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Zweite Pubertät?

Verfasst: Mo 29. Mai 2017, 11:37
von Nicole Fritz
Hallo allerseits,

was ist los mit mir? Ein solches Gefühlschaos wie jetzt habe ich erlebt, als ich 15 war - also in einer anderen Zeit und einer anderen Galaxie. Nicole will raus. Unbedingt. Und wenn es heiß ist, ins Freibad - oder eben auch nicht. Ich mache Fotos und stelle sie hier ins Forum (immer bei dem Thema, mit dem ich nichts anfangen kann; Was macht ihr heute, tragt ihr heute). Dann dieses Gefühl, meine Brüste würden wachsen (keine Angst, auf die angedrohte Messreihe mit detaillierter Aufstellung und Diskussion der Ergebnisse verzichte ich). Viel kann da ja nicht wachsen.

Ich habe mit Lieschen darüber gesprochen. Ihr ging es am Anfang wohl ähnlich. Jetzt versuche ich aus Nicole als Fetisch eine vorzeigbare Nicole zu machen. Also nicht aufreizend mit Minirock und High Heels und dick geschminkt wie eine Nutte. Dann quatschen mich hoffentlich nicht wieder schwule Männer an (ich war ja früher schon als Frau draußen - zum Karneval und auf Partys). Ist ja irgendwie klar. Wenn man als Drag Queen rüber kommt, passt das nun einmal zu der Schwulenszene. Mir ist es aber unangenehm, wenn mich ein Mann an quatscht und mit mir Liebe machen will. Wenn ich Liebe mache, dann mit einer Frau - ja sogar dann, wenn ich mich selbst befriedige. Deshalb gibt es ja Nicole. Und dann gibt es immer wieder diese Beschimpfungen. "Verpiss dich, du Schwuchtel" ist dabei noch harmlos.

Vielleicht sollte ich hier im Forum gezielte Fragen stellen. Zum Beispiel zum Thema Schminken. Hier bremst mich mein Autismus (Asperger-Syndrom oder was es auch immer sein mag). Wie bekommt das kantige Männergesicht eine eher weibliche Form? Mir ist klar: je mehr Schminke ich auftrage, desto stärker bewege ich mich in Richtung Drag Queen. Als Fetisch ist das in Ordnung. Beim Karneval oder bei einer Party auch. Aber so will ich nicht nach draußen gehen. Wie erziele ich also mit möglichst wenig Schminke die gewünschte Wirkung?

Da ich keine dauerhafte Verwandlung zur Frau plane, kommen körperliche Veränderungen eigentlich nicht in Frage. Oder doch? Vielleicht Haare entfernen? - Es wäre ja nicht so ein massiver Eingriff wie eine Operation. Die Silikonbrüste bleiben natürlich weiter außerhalb meines Körpers. Und mein gutes Stück weg schneiden lassen - nein! Das brauche ich noch! Außerdem habe ich panische Angst vor Ärzten und Krankenhäusern. Und unter einem etwas weiteren Rock oder einem Kleid sieht es ja keiner - bei einem engen Minirock zeigt sich dagegen eine unschöne Beule.

Ich habe Klamotten kaufen immer gehasst! Da hat mich meine Mutter gnadenlos und ohne Pause von einem Laden in den anderen gezerrt - stundenlang anprobieren, Hunger oder Durst waren da egal. Schrecklich! Für Nikolaus kaufe ich daher nur etwas, wenn nichts Anständiges mehr zum Anziehen da ist. Wenn ich aber für Nicole einkaufe, macht mir das plötzlich Spaß. Ich lasse mir einfach Zeit und genieße es. Es hat mich auch noch niemand gefragt, was ich als Mann in der Damenabteilung suche. Anprobe ist dann zu hause. Ich frage immer, ob ich umtauschen kann - man(n) weiß ja schließlich nie, ob es der Dame gefällt. Nur Schuhe probiere ich im Laden an - möglichst in einer Umkleidekabine. Mit meinen Klumpfüßen gibt das sonst ein ständiges Hin und Her. In Größe 42 findet man ja immer wieder was.

