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Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Mo 5. Jun 2017, 23:00
von josicd
Hallo miteinander,
wenn ich so die letzten Jahrzehnte zurückblicke, stelle ich fest, das Crossdressing mein Leben in allen Bereichen entscheidend beeinflusst hat. Gesellschaftlich, beruflich, in meiner Ehe ja fast mein ganzes Denken und Tun ist auf das Crossdressing abgestimmt. Immer versuche ich das so gut es geht in mein normales Leben zu integrieren. Wie wäre mein Leben ohne diese Sucht verlaufen? Sucht - ist es ja nicht, denn diese könnte man ja therapieren. Beim Crossdressing ist es aber so: einmal CD immer CD...
Eigentlich will ich ja gar nicht davon wegkommen, auf der anderen Seite würde das mein zukünftiges Leben entscheidend vereinfachen. Ist schon jemand mal davon weggekommen, oder gibt es irgendeinen Ersatz, der ein ähnliches Lebensgefühl ausdrückt? Ich glaube nicht.
Grüße Josi
derzeit etwas vollmondgeschädigt......
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Mo 5. Jun 2017, 23:24
von LarissaTS99
Denke man kommt nicht davon weg und das ist gut so, sonst würde man sich ja selbst verleugnen.
Bin zwar selbst noch in der Findungsphase, aber Frau zu sein fühlt sich für mich einfach nur richtig an...
mfg Larissa
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Mo 5. Jun 2017, 23:27
von Michi
Hallo Josi,
mir geht es ähnlich. Nach dem ich geheiratet hatte, und am 2. Tag nach der Hochzeit alles wieder da war (ich sah Montag morgen das geliehene Brautkleid meiner Frau hängen, was sie am Nachmittag zurückgeben wollte), ist mir langsam aber sicher klar geworden: "Das geht nicht weg!" Das Verliebtsein, die vielen neuen Erfahrungen des Zusammenlebens in den 1,5 Jahren vor der Hochzeit waren nur vorrübergehende Ablenkung, aber keine Heilung.
Heute habe ich meine weibliche Seite als Teil von mir akzeptiert, auch wenn es nach der Hochzeit noch über fast 15 Jahre gedauert hat, bis ich so weit war. Ich denke auch, nein ich weiß, dass ich ohne meine weibliche Seite nicht der Mensch wäre, der ich bin.
Würde es mein Leben vereinfachen, ganz "normal" zu sein? Sicher.
Aber dann wäre mein Leben wohl auch sehr langweilig. Ohne Michi in mir wäre ich sehr wahrscheinlich nicht so neugierig und an allem interessiert, wäre nicht wie ein Schwamm, der ständig alles Wissen aufsaugen möchte. Wäre ich mir nicht im Alter von 4-5 JAhren bewusst geworden, dass ich nicht so wie die anderen bin, hätte ich mir wohl nie so intensive Fragen nach dem Warum, Wieso und Weshalb gestellt, und versucht, die Welt und damit mich zu verstehen. Manchmal wundere ich mich über mich selbst, mit was alles ich mich schon in den Jahren so sehr beschäftigt habe, dass ich einen Standpunkt dazu habe, und mitreden kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass so macher davon genervt ist. Aber das bin nun mal ich, das hat Michi in mir bewirkt.
So, und jetzt hab ich Pipi in den Augen, weil mir all das gerade erst so richtig klar geworden ist.
Ihr habt grad einen Moment der Selbsterkenntnis bei mir miterlebt.
Liebe Grüße
Michi
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Di 6. Jun 2017, 00:47
von Inga
Hallo, Jossi,
CrossDressing ist für mich keine Sucht, sondern eher eine Leidenschaft.
Und ja, ich fühle mich besser, wenn ich es praktiziere, als wenn ich es unterdrücke.
Ja, es ist dies Kopfkino vom "Es gehört sich nicht" und "Was sollen denn die Mitmenschen denken", das mich immer wieder ausbremst und abhält vom Glücklichsein.
Liebe Grüße
Inga
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Di 6. Jun 2017, 07:54
von Michelle_Engelhardt
Inga hat geschrieben: Di 6. Jun 2017, 00:47
Ja, es ist dies Kopfkino vom "Es gehört sich nicht" und "Was sollen denn die Mitmenschen denken", das mich immer wieder ausbremst und abhält vom Glücklichsein.
Ich glaube, genau das ist es, was einen auf Dauer krank macht. Deshalb ist es sooo wichtig, sich irgendwie davon zu befreien.
