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Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Do 3. Aug 2017, 12:25
von Dolores59
In der Walsroder Zeitung von Montag, dem 31.Juli gefunden:

Amsterdam will geschlechtsspezifische Begriffe aus dem Sprachgebrauch verbannen

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://i11.servimg.com/u/f11/18/64/71/84/amster10.jpg


Habe den Artikel nur als gescannte Hardcopy.

LG
Dolores
(Ein Mensch, der wie ein Mann aussieht und Kleidung trägt, die für Menschen gemacht ist, die wie Frauen aussehen.)

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Do 3. Aug 2017, 23:50
von Michi
Zitat aus dem Zeitungsartikel:
Aber man muss doch noch sagen können: Das ist ein Mann. Das ist eine Frau.
Das zeigt mir deutlich, dass die Abgeordnete der Christdemokaten nicht mal ansatzweise begriffen hat, dass sie völlig ohne Grund eine Fremdzuweisung macht.

Liebe Grüße
Michi

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 08:58
von Dolores59
Auf Grundlage der Richtlinien aus Amsterdam versuche ich mich genderfrei zu beschreiben:

Ein Mensch, der wie ca. 49,3%* der Menschen in Deutschland aussieht und Kleidung trägt, die für ca. 50,7%* der Menschen in Deutschland vorgesehen ist.

*Stand 2015

Wer bei die geschlechtsspezifischen Termini abschaffen will (wozu?), sollte in der Beschreibung von Leuten diese konsequenterweise gar nicht verwenden.

Mit satirischen und freiheitsliebenden Grüßen
Dolores
(Der sich, obwohl Deutscher, nicht vom Staat vorschreiben lässt, was er zu sagen hat oder nicht.)

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 10:05
von Ulrike-Marisa
Hallo,
...also bei Asterix und Obelix hieß das früher: die spinnen die Römer.
So zumindest kommt mir ein derartiges Ansinnen vor. Wer soll da einen Vorteil davon haben oder was soll da vorteilhaft sein - sicher, alles eine Sache der Gewöhnung, aber???
Der 1. April war gefühlt doch schon.

Beste Grüße, Ulrike-Marisa

...ich bin nicht das, was andere in mir zu sehen glauben und mehrheitsfähig schon gar nicht... :wink:

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 11:36
von Julia93
Muss sagen, ich seh es auch eher zwiegespalten.
Klar sollte man anerkennen, dass jemand, der sich als Frau kleidet und so auch herumläuft als Frau wahrgenommen werden sollte
und ebenso sollte man auch einen Mann als solchen anerkennen, wenn er als Mann herumläuft.

Was allerdings in Amsterdam geschieht, stößt allerdings hierzulande sauer unter einem Großteil der Bevölkerung auf.
Und damit meine ich nicht die konservativen Leute außerhalb des Internets, sondern auch einen Großteil von Jugendlichen & Studenten,
die sich gegen den Genderwahn stellen, der von SJWs & Feministinnen diesbezüglich betrieben wird.
Und darunter befinden sich ebenfalls Transleute, Schwule sowie andere Mitglieder der LGBT-Szene, die das Ganze wie ich nicht förderlich finden.
Insofern, eine klare Mehrheit ist dagegen, und das, obwohl sie Leute wie uns durchaus akzeptieren kann und damit kein Problem hat, dass Transleute
existieren.

Womit man aber ein Problem hat ist, wie Delfinium schön gesagt hat, das Gender als nicht-existentes soziales Konstrukt zu verkaufen,
obwohl das wissenschaftlich genauso förderlich ist wie zu sagen, dass die Erde eine Scheibe ist oder in Wahrheit hohl sei.
Niemanden von uns ist geholfen, wenn wir Geschlechter 'abzuschaffen' versuchen, nur weil wir als Minderheit versuchen die gesamte Gesellschaft
auf den Kopf zu stellen. Zumal es bedenklich ist, dass ausgerechnet Feministen dann daher kommen und versuchen diese Ideologie vehement
zu verbreiten und im selben Atemzug sagen, dass unser 'Feind' der weiße männliche Cis-Mann sei, der die Ideale des 'Patriachats' lebt.
Das Patriachat.
In einer Bundesrepublik, die wohlbemerkt von einer KanzlerIN regiert wird,
wo eine Frau von der Leyen das Verteidigungsministerium leitet
und wo Frauen auch in der Buisenesswelt durchaus in Machtpositionen vertreten sind.

