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Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Mo 5. Jul 2010, 18:07
von kassandra_tv
Hallo,

ich habe schon interessante Themen und Beiträge hier gelesen, dennoch wollte ich mal nur kurz an die Gemeinschaft eine Frage stellen, die mich schon sehr oft beschäftigte da ich es noch nicht so richtig "rausgehört habe".

Ich identifiziere mich mal mehr mal weniger mit der femininen Seite, mal kann ich nicht anders und fühle mich erst dann wohl, wenn ich en femme gekleidet bin und auch so aussehe.
Wegen meiner Beziehung wollte ich aber auch schon mind. 3x die feminine Seite ablegen und "den normalen gesellschaftlichen Normen" entsprechen...
Seit ich so 10/11 war begann die Metarmorphose mit mir...in den letzten 10 Jahren wurde diese intensiver...

Ich legte aber auch alle femininen Seiten immer so ca. für 1/2 Jahr ab, aber dann kam wieder dieses starke Drängen nach der weiblichen Seite. Ich verkaufte alle Sachen über Ebay oder brachte sie in die Altkleider-Sammlung, danach fing alles wieder von vorne an. Das Feeling der Weiblichkeit begann erneut, neue Sachen gekauft, wohlgefühlt, wieder aufgehört usw.

Meine Frage daher, kennt auch ihr so etwas, insbesondere an diejenigen unter Euch gerichtet, die in einer Beziehung leben, wo der Partner es nicht weiß...?
Ich für mich habe das Gefühl, süchtig zu sein...(bitte lacht nicht)

Kassandra

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Mo 5. Jul 2010, 19:04
von ExuserIn-2014-07-20
Hallo ihr Lieben,

auch ich würde es nicht als Sucht bezeichnen, sondern vielmehr ist es zumindest bei mir so, dass ich halt eine weibliche Seite in mir habe, die ich halt auch auszuleben versuche. Dass dies nicht immer klappen kann, ist schon allein zeitlich das Problem. Schließlich hat man auch für zwei Leben nur 24 Stunden am Tag.

Über die Jahre hinweg - es gab auch Zeiten da versuchte ich Anja zu verdrängen - hab ich festgestellt, dass dies nicht möglich ist. Anja ist ein Teil von mir, aber keine Sucht. Für mich ist es am einfachsten die beiden Leben strikt zu trennen, anders würde es nicht funktionieren.

Auch meine Partnerin weiß von Anja und hat auch mit der Zeit gelernt, dass ich Anja auch ausleben muss, um insgesamt glücklich leben zu können.

Viele liebe Grüße

eure Anja

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Mo 5. Jul 2010, 19:19
von Oscar
Ich bin ja leider eine biologische Frau und ich muss sagen das ich schon von Kindesbeinen an ein Junge sein wollte als ich diese Begriffe noch gar nicht kannte. Insofern ist es bei
mir keine Sucht sondern etwas was schon immer da war und sich immer mehr offenbart.

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Di 6. Jul 2010, 06:20
von kassandra_tv
Ich dank Euch allen für Eure geschilderten Sichtweisen und freue mich, dass es doch einige so gibt die auch dieses Verdrängen/Wiederaufleben kennen und danke auch den Lieben, die einem Mut machen diesen Teil von sich "nicht abzulegen" oder als Sucht zu betrachten.

@Oscar ich hoffe das Du hier im Forum bald nicht nur auf "uns" triffst sondern auch auf Frau zu Mann Transgender, die Dich auch ein bissel in Deiner Gefühlswelt unterstützen können. Habe nämlich schon gelesen das "wir" hier fast unter uns sind, aber die anderen Wesen noch etwas scheu hier sind, echt Schade...aber zum Quatschen eignen wir uns auch ;-)

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Di 6. Jul 2010, 07:44
von Joe95
kassandra_tv hat geschrieben:Hallo,

ich habe schon interessante Themen und Beiträge hier gelesen, dennoch wollte ich mal nur kurz an die Gemeinschaft eine Frage stellen, die mich schon sehr oft beschäftigte da ich es noch nicht so richtig "rausgehört habe".

