Guten Abend zusammen,
ich möchte ein bisschen was zum Thema Parkplätze und Arbeitszeit sagen, weil mir grade sehr danach ist.
Gestern fand das Treffen des Landesnetzwerkes Echte Vielfalt S-H statt. Downtown-Lübeck. Früher Feierabend machen, zweieinhalb Stunden hin, Parkplätze absolute Mangelware, 'ne Viertelstunde durch den Regen laufen, über drei Stunden im Sitzungsaal, dann zwei Stunden Heimfahrt, kurz vor Mitternacht wieder zu Hause, heute Morgen ab Sieben das aufarbeiten, was gestern Nachmittag liegen geblieben ist.
Und wofür? Damit es für diese und andere Aktionen Geld und Unterstützung vom Land S-H und den anderen Gruppen im Land gibt. Damit wir in Flensburg und anderswo unsere Anliegen sicht- und hörbar machen können. Damit wir mit gesellschaftlich relevanten Gruppen und Personen, den Parteien, der Oberbürgermeisterin, der Kirche, den Gewerkschaften, den Medien usw. usf. auf unserem Marktplatz und in unserem Rathaus in einen Dialog kommen. Für uns!
In dieser Veranstaltung stecken insgesamt schon jetzt viele Tage Arbeit, darunter auch Arbeitstage. Bis zur Aftershow werden es sehr viele Tage sein, die ein paar Leute einbringen, ohne irgendwas dafür zu bekommen; jedenfalls nicht mehr, als das Gefühl etwas Notwendiges zu tun. Selbst Menschen, die persönlich nichts mit LGBTIQ-Themen zu tun haben, machen mit (ohne die Hand aufzuhalten), weil sie es wichtig und richtig finden.
Es ist schlicht nicht fair, einerseits das Engagement anderer in Anspruch zu nehmen, wenn z.B. der MDK Schwierigkeiten macht, eine Schule ein Zeugnis nicht ändern will oder man einfach mal etwas Beistand braucht, sich andererseits aber fein rauszuhalten, wenn man selbst mal was beisteuern könnte.
Ist mal ein halber Tag Urlaub wirklich schon zuviel Aufwand, um die eigenen Anliegen zu vertreten? Sollen wir die Marktplätze, die Rathäuser, die Zeitungen wirklich den Anderen überlassen, damit wir nachher weiter beklagen können, wie schlecht es für uns ist? Natürlich nicht! Aber irgendwie läuft es doch auch so. Es gibt ja Menschen, die sich reinhängen und was machen. Und die fühlen sich bestimmt auch verstanden und wertgeschätzt, wenn Parkplätze zum Problem und ziemlich mühsam abgestimmte Termine* für suboptimal erklärt werden. (Unter uns: Fühlen sie sich nicht

)
Es ist klar, dass nicht jede_r immer und überall mitwirken kann und auch, dass manche weniger Ressourcen einbringen können als andere ist absolut verständlich. Aber ganz ehrlich: Es gibt in der Community eine zu große Differenz zwischen Soll und Haben, zwischen '
sollte man mal machen' und '
haben wir gemacht'. Ein bisschen was kann nämlich jede_r machen.
Marielle
*)Allein die Telefonate, E-Mail-Schreibereien und die persönlichen Gespräche für den Zeitplan und die Redebeiträge füllen insgesamt deutlich mehr als einen Arbeitstag; von den Schwierigkeiten der Koordination zwischen allen Anforderungen und den Wünschen und Zwängen der beteiligten Menschen gar nicht zu reden. Und das der 17.5. in diesem Jahr auf einen Mittwoch fällt, war keine Idee des Orga-Teams.