Insofern, wieso fallen wir eigentlich auf diese Irrläufer innerhalb der LGBT-Szene herein?
LGBT sollte für Toleranz, Akzeptanz und Verständnis stehen - nicht nur innerhalb der eigenen Szene, sondern für alle Menschen.
Also auch Cis-Menschen, für die Transleute mittlerweile kein Novum mehr sind, sondern durchaus auch Leute, die sie so auch im öffentlichen Leben
akzeptieren und respektieren können. Es wird nicht immer gesagt, wird auch nicht immer gelebt, weil die Auseinandersetzung mit der Thematik oftmals
eher im kleinen Kreise stattfindet - aber es gibt diese toleranten Menschen unter uns.
Klar gibt es natürlich auch diejenigen, die versuchen das trans-Sein abzusprechen, aus welchen Motiven auch immer.
Aber das sind unsichtbare Gegner. Leute, mit denen man meistens ohnehin nichts zu tun hat,
Leute, deren Religion und Glaubensgemeinschaft schon vorgibt, dass Gewalt gegenüber Schwulen und queeren Menschen durchaus mit Verständnis abgenickt wird
(ja, ich schaue dabei explizit auf den Islam, wo offen zugegeben wird, dass man uns nicht toleriert),
Leute, die generell die Gesellschaft in allen Facetten verachten...
die Liste ist lang.
Und ist ethnisch so facettenreich, dass man es nicht einfach auf 'das Patriachat' oder 'die Gesellschaft' abmünzen kann!

Insofern, irgendwo hoffe ich, dass wir eines Tages das Schubladendenken aufgeben und der Fokus der Bemühungen eher darauf hinausläuft,
dass Transgender besser in der Gesellschaft ankommen und wir zeigen können, dass wir keine Sonderbehandlung brauchen um als die Personen leben zu können, die wir sind.
Menschen sind nun mal verschieden und diese Verschiedenheit zu akzeptieren, DAS wäre das, was ich mir wünsche!

Aber das wird nicht passieren, wenn wir der Gesellschaft unsere Genderpronomen aufzwingen!
Und dabei uns als das Aushängeschild für Ideologien hergeben, die wesentlich extremistischer gegen die Gesellschaft schießen,
weil die Frau gleichgestellter sein soll als der Mann (ja, das hab ich bewusst so ausgedrückt, weil es den Feminismus heutzutage sehr gut beschreibt - tolerant geben, aber nicht zwingend tolerant sein).

Kann daher nur hoffen, dass 'Lieber Mensch,der wie ein Junge aussieht' kurzlebig wie andere soziale Experimente ist, die einfach nicht funktionieren werden.
Weil wenn das weiter zunimmt, fürchte ich um die Akzeptanz der LGBT-Community.

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 12:54
von Inga
Hi,

ich finde schon, dass die in Amsterdam auf dem richtigen Wege sind. Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass sie etwas übers Ziel hinausschießen und damit die Sache, um die es hier geht, wieder etwas lächerlich wirkt. Oder auch nur zur Zielscheibe konservativer Kreise sind, die nur den Anlass suchen, sich über progressivere Änderungen in populistischer Weise lustig zu machen. (Werden wir wahrscheinlich auch die nächsten Wochen im Bundestagswahlkampf wieder erleben)

Ich finde schon, dass wir auch im Behörden-Schriftverkehr viel mehr geschlechterneutral sein können. Braucht man wirklich auf jeder Adresse die Anrede "Frau" oder "Herr" oder kann man auch nicht darauf verzichten, wenn es eh nicht relevant ist?

Sprache ändert sich im Laufe der Zeit. Sprache gibt aber auch unsre Denke wieder. Ich bin schon gespannt, ob sich "Liebe Menschen" anstelle von "Sehr geehrte Damen und Herren" durchsetzt.

Ich bin schon gespannt, ob unsere Standesämter nach Einführung der "Ehe für alle" noch nach dem Geschlecht der beiden Ehepartner überhaupt noch fragen werden. Für die Eheschließung ist es irrelevant geworden. Dem könnte Formular- und Sprachgebrauch folgen.