So viel also zu meinem Gefühlschaos. Ich denke, dieses Bedürfnis Nicole endlich richtig ausleben zu wollen lässt bei mir die Hormone tanzen - wie in der Pubertät. Körper und Seele sind eben eng miteinander verbunden.

Noch einen Gruß an MichiWell: Thema neue Wortschöpfungen - "Teilzeitfrau" finde ich für das passend, was ich nun plane.

LG Nicole

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Mo 29. Mai 2017, 12:38
von Michi
Hallo Nicole,

schön zu lesen, dass du dir intensiv Gedanken machst. Einiges kommt mir bekannt vor.
Ich habe mein Verhalten als 2. Pupertät eingeordnet, und ich hoffe, sie hält noch ein Weilchen an. Mädchen wollen schließlich ihren Spaß haben.

Danke übrigens für die Blumen, aber die Wortschöpfung ist sehr wohl eher nicht von mir, die hab ich vermutlich irgendwo aufgeschmappt und als passend empfunden.

Liebe Grüße
Michi

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Mo 29. Mai 2017, 17:26
von Mina
Nicole Doll hat geschrieben: Mo 29. Mai 2017, 11:37 Zum Beispiel zum Thema Schminken.
Huhu Nicole,

ein waschechtes Männergesicht, kantig und rauh, in ein weiches zartes umzuwandeln schafft leider nur Photoshop. Aber ich hab auch Trost. Es kommt auf die Gesamtkomposition an. Das bedeutet, das Perücke/Frisur, das Makeup und die Farben sowie Lichter und Schatten im Gesicht harmonieren. Die einen Stellen hebt man hervor, andere läßt man in den Hintergrund treten.
Das hört sich furchtbar kompliziert an, ist aber lernbar wenn man sich damit auseinandersetzt.

Möglichkeiten weicher und zarter zu wirken gibt es also. Allerdings sollte immer der innere Aspekt des "Zartfühlens" vorangehen. Diese Gefühle sind stark und reflektieren nach aussen. Dein ganzes Auftreten, die Blicke und das Verhalten. All das zusammen im Paket lassen Dich weich sein und "Frau" fühlen. Wenn dann der Spiegel Dich noch belohnt, ist es geschafft. Denn vorallem mußt Du dir selbst gefallen.

Du kriegst das alles hin Nicole (flo)

Alles liebe
Mina

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Do 1. Jun 2017, 07:07
von Nicole Fritz
Hallo,

wenn jetzt keine Beiträge mehr kommen, nerve ich ein bisschen weiter. Nicole im Freibad hat mir zwei weitgehend schlaflose Nächte beschert. Da ist mir vieles durch den Kopf gegangen - vor allem aus meiner frühen Kindheit. Es kann sein, dass ich wirklich transsexuell bin. Früher hätte ich gesagt: "Transsexuell? so etwas perverses und abartiges bin ich nicht! - da ist vielleicht so ein kleiner Fetisch mit den Frauenkleidern, mehr aber nicht."

Es kam aus dem hintersten Winkel meiner Erinnerung: Als kleines Kind hatte ich zwei Puppenhäuser. Statt mit menschlichen kleinen Puppen spielte ich mit kleinen Tieren aus Schaumstoff. Die hatten alle Namen. Einen weiß ich noch. Ein kleiner Bär hieß "Mischuk". Mit diesen Tierchen spielte ich wie ein Mädchen mit seinen Puppen. Meine Mutter hat auch erzählt, dass als kleines Kind die meistens dunkelbraunen Schuhe für Jungen nicht leiden konnte und mich weigerte sie anzuziehen. Später haben mich meine Eltern schnell an technische Dinge heran geführt: verschiedene Baukästen mit Motörchen und Zahnrädern und eine Modelleisenbahn.

