Hallo zusammen,
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 10. Mär 2017, 21:40
an manchen Tagen stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt sinvoll ist, sich zu engagieren und in Gruppen zu organisieren.
Dabei denke ich nicht nur an den Versuch, ein Partnerinnen-Treffen zu etablieren (
Treffen für Partnerinnen)
Im Gegensatz zu Michelle interpretiere ich engagieren und organisieren ebenfalls getrennt, aber in umgekehrter Aktion.
Sich zu engagieren geht m.E. erst mal von der eigenen Person aus. Wenn ich an einem Thema Interesse habe, wenn mir etwas wichtig ist bzw so wichtig wird, dass ich das Gefühl habe vielleicht ein Sandkorn bewirken zu können, dann beginne ich, mich zu engagieren. Wenn ich dann dabei Zuspruch finde, Unterstützung und natürlich auch Anerkennung bzw Bestätigung, dass ich damit richtig liege, dann könnte sich das weiter Entwickeln zur Organisation.
Dabei steht - bei mir zumindest - nun keinerlei politische Absicht dahinter. Es geht vielmehr um Hilfestellung und Unterstützung von denen, die vielleicht Hilfe brauchen.
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 10. Mär 2017, 21:40
- was würdest Du von einer (Selbsthilfe) Gruppe erwarten?
Da beginnt für mich schon der gewaltige Unterschied, denn m. E. hat ein Stammtisch nichts mit einer Selbsthilfegruppe zu tun. Natürlich kommt auch hier die Selbsthilfe zum tragen, aber nur auf der Basis aus ungezwungenen Gesprächen ohne vorgegebene Themen. Bei uns liegt es aber nicht am Bier, sondern einfach an den Momenten, welche Gespräche zustande kommen.
Es kommt natürlich auch darauf an, welche Teilnehmer den Stammtisch besuchen. Als Beispiel kann ich nur unseren Stammtisch nennen, der gerade gestern Abend wieder statt gefunden hat. Wir sind eine kleine Gemeinschaft mit sehr verschiedene Facetten von Transgendern. Man könnte sagen von der Stubentranse auf dem ersten Ausflug bis zur Person mit GAOP und vieles dazwischen. Erfreulicher Weise sind auch Partnerinnen dabei und es werden immer mehr.
Mit einer kleinen Teilnehmergruppe von 7 Personen waren wir gestern zusammen und die Gespräche, die da zustande gekommen sind, haben mir und sicher auch allen andern das Blickfeld wieder um einiges erweitert.
Das ist nicht immer so und das muss es auch nicht. Der Grundgedanke ist, sich einfach mal en femme oder normal mit andern ungezwungen zu einem gemütlichen Abend mit Essen und Trinken und netten Gesprächen zu verbringen.
Das die Chemie der Teilnehmer stimmen muss ist dabei Voraussetzung und das ist bei uns der Fall.
Jeder wird bei uns offen aufgenommen und erst mal in Smalltalk einbezogen, damit sie sich auf keinen Fall bedrängt fühlt.
Dass es Teilnehmer gibt, die sich bei uns nicht wohlfühlen, weil sie einfach anders ticken hat es auch schon gegeben, aber ich denke das liegt oft an der Einzelperson und nicht an der Gruppe. Das beweist, dass immer wieder "Neue" wiederkommen, weil da die Chemie stimmt. Leider liegt es manchmal auch an der Entfernung, dass die regelmäßige Teilnahme verhindert.
Von einer Selbsthilfegruppe würde ich eine Moderatorin erwarten, die selbst vom Thema betroffen ist und sehr damit vertraut und nicht nur, wie jetzt z. B ich, Partnerin ist.
Anne-Mette hat geschrieben: Fr 10. Mär 2017, 21:40
- können/sollten mit einer Gruppe auch politische Ziele verfolgt werden, oder geht es nur um "Zusammensein" ?
- gibt es "gemeinsame Ziele", für die sich ein Engagement lohnt?
- hast Du eher positve oder eher negative Erfahrungen mit Gruppen gemacht?
Die Frage stellt sich für mich, was ist ein politisches Ziel? ist es schon die gemeinsame Teilnahme an einem CSD, was sich aus so einem Stammtisch mal schnell ergeben könnte? Dann würde ich dazu ja sagen.
Ansonsten geht es in erster Linie wirklich nur um Zusammensein mit Leuten, die mich verstehen, die mir zuhören, denen ich zuhöre und bei denen ich mich wohl fühle und wenn mir danach ist, ich mich auch mal gehen lassen kann(bezogen auf die Gemütslage), und trotzdem Zuspruch und Unterstützung erfahre.
Ob daraus einmal gemeinsame Ziele entstehen in welcher Richtung auch immer, kommt vermutlich immer auf die Gruppe an.
Ich kann nur von unserem Stammtisch sprechen und als "nur Partnerin", dass es bisher keine negativen Erfahrungen gab und die Positiven mich und auch andere Teilnehmer immer wieder überraschen. Nun sind wir auch ein junger Stammtisch, den es erst seit Oktober 16 gibt, aber ich hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleibt.
LG Aubergine