Liebe Grüße
Inga

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 13:48
von Svetlana L
Ich denke ja, dass sich Sprache immer weiterentwickelt, genauso wie sich die Gesellschaft ständig weiterentwickelt. Und beides hängt unmittelbar zusammen, denn Sprache bildet nicht nur Realitäten ab, sondern schafft auch Realitäten. Wenn eine Gesellschaft auf Antidiskriminierung setzt und sich in Richtung Geschlechtervielfalt öffnet, dann muss sich das m. E. zwangsläufig auch auf die Sprache auswirken. Ich sehe das obige Beispiel lediglich als einen Versuch von vielen, dies irgendwie zu bewerkstelligen. Das fängt beim Gender-Gap oder Gender-Star an und hört bei Lann Hornscheidts berühmt-berüchtigten "Professx" wohl noch lange nicht auf. Was sich letztendlich durchsetzen wird, muss man dann zu ggb. Zeit sehen. Momentan kommt mir das wie eine große Spielwiese vor, wo alles ausprobiert werden kann. Vieles wird mit Sicherheit auch wieder in der Versenkung verschwinden.

In Berlin soll übrigens die "Initiative sexuelle Vielfalt" (ISV) zu einer "Initiative sexuelle und geschlechtliche Vielfalt" fortgeschrieben werden und im Herbst im Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Laut der vorliegenden Entwurfsfassung soll der Gender-Star verbindlich für die Berliner Verwaltung eingeführt werden. Aber spätestens dann werden die Wellen in den Zeitungen und Kommentarspalten sicherlich wieder hochkochen über diesen "Gender-Irrsinn".

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 14:08
von Frauke
Mit der geschlechtsneutralen Anrede kann man es auch übertreiben, siehe das hier genannte Beispiel. Ich fühle mich überhaupt nicht diskriminiert, wenn ich mit Frau xxx angesprochen oder -geschrieben werde. Im Gegenteil. Ich musste dafür lange kämpfen.

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Fr 4. Aug 2017, 22:40
von Marielle
Namd,

hmm ... ja, unbedingt .... öhmm .... nein. Es ist nur 'ne Reihenfolge von Ziffern mit 'nem Punkt dazwischen.

[ungeschriebener Beitrag]
...
[/ungeschriebener Beitrag]


Ich geh schaukeln; kann dauern.

Marielle

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Sa 5. Aug 2017, 00:03
von Martin-a
Hallo zusammen

Wieso muss da eigentlich alles so kompliziert gemacht werden? (Ich beziehe mich auf den Artikel.) Man kann entweder "Hallo Leute" sagen, oder das sichtbare Geschlecht. ZB: bei einer MzF TS eben "Frau".

LG Martin-a

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Sa 5. Aug 2017, 00:34
von Michi
Julia93 hat geschrieben: Fr 4. Aug 2017, 11:36 Weil wenn das weiter zunimmt, fürchte ich um die Akzeptanz der LGBT-Community.
Ich muss es ganz offen und ehrlich sagen:

Viel mehr als die mangelnde Akzeptanz von außen fürchte ich mittlerweile die zunehmende Ablehnung innerhalb der Trans-Community.

Erst diese Woche musste ich lesen, dass bei der 5. Schweizer Transtagung im September auf Betreiben eines Vorstandsmitgliedes des TGNS die Angebote für Crossdresser gestrichen wurden.
Ebenso erlebe ich immer wieder Äußerungen von MzF-Transsexuellen, die sich sehr überheblich und herablassend über Trans-Menschen wie z.B. mich äußern, und ich war auch schon selbst von derartigen Anfeindungen betroffen. Trans-Menschen, welche nicht in Vollzeit als Frau leben und Transition, Hormone und GaOP machen, sind für manche MzF-Transsexuelle nur Trans-Menschen 2. Klasse, oder ihnen wird eine Transidentiät gar direkt abgesprochen.