Warum war ich nie in einem Kindergarten? Meine Mutter erzählte immer, ich hätte dort unter keinen Umständen hin gewollt, weil sich die Kinder dort immer wieder prügelten. Seit wann nehmen aber Eltern so viel Rücksicht auf die Wünsche ihrer kleinen Kinder? Da stimmt doch etwas nicht! Könnte es also nicht sein, dass mich meine Mutter zu einem Jungen hin prägen und dabei nichts aus der Hand geben wollte? So macht es doch Sinn. Bestimmt hat sie es dabei wie immer "nur gut" gemeint,

Das mit der männlichen Prägung hat dann wohl erst einmal gut geklappt. Dafür habe ich keinen Umgang mit Gleichaltrigen gelernt. Daraus ist vielleicht das entstanden, was ich mit meinem Autismus zu erklären versuche. Probleme gab es dann in der Schule. Ich fand kaum Kontakte zu meinen Mitschülern, wurde gehänselt und immer wieder verprügelt. Zu meiner Verteidigung haben mich meine Eltern dann in einer Sportschule zum Judo angemeldet. Danach hatten alle Angst vor mir. Man ist mir dann aus dem Weg gegangen und hat mich nicht mehr gehänselt oder verprügelt.

Zu der Sportschule möchte ich noch erklären, dass ich dort eigentlich nicht Judo, sondern Karate gelernt habe. Kleine Kinder durften damals kein Karate betreiben. Deshalb hatte ich auch nie einen Gürtel im Karate. Im Judo hatte ich am Ende den grünen. Dafür konnte ich aber als Zehnjähriger mit der bloßen Hand Dachziegel zerschlagen. Das habe ich meinen Mitschülern auf Baustellen auch gerne einmal vorgeführt. Da wollte niemand mehr Streit mit mir haben. Das Karatetraining fand immer nach meinem Judo im Dachgeschoss der Sportschule statt. Ich verließ also immer die Sportschule, versteckte meine Tasche in einem Gebüsch und schlich mich wieder hinein zu dem Karateraum unter dem Dach. Dort beobachtete ich bis kurz vor Ende des Trainings alles sehr genau. Dann schlich ich mich wieder hinaus, nahm meine Tasche und fuhr mit dem Bus nach hause. Die Karate-Techniken übte ich dann immer irgendwo draußen, wo mich niemand beobachten konnte.

Die fehlenden sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen haben mich unsicher und schüchtern gemacht. Während der Pubertät waren dann Mädchen für mich so etwas wie Geschöpfe aus einer anderen Welt - und dabei war ich wohl selber eins! Ich traute mich also nie auf das andere Geschlecht zu zu gehen. Wenn ich mich verliebte, war es eine unglückliche Liebe. Mit dem Masturbieren entwickelte sich dann der Fetisch mit den Frauenkleidern.

So, jetzt soll es erst einmal genug sein. Jetzt befreie ich mich endlich mit meiner Weiblichkeit und schreibe trotzdem solche traurigen Sachen. Aber irgendwie muss es raus. Und wo sonst als hier in diesem Forum gibt es Leute, die verstehen, worüber ich schreibe?

LG Nicole

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Do 1. Jun 2017, 19:59
von Michi
Hallo Nicole,

hast ja wieder viel geschrieben, aber gut nachvollziehbar. Ich gehe mal auf die Punkte ein, wo ich aus eigener Auseinandersetzung und Erleben etwas zu sagen weiß.

Als bei meinem Kind gewisse Verhaltensmuster in Erscheinung traten die mir gut bekannt vorkamen, habe ich mit damit intensiver beschäftigt, mich durch diverse Aufmerksamkeitsstörungen usw. durchgekämpft, und bin zu dem Schluss gekommen, das es an ADS leidet. Das wurde dann auch von 2 verschiedenen Ärzten ohne mein Zutun diagnostiziert, dabei auch ein IQ von 120+ ermittelt, mit dem es leider nichts anfangen kann. Es fehlen jegliche Interessen, mit denen eine Motivation möglich und die Aufmerksamkeit zu kanalisieren wäre. Ich habe sehr wahrscheinlich auch ADS, und das ist wohl auch der Grund, weshalb wie ich von frühester Kindheit an für alles interessiert und mich mit Wissen vollgesaugt habe. Ich war von klein auf sehr neugierig, und hatte schnell erkannt, dass mir das mehr gibt, als mir nur eine ruhige Ecke zum spielen für mich allein zu suchen, um mich den auf mich ständig einstürmenden Eindrücken zu entziehen. Die stressen mich, ich kann da nur schlecht filtern. Aber ich schweife ab, wollte ja zu Authismus schreiben. Den bekommt man nicht, weil man als kleines Kind nicht mit anderen Kindern gespielt hat. Da kann ich dich beruhigen. Dass sie dich nicht in den Kindergarten geschickt haben sollen, um dich zu einem richtigen Jungen umzuerziehen, halte ich auch für weniger wahrscheinlich. Da wäre nach allgemeiner Vorstellung eher der Kindergarten geeignet, weil es dort härter zur Sache geht als zu Hause.

