Magdalena hat geschrieben: Di 7. Feb 2017, 16:16
Hallo,
ich sehe die Anwendung von Pfefferspray kritisch. Zum einen, weil die Gefahr besteht sich selbst das Zeug ins Gesicht zu sprühen. Egal welche Ausführung Frau benutzt. Zum anderen wenn Frau den Umgang nicht trainiert hat und dann Unbeteilgte besprüht, ist Frau schnell selber als Täterin auf der Anklagebank, wegen fahrlässiger Körperverletzung.
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Viele Grüße Magdalena
Du hast ja Recht in allem was du sagst. Aber du musst mir dann auch Recht geben, dass wenn jemand, der noch nie Auto gefahren ist, gleich durch den Hamburger Freitag-Nachmittagsverkehr in einem dicken Mercedes, der wird mit 90%iger Sicherheit ein anderes Fahrzeug beschädigen, und wahrscheinlich auch sich selbst und andere Menschen verletzen.
Und das lassen wir jetzt als Beweis stehen, dass Autofahren mit zur Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu Unheil führen wird!
Oder tun wir das nun wirklich?
Hat jemand hier propagiert, dass man gleich los ziehen sollte mit einer Waffe oder als Waffe geeigneten Gegenstand ohne irgendwelche Ahnung zu haben? Fahren da draußen die Mehrheit der Autofahrer ohne Führerschein rum? Hat jemand vorgeschlagen, dass sie das tun sollten? Nein, aber jemand scheint per se davon auszugehen.
Nun entschuldige, dass ich nicht näher auf das Thema "Situationswahrnehmung" eingegangen bin. Habe ich gesagt, dass jemand einfach sich eine Waffe in die Tasche stecken sollte, zwanzig Stunden Jab-Cross am Sandsack trainieren, dann los durch die Stadt und dabei jegliche Situationswahrnehmung links liegen lassen. Nein, habe ich nicht - du, aber gehst offensichtlich davon aus. Natürlich kann ein Angriff völlig unerwartet kommen - zu einer guten Selbstvertidigungs-Tatkik gehört natürlich auch, dass man Situationen und vor allem Personen einzuschätzen, damit so was NICHT völlig unerwartet passiert, sondern dass man es so früh merkt, dass die Situation gar nicht entsteht, soweit es möglich ist. Nur man ist nicht immer alleine, und die Leute mit denen man zusammen ist, reagieren nicht immer wie sie sollten. Für dieses Restrisiko lernt man zu kämpfen, dafür hat man evtl. Pfefferspray, Tactical Flashlights, Teleskopschlagstock (muss ja nicht unbedingt im öffentlichen Raum sein - grins:)).
Und wenn man dann merkt, dass etwas gleich passieren kann, was denkst du dann, dass man tut? Lässt man den Red Pepper dann tief in der Tasche oder hält man den in der Hand, aber verdeckt? Mal nachts von einer Polizeistreife gestoppt und kontrolliert worden - wo hat der Herr, der NICHT deinen Führerschein kontrolliert, seine Hand die ganze Zeit?
Und den Spray verkehrt rum halten - OMG. Habe ich vorgeschlagen, dass man Szenarien üben sollte oder das Ding einfach in die Tasche stecken und glauben, alles sei gut?
Ausserdem kommt man gar nicht auf den Knopf, wenn man den verkehrt rum hält. Hast du überhaupt jemals einen Pfefferspray von Profiqualität gesehen? Er hat eine Deckplatte als Sicherung sodass man mit Daumen nur auf den Knopf kommt, wenn das Strahlrohr nach vorn gerichtet ist. Manche auch einen Trageclip, dass man den am Hosenbund oder am Rockbund festmachen kann. Dann kann man ihn nur richtig rum anfassen.
Und ganz ehrlich - von dir möchte ich auch gerne wissen, welchen Sinn es für dich macht, anderen ausreden zu wollen, dass sie nicht akzeptieren wollen, nur Opfer zu sein? Zumindest macht es stark den Eindruck, dass du das willst, denn deine Aussagen zum Umgang mit dem beliebten Tierabwehrspray musst du doch zugeben, sind nicht wirklich Qualifiziert. Ist es weil du selber aufgegeben hast und das wird nur in unerträglicher Weise deutlich, weil andere nicht aufgegeben haben?