Diese Tendenz macht mir Angst. :((a

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Sa 5. Aug 2017, 08:29
von Svetlana L
Frauke hat geschrieben: Fr 4. Aug 2017, 14:08 Ich fühle mich überhaupt nicht diskriminiert, wenn ich mit Frau xxx angesprochen oder -geschrieben werde.
Ja, ich auch nicht, aber... es soll ja Menschen geben, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zuordnen wollen/können. Was ist mit denen? Wie sollen die diskriminierungsfrei angesprochen werden?
Frauke hat geschrieben: Fr 4. Aug 2017, 14:08 Im Gegenteil. Ich musste dafür lange kämpfen.
So argumentieren auch einige Feministinnen, die jahrelang dafür gerungen haben, dass neben der obligatorischen männlichen nun auch die weibliche Form, z. B. in Stellenanzeigen, in Amtsbezeichnungen usw., genannt werden muss. Manche von denen sehen den Gender-Gap (oder andere die Geschlechtervielfalt berücksichtigende Formen) durchaus als Angriff auf "ihre" Errungenschaft.
Martin-a hat geschrieben: Sa 5. Aug 2017, 00:03 Man kann entweder "Hallo Leute" sagen, oder das sichtbare Geschlecht. ZB: bei einer MzF TS eben "Frau".
Sichtbare Geschlecht? Da sind wir doch genau wieder bei der Fremdzuweisung von Geschlecht. Du siehst eine Person und aufgrund von Äußerlichkeiten entscheidest du über das Geschlecht dieser Person. Woher weißt du, ob es sich bei der Person um eine MzF TS handelt und nicht vielleicht um eine genderqueere Person? Und selbst wenn du wüsstest, dass es sich um eine genderqueere Person handelt, wie sprichst du sie dann an? Herr und Frau dürften dann ja wohl wegfallen.

Immer wenn die Diskussion auf geschlechtergerechte Sprache (oder negativ ausgedrückt auf den Gender-Wahnsinn) kommt, dann sind viele Menschen leider noch immer nur auf Mann und Frau fokussiert.

Ich bin dafür, dass wir uns von den bisher gängigen Annahmen trennen:
1. Man sieht Menschen ihre Geschlechtsidentität an (oder erkennt sie an der Stimme)
2. Es gibt ein "eigentliches" Geschlecht, das man an den Genitalien einer Person ablesen kann

und durch folgende ersetzen
1. Man sieht und hört Menschen ihre Geschlechtsidentität nicht an.
2. Die Geschlechtsidentität eines Menschen ist unabhängig von seinen Genitalien.
(aus: Hilfe, ich diskriminiere/Transfeindlichkeit)
MichiWell hat geschrieben: Sa 5. Aug 2017, 00:34 Ebenso erlebe ich immer wieder Äußerungen von MzF-Transsexuellen, die sich sehr überheblich und herablassend über Trans-Menschen wie z.B. mich äußern, und ich war auch schon selbst von derartigen Anfeindungen betroffen.
Ja, das sind dann die "richtigen" Transsexuellen, die andere dann herablassend als Lifestyle-Transen abtun und nicht davor zurückschrecken, andere in die rechte Ecke zu stellen. Die kann ich irgendwie nicht (mehr) ernst nehmen.

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Sa 5. Aug 2017, 10:26
von Martin-a
Hallo Svetlana

Du willst eine komplett neutrale Anrede. Ausser "Leute", das aber Mehrzahl ist, haben wir in der deutschen Sprache keinen passenden Begriff. Und gar keine Anrede ist irgendwie unhöflich. Und Bandwurmanreden, wie im Artikel sind auch keine Lösung.

LG Martin-a

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Sa 5. Aug 2017, 10:42
von Svetlana L
Martin-a hat geschrieben: Sa 5. Aug 2017, 10:26Und gar keine Anrede ist irgendwie unhöflich.
Aber Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann verorten, mit Herr oder Frau anzureden ist höflicher?

Sehr geehrte_r [Vorname] [Nachname] oder Guten Tag [Vorname] [Nachname] wären doch schon mal ein Anfang. Und in Schweden haben sie es doch schließlich auch hinbekommen, mit dem Wörtchen "hen" ein geschlechtsneutrales Personalpronomen zu "erfinden". Da würde mich mal interessieren, ob und wie das von den Schweden angenommen wurde.

Re: Lieber Mensch, der wie ein Junge aussieht

Verfasst: Sa 5. Aug 2017, 11:12
von Martin-a
Hallo Svetlana

Deine erste Anrede funktioniert nur, wenn der Name bekannt ist. Guten Tag wäre eine Lösung im Alltag. Benutze ich auch in Briefen, wenn der Vorname nicht bekannt oder unklar ist. Das mit dem neutralen Personalpronomen oder Anrede wäre die Ideallösung. Doch wie macht man und verbreitet man das?

LG Martin-a