Bei den Mädchen war mir anfangs nicht bewusst, dass ich sie mit "zweierlei Augen" ansehe. Zum einen wollte ich eine Freundin zum Küssen und so, aber gleichzeitig war ich auch von ihrer Kleidung fasziniert, und mir ebensolche gewünscht. Aber es war schwer an sie heranzukommen. Ich war auch sehr zurückhaltend, und ohne einen Strich zu lernen sehr gut in der Schule, deswegen als Streber verrufen und öfter mal Ziel von Angriffen, wenn bei den anderen nicht gerade der Eigennutz durchkam, und sie von meinen Fähigkeiten partizipieren wollten, sprich bei Teamarbeit o.ä. auf leichtem Wege gute Noten abfassen wollten. Mädchen vielleicht noch ein bisschen mehr als Jungen, aber dennoch bin ich auch auf Distanz geblieben. Ich wollte ja nicht versehentlich verraten, was in mir vorging. Viel zu groß war die Angst vor weitern, noch schlimmeren Angriffen.

Also ich denke, du siehst schon, dass vieles doch recht ähnlich ist, auch wenn wir uns zuweilen situativ unterschiedlich verhalten. Ich hoffe, es hilft dir irgendwie. Und wenn du was nicht verstehst, kannst du mich gerne fragen.


Liebe Grüße
Michi

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 07:47
von Nicole Fritz
Hallo,

ich hätte mir die ganze lange Schreiberei sparen können. Worüber ich mir in den schlaflosen Nächten den Kopf zerbrochen habe, hat JaquelineL als Antwort auf Andreas "Doktorarbeit" mit wenigen Worten zusammen gefasst:
viewtopic.php?f=9&p=168964#p168962

Der Beitrag kam leider für mich zu spät.

LG Nicole

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 08:39
von Michi
Na ich weiß nicht.

Da macht zwar grad wieder ein neues "tolles Erklärungsmodell" die Runde,
das manche jubeln lässt, als wären grad kleine grüne Männchen auf der Erde gelandet.

Aber anschließen kann ich mich dem überhaupt nicht. Intersexualität beschreibt Menschen, die genetisch und/oder anatomisch nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind. Aber TS sind genetisch und körperlich vollkommen "normal". Es läuft nur eine "Software" im Gehirn, die normalerweise beim anderen biologischen Geschlecht aufgespielt ist.

Ich halte es ehrlich gesagt für ausgemachten Quatsch, TS mit Intersexualität zu verwursten. Auf der einen Seite grenzen sich TS zumeist von Menschen wie mir ab, die sich zwar genau wie sie dem anderen Geschlecht ganz oder oder teilweise zugehörig empfinden, nur eben keine GAOP anstreben. Und auf der anderen Seite wollen sie dann intersexuell "sein".

Wenn man TS überhaupt als "Form von ..." betrachten sollte, dann als Form von Mensch.

Liebe Grüße
Michi

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 08:56
von Michi
Noch eine Anmerkung, nach dem ich gerade deinen Beitrag in einem anderen Thread (Zwischenfrage 9 - Fetische) las ...

https://www.crossdresser-forum.de/phpBB ... 77#p168977

Ich glaube, dein Hauptproblem ist, dass du nicht in dich reinhörst, was du überhaupt fühlst, sondern einfach sofort irgendwelchen Geschichten und Erklärungsmodellen nachläufst, die du grad aufgeschnappt hast.

