Hallo zusammen und ich wünsche allen gesegnete, schöne und erholsame Osterfeiertage,
danke, Michaela, dass du diesen Beitrag geschrieben hast.
Wie fühlt sich eine Partnerin?
Ich bin eine Partnerin, wohl nicht wirklich "repräsentativ" für die meisten, denn ich war für Denies wie eine Hebamme und konnte der neuen Situation mit offenen Augen gegenüberstehen.
Denies und ich haben schon viele Stunden damit verbracht, uns auszutauschen, wie es uns während ihrem Weg zur Frau geht, was uns bewegt - aber auch über verschiedene Foren und durch Treffen von Menschen, die selbst in den gleichen Schuhen stehen wie wir, wie unterschiedlich das doch empfunden, wahrgenommen und gelebt wird.
Erkannt haben wir durch den Beginn der Transition, was unsere eigenen Themen des Lebens sind, die wir beide jeder für sich noch hat und welche Themen es für uns auch in unserer Beziehung noch gibt. Wir schauten bewusst in den Spiegel des Lebens und waren auf uns zurück geworfen.
Das Thema "Trans" im Leben kann ein riesiges Faß aufmachen, in das in einer Beziehung jeder Partner Unausgesprochenes, verletzte Gefühle, Geheimnisse, Ängste, Sehnsüchte hineinstopfte und man bisher hoffte "es wird schon irgendwie weitergehen".
Doch das Leben lebt und bringt die Fässer früher oder später mit dem berühmten Tropfen zum Überlaufen.
Ich fühle mit allen Partnern und Partnerinnen, die Angst haben, offen auszusprechen, was in jedem einzelnen von ihnen vor sich geht. Diese Angst ist auch einmal von mir und Denies ein alter Bekannter gewesen.
Es war am Anfang gar nicht so einfach, den ersten Schritt zu machen, etwas auszusprechen, was für einen anderen unangenehm sein würde und man deswegen mit Ablehnung rechnen musste/konnte.
Es ist eine große Aufgabe im Leben sich dieser Situation zu stellen. Das kann man nur, wenn man bereit ist, seine Emotionen auszubalancieren/auszuheilen, Veränderungen anzunehmen, Eigenliebe aufzubauen und Selbstbewusstsein zu finden......
Man muss sich anschauen, wie man tatsächlich ist und mit sich und der Welt Frieden machen.
Als es mir selbst vor gut 20 Jahren sehr elend ging und ich ein seelisches Wrack war, machte ich mich auf die Suche, mein Lachen wieder zu finden und hatte Sehnsucht danach, ein Quentchen Glück erhaschen zu dürfen.
Mein Weg war genau der, mich allen meinen Unzulänglichkeiten stellen zu müssen und mich als die Rubensfrau, die ich war und bin auch annehmen zu können, mich lieben zu lernen, wie ich "einfach" bin.
Je länger ich über alles nachdenke, so haben wir Angst, unser wahres Selbst zu leben (egal ob "Transmensch" oder nicht) aus den verschiedensten Gründen heraus. Geben wir dieser Angst nach und gehen vermeintlich den Weg des geringsten Widerstands, indem wir uns nur trauen, heimlich wir selbst zu sein, dann fügen wir uns und den Menschen in unserem Umfeld Schmerzen zu.
Aus all dem Nachdenken fand ich (zumindest für mich) nur einen Schluss, dass wir keine andere Wahl haben, als uns diesen Ängsten zu stellen und Bereitschaft zu entwickeln, Ablehnung zu erfahren, um je die Chance haben zu können, ein aufrechtes, eigenes Leben leben zu dürfen.
Aus meiner Erfahrung heraus, schon bevor ich Denies kennen lernte, ja, kann ich nur bestätigen, dass es nicht immer einfach ist, wenn man diesen "anderen neuen" Weg einschlägt. Ja, es war eine Zeit lang auch schmerzhaft und ich habe mich mit meiner Familie hart auseinander gesetzt (schaffe es jetzt doch Stück für Stück mit ihr meinen Frieden zu finden), ja, ich hatte auch das Gefühl, dass ich Verluste (Materielles, Freunde,....) erlitten habe - doch in Wahrheit habe ich mich selbst gewonnen/gefunden. Ich habe es geschafft, wieder lachen zu können und der Weg schenkte und schenkt mir noch so unendlich viel für das ich dankbar sein kann/darf und glücklich.
Ich sehe mich eingeladen, durch die Geburt von Denies, dass ich sogar noch genauer hinhöre, was in mir vorgeht, welche Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse ich habe => und dies genauso offen auszusprechen und mich mitzuteilen wie umgekehrt Denies offen mit mir spricht.
Letzten Endes wollen wir alle doch einfach nur angenommen und geliebt werden. Doch bei manchen ist die Bitte versteckt hinter Aggression, Streit, Wut, Ärger, Angst, Eifersucht,..... und sie wissen es nicht besser, sich auszudrücken.
ulla schrieb,
Fakt ist doch,daß wir nicht zum Rest der Welt gehören
Dem kann ich nicht zustimmen. Jeder gehört zum Ganzen, sonst wäre dieses nicht vollständig. Jeder einzelne Mensch ist so wie er ist, ein wertvoller Teil des Ganzen.
Vielleicht möchte eine Partnerin genau das, dass sie gehört wird, ihre Wünsche und Bedürfnisse respektiert werden und sie Liebe erfahren darf.
Allerdings muss man lernen, dass Liebe auch um ihretwillen die Entscheidung beinhaltet, einen Menschen loslassen und/oder freilassen zu müssen.
Ich hätte zu Denies nie sagen können, dass ich nicht wollte, dass sie Frauenkleider trägt oder als Frau lebt - denn dann hätte ich ihr (in meinen Augen) Bedingungen gestellt. Für mich gehören Bedingungen in einen Handelsvertrag nicht in eine Liebesbeziehung.
https://www.zgedichte.de/gedichte/khali ... liebe.html
Euer nachdenklicher Drache