Ich erzähle dir mal was: Von Kind an, habe ich gelernt, dass jedes Mal, wenn ich außerhalb des Besitztum der Familie bewegte, ist die Chance, dass jemand mir hilft extrem Gering. Gut, als ich ganz klein war, hat der Familienhund, ein Schäfer-Dobermann Mischling die Aufgabe als Bodyguard bestens (und ganz aus eigener Initiative) wahrgenommen. Leider durfte er nicht mit in die Schule. Haben Lehrer geholfen? Nein. Viel leichter mit dem Strohm zu schwimmen. Weg des geringsten Widerstands. Obwohl ich der Kleinste in der Klasse war und von irgendwelchen Arschlöchern regelmäßig verprügelt wurde, war es leichter für die so zu tun als wäre ich selber daran Schuld, als die Gang in der Klasse in Griff zu bekommen. Ich musste lernen selber damit klar zu kommen. Und ich lernte das. Ich verstehe ausgezeichnet, dass andere durch jahrelanges Mobbing und Verprügelt zu werden zusammenbrechen. Zumindest konnte ich mich zu Hause sicher fühlen. Meine Mutter ließ mich Schwänzen wenn es zu viel wurde und ich habe an solchen Tagen vielleicht mehr gelernt als ich in der Schule gelernt hätte. Und nach und nach entwickelte ich meine Taktiken.
Die letzte Konfrontation mit der Bande hatte ich an einem Frühlingstag in der sechsten Klasse. Seit dem Tag hat sich keiner von denen wieder getraut, mich anzufassen. Ich war immer noch der Kleinste und sie waren immer noch zu fünft.
Und später - ach ja, die Polizei ist ja da zumindest um Erwachsene zu schützen. "Einfach die Polizei rufen, wenn was ist". Wunderbare These. Ich lebte in einer Gemeinde mit ca. 30.000 Einwohnern verteilt auf einer Fläche von etwa 10x20 km. Da sind, wenn es wirklich auf die Höhe kommt, drei Streifenwagen unterwegs. Sechs Polizeibeamte und ein Hund. Meistens nur vier Beamte und ein Hund. Bereitschaftspolizei heißt da, jemand von zu Hause aufscheuchen und mit dem Privatauto schnell hin fahren. Habe ich mal gesehen. Einige hatten nicht mal Zeit gehabt, das Uniformhemd anzuziehen. Nur die Hose mit der ganzen Ausrüstung und los.
Glaubst du im Ernst, dass die Polizei kommt, während die Gefahrensituation gegenwärtig ist? Wie sollen die das schaffen, außer durch einen totalen Glückstreffer?
Vielleicht habe ich Glück gehabt, dass ich so früh gelernt habe, dass wenn man nicht auf sich selbst aufpasst, dann tut es meistens niemand. Nur, ich möchte wirklich gerne wissen, warum es für einige so wichtig ist - wie es mir scheint u.a. auch für dich - andere gleich wieder in die Opferrolle zurückscheuchen zu wollen. Weil darum geht es ja letztendlich, scheint es mir.
Ich sage nur StGB 224, Pfefferspray verkehrt rum halten usw., usw. ... OMG
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Falls übrigens jemand sich über meine Formulierung "waffenähnlicher Gegenstand" wundert - nach deutschem Waffenrecht sind ein Tränengasspray, oder ein Schlagstock Waffen. Erstgenannte darf man führen, nur nicht überall, zweite nur bei Ausübung von Tätigkeiten, wo das üblich ist - also in Praxis als Wachmann.
Ein als Tierabwehrspray genehmigter Pfefferspray ist aber keine Waffe. Eine als Waffe äußerst geeigneter Handlampe, sei es kleinere mit Strobe-Licht und aus sehr solidem Metall, oder eine lange MagLite - ist keine Waffe. Diese haben also keine Beschränkung nach dem Waffengesetz. Ein Tränengas in der Tasche wenn man ins Kino geht ist im Prinzip unerlaubtes Führen einer Waffe. Pfefferspray nicht. In einer Notwehrsituation darf man die natürlich wenn erforderlich und geeignet trotzdem verwenden.