Sexuelle Stimulation und das starke Bedürfnis danach mögen da eine Rolle spielen. Aber das hilft dir nicht wirklich dabei, herauszufinden, was mit dir tatsächlich los ist. Dieser ganze Fetisch-Mist egal ob Gummi, Lack, Windeln oder was auch immer, sowie die ganzen Fantasiegeschichten über Unterwerfung, Zwangsfeminisierung und so weiter mögen dir vielleicht "unten rum" ein gutes Gefühl machen, und wenn es nur das ist, was du suchst, wenn du nur den erotischen Kick brauchst, dann wäre das nicht auch nicht weiter schlimm.

Wenn du aber ergründen willst, was mit dir los ist, und ob bei dir eine Unstimmigkeit zwischen deinem Körper und deiner geschlechtlichen Identität besteht, dann würde ich dir doch raten, dich von den vorgenannten Fetischzeugs und Fantasiegeschichten fern zu halten, um mal den Kopf frei zu bekommen, Raum und Zeit für dich selbst zu finden.

Liebe Grüße
Michi

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 09:12
von ab08
MichiWell hat geschrieben: Sa 3. Jun 2017, 08:39...Ich halte es ehrlich gesagt für ausgemachten Quatsch, TS mit Intersexualität zu verwursten...
Hallo Michi,

die Wissenschaft befasst sich ja schon länger mit der Materie. Ich persönlich erst seit etwa 5 Jahrzehnten... Ich las Fachliteratur, Doktorarbeiten, traf Betroffene usw.
Das Wesentliche steht, gut zusammengefasst, bei Wikipedia unter "Transsexualität" -> https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexualit%C3%A4t
Es gibt ja auch Menschen, die halten "Evolution" oder "Klimawandel" (z.B. ein gewisser Herr Trump) für Quatsch...
Damit müssen Menschen, die sich ernsthaft mit der Thematik befassen, leider leben...

Liebe Grüße
Andrea )))(:

P.S.Tipp zum Einstieg in die Materie "Harry Benjamin" https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Benjamin
Zitat (aus Wikipedia): "Sein 1966 erschienenes Buch The Transsexual Phenomenon machte dieses Thema einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Darin entwickelte er eine dreigliedrige Skala, die eine Einteilung in Transvestiten (I), nicht operationsbedürftige Transsexuelle (II) und Transsexuelle höherer Intensität (III) vornahm. Nur bei letzteren sollte eine Operation geschlechtsanpassender Merkmale durchgeführt werden. "

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 09:37
von Michi
Hallo Andrea,

verzeih mir bitte die drastische Formulierung. )))(:

Ich halte die Welt nicht für in Stein gemeiselt, und bin strikte Befürworterin von Wissenschaft, Forschung und Fortschritt.

Doch ich halte aber nichts davon, ständig Definitionen ohne erkennbare Notwendigkeit über den Haufen zu werfen, erheblich zu verändern oder zu vermischen.

Bahnbrechenden Erkenntnisse, die es rechtfertigen würden, TS als IS zu sehen, kann ich bisher nicht erkennen, und ich frage mich: Wenn ich das schon trotz intensiver Beschäftigung mit der Materie und viel Bemühen nicht verstehe, was und wie werden dann Außenstehende darüber denken?!

Das Problem ist, dass heute dank des Internet jeden noch so verrückte Idee in die Welt posaunt werden kann.

Aber gerade mit Blick auf unsere Probleme mit unserer Identität und Befindlichkeit habe ich so meine Zweifel, ob und in wie weit das hilfreich ist.
Ebenso problematisch ist die Außenwirkung. Wir haben ja ständig Debatten über Verwirrung der Begrifflichkeiten in irgendwelchen Artikeln und Publikationen, aber auch "intern" gibt es ganz erhebliche Differenzen darüber, unter welchem Begriff was zu verstehen ist.

Ich konstatiere:
Die Begrifflichkeiten und ihre Bedeutungen ändern sich schneller, als sich ein allgemeines Verständnis darüber entwickeln kann.
Auf diese Weise wird ein geradezu babylonisches Sprachgewirr erzeugt, welches die Menschen entfremdet und eher verfeindet, anstatt sie näher zusammenzubringen. Das kann doch nicht gut sein.