Ich identifiziere mich mal mehr mal weniger mit der femininen Seite, mal kann ich nicht anders und fühle mich erst dann wohl, wenn ich en femme gekleidet bin und auch so aussehe.
Wegen meiner Beziehung wollte ich aber auch schon mind. 3x die feminine Seite ablegen und "den normalen gesellschaftlichen Normen" entsprechen...
Seit ich so 10/11 war begann die Metarmorphose mit mir...in den letzten 10 Jahren wurde diese intensiver...

Ich legte aber auch alle femininen Seiten immer so ca. für 1/2 Jahr ab, aber dann kam wieder dieses starke Drängen nach der weiblichen Seite. Ich verkaufte alle Sachen über Ebay oder brachte sie in die Altkleider-Sammlung, danach fing alles wieder von vorne an. Das Feeling der Weiblichkeit begann erneut, neue Sachen gekauft, wohlgefühlt, wieder aufgehört usw.

Meine Frage daher, kennt auch ihr so etwas, insbesondere an diejenigen unter Euch gerichtet, die in einer Beziehung leben, wo der Partner es nicht weiß...?
Ich für mich habe das Gefühl, süchtig zu sein...(bitte lacht nicht)

Kassandra
na, lachen wird hier wohl keiner, dafür kennen wir das doch nur zu gut...

allerdings hab ich für mich auch einen ausweg aus diesem auf und ab gefunden:
seit dem ich meine neigung offen auslebe hat sich mein verlangen auf einen fast gleichbleibenden level eingependelt.
gelegentliche ausrutscher wie das tragen von hosen oder bh fallen kaum auf...

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Di 6. Jul 2010, 18:04
von Nicoletta
Hallo,

