! Sie kriegt "unnahbar" und gleichzeitig "aufreizend" hin, sie wird nie angesprochen, die Männer haben angst, aber man sieht an ihren Gesichtern, sie würden gerne! Ich liebe meine Frau! Aber ich schweife ab...
Ok da stand ich nun mit meinen "Hacken" noch nie High Heels angehabt also musste ich laufen üben, zuhause, meine Frau hat mir geholfen. Sie wollte schließlich auch nicht mit mir und nem gebrochenen Knöchel ins Krankenhaus wenn an Karneval dann der Alkohol dazu kam. Laufen üben hat Spaß gemacht, ich zog sie öfter und gerne an. "Natürlich zum üben!" Strümpfe trug ich dabei dann auch schon, ohne kam ich nicht in den Schuh, an den Seiten zu eng. Achja Strümpfe, tolles gefühl auf der Haut!
Aus der Schuh ist zu eng wurde mit der Zeit leider, der Schuh ist zu groß (von der Länge her).
Alle weiteren Einkäufe erledigte ich zusammen mit meiner Frau, sie war die Stimme der Vernunft, ich war... "Nein kürzer, nee noch kürzer, mehr, mehr mehr" die Stimme der Vernunft hatte gesiegt, zum Glück, das brauchte ich auch.
Karneval stand an, ich in voller Montur, schwarzes Kleid bis zu den Knien, lange bordeaux rote Haare, imitierte Brüste, schwarze Strümpfe und meine zu großen Schuhe... Meine Frau hat mich geschminkt, fürs erste mal als Frau wars Ok, mir persönlich sah man noch zuviel Mann... Aber es war Karneval und wir wollten Spaß haben und nicht meckern.
Spaß hatte ich auch, mehr als alle anderen! Allerdings auch zum Leid meiner Frau, als nach Stunden tanzen auf ungewohnten Schuhen meine Beine nachgaben und sie mich aufgefangen hat.
Dabei hat sie sich eine Zerrung im Rücken zugezogen und musste sich sogar einige Tage krankschreiben lassen. All der Spaß den wir hatten war vergessen, naja verständlich und es tat mir so unendlich Leid dass sie nun schmerzen wegen mir hatte! Der Satz meiner Mutter halte in meinem Kopf wider... Letzter Kommentar ihrerseits war dann "Du ziehst nie wieder High Heels an!"
Autsch das tat irgendwie weh, aber diese meine Reaktion genauso der Spaß den ich hatte ,konnte ich damals noch nicht richtig einordnen. Ich schob es auf meinen "Strumpf-Fetisch" und das Gefühl auf der Haut wenn man selbst welche trägt.
Es vergingen dann einige Wochen und meine Frau ging wieder arbeiten. An vielen Nachmittagen war ich alleine zuhause und dachte an meine Schuhe, an meine Strümpfe, meine Perrücke und das Kleid. Alles hatten wir aufgehoben. Hin und wieder konnte ich nicht anders und zog etwas davon an. Und es gefiel mir, wieder... Die ersten Gedanken fanden einzug "Bist du Pervers?"
"Bist du Schwul?" , ich dachte an meine Frau, in Dessous, ich war erregt. Dann hab ichs ausprobiert, ich dachte an nackte Männer, ich versuchte mir vorzustellen Sex mit einem Mann zu haben. Es blieb bei dem Versuch und es schüttelte mich. Nein, schwul war ich nicht! Dann doch "Pervers"? Ich bekam ein schlechtes gewissen und zog alles ganz schnell aus. Dieser Vorgang wiederholte sich dann doch einige Male (außer die nackten Männer, die hatte ich abgehakt) Immernoch ahnte ich nicht zu welcher Erkenntnis ich noch kommen würde und schob alles auf meinen Fetisch.
Mein Frau wurde Schwanger! Wir waren so glücklich, so unglaublich glücklich! Unser kleines Mädchen und Papa's ganzer Stolz war unterwegs!
Leider hatte meine Frau keine schöne Schwangerschaft und schon sehr früh arge Probleme und starke Schmerzen. Nach 6 Wochen hat ihre Ärztin sie freigestellt. Sie war nun den ganzen Tag zuhause und mit Kleid, Schuhe etc. tragen war nun nichts mehr...
