Theresa hat geschrieben: Di 18. Jul 2017, 20:51
So verschieden können die Ansichten sein.
Vermutlich gibt es annähernd so viele Ansichten zum Thema wie MitgliederInnen im Forum ... Und jede(r) braucht andere Voraussetzungen, um glücklich zu sein.
Ich verfolge den Thread bereits von Anfang an und werde dabei von heftigen Ambivalenzen geschüttelt. Das folgende Zitat beschreibt mein ganz persönliches Grundproblem und veranlasst mich, mein Schweigen zu brechen:
Theresa hat geschrieben: Di 18. Jul 2017, 20:51
Denn die Vorstellung, das mit dem Ablegen meiner Bekleidung auch meine Rundungen verschwinden hat schon was Komisches....
Damit könnte ich nicht leben. Es würde mich kaputt machen. Für mich stand von Anfang an fest, dass meine Alltags-Männermaskerade in keine neue münden darf. Die Ansprüche sind hoch. Niemals werde ich alle erfüllen können - und es trotzdem versuchen, glücklich zu sein. Wäre mein Idealbild ein langmähniges, kurvenreiches 'Rasseweib', dann würde ich daran zerbrechen. Die Diskrepanz zwischen Traum und Wirklichkeit wäre unüberwindbar. Ich kann daher froh sein, dass ich keinem Ideal aus Film, Mode oder Promi-Show hinterher jage. Es geht mir darum, mich nach jahrzehntelangem Selbst-Hass nicht nur akzeptieren zu lernen, sondern ganz bewusst das an mir zu betonen, was mich zuvor als unmännlich beschämt hat. Auf der anderen Seite arbeite ich allem bis auf Eines entgegen, das männlich ist. Unterm Strich sind das die üblichen Schwerpunkte Stimme und Bartschatten.
Die Stationen in einem halben Jahr (bewussten) Trans-Seins empfand ich als existentiell: Schminken, passende Klamotten finden, eine Frisur kreieren, einen eigenen Stil umsetzen. Jedes Mal steigerte ich mich in Ängste, versagen zu können, mich verstecken zu müssen, öffentlich als vogelscheuchenähnlicher verkleideter Kerl verlacht zu werden. Nichts von dem ist eingetroffen - zum Glück. Selbstverständlich hab ich zu wenig Hüften, zu kleine Brüste. Doch es kommt für mich nicht in Frage, mit Polstern nachzuhelfen. Ich habe auch so schöne Röcke und Kleider gefunden, die figurbetont sitzen. In meinen AA-Cups befinden sich keine Polster, sondern nur diese flachen, original eingearbeiteten Kissen, die auch Frauen mit wenig Busen benutzen - mehr nicht. So fühle ich mich keinesfalls ausgestopft. Die neuartigen 'Männer-BHs' finde ich eklig und lehne sie für mich
en femme - wie alle Männersachen - ab. Was würde wohl ein aufgestachelter Gentleman tun, wenn er zu vorgerückter Stunde entdeckte, dass ein verlockendes Dekolleté in Wahrheit aus angeklebtem Silikon besteht? Für mich wäre das eine grauenhafte Vorstellung. Ich käme mir vor wie eine Blenderin, könnte ihm nicht verübeln, wütend auf mich zu sein.
Als ich das erste Mal ein paar Tage hintereinander
en femme unterwegs war, konnte ich eine sehr wichtige Erfahrung machen. Wir waren eine bunte Truppe von Männern und Frauen zwischen 20 und 33. Ich wurde super aufgenommen, war (wieder mal) die Älteste, aber das hat noch nie gestört. Wir feierten eine verrückte Party auf einem rustikalen Gehöft. Gegen Morgen streikte irgendwann der DJ und wir gingen schlafen. Ich hatte einen furchtbaren Traum: aufzuwachen als schrecklicher, behaarter Kerl mit dröhnender Bassstimme. Ich war als Erste wach, blinzelte in die Mittagssonne, griff meinen Schminkkoffer, Haartrockner, Lockenwickler, Spray, Blümchenhose, Spaghetti-Top und stolperte durch das feuchte Gras zum Sanitärcontainer. Nach einer Weile traute ich mich, in den Spiegel zu schauen:
Ich blickte in Taras Augen. Der bedrohliche Mann war fort. Ich fühlte mich derart glücklich, dass mir die Tränen kamen. Ich rasierte die blöden Ministoppeln über der Oberlippe, duschte, flötete ein paar
Schandmaul-Melodien, cremte mich ein und trug nur etwas Augenbrauenpuder, ein paar Kajalstriche und ganz hellen Lippenstift auf. Die Frisur hatte dank des Anti-Platt-Sprays gehalten. Das war's mit dem Kosmetikprogramm.
Draußen kam mir der DJ entgegen. Er lächelte in seinen blonden Bart.
"Was schaust du mich so an? Ich bin trans und kaum geschminkt."
Er blickte auf und legte vorsichtig den Arm um meine Taille.
"Du brauchst gar nicht mehr Make-up. Du bist einfach süß."
Ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg war ...
Inzwischen gibt es vieles, was ich mir in Erinnerung rufe, wenn ich mal verzweifelt bin und es mir schlecht geht.
Oder es hilft ein wenig Laien-Modeln vor der Kamera - ohne Polster und Perücke, wie ich es für mich bestimmt habe.
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