ich kann mich nur allen vorausgegangenen Beiträgern anschließen. Ich habe den Wechsel Anschaffen - Wegwerfen - neu Anschaffen in meinem Leben schon etliche Male hinter mir. Erst die Heimlichkeiten in der Schulzeit (da nur halterlose Strümpfe), die Phase endete mit der ersten ernsthaften Freundin. Dann in der Studienzeit in eigener Bude, wo ich immer einen Koffer voller Sachen hatte, komplett mit Stiefeln, Röcken, Blusen, Silikonbusen und Perücke, dazwischen alle paar Jahre bei neuem Verlieben oder bei Umzügen der Versuch, die Frau in mir zu entsorgen, stets ohne länger anhaltenden Erfolg. Dann glaubte ich, als ich geheiratet habe, jetzt sei das vergessen, hat aber höchstens zwei Jahre gedauert, bis der Drang wieder übermächtig wurde und ich heimlich Frauensachen trug, Wäsche und Strumpfhosen vor allem, auch schon mal einen Rock, wenn ich nachts noch lange am Schreibtisch saß, während meine Frau schon schlief, oder wenn ich allein war. Nach der Trennung von meiner Frau (aus anderen Gründen), versuchte ich einen Neuanfang mit betonter Hinwendung zu einem streng christlichen Leben. Als mich dann die Freundin verließ, die für das Scheitern meiner Ehe auslösend war, suchte ich meine Zuflucht wieder in meiner Weiblichkeit. Ich erinnere mich, dass ich am selben Tage den Bart abrasierte, außerdem die Beine, Brust und Bauch und wieder anfing, Damenwäsche zu kaufen und zu tragen. Ich habe meine Weiblichkeit sehr genossen, und ich erinnere mich noch, dass ich am Morgen des Tages, an dem ich meine künftige Frau abholen sollte, noch blutenden Herzens im Rock Wäsche gebügelt habe, um dann die meisten Sachen wegzuwerfen, nur einige LIeblingsstücke wurden für alle Fälle im Keller in einem Karton deponiert. In der Ehe ging es wieder anfänglich gut, zumal wir voll christlich orientiert waren. Die Neigung kehrte dennoch nach einem oder zwei Jahren der Unterdrückung zurück. Jetzt trug ich die Damenwäsche unter der Männerkleidung vor allem im Büro, manchmal saß ich sogar, wenn ich spät abends noch im Dienst war und mich allein wähnte, auch im Rock da. Einmal erwischte mich mein Chef, als ich mich gerade umziehen wollte, er hatte unter der Tür noch Licht gesehen, als er nach Hause ging. Er sagte aber nur, "ach, Sie sind noch da", drehte sich um und ging. Einige Male zog ich schnell Hemd und Hose über die weibliche Unterwäsche, wenn ich hörte, dass die Etagentür ging und die Putzfrau kam. Einmal erwischte mich eine Kollegin, weil ich in der Eile vergessen hatte, die Ohrclips abzumachen. Das war schon sehr nervenaufreibend. Wenn dann meine Frau auf Wochen zu ihren Eltern fuhr, holte ich all die schönen Sachen nach Hause und lebte das ganze Wochenende, teils auch "krank" unter der Woche, zuhause als Frau mit nächtlichen Spaziergängen. Bevor dann meine Frau zurückkam, verschwand alles in dem Karton im Keller, zumindest die mir liebsten Teile, anderes wurde aussortiert. Meine Verstecke im Seminar waren dann geleert, und da ich nicht unbedingt immer unbemerkt im Keller mir Sachen holen konnte, gab es längere Pausen, in denen ich Entzugserscheinungen hatte, bis ich irgendwann wieder etwas kaufte, das dann im Seminar gelagert wurde bis zur nächsten Reise meiner Frau.
Seit meinem Outing voriges Jahr ist alles viel entspannter geworden. Die Sachen befinden sich jetzt zuhause griffbereit in meinem Kleiderschrank, die Männerwäsche und Schlafanzüge sind in die hinterste Ecke gewandert und habe ich seit einem Jahr nicht mehr angezogen. Innerhalb der vier Wände trage ich ausschließlich Frauenkleidung, zuerst nur Röcke, Slips, Unterhemden und Strumpfhosen, dazu Miederhöschen, außerdem Nachthemden, inzwischen auch weibliche Oberteile, oft BHs, selten Schuhe. Außerhalb des Hauses bei der Arbeit ist es nur Unterwäsche und oftmals Damenjeans, die einen Reiz nur wegen ihrer Stretchqualität ausüben und durch mein Wissen, dass es ein weibliches Kleidungsstück ist, meine weibliche Seite wird durch Hosen nicht befriedigt, allenfalls durch eine rosafarbene weit geschnittene Hose mit Reißverschluss am Po, die ich allerdings offen nicht zu tragen gewagt habe bisher. Ansonsten stelle ich fest, dass ich sehr viel ruhiger geworden bin, in mir ruhend, zufriedener. Ich wünschte mir eigentlich nur noch, wieder volles Haar zu haben für eine weiblichere Frisur, endlich die Haare auf dem Bauch loszuwerden, Schminken zu lernen und dass meine Frau mir zugestehe, im Rock auch auf die Straße zu gehen (ich tue das nur in einiger Entfernung vom Wohnort und nur, wenn ich allein bin, meine Frau war bisher nicht bereit, sich mir zu zeigen, wenn ich einen Rock trage. Die Ohrringe stören sie inzwischen nicht mehr, auch der Ring nicht, nicht einmal die lackierten Nägel (blassrosa) oder weibliche T-Shirts mit darunter erkennbarem BH. Ich finde das erstaunlich, denn ein Jeansrock oder mein grauer Leinenrock fallen weniger als weiblich auf als der Rest, finde ich.
Zur Eingangsfrage: Sucht oder nicht, lautet meine Antwort, dass es vielleicht keine Sucht ist (weil nicht heilbar), aber suchtähnlich mit dem Auftreten typischer Entzugserscheinungen und vielleicht auch mit der allmählichen quantitativen Steigerung (von halterlosen Strümpfen bis zur vollen Umgestaltung).
Gruß an alle
Nicoletta