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Di 6. Jun 2017, 08:03
von Astrid
Hallo zusammen,
ich sehe Crossdressing zum heutigen Standpunkt für mich weder als Sucht, noch als Leidenschaft. Ich habe im Laufe der letzten Jahre erkannt, daß es ein Teil meiner Persönlichkeit ist, der schon immer da war und von dem ich mich nicht lösen kann und ich es heute auch nicht mehr will.
In meinen früheren Lebensjahren, vor allem als Jugendlicher und junger Erwachsener hatte das Crossdressing wohl durchaus eher Suchtcharakter, was aber wohl eher dem Unterdrücken meiner eigenen Wünsche geschuldet war. Damals wäre ich gerne lieber "normal" gewesen.
Heute habe ich mich selbst so angenommen, wie ich bin. Deshalb kann ich auch sehr weitgehend so leben, wie es zu meiner Persönlichkeit passt. Dann hat das Kopfkino auch keine Bedeutung mehr. Meine Therapeutin stellte mir vor einiger Zeit mal die Frage, ob ich mir wünschen würde, daß es diesen Teil meiner Persönlichkeit nie gegeben hätte. Ich habe nicht eine Sekunde überlegt - Nein!
Liebe Grüße - Astrid
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Di 6. Jun 2017, 11:20
von Mina
Huhu,
ich denke da auch nicht mehr drüber nach. Natürlich gab es diese Momente in denen sich Fragen aufgetan haben. Und ja, zuviel negative Gedanken können ernsthafte Symptome auslösen.
Ich für meinen Teil habe beschlossen das es nicht heilbar ist, weil es keinen Befund darstellt. Das es nicht abartig oder schämenswert ist, weil es normal ist. Das es vermutlich weit mehr Menschen so geht als wir jemals vermuten würden.
Es ist ein Teil meiner Persönlichkeit und gehört zu mir wie Arme und Beine. Und wegen Armen und Beinen wird man auch nicht doof angeguckt, oder?
Und überhaupt, weswegen man nicht alles doof angeguckt wird oder nen Spruch bekommt? Herrje, dann müßte ich dauernd mit ner Alditüte über dem Kopf rausgehen.......aber auch doof, man kann ersticken.
Und so unernst meine ich das gar nicht. Wenn Ihr versteht wie ich es meine.
Alles liebe
Mina
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Di 6. Jun 2017, 11:59
von Theresa-Annalena
Hi Mädels

,
vornweg ja, "Einmal CD - immer CD!"
ich selber habe Jahre mit mir (alleine) gekämpft, um an
diesen Punkt (des Akzeptierens) angekommen zu sein.
Die Gespräche hier im Forum haben mir dabei geholfen, zu verstehen, das
"ES" ein Teil meines inneren "Seins" ist und (!) das es vor allem
schon immer da war bzw. auch bleibt. Ich habe erkannt, das nicht unsere
"Besonderheit" das Problem ist, sondern die Zweifel und
der Versuch gegen unsere Seele zu arbeiten uns auf Dauer
zerstört. Die Schleifen, welche viele von uns durchlaufen
führen in den meisten Fällen nicht zu einer Abkehr, sondern
eher dazu, das sich unser Inneres immer weiter öffnet
(Mit allen Problemen die sich dadurch ergeben (gesellschaftliche Akzeptanz, Beziehung, Arbeit...)).
Schlussendlich zählt, das der Mensch glücklich ist und ehrlich, glücklich sein wollen wir doch alle - oder?
Ich habe es für den Rest
dieses Lebens aufgegeben mich dagegen zu wehren
und versuche "Es" irgendwie "mitzunehmen". Es gibt soviel im Leben
was Kraft braucht und gegen Windmühlen zu kämpfen macht
keinen Sinn (aber es braucht bis man das versteht).
LG Tessa.
Re: Einmal CD „ immer CD?
Verfasst: Di 6. Jun 2017, 12:21
von Michelle_Engelhardt
Laura_T hat geschrieben: Mo 5. Jun 2017, 23:48
Als letztens der Dornenvögel-Marathon im Fernsehen lief und meine bessere Hälfte den 30-er Pack Taschentücher verbraucht hat, saß ich nicht die ganze Zeit dabei. Sorry aber die Dornenvögel ...
Ist doch vollkommen ok. Frausein bedeutet nicht automatisch, sich jedweden Kitsch anzutun. Ich käme gar nicht auf die Idee, sowas zu schauen.
LG
Michelle