Dazu möchte ich noch anmerken, dass ich überhaupt kein Anhänger irgendeiner Religion bin. Aber ich habe mich schon verschiedentlich damit beschäftigt, und es gibt etliche bemerkenswerte Gedanken die in diversen Schriften niedergelegt wurden - jenseits der Ideologie der jeweiligen Religion, so wie den mit dem babylonischen Sprachgewirr.

Liebe Grüße
Michi

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 10:11
von ab08
Hallo Michi,

These "TS im weitesten Sinn als eine Form von IS" -> "bahnbrechende Erkenntnisse" sind da nicht zu erwarten.
(Der menschliche Körper ist sehr kompliziert. - Änderungen des Geschlecht kommen in der Biologie auch sonst öfter vor.)
Aber es spricht einiges dafür, dass es stimmt. -
Und, wie erwähnt, ist es sicher keine "neue Idee" im Gegenteil, der Gedanke sehr alt*) und auch Harry Benjamin vermutete dies.
*) Intersexualität / Transsexualität in verschiedensten Ausdrucksformen(bis hin zu Transvestiten) gab es im Übrigen ja auch seit der Antike :wink:

Den Begriff "normal" mag ich nicht, denn so etwas gibt es eigentlich nicht - Es gibt Menschen, die werden mit einem Finger mehr geboren etc. -
So kenne ich Transsexuelle, bei denen auch manches andere ungewöhnlich/auffällig war. - (Bei mir lagen z.B. vor der HET Östrogenwerte weit über dem männlichen Referenzbereich, die Testosteronwerte an der unteren Grenze.) - Auffälligkeiten sind recht häufig. - Deshalb forschten da ja Sexualforscher wie Alfred Charles Kinsey, Harry Benjamin...
Und im Laufe der Zeit bekräftigte dies eben die Vermutung nach einem Zusammenhang zwischen TS und IS.

Ich persönlich bin heute überzeugt, dass die These stimmt. Eindeutige "Beweise" kann ich dafür nicht liefern und bezweifle auch, dass dies überhaupt geht.
Es sind Einzelfälle, wo es Überschneidungen gibt, mehr nicht. :oops:

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Das eigentliche Problem ist, dass in der heutigen Zeit oft nur über aktuelle Entwicklungen geredet wird und dabei die Grundlagen vergessen/vernachlässigt werden.
Für ein echtes Verständnis ist es allerdings unverzichtbar, genau hinzusehen, gründlicher nachzuforschen und Ursprünge/Wurzeln zu kennen.

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 11:16
von Mina
ab08 hat geschrieben: Sa 3. Jun 2017, 10:11 So kenne ich Transsexuelle, bei denen auch manches andere ungewöhnlich/auffällig war. - (Bei mir lagen z.B. vor der HET Östrogenwerte weit über dem männlichen Referenzbereich, die Testosteronwerte an der unteren Grenze.)
Japp, bei mir ähnlich. Nach meiner letzten Laborprobe waren die Östrogenwerte erheblich weiter oben als "Männlich-korrekt".

Macht sich bei mir durch fleckigen und diffusen Bartwuchs, fast keiner Körperbehaarung, natürlichen Wimpern bei welchen alle Frauen bisher neidisch waren und einem weiblichen Mund bemerkbar. Vom Wesen ganz zu schweigen, ich war schon immer eher lieber "der Hahn im Korb" als auf Bollerwagentour. Ich konnte typisch männlichen Verhaltensmustern nie was abgewinnen und hab deswegen den besseren sozialen Kontakt zu Frauen. Usw.....

Aber ich bin definitiv nicht Transsexuell, das ist der Unterschied! ;-)

Alles liebe
Mina

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: Sa 3. Jun 2017, 14:47
von Michi
Tja,

und bei mir ist wiederum das ganze Gegenteil. Viel Testosteron und all die Nebenwirkungen (extrem starker Bart- und Haarwuchs, großer Kehlkopf und tiefe Stimme, ...), auf die ich liebend gern verzichtet hätte. Und trotz dem fühle ich mich total unmännlich. Mit einem weiblichen Körper geboren, wäre ich sicher sehr viel glücklicher gewesen, aber irgendwie bin ich wohl nicht transident / nicht transsexuell genug, um die Seiten dauerhaft zu wechseln.