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Di 6. Jul 2010, 18:08
von brunhilde
Hallo,

bei der Frage: Ist Transgender zu sein eine Sucht muß man sich erst einmal klar werden was Ihr/wir
unter Transgender verstehen.Es ist nicht so einfach,da der Oberbegriff Transgender mehrere Untergruppen in sich vereinigt.Ich schreibe hier als Frau und Transsexuelle.In dieser Gruppe und in
der Gruppe der Hermaphroditen ist es keine Sucht,da wir wirklich Menschen sind ,die im falschen Körper
des anderen Geschlechts leben,welches wir uns nicht ausgesucht haben und mit dem wir auf die Welt kommen.Als Transsexuelle stelle ich mir das bei Hermaphrodithen noch problematischer vor,da sie
beide Geschlechter in sich vereinigen.
Es gibt ja viel wissenschaftliche Berichte und Forschungen,die zu ergründen versuchen,warum wir uns so
als Transsexuelle entwickelt haben.Auf jeden Fall habe ich mich,mal abgesehen von meiner medizinischen Vorgeschichte und vielleicht ganz am Anfang beim Herantasten an mein wahres Geschlecht,nie als Befriedigung angesehen.Das viele Transsexuelle auf bestimmte Sachen stehen,
bei mir sind es Miederwaren,Kleider,Schürzen,Stiefel,vieles aus Gummi und Latex,ist vielleicht unsere
Befriedigung,aber im Körper einer Frau.
Bitte seid mir nicht böse und ich will auch keinem zu nahe treten,bei der Gruppe der Crossdresser und von einem grossen Teil der Transvestiten ist es doch mehr oder weniger,ein Ausflug
in Rolle des anderen Geschlechts....,es besteht doch nie, bis auf eine kleine Gruppe von Transvestiten,die dies ausleben und sich nicht operieren lassen,die Absicht ihr Geschlecht zu ändern bzw. sie kehren immer wieder in ihre Normalleben zurück.
Wenn sie bei diesem Rollentausch Befriedigung,auch sexuell, finden,sich wohl fühlen, warum soll man dann von Sucht sprechen.Jeder soll auf seine Art glücklich werden und es ist doch schön,wenn es so ist.
Sucht ist für mich,wenn man unbedingt etwas braucht,was selbst durch das Unterbewußtsein nicht beeinfluss- oder steuerbar ist,ob einer seine Leidenschaft offen oder heimlich auslebt ist für mich auch keine Sucht oder haltet Ihr Homosexuelle auch für Süchtige....?

Bruni

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Di 6. Jul 2010, 18:43
von Oscar
@kassandra_tv

Absolut, ich unterhalte mich sowieso lieber mit Männern. :lol: Habe da gewisse Vorurteile gegen über einigen Frauen.

@Brunhilde

Gut gesagt. Ich habe mich schon öfters mal mit CD unterhalten und auch wenn sie oft von einer Ungerechtigkeit sprachen (was es wohl auch ist), schien mir der Leidensdruck, zumindest bei denen, nie ganz so hoch zu sein wie bei manch einem der transgender ist. Ein Bekannter von mir, dessen Freund hat sogar Suizid begannen (mit 25), weil er nicht damit zurecht kam das er ein Mann war und eine Akzeptanz als Frau absolut nicht gegeben war. Obgleich es wohl praktischer wäre wenn es eine Sucht wäre, wohl einfacher zu behandeln.

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Mi 7. Jul 2010, 09:38
von Joe95
Nicoletta hat geschrieben: Zur Eingangsfrage: Sucht oder nicht, lautet meine Antwort, dass es vielleicht keine Sucht ist (weil nicht heilbar), aber suchtähnlich mit dem Auftreten typischer Entzugserscheinungen und vielleicht auch mit der allmählichen quantitativen Steigerung (von halterlosen Strümpfen bis zur vollen Umgestaltung).
Gruß an alle
Nicoletta
das sehe ich auch so, eine sucht ist heilbar. eine veranlagung ist teil der persönlichkeit und genau so wenig heilbar wie jede andere eigenschaft.