Sie wurde ein anderer Mensch, ständige Schmerzen, der Entzug (Sie hat sofort aufgehört zu rauchen), das Gefühl zuhause gefangen zu sein machten aus meiner starken und lebensfrohen Frau, (und nun entschuldige mein Schatz für diesen Ausdruck) ein Wrack.
Unter all dem litt nicht nur sie sehr sondern auch ich, außerdem litt ich auch noch unter mir selbst. Ich fühlte mich, ich glaube eingeschlossen trifft es recht gut. Ich konnte ihr nicht die Unterstützung geben die sie brauchte und auch verdient hatte. Ich habe sie nicht völlig vernachlässigt aber ich hätte mehr tun können, nein ich hätte mehr tun MÜSSEN!
Zwischen all dies schob sich dann auch noch ein Bewerbungsverfahren, welches für uns beide sehr nervenaufreiben war. Nicht nur wegen seiner Dauer sondern auch wegen dem großen finanziellen Zugewinn, der für uns mit demnächst nur noch einem Gehalt so wichtig war. (Das ganze zog sich ein halbe Jahr hin, war dann aber zum Glück auch erfolgreich)
2016 bestand zu dreivierteln aus Leid, Schmerz und Streit. Einziger Lichtblick war unsere geliebte Tochter und unser Wille zu kämpfen, aneinader festzuhalten!
Hallooween rückte näher... Meine Frau konnte nicht, sie war schon im 7. Monat. Sie sagte ich solle feiern mal wieder außer Haus kommen. Hab ich schon erwähnt dass ich meine Frau liebe?
(Eine Freundin ist gefahren und wir waren nicht zu weit weg, ich hätte also jederzeit zu ihr zurück gekonnt)
Als was gehst du? Es machte "klick" in meinem Kopf, es folgte etwas dass sich wie ein Befreiungsschlag anfühlte... Natürlich als Frau!
Ok aber nur Frau, hatten wir ja schon. Ich wollte es schmutziger... Krankenschwester!
Ohne meine Stimmer der Vernunft, danke mein Schatz, wäre ich als und jetzt verzeiht bitte den Ausdruck, Krankenschwesternutte gegangen.
Das schlimmste war, es war Halloween und ich wollte hübsch aussehen, nein nicht gruselig ich wollte hübsch aussehen! An Halloween...
Meine Ausrede war "jeder der entdeckt dass ich ein Mann bin, gruselt sich schon genug!" Aber ich wollte nicht entdeckt werden. Das Passing musste besser sein als Karneval (den Ausdruck kannte ich da noch nicht)
Ich wurde nervig für meine Frau... Ich schaute zig Videos in denen sich Männer schminkten und hinterher zu 100% als Frau durchgingen, das wollte ich auch! Schminktipps hier, Schminktipps da. Ich brauche dies um das abzudecken, dann noch jenes damit alles hält. Und dann noch das, das, das, und das!
Sie sagte "warum soll ich dich nicht wieder wie zu Karneval schminken? Du hast gut ausgesehen!" Sie sagte "ich mach keine Nutte aus dir!"
Ich wurde gemein, weil ich es nuttig wollte in meinem Überschwang! Ich sagte: "Ok dann schminkt mich eben Sahra (name fiktiv) dieses mal und nicht du!"
Sie war geknickt, zurecht und im nachhinein betrachtet hab ich mir selbst Steine in den Weg gelegt, wenn nicht sogar Brücken eingerissen.
Am Halloween Abend hat sie mich dann doch geschminkt. Es wurde besser als an Karneval ich gefiel mir besser. Ich hab mich wieder wohlgefühlt. Ich schaute in den Spiegel und ich gefiel mir. Trotzdem hatte ich irgendwie im Hinterkopf, dass muss noch besser gehen, sagte aber nichts ich wollte sie nicht nochmal oder mehr kränken...