Als Mischwesen zwischen den Geschlechtern mag ich nicht auftreten, bin eher ein Switcher, deswegen auch meine Selbstbezeichnung "Teilzeitfrau", und obwohl ich mir auch im Männermodus viel und auch recht kräftige Farben "erlaube", und dann schon mal die Frage kommt, ob ich vielleicht schwul sei. Ich bin aber definitiv gynophil, stehe auf Frauen, unabhängig davon, ob ich mich gerade eher in Richtung männlich oder weiblich empfinde.

Liebe Grüße
Michi

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: So 4. Jun 2017, 10:43
von Nicole Fritz
Noch einmal Hallo,

diese Frage nach dem Warum quält uns doch irgendwie alle. Da ist dieser wissenschaftliche Ansatz. Wenn ich mir das ansehe, fühle ich mich mit meiner Neigung krank. Ist aber nicht unsere Gesellschaft so spießig und brutal, dass immer mehr Menschen krank werden: Depression, Burnout, Herzinfarkt, Diabetes, Krebs und alles mögliche andere. Das Geschäftsmodell Gesundheit hat dabei Hochkonjunktur. Und wer gut daran verdient, hat kein Interesse etwas daran zu ändern. Wenn ich jetzt von Transsexualität als Krankheit spreche, lande ich wieder in einem großen Fettnapf. Als Krankheit kann man damit aber gutes Geld verdienen. Also toleriert man Transsexuelle zähneknirschend und labert immer um die Sache herum. Nicht wenige würden sie aber am liebsten in ein KZ sperren.

Bei mir war es wohl so, dass ich in dieser für mich abstoßend und grausam erscheinenden Gesellschaft meinen Platz als Mann nicht gefunden habe. Wenn man also gesund mit normal gleich setzt, hat es mich krank gemacht. Denken wir ins Mittelalter zurück. Da gab es kaum Bilder, die etwas anderes als den Alltag zeigten. Also fanden sich wohl die meisten in ihre vorgegebene Rolle hinein. Und heute: Fernsehen, Internet, Zeitschriften. Da sieht man tausend Alternativen zu seiner eigenen Situation. Aus Gewohnheit und Angst vor bösen Konsequenzen spielt man seine Rolle zwar weiter, aber die Seele will immer mehr ausbrechen. Und bei uns ist diese Seele weiblich.

Ist meine Sicht nicht irgendwie logisch? Die Seele ist etwas geistiges oder metaphysisches. Sie hat daher kein biologisches Geschlecht. Also kann sie das bei der Geburt gegebene Geschlecht entweder annehmen oder auch nicht. Wenn sie sich wohl fühlt, nimmt sie es an. Wenn nicht, kann sie sich im anderen Geschlecht wieder finden. Brauchen wir da die Ärzte und Psychologen mit ihren vielen "Schubladen". Alles muss wissenschaftlich korrekt zugeordnet werden, bis am Ende keiner mehr durchblickt. So kann man Bücher, Zeitschriften und das Internet mit endlos vielen Abhandlungen zu müllen. Dann liest man diesen ganzen Kram und grübelt, wenn man keinen Schlaf findet.

Was würde ich machen, wenn ich nicht auf Fetische und schließlich auf dieses Forum gestoßen wäre? Ich würde wahrscheinlich einfach als Nikolaus weiter machen und mir jeden Abend den Kopf zu saufen, bis schließlich die Leber aufgibt. Wenn die Seele das Leben nicht mehr erträgt, macht sie den Körper krank und bringt ihn am Ende um.

Und jetzt sollten wir diese leidige Diskussion beenden.

LG Nicole

Re: Zweite Pubertät?

Verfasst: So 4. Jun 2017, 10:56
von ULI67
Ich mache gerade meine 2. Pubertät durch... nun als Mädchen. Meine Mami (in dem Fall Freundin) will dass ich nicht zu viel Schminke... zu kurze Röcke.. oder zu hohe Schuhe.... lach so sind Mamis eben...
Und irgendwann weiss ich... sie hatte recht 😉