brunhilde hat geschrieben:Hallo,

bei der Frage: Ist Transgender zu sein eine Sucht muß man sich erst einmal klar werden was Ihr/wir
unter Transgender verstehen.Es ist nicht so einfach,da der Oberbegriff Transgender mehrere Untergruppen in sich vereinigt.
ich finde es schon einfach und auch treffend.
es ist garnicht notwendig in die einzelnen untergruppen aufzuteilen.
völlig egal ob es sich um ts/tv/dwt/cd oder sonstwas handelt, die ursache ist keine sucht sondern veranlagung.
bei einem/einer ts mag das deutlicher sein und liegt klar auf der hand: eben kleidung des empfundenen geschlechts.
bei dwt ist das wohl nicht so deutlich zu sehen, aber:
die strumpfhose oder der lackmini mag sucht sein, das es aber als erotisch empfundene damenwäsche (komisch, fzm scheint es das garnicht zu geben, aber das is ein anderes thema...) sein muss ist veranlagung...


Ich schreibe hier als Frau und Transsexuelle.In dieser Gruppe und in
der Gruppe der Hermaphroditen ist es keine Sucht,da wir wirklich Menschen sind ,die im falschen Körper
des anderen Geschlechts leben,welches wir uns nicht ausgesucht haben und mit dem wir auf die Welt kommen.Als Transsexuelle stelle ich mir das bei Hermaphrodithen noch problematischer vor,da sie
beide Geschlechter in sich vereinigen.
Es gibt ja viel wissenschaftliche Berichte und Forschungen,die zu ergründen versuchen,warum wir uns so
als Transsexuelle entwickelt haben.Auf jeden Fall habe ich mich,mal abgesehen von meiner medizinischen Vorgeschichte und vielleicht ganz am Anfang beim Herantasten an mein wahres Geschlecht,nie als Befriedigung angesehen.Das viele Transsexuelle auf bestimmte Sachen stehen,
bei mir sind es Miederwaren,Kleider,Schürzen,Stiefel,vieles aus Gummi und Latex,ist vielleicht unsere
Befriedigung,aber im Körper einer Frau.
ich denke das ts auch nicht häufiger auf bestimmte sachen stehen als alle menschen, sie beschäftigen sich nur logischerweise mehr mit ihrer sexualität als andere...

Bitte seid mir nicht böse und ich will auch keinem zu nahe treten,bei der Gruppe der Crossdresser und von einem grossen Teil der Transvestiten ist es doch mehr oder weniger,ein Ausflug
in Rolle des anderen Geschlechts....,es besteht doch nie, bis auf eine kleine Gruppe von Transvestiten,die dies ausleben und sich nicht operieren lassen,die Absicht ihr Geschlecht zu ändern bzw. sie kehren immer wieder in ihre Normalleben zurück.
Wenn sie bei diesem Rollentausch Befriedigung,auch sexuell, finden,sich wohl fühlen, warum soll man dann von Sucht sprechen.Jeder soll auf seine Art glücklich werden und es ist doch schön,wenn es so ist.
Sucht ist für mich,wenn man unbedingt etwas braucht,was selbst durch das Unterbewußtsein nicht beeinfluss- oder steuerbar ist,ob einer seine Leidenschaft offen oder heimlich auslebt ist für mich auch keine Sucht oder haltet Ihr Homosexuelle auch für Süchtige....?

Bruni

absolut kein grund dir böse zu sein, das forum lebt davon das wir uns gegenseitig ehrlich, klar und deutlich die meinung sagen und es würde wenig sinn machen wenn wir alle einer meinung wären...