Dieser kleine Hintergedanke führte dann dazu dass ich fast den ganzen Abend mit meinen Freunden nur über Kopfnicken kommuniziert habe oder nur sehr leise... Denn, meine Stimme! Ich wollte nicht enttarnt werden... Hat geklappt wurde ich nicht, glaube ich... Nüchtern betrachtet hats wohl nur teilweise geklappt. Zumindest wurde ich zwei mal angebaggert und auch da nickte ich wieder nur, hat nicht soviel Spaß gemacht, also der ganze Abend. Zwar genoss ich es als Frau unterwegs zu sein, aber mir fehlte auch MEINE Frau, mit ihr zusammen war ich unbefangener, mir war es egal ob ich entdeckt wurde. Angebaggert werden hat noch viel weniger Spaß gemacht, außer meiner Clique, die hatten Spaß dabei... Aber ich weiß jetzt wie sich Frauen fühlen wenn sie von betrunkenen Grobianen "bedrängt" werden.
Halloween war vorbei, das Kostüm landete zum anderen im Ankleidezimmer...
Dann bekam ich wieder einen Schlag versetzt, meine Frau... Ihre Worte waren "So das reicht jetzt aber auch mit den Frauenverkleidungen, das war das letzte mal. Wir bekommen jetzt ein kleines Kind und sie muss dich so nicht sehen."
Ok sie hat recht, die Kleine muss das nicht sehen, aber nie wieder? Zum ersten Mal fing ich an, an eine weibliche Seite von mir zu denken.
Ich wollte erstmal nicht aufgeben. Ich fing an Anspielungen zu machen, sachen wie "Ich könnte auch mal deine beste Freundin sein" sie blockte alles ab, sie konterte immer wieder mit Dingen wie "Ich habe einen Mann geheiratet, keine Frau"
Tja was soll ich sagen sie hat ja recht damit. Ich fand keinen Weg, außerdem konnte ich mich ja auch immernoch nicht selbst definieren, ich verspürte nur diesen... Drang...
Mir viel auch beim besten Willen nicht ein wie ich mit dem Argument "Drang" vernünftig argumentieren sollte.
Also ließ ich es, ich verdrängte alles. Oder zumindest versuchte ich es, hat nicht ganz geklappt, alles spielte sich dann allerdings nur noch hin und wieder in meinem Kopf ab.
Und dann gings weiter...
Unsere Tochter kam zur Welt und mit einem mal waren der Drang die Fantasien verschwunden. Puff, weg!
Wir waren soooooo Glücklich, dieses kleine zauberhafte Wesen, dieses Wunder der Natur! Meine Frau hat mir ein bildhübsches Mädchen geschenkt! Papa hat geweint vor Stolz und Glück.
Dann kamen neue schwierige Zeiten... Ich hatte den neuen Job, ich war in der ersten Zeit viel unterwegs, war mehr arbeiten als zuhause. Schlechter Zeitpunkt, aber für unsere Zukunft war der neue Job wichtig. Es wurde zu einer hart umkämpften Zukunft.
Das Spiel in der Schwangerschaft fing an sich zu wiederholen, für mich fühlte es sich so an als müsste ich alles alleine bewältigen.
Die Harmonie zuhause ging erneut verloren... Unser zusammenleben bestand nur noch aus Streit, meckern und ignorieren.
Dann kam der Abend des Babypinkelns, die selbstrecherche und dieses Forum mit all den Information...
Augenblicklich schossen Erinnrungen in meinen Kopf aus meiner Kindheit, irgendwie muss ich die verdrängt haben. Erinnerungen wie ich sie von vielen von euch hier schon gelesen habe. Als ich klein war, hab ich auch heimlich Muttis Strumpfhosen getragen und das Gefühl genossen ein paar male hab ich auch ein Kleid angezogen. Beim spielen mit anderen Kindern hab ich auch hin und wieder eine weibliche Rolle eingenommen.
Ich spiele leidenschaftlich gerne PC oder PS4 auch da wähle ich oft einen weiblichen Charakter, Ok das tun vielleicht viele aber hier passt es so gut ins Bild...
Etwas begann sich zu regen in meinem Kopf und dann sagte jemand "Schön dass du mich endlich wahrnimmst, jetzt gib mir doch bitte noch einen Namen"
Rabea-Marie war geboren...