du hast ja auch recht, ich finde nur der punkt, auf den es ankommt ist nicht wie weit die veränderung geht oder über welchen zeitraum am stück sondern der das es nicht möglich ist das verhalten vollständig abzustellen.
eine sucht kann man heilen, den betroffenen körperlich entgiften und psychisch so weit stabilisieren das er ohne suchtmittel auf dauer leben kann...
eine veranlagung kann man unterdrücken mit mehr oder weniger erfolg, aber niemals "wegmachen".
selbst wenn du einen cd dazu bringst niemals damenwäsche zu tragen wird er immer noch cd sein. nur fehlt ihm das gefühl, das entsteht wenn er seiner veranlagung nach geht.
aus eigener erfahrung kann ich sagen das ich seit ich meine veranlagung offen auslebe sehr viel an kraft, ausgeglichenheit und lebensqualität gewonnen habe...
anders herum behaupte ich das eine unterdrückte veranlagung sich zumindest negativ auf die psyche des betroffenen auswirkt und damit schaden anrichtet, im gegensatz zur sucht, bei der eine entwöhnung nur gesundheitsförderlich sein kann.

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Mi 7. Jul 2010, 09:50
von Joe95
Oscar hat geschrieben:...

@Brunhilde

Gut gesagt. Ich habe mich schon öfters mal mit CD unterhalten und auch wenn sie oft von einer Ungerechtigkeit sprachen (was es wohl auch ist), schien mir der Leidensdruck, zumindest bei denen, nie ganz so hoch zu sein wie bei manch einem der transgender ist. Ein Bekannter von mir, dessen Freund hat sogar Suizid begannen (mit 25), weil er nicht damit zurecht kam das er ein Mann war und eine Akzeptanz als Frau absolut nicht gegeben war. Obgleich es wohl praktischer wäre wenn es eine Sucht wäre, wohl einfacher zu behandeln.
na, ich denke der leidensdruck steigt mit der intensität der veranlagung...
ein dwt, der gerne slip oder fsh trägt wird seine veranlagung zwar auch nie los und es wird ein gewisser leidensdruck da sein, aber das dürfte kein vergleich mit einem/einer ts sein, der/die jeden morgen im falschen körper aufwacht...

ich selbst sehe mich irgendwo im mittleren bereich - wenn man das so formulieren kann - und bin der meinung das ich, wenn ich meine veranlagung unterdrücken müsste, wohl überleben, aber wirklich drunter leiden würde.
je länger dieses unterdrücken andauern würde um so größer ist die wahrscheinlichkeit das irgendetwas mit gewalt aus mir herausbrechen würde...

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Do 8. Jul 2010, 12:25
von Nicoletta
aus eigener erfahrung kann ich sagen das ich seit ich meine veranlagung offen auslebe sehr viel an kraft, ausgeglichenheit und lebensqualität gewonnen habe...
anders herum behaupte ich das eine unterdrückte veranlagung sich zumindest negativ auf die psyche des betroffenen auswirkt und damit schaden anrichtet, im gegensatz zur sucht, bei der eine entwöhnung nur gesundheitsförderlich sein kann.
Ich finde diese Beobachtung absolut zutreffend. Natürlich habe ich sechs Jahrzehnte überlebt, ohne dem Drang, meine weibliche Seite auszuleben, öfter als stunden- oder höchstens tageweise nachzugeben. Seit ich seit einem Jahr offen damit umgehe und meine Weiblichkeit lebe, soweit ich das meiner Umwelt zumuten mag, bin ich viel zufriedener und ausgeglichener, ich möchte sagen, glücklicher. Ich muss höchstens noch mehr Leute ins Vertrauen ziehen, denn nun ist es manchmal so, dass ich, vor die Wahl gestellt, im Rock zu Hause zu bleiben oder in der Hose Freunde zu besuchen, den Rock vorziehe. Freundschaften haben also etwas gelitten.

Was die Gesundheit anbetrifft, so kann ich zwar nicht ganz sicher sein, der plötzliche Drang, mich meiner Frau und wenigen anderen Menschen gegenüber zu offenbaren, kam aber während der Behandlung durch eine Geistheilerin zum Durchbruch, die ich aufsuchte, weil Ärzte mir keine Hoffnung machten (Morbus Menière, Drehschwindel, starker Tinnitus beidseitig, Tieftonschwerhörigkeit). Die Heilerin hat Erfolg, wenn auch noch nicht ganz ausreichend, aber was sie tut, ist eigentlich nur, Blockaden in mir aufzulösen. Ich verstehe daher meine Krankheit als selbst verursacht durch jahrzehntelange Unterdrückung meines eigentlichen Seins.
Nicoletta

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: So 11. Jul 2010, 09:53
von gaby37
Hallo Kassandra,

ja diese Frage stellte ich mir früher auch, aber wie viele hier schon geschrieben habe: Die Symptome sind ähnlich wie bei einer Sucht, aber "Heilbar" ist es nicht.

Ich habe auch das Problem, das meine Partnerin nichts von meiner weiblichen Seite weiß - also heißt es ein passendes Versteck zu finden (was mir, glaube ich zumindest, auch gelungen ist), an das man selbst relativ schnell ran kommt, das aber für den Partner nicht erreichbar ist ;-) (Körperlicher Vorteil)
Als wir zusammen gezogen sind musste ich leider auch einen Teil meiner Garderobe bei den Altkleidern "entsorgen", da zu dem Zeitpunkt keine ausreichendes Versteck vorhanden war.

Zum Glück habe ich nie versucht meine weiblichen Sachen loszuwerden um von der "Sucht" loszukommen - hat einiges an Geld gespart )):m .
Auch bei mir gab und gib es Zeiten, in denen meine weibliche Seite ruht :))b - ein Jahr oder anderthalb kommen da schon vor - kein Grund an dem Kleidungsvorrat etwas zu ändern - alles kommt wieder ))):s

Gruß Gaby

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Mo 12. Jul 2010, 12:31
von josicd
Es gibt doch einige Parallelen zwischen Transgendern und "anderen Süchtigen". Es werden Glückshormone freigesetzt, die einen dazu bringen, genau dies zu tun, um diesen Glückszustand wieder herzustellen. Einen großen Vorteil hat diese "Transgender-Sucht", sie ist für den Körper nicht schädlich, wie Nikotin usw. Bei vielen Crossdressern gelingt es doch meistens, sich mit dieser Sucht und der Umwelt zu arrangieren.

Gerade bei vielen ist es der Reiz aus dem Alltag über Crossdressing mal auszusteigen. Genau dies sieht man auch bei den bunten Verkleidungen bei der Weltmeisterschaft, im Fasching sowieso, wie auch bei vielen Gruppen, die ein bestimmte Ausdrucksweise an Kleidung haben. Alle die und auch wir Transgender versuchen so uns darzustellen, um aus der "Normalo-Welt" mit unseren Mitteln zu entfliehen - dies gibt uns einen gewissen Ausdruck des Glücks zurück, der genetisch im Menschen verankert ist.

Transgender/Crossdressing ist eine Sucht, man kann sich dieser kaum, oder längerfristig entziehen, aber dennoch schön, manchmal etwas teuer, anstrengend, mit viel Aufwand verbunden, manchmal macht es einsam .... aber man macht es immer wieder.....
(wieder genau die Fakten, die jedes Hobby mit sich bringt)

Grüße
Josi aus Franken

Re: Transgender zu sein eine Sucht?

Verfasst: Do 15. Jul 2010, 06:06
von kassandra_tv
Dankeschön Euch allen für diese angeregte Diskussion!

Diese zeigt mir, dass es einigen genauso geht wie mir, widerrum anderen, dass sie eher dazu "stehen" bzw. durch die Partnerschaft "stehen können" und andere welche es einfach garnicht kennen überhaupt mal loslassen zu wollen bzw. zu können.

Es zeigt auch, dass wir zwar alle Transgender-Blut in uns haben, aber die menschliche Individualität dennoch sehr ausgeprägt ist, was irgendwie auch gut ist, sonst wären wir ja wirklich alle gleich und das würde dann dieses Forum bzw. Diskussionen auch überflüssig machen ;-)

Also ich gestehe - ich bin süchtig - mal mehr mal weniger, zähle mich aber mittlerweile auch zu den Transgendern die nicht mehr wirklich loslassen können ;-)

Danke, Kassandra